Porträt

laut.de-Biographie

Nyze

Ein dickes Vorstrafenregister gilt in manchen Kreisen nicht gerade als schlechtes Zeugnis. Den Hinweis auf die Herkunft aus gutem Elternhaus und eine relativ mühelos erworbene allgemeine Hochschulreife versteckt man da schon eher im Nebensatz. Rap braucht schließlich kein Abitur.

Nyze macht in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Geboren am 9. März 1991 als Mirco Roller im beschaulichen Saarbrücken, wedelt auch er lieber mit Schulverweisen als mit seinem Abgangszeugnis. So furchtbar schlimm können die angeführten "Konflikte mit dem Gesetz" dann aber auch wieder nicht gewesen sein.

Das Gangstertum ließ zumindest Zeit genug, ausgiebig einer anderen Leidenschaft zu frönen: Nyze verfällt dem Hip Hop. Insbesondere Rap von der East Coast und aus dem Dirty South haben es ihm angetan. Neben den Genickbrechern des Wu-Tang Clan oder Mobb Deep pumpen Swisha House-Bässe durch das saarländische Kinderzimmer.

Folgerichtig entstehen die ersten eigenen Raps - stilecht aufgenommen mit Hilfe eines Ghettoblasters - über Ami-Beats. Das Mikrofon wird Nyzes Passion. Ebenfalls angeschafftes DJ-Equipment verstaubt bald wieder unbeachtet in der Ecke.

Eine Show von Bushido - zu diesem Zeitpunkt noch beim Vermarktungswunder Aggro Berlin unter Vertrag - stellt die Weichen: Nyze und der kommerziell erfolgreichste Rapper des Landes werden einander vorgestellt und finden sich sympathisch.

Man bleibt in Kontakt, ein Gegenbesuch des Saarländers in der Hauptstadt lässt nicht lange auf sich warten. An einen Umzug denkt er jedoch nicht: "Ich fühle mich immer sehr wohl in Berlin, aber ich sehe mich nicht als Berliner", erklärt er im Interview.

Ganz ohne Vertrag avanciert Nyze zu einem festen Bestandteil der ersguterjunge-Crew. Er ist bei Bushidos "Electro Ghetto"-Tour mit von der Partie und bleibt auch sonst per Feature-Auftritten präsent. Erst Ende 2006 wird er offiziell Teil des Teams und erfährt davon quasi im Vorübergehen: "Ich habe im Forum gelesen, dass ich gesignt wurde."

Bushido, D-Bo, Chakuza und Bizzy Montana mögen zwar ein kleines Kommunikations-Defizit haben. An Unterstützung für den Neuzugang lassen sie es nicht mangeln.

Schon im Januar 2007 ist das Debüt "Geben und Nehmen" fertig gestellt. Ein Einstieg auf Platz 87 in die deutschen Album-Charts: nicht der übelste Auftakt. Alle Türen stehen dem offen, der das nötige Selbstvertrauen mitbringt.

"Viele sagen, dass deutscher Street- und Gangsterrap seine besten Zeiten hinter sich hat. Das glaube ich nicht", zeigt sich Nyze überzeugt. "Es ist, wie in jedem anderen Business auch: Die Guten kommen immer weiter nach oben und werden bleiben. Die Mittelmäßigen und Schlechten bleiben eben auf der Strecke."

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