Porträt

laut.de-Biographie

King Orgasmus One

Für Manuel Romeike ist die Erde vermeintlich immer noch eine Scheibe. Frauen? Schlampen. Weltsicht? Zusammengepuzzelt mit der linken Hand auf der PC-Maus, die Youporn-Clips durchskippt. Inhalte? Gibt es nur "Mit der Lupe aufs Arschloch". Wer sich mit allseitiger Akzeptanz in der Rapwelt schwertut, spezialisiert sich in den deutschen Nullerjahren eben schon mal auf so genannten Porno Rap.

Könnte man denken. Eventuell hat hier jemand aber auch nur konsequent kombiniert, was Verkaufserfolg verspricht: Sex, Gewalt, sexualisierte Gewalt, Drogen und jede Menge hirnbefreiter PartyPartyPartyMusik. King Orgasmus One nennt Romeike sich jedenfalls, oder Orgi69 alias Butt-Mann, oder Raparschloch alias Dicktator ...

Ob dumm oder schlau: Romeike hat sich sicher früher mal ernsthaft Mühe gegeben. Schon seit 1996 legt der Berliner Platten auf, seit 2000 veröffentlicht er sie. Weil es ihm misslingt, mit Style und Lyrics die hämischen Fragezeichen hinter dem Wort Rapper in Medienberichten auszuradieren, versteckt er fragliches Talent hinter vordergründigen Reizthemen.

Denn Pornos schaut der Rapper, der sich zunächst Todesbringer, dann Ohrgasmus und schließlich King Orgasmus One rufen lässt, sowieso gerne und häufig. Außerdem holt Deutschrap zu jener Zeit dank Gangster- und Ghetto-Idiomen zum Genre-Takeover aus. Deutschlands Hip Hop-Jugend feiert das Obszöne und Provokative. Warum also zögern, denkt sich der Jahrgang 1979? Porno Rap ist geboren.

Gemeinsam mit den damaligen Frischlingen im Game, Bushido und Bass Sultan Hengzt, bildet er den Act Berlins Most Wanted und gründet 2001 I Luv Money Records, während andernorts in der Hauptstadt Aggro Berlin erste Schlagzeilen besorgen. Sein Debüt-Tape "Sexkönig" wird vom alten Schulfreund Frauenarzt produziert – und in der CD-Neuauflage vom Amtsgericht Tiergarten beschlagnahmt und auf den Index gesetzt.

Derart geadelt, macht sich der selbsternannte "härteste Rapper Deutschlands" ab 2003 an den nächsten Karriereschritt: Pornoautor und –regisseur. In der herrlich diminutiven "Orgipörnchen"-Serie verbindet er handelsübliche Sexfilmerei mit eigenen leidlich unterhaltsamen Comedy-Sketchen. 2008 darf er aufgrund dessen beim "1. Deutschen Porno Rap Festival" in einem Philippsburger Swingerclub auftreten.

Das Image steht nun in voller Blüte – Zeit für Nachspiele. Die Alben "Fick Mich ... Und Halt Dein Maul!" sowie "OrgiAnal Arschgeil" erreichen ebenfalls schnell ein Verkaufsverbot; von der Politikerin Monika Griefahn wird der Venus-Award-Nomierte mit Fler und Bushido in eine jugendgefährdende Klammer gestopft (2005).

Dann rufen auch endlich die Öffentlich-Rechtlichen an – leider nur, weil Bushido keine Zeit für die Talkshow "Menschen bei Maischberger" hat. In der denkwürdigen Sendung liest Moderatorin und Frauenrechtlerin Alice Schwarzer dem Rapper aus seinen eigenen Texten allerlei Frauenverachtendes vor. Der wiederum bemüht sich recht erfolglos um eine Rolle als TV-Troll.

Dass die Sendung 2007 dennoch durchaus humorige Momente hat, ist kaum Orgi69 zu verdanken: Anstelle durchdachter Statements erweist sich Romeike als von der Situation überfordert, palavert von seiner Musik als "auch 'ner Art Kunst" und betont, dass Porno-Provokation ja a) schon lange vor ihm existierte und b) seine Hörerschaft zum Gros aus Jungs besteht. Amen und Gute Nacht.

In Austausch mit weiteren Index-Wettrennen veröffentlicht der Vokuhila-Sympathisant in den folgenden Jahren auch Alben unter dem Pseudonym Imbiss Bronko. Die widmen sich neben Sex seiner zweiten großen Leidenschaft: gutem Essen. Er möchte zeigen, dass "man auch Stil beim Essen haben kann und nicht immer jede Scheiße frisst. Viele Jugendliche haben ja gar keine Geschmacksnerven mehr und wissen überhaupt nicht mehr, was überhaupt schmeckt, die kennen nur diese Fast Food-Sachen".

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