Porträt

laut.de-Biographie

Soulja Boy

Den einen oder anderen Jugendschützer sollte es schon auf den Plan rufen, wenn auf einmal ein 16-Jähriger zum Hassobjekt einer ganzen Szene avanciert. 2007 hat das Hip Hop-Genre seinen juvenilen Antichristen gefunden, der für Verrohung des einstigen Musikphänomens der Unterdrückten verantwortlich gemacht wird.

Promogag?: Gangster überfallen Soulja Boy Aktuelle News
Promogag? Gangster überfallen Soulja Boy
Jungrapper Soulja Boy ist angeblich mitsamt Homies in seinem Haus in Georgia überfallen, bedroht und ausgeraubt worden.

Das hatte der am 28. Juli 1990 in Chicago, Illinois geborene DeAndre Ramone Way aber nicht im Sinn, als er mit rudimentären Musikkenntnissen seinen späteren Welthit "Crank Dat" an seinem Computer zusammenbaut. Der unendlichen Möglichkeiten der neuen Medien bewusst, avanciert der Newcomer jedoch zum internationalen Phänomen, das dank Youtube, MySpace und kindlichem Übermut die Charts der Welt erobert und den Zorn der Rap-Gemeinde auf sich zieht.

Als Schüler an der South Panola High School in Batesville, Mississippi versucht sich DeAndre am Beatprogramm Fruity Loops und macht darauf simple Instrumentals - inspiriert von dem gerade äußerst erfolgreichen Down South-Sound, der eher auf Synthie-Bausteine basiert, als auf das klassische Hip Hop-Mittel des Samplings. Mit seinem Kumpel Arab gründet er das Duo The 30/30 Boys und gemeinsam rappen sie auf die eigenen Beats über das, was heranwachsende Jugendliche eben so interessiert.

Bald wird ihnen - im Gegensatz zum Rest der Musikindustrie - bewusst, dass das Internet mehr Segen als Fluch bedeutet. Sie stellen ihre Songs online und bekommen erste positive Reaktionen von ähnlich technikaffinen Gleichaltrigen. Sein Vater unterstützt ihn dabei mit seinem eigenen Privat-Studio und motiviert den Sprössling, obwohl die Schulnoten in den Keller gehen. Der selbsternannte Soulja Boy hat sowieso größere Pläne. Er gründet sein eigenes Label Stacks On Deck Entertainment und zieht nach Atlanta, wo er fast seine gesamte Kindheit in eher ärmlichen Verhältnissen verbracht hat.

Der Umzug zahlt sich für Karriere aus. Der dort ansässige Produzent Mr. Collipark wird auf den Jungspund aufmerksam und nimmt sich seiner an. Mr. Collipark ist seinerzeit einer der angesagtesten Beatbastler weit über den Dirrty South hinaus. Seine zurückgeschraubten Synthie-Instrumentals haben bereits den Ying Yang Twins, Bubba Sparxxx und Young Jeezy zu weltweitem Ruhm verholfen.

Gemeinsam spinnen Collipark und Soulja Boy an der musikalischen Weltübernahme - das Internet spielt dabei eine zentrale Rolle. Soulja Boy kommt zwar über das Interscope-Imprint Collipark Recors bei dem Major Universal unter, will die Charts aber in bester Web-Guerilla-Manier entern. Die Rechnung geht auf. Für seinen Song "Crank Dat", einer einfachen Mischung aus Steel Drums, Down South-Beat und wenigen Reimen mit noch weniger Sinn, kreiert er einen eigenen Tanz, nimmt ein Video auf und findet sich wenige Monate später unter den meistgeklickten YouTube-Videos wieder. Millionen heranwachsende Internet-User besuchen seine MySpace-Seite und bescheren dem Track einen nie dagewesenen Rekord von über drei Millionen Downloads.

Soulja Boy ist der mit Abstand erfolgreichste Newcomer des Genres. Worauf die Szene jedoch nicht mit Freude reagiert. Von allen Seiten attackieren Soulja Boy die Kritiker - seine Simplizität würde Rap verwässern, seine nichts sagenden Texte die Jugend verdummen und seine Tanzeinlagen das Genre zum Puppentheater machen. Die Kids jedoch bekommen nicht genug von ihrem neuen Helden. Dabei stört es sie auch nicht, dass Soulja Boy in einer ersten Version des Videos mit zwei Pistolen auf die virtuellen Zuschauer zielt oder eindeutig zweideutig die Kids dazu auffordert, wild tanzend Frauenverachtende Textzeilen mitzugrölen ("Superman that hoe!").

Die Verkaufszahlen geben dem mittlerweile 17-Jährigen eine ganz andere Bestätigung: fünf Millionen heruntergeladene Klingeltöne, 150 Millionen Klicks auf sein Youtube-Video und die Alleinherrschaft über Amerikas Radio- und Videostationen. Außerdem versucht sich die gefühlte halbe Welt an seinen Tanzschritten, die sich, laut Eigenaussage Soulja Boys, ganz hervorragend im Club machen würden. Dass der Stöpsel weit davon entfernt ist, seinen Fuß überhaupt in einen Club zu setzen, ist dabei zweitrangig. Soulja Boy wird gleichermaßen geliebt und gehasst. Genre-Kollegen werfen mit Dreck auf den Jugendlichen, aber jeden Tag laden Heranwachsende neue Videos ihrer Versionen des Superman-Tanzes auf diverse Onlineplattformen.

Interscope nutzt die Gunst der Stunde und veröffentlicht das Debütalbum "Souljaboytellem.com", das hierzulande erst im Dezember 2008 erscheint. Das erste Album, das die Erfolgbringende .com-Endung gleich in den Titel aufnimmt. Soulja Boy weiß eben, wo er herkommt. Die Albumverkäufe sind respektabel und pendeln sich knapp unter der Million-Marke ein.

Für einen Künstler, der quasi per Definition nur zum One Hit Wonder taugt, keine schlechte Ausbeute. Da verwundert es auch kaum, dass prompt die Nominierung zur besten Rap-Single des Jahres für den Grammy ins Haus schneit. Aber Soulja Boy muss sich von Kanye Wests "Good Life" geschlagen geben.

Seiner Motivation weiterhin Partymusik mit positiver Botschaft zu machen, tut das keinen Abbruch. Jedoch ist der Erfolg seiner zweiten Single "Yahhh!" meilenweit von "Crank Dat" entfernt. Die Single chartet lediglich im vorderen Mittelfeld der US-Ranglisten. Die angeschmierten Kollegen, die Soulja Boy in Sachen Erfolg in die Tasche steckte, sind beruhigt. Trotzdem gibt es Menschen, die dem Rapper weniger gut gesonnen sind. Im März 2008 nimmt die Polizei in Bloomington, Illinois einen 12-Jährigen fest, der mit einem Steinwurf auf Soulja Boys Windschutzscheibe, den Star umbringen wollte. Laut Polizeibericht nannte der Junge als Grund für den Mordversuch, dass er Soulja Boy schlichtweg abgrundtief hasse.

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