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Hallelujah! Das war wohl das erste Wort, das Caleb, Nathan und Jared dereinst zu hören bekamen, denn Leon Followill, ihr Vater, hat eine schräge Lebensgeschichte zu erzählen. In den 60ern noch als Hippie unterwegs, kommt irgendwann der heilige Geist über ihn. Er lässt sich zum Christentum bekehren und heuert bei der Pentecostal Church als Wanderprediger an.
Aus der Ehe mit einer Kirchenmusikerin gehen die drei erwähnten Jungs hervor, die jedoch alles andere als ein typisches, ruhiges Leben führen. Schon die Geburtsorte sagen etwas über die frühe Jugend der kleinen Followills aus.
Während Jared und Caleb in Memphis zur Welt kommen, erblickt Nathan in Oklahoma das Licht der Welt. Dads Job als Reisender in Sachen Jesus führt zu einem unsteten Vagabundendasein. Vierzehn Jahre lang leben sie aus dem Kofferraum des Autos, hausen im Wohnmobil oder bei Verwandten. Immer unterwegs zwischen Oklahoma City und Memphis, Elvis' letzter Ruhestätte. Mitten in Redneck-Country wachsen die drei auf, um ihren Vater zu begleiten, der das Wort Gottes verbreitet.
Dass ihr Leben von der Kirche geprägt ist, versteht sich fast von selbst. Ebendort beginnt auch die musikalische Karriere der Kings Of Leon. Nathan, der Älteste, beginnt im Alter von sieben Jahren damit, die Felle eines Schlagzeuges zu bearbeiten. Sein kleiner Bruder Caleb schaut ihm die Tricks ab und setzt sich irgendwann auch hinter die Schießbude. Nach und nach lernen sie so die musikalische Seite des Glaubens kennen und musizieren munter drauf los.
So begann, wie auch bei vielen Hip Hop- und R'n'B-Künstlern, ihre musikalische Sozialisation in der Kirche. Wäre ihr Vater nicht gewesen, gäbe es die Kings Of Leon nicht. Nicht nur, dass sie dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geboren worden wären, es kommt noch besser. Daddy Leon hat sich anscheinend nicht ganz von seinen Hippie-Gewohnheiten gelöst, denn irgendwann entziehen ihm die Verantwortlichen der Pentecostal Church den Job, und alles nur, weil er gerne mal nackig durch die Gegend rennt, andere schöne Geschichten erzählt und dem Messwein vielleicht etwas stärker zuspricht. Man kann aus einer Mücke auch einen Elefanten machen.
Die Familie lässt sich daraufhin in Nashville nieder. Hier bekommen die Knilche zum ersten Mal die Gelegenheit, der teuflischen Rockmusik mit all ihren widerwärtigen Fratzen ins Gesicht zu sehen, was sie denn auch mit Begeisterung und Hingabe tun. Wenn die Mutti mal nicht hinschaut, gibts Neil Young, Led Zeppelin, Tom Petty und die Rolling Stones zum Nachtisch und das war auch gut so. Mit dieser Grundausbildung im Rücken proben und experimentieren sie zusammen mit Cousin Matthew eine Weile herum, bis ihnen eine Platte der White Stripes in die Hände fällt.
Jack und Megs Interpretationen des Rock'n'Roll beeindrucken sie dermaßen, dass sie das mit der Musik etwas ernster angehen. Wie jedermann weiß, sind die Auflagen in den USA, was Vergnügungen der Jugendlichen in Bars und Clubs angeht, um einiges restriktiver als in Europa. Die beiden Jüngsten Matthew und Jared sind zum Zeitpunkt der Bandgründung noch zu jung, um in den Lokalitäten Nashvilles aufzutreten und so machen sie aus der Not einfach das Beste und mieten sich ein ganzes Haus, in dem sie nicht nur proben, sondern auch sämtliche Bekannte einladen, um sie zu zwingen, den Ergüssen der Kings zu lauschen.
Schnell ist das erste Demo-Tape eingespielt und fast genauso rasch der Deal mit RCA, einer BMG-Tochter unter Dach und Fach. Bevor auch nur der erste Ton der Kings Of Leon auf Silberling oder Vinyl erhältlich ist, gehen sie auf Tour und können auf ein mehr als positives Medienecho stolz sein. Die Bands (Strokes, MC5, Stooges, Velvet Underground, Neil Young, Led Zeppelin, Creedence Clearwater Revival), die in einem Atemzug mit ihrem Namen fallen, sind so vielfältig, dass es fast schon müßig ist, darüber zu philosophieren, welche Beschreibung ihrem Sound wohl am ehesten gerecht wird. Belassen wir es am besten beim Sammelbegriff Rock'n'Roll.
Der erste Ausflug in die alte Welt führt sie nach England, wo sie bei der Verleihung der NMA-Awards Zeuge dessen sind, was den Klischee-Lifestyle des Rockers ausmachen soll, ohne jedoch selbst daran teilzuhaben. "The lobby of the hotel every night had 200 people in there from 1 a.m. to 5 a.m. Groupies came crawling out of closets putting their skirts on. It was pretty crazy. Dudes snorting coke off the coffee table in the lobby, people puking out windows, throwing glasses at people's heads." In England erfahren sie auch gleich die Ehrung eines gestandenen Stars. Noel Gallagher ehrt die Band mit zärtlichen Worten: "The Kings of Leon are my new fucking favorite band".
Für die Aufnahmen zum Debüt "Youth & Young Manhood" ziehen sie sich ins Shangri-La-Studio in Malibu zurück, wo bereits Bob Dylan und Ryan Adams vorbeigeschaut haben, den letzten Schliff erfährt das Album im Mekka der amerikanischen Porno-Industrie, Van Nuys, wo bereits Nirvana an "Nevermind" feilten. Jenes Studio muss eine Art Museum für Instrumente sein, denn dort schnappen sich die Jungs die alte Telecaster von Keith Richards und dudeln ihre Songs auf Band. Heraus kommt eine Platte, die alle Tugenden des Rocks hoch hält und wahrlich große Momente hat.
Die Scheibe kommt überaus gut bei Publikum und Journaille an, aber hauptsächlich in Europa. In der Heimat können die vier nicht annähernd den Medienrummel auslösen wie auf dem alten Kontinent. Zwischen allerlei Reisetätigkeiten, um das Album live an den Mann zu bringen, ziehen sie sich aber bald wieder ins Studio zurück, um den Nachfolger "Aha Shake Heartbreak" einzuspielen. Bereits hier kündigt sich der musikalische Paradigmenwechsel der Kings an, der auf den Folgeplatten zur Perfektion heran reift. Der liebgewonnene Hippie-Riffrock weicht mehr und mehr atmosphärischen Gitarrenlinien.
Der Erfolg gibt ihnen Recht: "Because Of The Times", eine Anlehnung an eine jährliche Prediger-Versammlung, die die Bandmitglieder als Jungs regelmäßig besuchen, erklimmt 2007 in England die Chartsspitze. Der Nachfolger "Only By The Night" stößt dann 2008 die Türe zum Mainstream endgültig auf - in UK wird das Album das am drittmeisten verkaufteste des Jahres.
Die Kings haben nun Global Player-Potenzial, da lassen erste Sell Out-Vorwürfe nicht lange auf sich warten. Zumal sich Caleb und Nathan im Studio eine handfeste Schlägerei liefern (Caleb bricht sich den Arm). Steigt ihnen etwa der Erfolg zu Kopf? "Wir waren alle ganz schön betrunken und wissen eigentlich gar nicht mehr genau, warum es soweit kam, stellt Caleb im Nachhinein klar.
Im Zuge der Welttour zum Album "Come Around Sundown" verlässt Caleb in Dallas, Texas offenbar ziemlich angetrunken während des Gigs im Juli 2011 die Bühne, die US-Tour wird abgebrochen. Im Oktober kündigen die Kings Of Leon eine Pause an - Studioalbum Nummer sechs soll aber kommen.
Mit hohem Songwriting-Niveau der Familienbande ist mittlerweile immer zu rechnen. Und so könnte sich die US-Truppe längst als das bezeichnen, was schon ihr Vater als Beruf angeben durfte: Wanderprediger. Denn die Kings blicken auf eine immense Hörerschaft.
Die Kings Of Leon machten mit ihrem Debüt "Youth And Young Manhood" mächtig Furore und sorgten für euphorische Vergleiche mit Bands wie den Strokes oder den White Stripes. Nun haben sie schon wieder ein neues Werk am Start. Nathan Followill, seines Zeichens großer Bruder und Drummer der Kings, stand laut.de Rede und Antwort.
Die Elserhalle begegnet mir dunkel, und der Roadie, der auf der Bühne steht und den Soundcheck meistert, sieht aus, als wäre er der geheime vierte Bruder des Followill-Clans. An diesem Nachmittag scheint ein klarer Dress-Code angesagt zu sein: Lange Haare, Schnurrbärte, dunkle Mäntel oder Lederjacken und meiner Meinung nach viel, viel zu enge Jeans. Abgesehen von den Haaren und den Jeans kann ich da kaum mithalten und komme mir doch etwas "underdressed" vor. Nathan Followill begrüßt mich trotzdem freundlich. Wir setzten uns im Clubraum der Halle auf zwei bereit gestellte Sessel mitten auf der Tanzfläche und fangen an zu quatschen.
Euer zweites Album "Aha Shake Heartbreak" ist soeben erschienen. Jetzt hört man von vielen Bands, die eher enttäuschende Zweitlinge aufnehmen. Wie war das bei euch? Konntet ihr ganz ohne Druck ins Studio gehen?
Ja, wir wollten einfach nicht in dieses 'Bands haben solche Angst die zweite Platte aufzunehmen'-Klischee verfallen. Viele Bands wissen auch nicht, was für eine Platte sie aufnehmen sollen. Entweder klingt sie so wie die erste, oder sie versuchen etwas Neues und laufen Gefahr, dass es niemand mag. Wir waren volle zwei Jahre auf Tour. Danach haben wir uns dann erst einmal ein paar Monate frei genommen und wollten eigentlich nur auf der Couch herum liegen und nichts tun. Doch nach einer Woche fingen wir schon an, neue Songs zu schreiben. Am Ende des Monats hatten wir zehn, zwölf Songs und riefen die Plattenfirma an. Wir erzählten ihnen, dass wir eine neue Platte aufnehmen wollen, und sie meinten: 'Seid ihr euch sicher?' Normalerweise müssen sie Bands schreiend und tretend ins Studio schleppen. Aber wir wollten es einfach so schnell wie möglich aufnehmen und kein großes Theater darum machen.
Ihr habt also nicht an Fan-Reaktionen gedacht?
Nein überhaupt nicht. Beim ersten Album hatten wir gar keine Fans, also hätten wir damals irgendeine Platte machen können. Dieses Mal waren wir uns zwar bewusst, dass wir Fans haben, aber wir wollten eine Platte aufnehmen, die beweist, dass wir mehr können als Zweieinhalb-Minuten-Songs, die dir gleich ins Gesicht springen.
Wie ist das mit der musikalischen Seite? Findest du, dass ihr euch sehr verändert habt?
Ich würde sagen, wir fühlen uns definitiv sicherer an unseren Instrumenten. Wir haben letztes Jahr 200 Shows gespielt - es war ziemlich hektisch - da merkst du zum Teil gar nicht, dass du besser spielst. Aber egal was du machst, wenn du es neun Monate lang machst, musst du einfach besser werden. Musikalisch gesehen haben wir bei dieser Platte ein paar neue Dinge ausprobiert. Wir haben zum Beispiel alles komplett live auf Analogtape aufgenommen. Das ist die Technik, bei der nichts schief gehen darf, sonst musst du wieder von vorne anfangen. Wir haben uns also definitiv selbst herausgefordert. Ich meine, wir haben dieses Album in nur vier Wochen aufgenommen, das war ein bisschen verrückt. Aber so weit mag es glaube ich fast jeder.
Ist es besser als das erste?
Viel besser. Während dem ersten hatten wir einfach Angst. Wir wussten nicht wirklich, was wir taten. Dieses Mal wussten wir genau, was wir wollten und wie wir es wollten. Unser Produzent Ethan, der schon "Youth And Young Manhood" mit uns aufnahm, hielt sich ziemlich zurück und sagte nur etwas, wenn wir wirklich vom Weg abkamen. Co-Produzent war unser Freund Angelo, daher gab es einen echt coolen Vibe im Studio, wir haben uns überhaupt nicht unter Druck gefühlt. Ich traue mich gar nicht richtig, das zu sagen, weil es so viele Bands gibt, die sich echt anstrengen. Wir liefen einfach ins Studio und mussten ehrlich gesagt nicht wirklich hart arbeiten. Es war schwierig, die Songs richtig zusammen zu kriegen, aber der Aufnahmeprozess selbst lief super.
Wir haben das Studio nie verlassen und gedacht 'Scheiße wir haben keine Zeit mehr' oder 'wir bringen die Songs nicht wirklich hin'. Am ersten Tag nahmen wir zwei Songs auf, einfach weil wir gelangweilt waren. Die kamen schlussendlich sogar aufs Album, und wir dachten, wir brauchen ja nur zehn Tage, um diese Platte aufzunehmen. Die meisten Songs nahmen wir in zwei Stunden auf, wir mussten uns richtig zusammenreißen und uns daran erinnern, dass wir ja schon für das Studio bezahlt hatten - also besser die Zeit voll ausnutzen. Aber wer weiß, das war jetzt dieses Album, beim nächsten fliegen wir vielleicht auf die Bahamas für zwei Jahre, sagen allen, sie sollen uns in Ruhe lassen, und kommen dann irgendwann mit einem Doppel-Album zurück.
Die englische Presse nannte euch die 'Southern Strokes'. Wie steht ihr dazu ?
Das kommt in jeder Musikrichtung vor. Als Nirvana damals neu waren, betitelte man auch jede Band, die nach ihnen kam, als die 'neuen Nirvana' oder die 'Southern Nirvana'. Wir sind gut befreundet mit den Strokes. Sie sind eine tolle Band. Wenn wir also mit einer anderen Band verglichen werden, dann zumindest mit einer, die wir mögen und musikalisch respektieren.
Denkst du, dass es eine gute Zeit für Musik ist?
Ich denke, es ist eine großartige Zeit für Musik - speziell für Weihnachtsmusik. Die Weihnachtszeit ist immer wundervoll.
Ich dachte jetzt mehr an die aktuelle The-Bandwelle ...
Die The-Bands ... nun ja, weißt du, so was kommt und geht. Einmal gab es diese New Rock Revolution, und jetzt gibt es die The-Bands. Ich weiß nicht recht, wir kümmern uns eigentlich nicht um solche Sachen. Wir machen einfach Musik. Ich könnte dir nicht mal sagen in welche Kategorie wir fallen. Das ist immer die schwerste Frage, die uns gestellt wird. Ich habe echt keine Ahnung, wir gehen einfach hoch und spielen. Was auch immer dabei rauskommt, ist es dann. Wir streben keinen speziellen Sound an - wir sind sehr, sehr langweilig.
Seht ihr eigentlich große Unterschiede zwischen eurer Heimat den USA und Europa oder speziell England ? Man hört oft, dass die englische Presse hart mit Bands umspringt ...
Die Geschichte mit der Presse ist eigentlich ganz lustig. Du hast ein Magazin, das deine Platte als das beste Debüt der letzten zehn Jahre betitelt, und im nächsten Artikel schreiben sie, was für ein Hurensohn du bist und wie viele Geschlechtskrankheiten du hast. Das lässt uns manchmal fast durchdrehen, wie sie hin und her springen können. Sie schreiben zum Beispiel einen schrecklichen Artikel über dich, und das nächste Mal, wenn du in der Stadt bist, wollen sie ein Interview machen. Es wird dann natürlich erwartet, dass du total freundlich bist und plötzlich alles vergessen hast, was sie über dich geschrieben haben.
Um ehrlich zu sein, wir lesen eigentlich kaum irgendetwas in der Presse. Wir sehen uns die Fotos an, nur um zu sehen, wie witzig wir damals ausgesehen haben. Aber sonst lesen wir eigentlich nichts. Wir haben Freunde in Bands, die es lieben, gute Artikel über sich zu lesen - ich meine, wer liest das nicht gern. Aber so bald es dann ein schlechter Artikel ist, heißt es gleich 'fuck them, die wissen überhaupt nicht wovon sie reden blablabla'. Wahrscheinlich gibt ihnen dann dasselbe Magazin neun von zehn Sternen für ihr nächstes Album, und plötzlich finden sie es wieder voll in Ordnung. Bis sie einen weiteren schlechten Artikel schreiben, dann geht das Ganze von vorne los. Wir wollen uns da einfach nicht drin verfangen.
Ist es in den USA denn ähnlich oder funktioniert die Presse da anders ?
Die englische Presse ist mehr an deinem Alltag interessiert. In den USA ist das anders. Das sage ich jetzt natürlich von dem Standpunkt aus, dass wir in Europa viel berühmter sind als in Amerika. Zuhause sind wir gerade mal an dem Punkt, an dem ein Jugendlicher im Supermarkt auf uns zukommt und uns nach Autogrammen fragt. Meistens denken alle, dass wir eine komische Hippe-Truppe sind, die nur für kurze Zeit da ist. Denn zuhause sind wir höchstens für zwei Wochen. Mal fünf Tage hier und zehn Tage da - es weiß also niemand recht, wann wir wo sind. Da tauchen einfach plötzlich diese haarigen Typen aus dem Nichts auf und verschwinden anschließend wieder für neun Monate.
Die fragen dann alle, wo wir die ganze Zeit waren und was wir gemacht haben. Es fängt jetzt erst jetzt langsam damit an, dass wir in Amerika auch bekannter werden. MTV spielt ein paar Sachen, und ein paar Magazine schreiben etwas über uns. In Städten wie LA oder New York kennen uns die Leute allerdings schon, da schütteln sie dir die Hand und klopfen dir auf die Schulter. Aber es ist gut, nach Hause zu kommen und niemand weiß, wer du bist. Dann kannst du ein ganz normaler Typ sein und Golf spielen. Du musst nicht immer diesem Rock'n'Roll-Klischee entsprechen und Jack Daniels aus BHs trinken.
Was sind deine momentanen Lieblingsbands?
Momentan auf meinem IPod sind ... The Ronettes - eine alte Do Whop-Band, Johnny Cash, The Killers - ganz toll, The Stills, - fucking amazing, eine französische Band die Phoenix heißt (schaut mich fragend an).
Ja klar, die kenn ich.
Ich höre die den ganzen Tag. Die Typen sind so nett. Wir haben vor einer Woche in Frankreich gespielt, und sie haben uns superteuren Wein zukommen lassen. Wir haben auch ein Festival mit ihnen gespielt, hatten damals aber keine Ahnung, wer sie waren. Sie hatten nämlich einen Song auf einem Soundtrack in Amerika ...
... der Film hieß "Shallow Hal" ...
Ja genau! Wir liebten diesen Song. Wir wollten heraus finden, wer diese Band ist. Wir dachten zuerst, es sei eine Gruppe aus den Achtzigern. Bis wir mit ihnen zusammen auf diesem Festival in Italien spielten, wir sahen uns an und dachten: "Scheiße, das ist DIE Band." Nach der Show kamen sie dann auf uns zu und meinten, sie liebten die Kings Of Leon und hätten uns auf ihren IPods. Ich rannte daraufhin zu meinem IPod und zeigte ihnen, dass wir sie auch drauf haben. Sie sind wirklich eine tolle Band. Dann noch My Morning Jacket, The Strokes, The White Stripes, Television ... eigentlich ein bisschen von allem ... Patsy Cline. In letzter Zeit höre ich viel Patsy Cline. Weißt du, ich habe gerade keine Freundin, und es ist dunkel und kalt hier drüben. Da werde ich dann etwas depressiv, höre Patsy Cline, trinke zu viel Wein und komme ganz nah an den Punkt, wo ich meine Ex-Freundin anrufen möchte. Mache es aber schlussendlich doch nicht.
Okay ... Noel Gallagher hat einmal gesagt, dass ihr seine "new fucking favourite Band" seit. Das stand anschließend in jeder Zeitung. Wie geht ihr mit solchen Kommentaren um? Ist das ein riesiges Kompliment für euch oder kümmert ihr euch nicht um solche Statements?
Nein, das ist cool. Besonders, da es von einer großartigen Band wie Oasis kommt. Wenn wir in London spielen, kommen sie zu unseren Shows. Das ist nett von ihm, dass er das gesagt hat - wissend, dass sich jede Zeitung darauf stürzen wird. Wir haben mit ihnen am diesjährigen Glastonbury Festival gespielt. Sie waren Headliner am Freitagabend und verlangten, dass wir genau vor ihnen spielten. Oh Mann, da waren 80.000 Leute im Publikum, und wir Landeier haben uns zu Tode geängstigt. Aber es war toll. Sie sind nette Jungs. Meine Mutter ruft mich auch die ganze Zeit an und meint, dass Elton John gesagt hat, dass er verrückt nach der neuen Platte sei.
Wir bekommen auch all diese Anrufe von unseren Tanten, die sich diese erwachsenen, zeitgenössischen Radiosender anhören. Die erzählten uns auch, dass Elton John uns liebt. Meistens wissen wir gar nicht, wer was über uns gesagt hat. Die einzige Möglichkeit, es herauszufinden, besteht darin, dass uns unsere Familie anruft und es uns erzählt. Wir kriegen das echt nicht mit. Ich hab dir ja schon mal gesagt, wir sind sehr, sehr langweilig. Wir sind halt alle verwandt. Wir verhalten uns immer gleich, ob wir jetzt im Tourbus sind oder zuhause, wo wir alle gemeinsam wohnen. Es gibt keine Veränderung. Es ist, als ob wir irgendwo stehen bleiben, und die Welt um uns herum einfach weiter dreht.
Das kann doch auch ein positiver Zustand sein ...
Ja es ist toll. Und es ist schrecklich. Also das beste aus beiden Welten.
Habt ihr Interesse an Kollaborationen mit anderen Bands ?
Ich weiß nicht. Wir haben uns darüber eigentlich noch keine Gedanken gemacht. Wir haben gar nicht realisiert, wie schnell diese Platte rauskommen wird. Als wir sie aufgenommen haben, dachten wir, yeah das wird sicher toll. Und jetzt sind wir hier und haben ein Album darüber geschrieben, wie schrecklich es ist, zwei Jahre lang auf Tour zu sein. Wie du dir fast in den Fuß schießt bei dem Gedanken daran, dass du das alles noch einmal machen musst. Also was Kollaborationen mit anderen Bands angeht ... ich weiß echt nicht. Ich bin sicher, eines Tages wird etwas Verrücktes rauskommen. Einer von uns und einer von den Strokes werden irgendwas Verrücktes unter einem falschen Namen veröffentlichen. Man weiß ja nie ... vielleicht auch etwas mit den Corrs. Sind die nicht Schwestern? Und da wir ja Brüder sind ...
The Corrs?! Gehen die nicht in eine etwas andere musikalische Richtung?
Nein, keine Musik! Wir wollen nur ein Fotoshooting mit denen. Die sehen echt toll aus. Den Bruder werfen wir natürlich raus, so "sorry Kumpel du musst gehen - see you later - wir haben einen Cousin für dich."
Wie wichtig ist Style für euch ? Ihr seit ja immer recht aufeinander abgestimmt angezogen.
Style ... hmmm.
Ich meine, findet ihr, dass ein bestimmter Stil zur Musik gehört? Zum Gesamtbild?
Ich denke, am Anfang hat das jeder irgendwie miteinbezogen. Die engen Hosen, die T-Shirts, die Schnurrbärte und die langen Haare. Aber ehrlich gesagt bin ich ein Jeans- und T-Shirt-Typ. So sehen wir halt einfach aus. Je mehr Geld du machst, desto mehr kannst du dir natürlich auch leisten. Obwohl du mehr ausgibst, für Klamotten, die alt aussehen. Das ist schon komisch. Wir haben heraus gefunden, das es immer noch das beste ist, Kleider in Secondhand-Läden zu kaufen. Wenn wir einen Video-Dreh haben, bringt der Stylist manchmal Hosen mit, die aussehen als wären sie 35 Jahre alt. Du sagst dann, toll 'Vintage-Style'. Und der meint, nein eigentlich sind die brandneu und kosten 750 Dollar. Du dann: 'auf keinen Fall ... gib mir diese 750 Dollar, ich geh mir dafür ein paar Hosen kaufen und behalte dann einfach das Wechselgeld ... wie wärs damit?'
Was auch im großen Stil durch die Presse ging, war dass euer Vater ein Pfarrer war oder immer noch ist?
Er war ein Prediger.
Okay ... also seid ihr immer noch religiös ?
Wir glauben definitiv an Gott. Wir haben immer noch vier Onkel, die Prediger sind und das gleiche tun wie mein Dad früher. Also jedes Mal, wenn wir für die Feiertage nach Hause gehen, merken wir, dass es immer noch Teil unseres Lebens ist. Trotzdem ist es verrückt zu sehen, wie sehr wir uns verändert haben. Wir sind viel distanzierter. Es lässt dich einfach realisieren, wie sehr du einmal Teil von diesem Lebensstil warst. Aber wir haben immer noch eine Großmutter, die jede Nacht für uns betet, bevor sie ins Bett geht. Es ist immer gut, so was zu haben.
Denkst du, dass Religion einen Einfluss auf euch als Musiker hatte?
Unterbewusst sicher. Weil Kirchenmusik das einzige war, was wir jemals zu hören bekamen. Das merkt man speziell auf der ersten Platte. Das war nichts als Kirchenmusik mit schmutzigen Texten. Denn in der Kirche, in der wir aufwuchsen, gab es Gitarren, Bässe und Saxophone ...
... so was kennt man bei uns überhaupt nicht ...
Ja, die meisten von euren Kirchen sind Kathedralen mit Orgeln und so was. Bei uns ist das ganz anders. Wir gehören zum Beispiel zur selben Kirche wie Aretha Franklin und Al Green. Das war also eher die Art von Musik, die wir in der Kirche spielten. Die meisten Leute, die hören, dass wir das Spielen in der Kirche gelernt haben, nehmen automatisch an, dass es sich dabei um ruhige, gelassene Musik handelte. Aber so war es überhaupt nicht. Im Gegenteil, es war sehr lebendig, mit viel Schweiß und Lärm.
Könntest du dir vorstellen, ohne deine Familienmitglieder in einer Band zu spielen?
No Way! Auf gar keinen Fall. Das könnte ich nicht.
Dann werdet ihr in zehn Jahren immer noch gemeinsam Musik machen ...
Wenn wir uns bis dahin nicht umgebracht haben, dann ja. Wir werden es wie die Pixies machen. Vier, fünf Jahre lang überall spielen, dann einander ein "Fuck You" an den Kopf werfen und plötzlich von der Bildfläche verschwinden. Irgendwann kommen wir dann mit einer riesigen Reunion-Tour zurück und machen Milliarden von Dollar. Anschließend verschwinden wir für weitere sechs Monate. Ach, keine Ahnung. Der Lichtstrahl, der uns den Weg zeigt, wird auf unserer 15. Platte erkennbar sein. Ich meine, wir haben schon wieder Songs für das nächste Album angefangen, und das aktuelle ist noch nicht mal in Amerika erschienen. Es ist verrückt. Hoffentlich explodieren unsere Gehirne nicht, bevor wir einige der Sonderzulagen des Bandlebens genießen können.
Letzte Frage: Was denkt ihr als Amerikaner zur kürzlichen Bush-Wiederwahl ?
Oh Mann! Es war eine große Überraschung. Da 80% von Amerika gesagt haben, sie würden Kerry wählen, nahmen wir an, dass die Wahl schon so gut wie gelaufen sei. Unser Manager hat uns während der Wahlnacht um vier Uhr Morgens SMS-Nachrichten geschickt und uns informiert, wer wie viele Stimmen hat. Aber es war wirklich eine große Überraschung. Wir waren seit der Wahl noch nicht wieder zuhause. Es wird sicher interessant, die Atmosphäre da mitzuerleben. Denn als wir abgeflogen sind, hatte wirklich jedes einzelne Auto und jedes Haus einen John Kerry-Aufkleber dran. Wir werden jetzt wohl eine Menge stinksaurer Leute antreffen, mit nutzlosen Aufklebern an ihren Autos.
Wart ihr persönlich denn enttäuscht, dass euer Land jetzt erneut von Bush regiert wird ?
Naja ... hast du in letzter Zeit die News gesehen? Er putzt alle Abteilungen total weg. Also demnach denke ich, wenn es etwas Gutes an der Sache gibt, dann ist das die Tatsache, dass er realisiert hat, wie viele Amerikaner ihn und seine Art wie er die Dinge anpackt, nicht mögen. Wenn irgend etwas Gutes dabei rauskommen soll, muss er ein paar Sachen ändern. Kein Präsident möchte schließlich, dass sein Land ihn hasst. Er wird Osama Bin Laden schon aus irgendeinem Loch herausziehen und das alles irgendwie hinkriegen.
Danke fürs Interview.
Danke dir. Cheers.
Das Interview führte Kathrin Fink
The Collection (2013)
| So | 16.06.2013 | Kings of Leon A-Nova Rock (Nickelsdorf) | |
| Mi | 19.06.2013 | Kings of Leon Frankfurt (Festhalle) | |
| Do | 20.06.2013 | Kings of Leon Köln (Lanxess Arena) | |
| Do | 27.06.2013 | Kings of Leon Berlin (Waldbühne) | |
| Do | 27.06.2013 | Kings of Leon CH-Open Air St. Gallen (St. Gallen) |
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19.10.10, 16:37 bigFM |
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Alles zu den Kings... bandfinder |
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Frage an die Fans - wie heißt der Song! bitte um Eure Hilfe! leonie1977 |
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Kings of Leon Live DVD molly72 |
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16.10.09, 13:25 molly72 |
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Worum gehts im Song "use somebody" KingMarco |
1 |
28.09.09, 21:50 KingMarco |
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