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Detroit war schon immer eine Dreckstadt und nur auf solchem Boden kann wahrer Drecksrock gedeihen. 1964 wagten es eine Handvoll Prähippies in der Garage ihrer Eltern erstmals, ihre Amps sprichwörtlich auf Stufe 11 zu drehen. Die Nachbarn mit selbstgebauten Verzerrern zu necken, war für die Kinder derer, welche die McCarthy-Ära überlebten, eine wahre Revolution. Die Garageband war erfunden, hier in Motor City, wo auch sonst. In dieser Stadt voll Muscle Cars und Sex ohne Regeln. In dieser Nachbarschaft, wo derzeit noch nicht klar war, daß hier das Saatgut für Generationen von Noiserockern gesäht wird. Um nur wenige zu erwähnen: Die Ramones, Sex Pistols, Sonic Youth, Nirvana oder Monster Magnet zählten und zählen sich zu den bekennenden Jüngern des MC5-Movements.
Als dann 1967 der damalige Labelwinzling AMG unter Führung von John Sinclair den Trend erkennt und auf die von Psychedelika gedopten Pferde setzt, beginnt die kurze kommerzielle Karriere der MC5 vor allem in den USA. "The time has come for each of you to decide, if you're gonna be the problem or the solution!", um mit Rob Tyners Worten zu schreiben. Wechsel zu Elektra (wo sie ihr Live-Debut einspielen) und Atlantic folgen. Die Labels sind aber hauptsächlich damit beschäftigt, lästige "Motherfuckers" aus den Aufnahmen zu schnippeln. Ein heißes Eisen der "Politically Uncorrectness", das die Labels da anfassen.
Trotzdem verkriechen sich die MC5 mit 100k-Vorschuß im Sack in eine Kommune von Spaßvögeln ins sprichwörtlich Grüne, um der Inspiration zu fröhnen. Als dann MC5-Manager und Ober-Pothead John Sinclair 2 Joints an Zivilcops vertickt, beginnt sich die Sache zu politisieren. Sinclair wird zu 10 Jahren State Prison verdonnert und eine Welle der Empörung geht durch die vom "Pursuit Of Happiness" geprägte Rockwelt. "Free John Sinclair" wird zum Motto von Konzerten, nur die MC5 streiten jegliche Verwicklung ab.
An den Erfolg des Debuts "Kick Out The Jams" können die MC5 nicht mehr anknüpfen und covern sogar klassische Rock Songs auf "Back in the USA". Sie hätten keine Power mehr, hieß es. Der Faden beginnt jedoch erst zu reißen, als der Liveband keine Gigs mehr angeboten werden. Sie veröffentlichen noch "High Time", welches aber von der Öffentlichkeit kaum gewürdigt wird. '72 kommt das jähe Aus: Der Fünfer trennt sich, Fred "Sonic" Smith heiratet später seine Geliebte Patti und Wayne Kramer startet eine minder erfolgreiche Solokarriere. 1991 stirbt Frontmann Rob Tyner an einem Herzanfall und auch Fred Smith geht '94 in die ewigen Rockgründe ein.
Man fragt sich heute noch, was so faszinierend an dieser Band war. Als Eintagsfliege kann "Kick Out The Jams" trotzdem nicht bezeichnet werden, denn so viele Bands berufen sich auf dieses "Bekenntnis" von einer Rockplatte. Aber die Jungs hatten wohl nicht die Power, die hohen Erwartungen der Fans langfristig zu erfüllen.
High Times (1971), Back In The USA (1970), Kick Out The Jams (1968)
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