Trotz seines Alters sind die Liveauftritte des am 21. April 1947 geborenen James Osterberg noch immer ihr Geld wert. Auch die Jüngeren scheinen nach einer Iggy Pop-Show plötzlich zu begreifen, was an Punkrock ursprünglich einmal so geil war.
Die Idee, eine eigene Band zu gründen, kommt dem jungen Detroiter, Sohn eines Lehrer-Ehepaares, nach einem New Yorker Doors-Konzert in den späten 60ern. Hin und weg registriert der Hänfling, wie ein trunkener Jim Morrison seinem Mainstream-Publikum anstatt der Hitsingle "Light My Fire" einen anstrengenden Performance-Mix aus Bariton- und Kopfstimme zumutet, der mit 'nervtötend' noch unzureichend beschrieben ist.
Der Doors-Auftritt endet vorzeitig, das Publikum buht die Band von der Bühne, nur Osterberg ist fasziniert. Anstatt den bekannten Konventionen zu folgen, lebte ihm Morrison an diesem Abend eine Anti-Haltung vor, die der bis dahin recht brave Detroiter zu Imitation und Weiterentwicklung anstachelt.
Fortan nennt sich Jim Osterberg Iggy Pop, seine Band sind die Stooges, die in der Zeit ihres Bestehens bis Mitte der 70er nur drei Alben aufnehmen. Sein Künstlernachname bezieht sich im Übrigen nicht auf die Musikrichtung Pop; bei einem der ersten Stooges-Auftritte rasiert sich Iggy die Augenbrauen ab, was seine Kumpels spontan an einen nervenkranken Ex-Mitschüler erinnern, der ohne Haare und Augenbrauen ausgestattet war. Sein Name: Jim Pop.
Zwar bejubeln Musikpresse und Konzertbesucher die aggressive Stimmung des rohen Stooges-Sounds, auf LP-Absatzzahlen hat der gute Ruf allerdings wenig Einfluss. Ähnlich den Kollegen von Velvet Underground entdeckt die breite Öffentlichkeit die Band erst viel später, im Stooges-Fall zur Punk-Bewegung in den späten 70ern, als Iggy bereits Solo-Erfolge feiert.
Ähnlich wie Sid Vicious, bleibt Iggy Pop in jener Zeit mehr durch seine ständigen Drogenexzesse und Entziehungskuren in den Schlagzeilen, als mit neuen musikalischen Erzeugnissen. Dass ihn sein alter Kumpel David Bowie 1976 mit nach Berlin nimmt, wirkt sich einerseits zwar problematisch auf Pops Drogenabhängigkeit aus, andererseits bringt ihn Bowie beim Majorlabel Virgin unter. Die Alben "The Idiot" und "Lust For Life", die das Duo gemeinsam komponiert, verkaufen sich besser als die alten Stooges-Alben und besonders in England festigt sich Pops Ruf als Punk-Ikone.
Nach weiteren Soloalben erscheint 1982 Iggys Autobiografie "I Need More", ein schonungsloser Abriss über den puren Rock'n'Roll, den Iggy seit 1967 vorlebt. Musikalisch erlebt Pop allerdings erst 1990 wieder ein Glanzjahr. Sein Album "Brick By Brick" erntet eine Goldauszeichnung in den USA, als Single chartet das Duett "Candy" mit B-52's-Sängerin Kate Pierson.
Kurze Zeit später verhelfen ihm neue Rockbands wie Nirvana, Mudhoney oder Soundgarden zu neuer Pop-ularität bei der nachwachsenden Generation. Vor allem aber sorgt "Lust For Life" als Titelsong des '96er Kultfilms "Trainspotting" dafür, dass Iggy endgültig wieder hip ist bei der Gitarrenjugend.
Worauf viele Stooges-Anhänger aber die ganzen Jahre über vergeblich warten, ist eine Reunion der Detroit-Legende. 2002 lässt sich Pop erweichen und komponiert vier Songs gemeinsam mit den Asheton-Brüdern, die allesamt auf seinem Soloalbum "Skull Ring" erscheinen. Eine Stooges-Reunion folgt schließlich im Jahr 2003 zunächst auf amerikanischem Boden, später dann auch in Europa.
Die alten Kumpels verstehen sich prächtig, was 2007 tatsächlich in einem Comebackalbum namens "The Weirdness" gipfelt. Während Iggy mit seiner alten Band endlich die Meriten einholt, die das Trio schon Anfang der 70er verdient gehabt hätte, feiert er am 21. April 2007 seinen 60. Geburtstag.
Ruhiger angehen lässt es der Elder Statesman des Punk deshalb noch lange nicht. Die folgende Tour mit den Stooges - u.a. als Headliner des renommierten Glastonbury Festivals - versprüht eine nahezu unfassbar rohe Energie. Auch kleine Rückschläge wie ein gestohlener Tourbus, hält die alten Recken nicht davon ab, nahezu überall in Europa und den Staaten triumphale Shows abzuliefern.
Wie sich herausstellen sollte, kam die Reunion gerade noch rechtzeitig. Am 6. Januar 2009 stirbt Stooges-Gitarrist Ron Asheton im Alter von 60 Jahren überraschend an Herzversagen. Mit dem Album "Preliminaires" kehrt Iggy wenige Monate nach dem Tod seines Freundes als Solokünstler zurück.
Naughty Little Doggie (1996), American Caesar (1993), Brick By Brick (1990), Instinct (1988), Blah, Blah, Blah (1986), Zombie Birdhouse (1982), Party (1981), Soldier (1980), New Values (1979), TV Eye (1978), Lust For Life (1977), The Idiot (1977), Kill City (1977), Raw Power (1973), Fun House (1970), The Stooges (1969)
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