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Die nächste Hypewelle schwappt aus Großbritannien zu uns. Der Titelverteidiger England erspielt sich mit den Arctic Monkeys ein 1:0 gegen BSV Borlänge! Obwohl 2005 erst vier ihrer Titel in virtuellen Gefilden herumstromern, finden bereits Heerscharen von Indie- und anderen Rockern Gefallen an den Inselaffen. Auf Konzerten tummeln sich etwa 3000 Fans - ohne dass die Band überhaupt eine Single oder ein Album veröffentlicht hätte!
Doch das ändert sich schnell: Domino Records engagiert die vier Jungs aus Sheffield vom Fleck weg und bringt die Single "I Bet You Look Good On The Dancefloor" im Oktober 2005 auf den Markt. In der Heimat tragen die Fans Alex Turner (Gesang, Gitarre), Jamie Cook (Gitarre), Andy Nicholson (Bass) und Matt Helders (Drums) bereits auf Händen: Ihr Erstling steigt so natürlich direkt auf Platz 1 der UK-Charts, eine Platzierung mit der sie große Namen wie die Sugababes oder Robbie Williams übertrumpfen. In einem Plattenladen in Sheffield verkaufen sie allein am ersten Tag gleich 800 Exemplare.
Die Arctic Monkeys legen damit einen ziemlich rasanten Start hin. Nachdem die Jungs im Jahr 2001 ihre ersten Gitarren zu Weihnachten bekommen, beginnen sie im Sommer mit dem Proben in einer Garage. Ein Jahr lang geht man Alex' Eltern auf die Nerven, dann steht im Juni 2003 der erste Gig an. Ein paar weitere Shows innerhalb Sheffields folgen und bald blickt die Gruppe auch über den heimischen Tellerrand hinaus. Zu dieser Zeit entstehen die Demoversionen, die den vier 19-Jährigen den Weg für ihre Rockstarkarriere ebnen werden. Ihre Tour-Premiere im Sommer 2005 führt sie durch ganz England und erreicht ihren Höhepunkt mit den Festivals in Reading und Leeds.
Ein Album ist allerdings noch nicht in Sicht: Das Debüt erscheint erst im Januar 2006. Die Songs sind jedoch schon während ihrer ersten Tour im Kasten und warten nur darauf, abgemischt zu werden. Und da das ständige Unterwegssein irgendwie verarbeitet werden will, gibt es außerdem bereits genug Stoff für den Nachfolger. Um die Fans bis dahin nicht vom musikalischen Fleisch fallen zu lassen, beglücken die Monkeys Deutschland im November 2005 mit einer Mini-Tour und heizen ihren Anhängern ordentlich ein, so dass diese es kaum erwarten können, bis sie "Whatever People Say I Am, That's What I'm Not" in den Händen halten.
Rekorde lassen nicht lange auf sich warten: Der Arctic Monkeys-Longplayer wird zum schnellstverkauften Debütalbum in der englischen Charts-Geschichte. Mit 360.000 Einheiten geht es fixer über den Ladentisch als alle anderen Alben in den Top 20 zusammen. Ein Mitarbeiter der HMV-Handelskette ist fassungslos: "So etwas haben wir seit den Beatles nicht mehr gesehen." Im Oktober 2005 begeben sich die Sheffielder dann auf Welttournee, die sie neben Auftritten in Deutschland auch nach Nordamerika, Australien sowie Japan führt.
Die Anfang April 2006 erscheinende DVD "Scummy Man: A Short Film" kennt man in Auszügen schon aus dem Video zur gleichnamigen Single. Die Kurzfilme, die dem Video den stilistischen und inhaltlichen Rahmen gaben, erzählen kleine, feine Storys. Regisseur Paul Frazer setzt sich mit den Geschichten der Gestalten auseinander, die in größeren Städten ein Schattendasein führen. Wie schon im Video bildet eine junge Prostituierte den Dreh- und Angelpunkt. Ende des Monats steht dann auch die EP "Who The Fuck Are Arctic Monkeys?" in den Läden. Sie bringt dem Fan bis auf "The View From The Afternoon" ausschließlich unveröffentlichte Songs und kommt in wunderschönem Coverartwork daher.
Doch der viele Ruhm bringt nicht nur Positives mit sich: Im Juni steigt Bassist Andy Nicholson aus, da er ausgebrannt ist und nicht mehr kann. Schon während der Nordamerika-Tour musste er aussetzen, im Juni ist dann gänzlich Schluss. Nicholson gibt an, dass er mit dem schnellen Erfolg der Arctic Monkeys nicht mehr zu Recht kommt und sich zudem einem eigenen Projekt widmen will. Für ihn kommt Nick O'Malley zur Truppe.
Für das "beste britische Album" des Jahres 2006 erhalten die Briten im September den renommierten Mercury Music Prize und stechen so neben anderen auch Muse oder Thom Yorke als Nominierte aus. Damit treten sie in die Fußstapfen von Portishead, PJ Harvey oder Franz Ferdinand.
Die Single "Brianstorm" kündet vom zweiten Longplayer "Favourite Worst Nightmare", der im April 2007 erscheint und unverkennbar nach den Monkeys klingt, ohne eine schlichte Wiederholung des Bomben-Debüts darzustellen. So erreicht das zweite Album in der Heimat mühelos Platz 1 und klettert in Deutschland auf Nummer 2 der Albumcharts.
Anschließend widmet sich Frontmann Alex Turner einem Seitenprojekt, das er mit Kumpel Miles Kane (Sänger und Gitarrist der Liverpooler Band The Rascals) auf die Beine stellt. Beide teilen die Leidenschaft für Scott Walker, den frühen David Bowie sowie den Jazzproduzenten David Axelrod, und so entschließt man sich, Songs zu schreiben und als Last Shadow Puppets eine gemeinsame Platte zu produzieren.
Die Arctic Monkeys sprechen über betrunkene Fans, den Oasis-Split und die Arbeit mit Josh Homme.
Wir haben auf dem Gurten-Festival in der Schweiz Gitarrist Jamie Cook und Bassist Nick O'Malley im Backstage vor ihrem Konzert getroffen.
Gut gelaunt erzählten uns die beiden, was sie auf Festivals auf keinen Fall sehen wollen und was sie von illegalen Downloads halten. Weitere Themen: Der Oasis-Split, der Stilwechsel beim neuen Album und die Arbeit mit Josh Homme.
Nick, Jamie, wie ihr hört, spielen gerade Beady Eye. Habt ihr sie schon live spielen sehen?
Nick: Ja, überraschenderweise haben viele Festivals die gleichen Line-Ups. Speziell in Europa. Wir haben schon fünf bis sechs mal mit ihnen auf dem gleichen Festival gespielt.
Mögt ihr sie?
Jamie: Oh yeah!
Was denkt ihr über den Oasis-Split?
Jamie: Ich weiß nicht so recht. Wir waren sicher sehr enttäuscht. Schließlich waren wir alle große Fans von Oasis.
Nick: Es ist sicher schwierig, mit seinem Bruder in einer Band zu spielen. Die beiden konzentrieren sich jetzt Solo-Projekte, aber ich denke, die werden wieder zusammen kommen. Was können wir von Noel erwarten? Jamie: "High Flying Birds" heißt ja das Album. Er ist wirklich ein guter Songwriter. Die Erwartungen sind sehr gut. Ich bin zuversichtlich.
Habt ihr auch manchmal Konflikte in der Band?
Nick: Überraschenderweise nicht. Wir waren ja schon Freunde, bevor wir die Band gründeten. Ich denke, das hilft.
Geht ihr eigentlich manchmal auch ganz privat, also mit Freunden an Festivals?
Jamie: Ja, wir waren am Glastonbury und hingen da bisschen ab. Das wars dann aber auch. Ich werde wohl in diesem Jahr für eine lange Zeit auf keine Festivals mehr gehen. Wir spielen ja selber auf sehr vielen Festivals. Vielleicht wieder im nächsten Jahr.
Was ist das Schlimmste, das euch je auf einem Festival passiert ist?
Nick: Das Schlimmste? Hm. Du siehst Leute nackt, die du definitiv lieber nicht nackt sehen möchtest. Das ist wohl das Schlimmste. Die Leute sind gut drauf, betrinken sich und ziehen sich dann aus. Das willst du echt nicht sehen.
Und dir, Jamie?
Jamie: Dem stimme ich absolut zu. Das ist wirklich schlimm.
Welche Rolle spielt es denn für euch, auf einem Festival oder in einem Club zu spielen? Nick: Wenn du in einem Club spielst, weißt du, dass das Publikum nur wegen dir da ist. Auf einem Festival sind viele vielleicht gar nicht wegen dir gekommen. Aber das ist auch eine Chance. Du kannst Leute auf dich aufmerksam machen, die dich bis jetzt nicht kannten.
Ist es denn schwierig, diese Leute zu erreichen?
Nick: Nein, nicht für uns (lacht).
Nick: Wir performen nicht viele ruhige Lieder live. Schon gar nicht auf Festivals, wo das Publikum unterhalten werden will. Die ruhigeren Lieder spielen wir dann lieber in Club-Shows, wo es intimer ist. Wir spielen aber trotzdem ungefähr sieben Lieder des neuen Albums. Der Rest besteht aus älteren Songs.
Eure Musik hat sich ja von eurem Debüt bis zu "Suck It And See" unglaublich verändert. Speziell von "Favourite Worst Nightmare" zu "Humbug" gab es eine enorme Veränderung des Stils und eine lange Pause. Wie kam es dazu?
Jamie: Alex brachte ja in dieser Zeit ein eigenes Album mit den Last Shadow Puppets raus. Zwischen den Alben gab es ja eine Pause von neun Monaten. Für uns fühlte sich das aber viel kürzer an. Wir alle haben einfach in dieser Zeit verschiedene Musikstile gehört und ausprobiert. Ich denke, es ist wichtig, seinen Stil ab und zu zu ändern. Ich selber mag Bands, die das tun.
Nick: Es ist auch einfach langweilig, wenn du immer das Gleiche spielst. Den gleichen Stil hast. Es ist wichtig, sich weiter zu entwickeln. Wir wollten nicht vier Alben, die gleich klingen.
Habt ihr nicht befürchtet, eure Fans, speziell in England, zu enttäuschen? Ihr klingt ja nicht mehr sehr britisch.
Jamie: Nein!
Nick: Nein! Eher befürchteten wir, die Fans mit immer dem gleichen Sound zu langweilen.
Okay, daran war ja auch Josh Homme wesentlich beteiligt. Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Jamie: Als wir die Stücke für Humbug in Leaders Farm (Tonstudion in Wymondham, Norfolk UK, Anm. d. Red.) geschrieben und einige wirklich rohe Demos aufgenommen haben, kam Lawrence (Laurence Bell, der Gründer von Domino Records, bei dem die Arctic Monkeys unter Vertrag sind, Anm. d. Red.) vorbei und fragte, ob wir einen Vorschlag hätten, mit wem wir zusammen arbeiten möchten. Wir dachten damals an Josh Homme - Lawrence sagte: "Warum fragt ihr nicht einfach". Wir haben dann unsere Demos an Josh geschickt, der uns dann in die Wüste eingeladen hat.
Wart ihr überrascht, plötzlich mit Josh Homme zusammen zu arbeiten?
Jamie: Klar. Er hatte bis dahin ja nur mit wenigen Bands außerhalb der Queens was aufgenommen. Er achtet sehr darauf, mit wem er zusammen arbeitet. Es war wirklich toll, dass das geklappt hat.
Gibt es Pläne für eine zweite Produktion mit ihm?
Jamie: Oh, ich hoffe es! Das wäre toll.
Aber konkrete Pläne gibt es noch nicht?
Nick: Nein, bis jetzt nicht.
Warum nicht?
Nick: Nun, du kannst diese Dinge nicht forcieren. Wir haben nie gesagt, dass wir nie mehr mit Josh zusammen arbeiten werden. Vielleicht verabreden wir uns wieder mal. In ein paar Jahren oder so.
Ist es nicht ein wenig seltsam, dass "Suck It And See" ziemlich ähnlich wie "Humbug" klingt, obwohl ihr es an einem komplett anderen Ort, nämlich in L.A, aufgenommen habt?
Jamie: Wir haben die Stücke ja nicht in L.A. geschrieben, sondern während zwei bis drei Monaten zu Hause in England. Dann gingen wir ins Studio in L.A, um die Songs live einzuspielen. In diesem Studio wurden übrigens "Nevermind" und andere großartige Alben aufgenommen. Das Wetter war war im Januar auch wirklich besser als in England.
Nick: Es wurden richtige Ferien draus.
Jamie: Hm, möglicherweise. Aber wir haben uns jetzt noch nicht einen speziellen Stil für das nächste Album ausgedacht. Das aktuelle Album ist ja noch ziemlich frisch, selbst für uns. Ich bin sicher, wir werden wieder etwas anderes versuchen.
Nick: Ja, es ist noch ziemlich früh über ein nächstes Album zu reden. Vielleicht machen wir ja was mit Eyeliner, bringen den Glam zurück (lacht).
Wisst ihr, ob Alex was Neues mit The Last Shadow Puppets plant?
Nick: Keine Ahnung. Miles (Miles Kane, neben Alex der zweite Part der Puppets, Anm. d. Red.) veröffentlicht bald sein eigenes Soloalbum. Der wird sicher die nächste Zeit damit beschäftigt sein.
Ihr wurdet in den Anfängen vor allem durch das Internet bekannt. Wie konsumiert ihr eigentlich Musik? Ladet ihr sie runter, kauft ihr CDs oder Platten?
Nick: Alles davon. Je nachdem, wo ich bin und was ich will. Wenn ich einen guten Plattenladen finde, kaufe ich auch ganz gerne alte Vinyls.
Jamie: Ich versuche immer CDs zu kaufen, ich verliere viele Sachen.
Nick: Er verliert iPods.
Jamie: Ja, leider. Aber es ist schön, CDs zu besitzen.
Viele laden ihre Musik illegal herunter. Was sagt ihr dazu?
Jamie: Nun (seufzt schwer). Das Ding ist: Viele entschuldigen illegale Downloads mit der Ausrede, dass diese Musiker sowieso schon Rockstars und Millionäre sind und Geld gar nicht mehr nötig haben. Darum geht es aber nicht. Es geht um die Nachwuchsbands, um die kleinen Plattenlabel. Die Leute müssen begreifen, dass viel mehr Leute in der Musikindustrie tätig sind, als man auf den ersten Blick wahr nimmt. Da hängen eine Menge Jobs dran. Was denkst du darüber?
Sorry, ich würde dir die Frage gerne beantworten, wir haben leider keine Zeit mehr und ich möchte dir noch eine letze Frage stellen.
(Die A&R Managerin der Monkeys steht schon neben den beiden und macht auf die abgelaufenen 15 Minuten aufmerksam)
Was sind eure nächsten Pläne?
Nick: Wir werden noch bis Ende des Jahres live spielen. Danach weiß ich ehrlich gesagt noch nicht, was ansteht. Ich habe zumindest noch keine großen Pläne.
Alles klar, vielen Dank für das Interview.
Jamie: Danke, gleichfalls, cheers.
Die Senkrechtstarter über Kritik an kurzen Gigs, neue Songs, harte Zahlen und ihre Liebe zum Hip Hop und zu den Streets.
Herbe Kritik aufgrund zu kurzer Gigs? Die Gefahr des plötzlichen Todes? Zahlen statt Gefühle? All das macht den Arctic Monkeys nichts aus, sie bleiben Optimisten und wundern sich weiter über die kleinen Dinge im Leben.
Voller Begeisterung erzählen mir Matt Helders (Drums und Vocals) und Andy Nicholson (Bass), was sie schon für coole Aufnahmegeräte auf ihrer Tour gesehen haben, eins bauen sie gleich mal mit Hilfe einer Fantaflasche und einer Erdnusspackung nach. Anschließend verwickeln sie mich in ein Gespräch über vakuum-verpackte Erdnüsse, bis sie sich selbst dran erinnern, dass wir hier keine Marktforschung für eine Peanut-Factory machen, sondern ein knallhartes Interview. Knallhart? Für die Jungs anscheinend nur Peanuts!
Ich habe gelesen, dass ihr bei Saturday Night Live spielt!
Andy Nicholson: Ja, am Samstag in einer Woche!
Matt Helders: Am Mittwoch fliegen wir nach New York. Wir müssen am Donnerstag zur Probe ins Studio, dann haben wir den Freitag frei und spielen am Samstag. Live. Vor einer Zillionen Leute oder einer Milliarde ...
Seid ihr aufgeregt?
Matt: Ja, wir sind richtig aufgeregt!
Andy: Ich bin nicht nervös. Ich denke, ich sollte das sein - aber ich bin's nicht! Vielleicht werde ich noch nervös, wenn's so weit ist.
Matt: Ich bin ja schon aufgeregt, wenn wir live im Radio spielen. Wie soll das dann erst im Fernsehen werden?
Also habt ihr in England noch nie live in einer Fernsehshow gespielt?
Matt: Nein. Wir sind in England erst einmal im Fernsehen aufgetreten. Aber das war nicht live.
Die meisten eurer Songs gab es schon im Internet, bevor das Album fertig war. Warum habt ihr die dann alle noch mal aufgenommen?
Matt: Um den Leuten mehr für ihr Geld zu geben. Wir können sie ja jetzt auch besser spielen. Als wie sie das erste Mal aufnahmen, machten wir das nur, damit wir ein paar Kopien der Songs rausgeben konnten. Aber seitdem wir die Demos gemacht haben, haben wir hunderte Gigs gespielt. Natürlich können wir die jetzt besser spielen und haben Teile der Songs geändert.
Andy: Die Leute haben die Demo-Versionen ja schon. Es wäre nicht fair, ihnen noch einmal etwas zu verkaufen, was sie eh schon haben.
Matt: Wir haben sie dieses Mal in einem Rutsch aufgenommen, so dass es sich wirklich nach einem Album anhört und nicht nur wie eine lose Ansammlung von Songs.
Gab es bei den zweiten Aufnahmen gravierende Änderungen?
Matt: Wir haben besseres Equipment benutzt. Außerdem hatten wir einen anderen Producer und ein besseres Studio.
Hattet ihr denn schon beim ersten Mal einen Produzenten?
Matt: Ja, einen Local Guy, der die ganzen Bands aus Sheffield macht. Er hat "Mardy Bum" auch fürs Album produziert - er ist also immer noch dabei.
Habt ihr euch Jim Abbiss als Produzenten selber ausgesucht?
Matt: Nein, jemand hat uns geraten, ihn zu nehmen. Und wir haben ihn erst mal für eine Single ausprobiert. Wenn wir ihn nicht gemocht hätten, hätten wir das ganze Unterfangen sofort wieder abgebrochen. Aber wir haben weitergemacht und er durfte das ganze Album produzieren.
Was hat euch an ihm gefallen?
Matt: Er ist ein netter Typ und er hat schon einige gute Sachen gemacht, wie das Kasabian-Album und das erste Album von The Music, die Editors und ein paar DJ Shadow-Sachen. Er hat eine ganz schöne Bandbreite an verschiedensten Sachen gemacht, die wir alle sehr gerne mögen. Denn wir stehen nicht nur auf Rock-Musik, wir sind keine engstirnige Rockband oder so. Also war die Tatsache, dass er sich auch für viele verschiedene Sachen interessiert, sehr reizvoll.
Was hat er euren Songs hinzugefügt, was hat sich geändert, während ihr mit ihm gearbeitet habt?
Matt: Ich weiß nicht. Die Stücke waren eigentlich ja schon fertig, bevor wir ins Studio gegangen sind. Vielleicht hat er uns geholfen, was den Sound angeht und er gab uns ganz viel Unterstützung, dass wir wirklich mit einer gewissen Haltung spielen und solche Sachen. Er hat uns ziemlich viele Ratschläge gegeben, wie wir die Arrangements besser machen können.
Aber ich denke, er wusste, dass wir mit unseren Songs an sich schon sehr glücklich waren. Immerhin hatten wir sie schon eine ganze Weile live gespielt und schon einmal aufgenommen. Wir haben uns jetzt nicht die Demos angehört und gesagt: Wir machen das nicht mehr, wir machen jetzt was anderes. Das wäre eine Lüge. Aber einige Sachen haben sich schon geändert. Die spielen wir auf dem Album anders, als wir es davor live gemacht haben, weil es auf einem Album so einfach besser klingt.
Ihr seid wirklich erfolgreich, das kann man in Zahlen messen. Aber könnt ihr das auch fühlen.
Matt: Lacht kurz und verständnisvoll. Nein, das kann ich nicht, ich kann das auch nur an den Zahlen ablesen. Es fühlt sich irgendwie nicht an, als wären wir ein Teil des Ganzen. Wir sind auf Tour, wir sind ja nicht zu Hause. Obwohl, sogar wenn wir zu Hause sind, ist es komisch. Wir stecken da drin, es scheint, als wäre das nicht dasselbe, wie ... wenn das meiner Lieblingsband passieren würde, wäre ich sehr glücklich und stolz. Was wir auch sind. Es fühlt sich einfach nur anders an, weil wir diejenigen sind, die es geschafft haben.
Andy: Wir haben ja auch nicht viel Zeit, mal durchzuatmen und drüber nachzudenken. Ich weiß nicht, der einzige Zeitpunkt, an dem wir eine kurze Pause und damit Zeit zum Nachdenken hatten, war an Weihnachten. Da ist uns erst mal richtig aufgefallen, was passiert ist, wie unglaublich das eigentlich ist. Und dann begann dieses Jahr, und wir waren wieder zurück in diesem ganze Trubel.
Matt: Das bedeutet natürlich, dass wir noch gar keine Zeit hatten, über unser Album nachzudenken, denn das war an Weihnachten noch gar nicht draußen. Das nächste Mal, wenn wir frei haben, das wird die Zeit ... macht große Augen und erstaunte Geräusche. Vielleicht denken wir dann "Ich kann gar nicht mehr schlafen".
Andy: Oder: "Ich kann damit gar nicht umgehen".
Habt ihr schon irgendeine Ahnung, was dieser Erfolg für euch, für eure Zukunft bedeutet?
Matt: Alles kann passieren. Es könnte auch aus irgendeinem Grund schon morgen alles vorbei sein. Ich möchte ja jetzt keine Tode heraufbeschwören. Aber jemand könnte sterben, so was weiß man nie! Gestern Abend saßen Kapil - der Drummer der Mystery Jets - und ich in dieser Bar. Nur wir beide saßen an diesem Tisch, und sie hatten diese großen Heiz-Ständer, die immer draußen vor den Cafés stehen. Ein Typ lehnte sich dagegen, und es begann umzukippen. Wenn das nicht ein paar Leute aufgefangen hätten - das hätte uns töten können. Das hätte eine Geschichte gegeben, wenn wir beide gestorben wären ... Was wäre dann passiert? Die Arctic Monkeys wären auf dieser Tour Drummer-los gewesen, genau wie die Mystery Jets auch. Das wäre mal interessant, was ihr dann gemacht hättet.
Aber zurück zur Frage, was unsere Karriere betrifft ... Ich habe keine Ahnung, was passieren wird. Ich weiß nicht, wie ich das beurteilen soll. Natürlich sind wir optimistisch. Aber ich will mir nicht zu sicher drüber sein, was passieren wird. Weißt du, ich will nicht auf die Nase fliegen, immer auch für den Worst Case gewappnet sein.
Ihr habt schon gesagt, dass ihr noch nicht wirklich realisieren könnt, wie berühmt ihr schon seid. Aber habt ihr schon gemerkt, dass sich das Verhalten anderer geändert hat, wenn sie was mit euch zu tun haben?
Matt: Wir bekommen ein bisschen mehr Aufmerksamkeit. Auf der Tour in England haben wir schon gemerkt, dass viel mehr Leute da waren, die Autogramme und Photos und so haben wollten.
Andy: Es ist alles organisierter als früher.
Matt: Wir müssen nicht mehr so viel tun. Wir müssen nicht mehr so viel rumtragen.
Wird das aber nicht auch langweiliger? Müsst ihr jetzt nicht viel Zeit mit Warten verbringen?
Matt: Ja, es gibt tagsüber jetzt nichts mehr zu tun. Wir sagen immer: Wir könnten ja mal dies oder das machen. Aber wir machen es dann doch nie. Aber auf unserer England-Tour bekommen wir eine Tischtennis-Platte.
Glaubt ihr manchmal, dass eure Karriere ein bisschen zu schnell angezogen hat, dass alles ein bisschen zu schnell ging? Alex hat das vor kurzem in einem Interview erwähnt.
Matt: Ja, es fühlt sich manchmal so an. Doch obwohl alles sehr schnell passiert, glaube ich, dass wir das immer noch alles unter Kontrolle haben. So weit das für uns möglich ist. Denn wir könnten zum Beispiel sagen: "Wir brauchen eine Pause" ... Und dann einfach aufhören, um eine Weile das zu machen, was wir wollen. Aber wir möchten das gar nicht. Jeder ist im Moment glücklich mit dem, was wir machen. Naja, ich bin es zumindest.
Andy: Ja?
Matt: Ja! Dabei klingt er sehr zufrieden und überzeugt.
Matt: Ja, das ist es. Das ist auch etwas, das dich nachdenken lässt. Denn bei jedem Gig, den wir auf der letzten Tour auf dem europäischen Festland gespielt haben, waren Engländer. Und das ist wahrscheinlich auch dieses Mal so. Aber beim letzten Mal war der Großteil der Leute aus England. Vor allem in Köln. Es war auf dieses Tour viel besser, weil einfach mehr Einheimische da waren. Erst dann kann man ja erkennen, ob die Leute in Deutschland uns wirklich mögen, oder ob das nur Engländer sind, die nach Deutschland kommen, um uns zu sehen.
Ich habe eine ziemlich schlechte Kritik über euren Hamburg-Gig gelesen ... Seid ihr schon ein bisschen ausgebrannt?
Matt: Nein, ich weiß auch nicht, es gab da zwei Reviews. Ich erzähle dir einfach mal die Hintergrundgeschichte, die hat mir jemand gesteckt: Es gab zwei Reviews über diesem Hamburg-Gig. Ein Journalist sagte, das wäre der Gig des Jahres gewesen und der andere sagte: "Sie haben nicht lang genug gespielt", "sie sahen gelangweilt aus", "sie haben nicht mit dem Publikum geredet" ... Die Person, die diese Kritik geschrieben hat war jemand, dem ein Interview mit uns verweigert wurde. Also war der wohl ein bisschen pissed und wollte einfach nur was Schlechtes über uns sagen. Aber viele Leute werfen uns vor, dass wir nicht lang genug spielen.
Andy: Ja, sie beschweren sich, dass wir nur 50 Minuten spielen. Aber wir haben doch nur ein Album draußen.
Matt: Was wollen sie denn noch? Das Album geht nicht mal 50 Minuten. Ich weiß gar nicht, wie wir das hinbekommen, 50 Minuten zu spielen.
Ihr solltet euch ein Beispiel an den Bright Eyes nehmen und mehr reden. Conor Oberst, deren Sänger, spricht bestimmt doppelt so lange, wie er spielt.
Matt: Ja, darin sind manche Leute wirklich besser als wir. Wir sind wahrscheinlich einfach ein bisschen zu schüchtern, um mit den Leuten zu reden. Naja, Alex ist zu schüchtern. Ich werde mich nicht hinters Drum-Kit setzen und sagen: "Leute, was soll ich sagen, es ist großartig hier zu sein". Wir gehen einfach auf die Bühne, spielen und gehen wieder. Das ist es. Manche finden das Ok, aber jeder mag es eben anders. Jemand kam auch gestern nach dem Gig zu mir und beschwerte sich, dass es ein bisschen kurz gewesen sei. Und ich erklärte es ihm: Wir spielen das Album, außer "Riot Van".
Andys Handy fängt an, eine laute SMS-Erkennungsmelodien zu spielen. Matt macht ihm, mit leichtem Zischen in der Stimme, darauf aufmerksam, dass er das doch bitte ausschalten soll.
Matt: Wir werden das schon noch live spielen, aber wir müssen uns auch noch Sachen für die Album-Tour in England aufheben.
Matt: Wir müssen da ja dann auch etwas länger spielen. Und uns gehen langsam die Songs aus.
Habt ihr denn keine neuen Songs?
Matt: Ja, wir haben welche, aber wir wollen sie noch nicht alle verraten, dann hätten wir ja auch nichts Neues mehr für die Tour zum zweiten Album. Da muss man vorausschauend sein. Wir könnten einfach ganz viele Songs schreiben. Aber es geht doch vor allem darum, dass das Set gut ist, das wir spielen. Und das ist es ja auch.
Also spielt ihr noch keine Stücke, die dann auf eurer angekündigten EP landen werden?
Andys Telefon klingelt noch einmal, dieses Mal ist es der Anruf-Ton. "Änder' doch wenigstens deinen Klingelton", stichelt Matt.
Matt: Strauchelt ein bisschen Naja, hm, das kommt drauf an. Wir wissen ja noch gar nicht wirklich, was wir als nächstes machen wollen. Wir werden in England auf jeden Fall eine Single rausbringen, wahrscheinlich auch in Europa. Es wird glaube ich "The View From The Afternoon". Was auch immer wir da als B-Seiten rauf tun, das könnten wir spielen.
(Ein paar Tage später erscheint auf ihrer Homepage die News, dass nicht etwa eine Single, sondern eine DVD mit zwei Kurzfilmen, die beide auf der Idee des "When The Sun Goes Down"-Videos basieren, sowie einigen Extras in die Läden kommen soll.)
Die Art, wie Alex seine Lyrics erzählt, erinnert mich ein bisschen an Pulp, aber auch an The Streets. Welcher Vergleich macht euch stolzer?
Matt: Wahrscheinlich The Streets. Ich weiß nicht, wir haben öfter Streets als Pulp gehört.
Einige von euch kommen eher aus der Hip Hop Szene ...
Matt: Ja, so ungefähr. Also ich, Andy und Alex mochten Hip Hop ziemlich gerne, während wir noch zur Schule gingen. Als wir dann die Band gegründet haben, hat uns das der Gitarrenmusik näher gebracht. Aber wir hören immer noch Hip Hop.
Warum habt ihr dann nicht angefangen, Hip Hop zu machen?
Matt: Wir haben damit rumprobiert, aber nicht in einer Band, eher am Computer. Aber uns gefiel die Idee, Musik richtig zu spielen. Als die Strokes und solche Bands in England groß wurden, haben wir angefangen, immer mehr Gitarrenmusik zu hören. Wir dachten uns: "Wir könnten ja mal ausprobieren auch so was zu machen." Wir hatten auch Freunde, die schon in Bands waren und Strokes-, Hives- und Vines-Coversongs spielten.
"They said it changes when the sun goes down. Around here." Eure zweite Single "When The Sun Goes Down" handelt von der Gegend, in der euer Proberaum angesiedelt ist. Wird es da abends wirklich so schlimm?
Matt: Ja, aber wir proben meistens tagsüber, da ist es eigentlich nicht so schlimm.
Also habt ihr noch nie eins dieser Mädchen getroffen, die sich da verkaufen?
Matt: Doch, andauernd. Das, was wir im Video zu "When The Sun Goes Down" zeigen, das passiert da ja wirklich. Auch wir werden da von den Mädels gefragt, ob wir nicht mal mitkommen wollen, wenn wir zur Bandprobe gehen.
Aber das ist kein Mädchen von der Straße, die in eurem Video mitspielt?
Matt: Nein, das ist eine Schauspielerin.
Leider ist müssen wir an dieser Stelle mit dem Interview aufhören. Die Band hat wirklich gute Konditionen von ihrer Plattenfirma zugestanden bekommen: Momentan gibt sie nur 4 Interviews am Tag. Nach meinem müssen die beiden noch kurz mit einer Redaktion telefonieren, dann haben sie Zeit für den Soundcheck und für weitere Erdnuss-Studien, bis die Show beginnt. Die im Übrigen überhaupt nicht zu kurz, sondern genau richtig ist für eine junge, quirlige Rockband wie die Arctic Monkeys.
Scummy Man: A Short Film (2006), Scummy Man: A Short Film (2006)
| Fr | 21.06.2013 | Arctic Monkeys Southside Festival (Neuhausen ob Eck) | |
| Sa | 22.06.2013 | Arctic Monkeys Hurricane Festival (Scheeßel) | |
| Sa | 13.07.2013 | Arctic Monkeys A-Harvest Of Art (Wiesen) |
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29,99 €
16,99 €
10,99 €
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23,99 €
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