Porträt

laut.de-Biographie

Beenie Man

Obwohl in der Dancehallkultur der Competition-Gedanke nahezu ebenso tief verwurzelt ist wie im Hip Hop, erhebt sich kein Sturm der Entrüstung, als sich Beenie Man selbst zum King of Dancehall krönt: "Ich habe jede Hürde eingerissen und jeden Rekord gebrochen." Diese Feststellung muss offenbar auch die Konkurrenz anerkennen: Schließlich zählt Beenie zu den Pionieren, die dem Dancehall weltweit Tür und Tor öffneten.

Beenie Man wird als Anthony Moses Davis im August 1973 in Kingston, Jamaika geboren. Schon als er in die Schule kommt, ist ihm klar, dass er DJ werden will, wenn er erst groß ist: "Mein Onkel besaß eine DJ-Anlage. Als ich anfing, selbst aufzulegen, war ich noch nicht mal sechs."

Mit dem Großwerden dauert es dann auch gar nicht lange: Mit acht Jahren nimmt er am landesweiten "Tastee Talent"-Wettbewerb teil. Er gewinnt den ersten Preis und knüpft dadurch Kontakte zu Produzent Junjo Lawes, mit dem er seine Debüt-Single "Too Fancy" aufnimmt.

1983 erscheint Beenie Mans Album "The Invincible Beenie Man, The Incredible Ten Year Old Deejay Wonder" (Der Unbesiegbare Beenie Man, das unglaubliche zehnjährige DJ-Wunder), doch schon ab dem darauf folgenden Jahr widmet sich der Junge, von gelegentlichen Singles abgesehen, wieder voll und ganz der Schule. Die Karriere des Kinderstars scheint beendet. Auch sein erstes Album nach dieser Pause, "Cool Cool Rider" von 1993, verebbt weitgehend unbeachtet. Erst 2004, als Beenie Man längst zu Weltruhm gelangt ist, wird es in einer Neuauflage wieder ans Licht gezerrt.

Anfang der 90er startet Beenie als Vocalist allerdings richtig durch. Nach einigen ziemlich erfolgreichen Songs mit seinem jüngeren Bruder Little Kirk legt er sich wegen eines angeblich gestohlenen Slogans mit Kollegen Bounty Killer an. Es entbrennt ein jahrelang schwelender Streit. Als Beenie Man bei einer Show zur Feier eines Besuchs Nelson Mandelas in aller Öffentlichkeit ausgebuht wird, verlässt er Kingston für fast ein Jahr. Der Konflikt zwischen ihm und Bounty Killer liegt somit für eine Weile auf Eis.

Diese Pause scheint den beiden ganz gut zu bekommen: Nach Beenies Rückkehr im Jahr darauf versöhnen sie sich und veröffentlichen das Split-Album "Guns Out". Doch die traute Eintracht erweist sich als nicht von Dauer: Schon Ende der 90er liegen sich die beiden Streithähne wieder munter in den Haaren. Die Tatsache, dass Beenie Man 2006 D'Angel, Sängerin Model und Ex-Liebste ausgerechnet von Bounty Killer, ehelicht, dürfte dem Verhältnis auch nicht eben gut getan haben.

Nach "Guns Out" arbeitet Beenie zusammen mit Sly & Robbie an einem Remake des Bob Marley-Klassikers "No Woman No Cry". Heraus kommt neben der Version "No Mama No Cry" ein zum Rastafari-Glauben bekehrter Beenie Man. In den folgenden Jahren veröffentlicht er viele Songs, deren Texte von den Missständen in Jamaika erzählen, aber auch religiöse Themen behandeln. Er bringt mehrere Alben auf den Markt, die vor allem in den jamaikanischen Charts sehr hoch einsteigen.

Der Durchbruch in Großbritannien gelingt 1997 mit dem Tune "Dancehall Queen". Die nächste Single "Who Am I" aus dem Album "Many Moods Of Moses" platziert sich sogar in den britischen Top Ten. "Moses" bringt Beenie Man die erste Grammy-Nominierung ein. Weitere sollen folgen.

Die beiden auf VP Records erschienenen Alben "The Doctor" und "Y2K" von 1999 lenken die Aufmerksamkeit von Virgin Records auf den Jamaikaner. Ein Jahr später wird er in den USA unter Vertrag genommen. Der Dancehall-Weltherrschaft steht jetzt nichts mehr im Wege. Sein erster Virgin-Release "Art & Life" verschafft Beenie dann auch den begehrten Grammy. Die Hit-Single des Albums, "Girls Dem Sugar", featuret R'n'B-Sängerin Mya. Die Produktion obliegt den Neptunes. In Folge arbeitet Beenie Man mit Größen wie Wyclef Jean, Janet Jackson und zahllosen anderen zusammen.

Ganz ohne Widrigkeiten läuft es jedoch auch für Beenie Man nicht ab: Wie bei leider zahlreichen Dancehall-Acts, strotzen auch seine Lyrics vor Schwulenhass und Intoleranz. Sein Traum von einem "neuen Jamaika, wo sämtliche Schwuchteln hingerichtet werden", findet glücklicherweise nicht überall Beifall. Besonders in Europa und Nordamerika klatscht Beenie Man für derartige Ansichten eine Protest-Woge ins Gesicht. Immer wieder müssen Shows abgesagt werden. Mit den Jahren mäßigt er sich zwar ein wenig. Auf eine Entschuldigung für oben angeführten Blödsinn wartet die Schwulen- und Lesbengemeinde allerdings bis heute vergebens.

2006 dreht Beenie Man zum wiederholten Male richtig auf. Das Mixtape "It's Ah! Beenie" vereint Tracks, die auf Riddim Music entstanden sind. Mit "Hmm Hmm" nimmt die Zusammenstellung die erste Single des anstehenden neuen Albums vorweg. "Undisputed" folgt auf dem Fuße. Produzenten-Beteiligung von Scott Storch, Don Carleon, der bereits für Sizzla und Elephant Man tätig war, und Tony Kelly (Sean Paul, Wayne Wonder) lassen mit Recht beste Beat-Qualitäten vermuten. Die Gästeliste liest sich auch nicht übel: Hier finden sich neben Gattin D'Angel Akon, Brooke Valentine, Reggaeton-Superhero Voltio und die großartige Lady Saw.

Beenie Mans Biografie liest sich wie eine jamaikanische Erfolgsstory, und selbst das ist noch untertrieben. Er räumt ab, wo er nur kann: Zeitweise mehrere veröffentlichte Alben pro Jahr, unzählige Awards, Chartserfolge und Kollabos mit bekannten Musikern ... Beenie Man ist nicht zu stoppen. Dabei hat er, im wahrsten Sinne des Wortes, ganz klein anfangen.

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Alben

Beenie Man - Tropical Storm: Album-Cover
  • Leserwertung: 2 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2002 Tropical Storm

Kritik von Stefan Johannesberg

Der Reggae-König wildert mit Janet Jackson in R'n'B-Gefilden. (0 Kommentare)

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Beenie Man live in Winterthur Beenie Man beim Afro-Pfingsten 2007 in Winterthur.

Beenie Man beim Afro-Pfingsten 2007 in Winterthur., Beenie Man live in Winterthur | © LAUT AG (Fotograf: Joachim Gauger) Beenie Man beim Afro-Pfingsten 2007 in Winterthur., Beenie Man live in Winterthur | © LAUT AG (Fotograf: Joachim Gauger) Beenie Man beim Afro-Pfingsten 2007 in Winterthur., Beenie Man live in Winterthur | © LAUT AG (Fotograf: Joachim Gauger) Beenie Man beim Afro-Pfingsten 2007 in Winterthur., Beenie Man live in Winterthur | © LAUT AG (Fotograf: Joachim Gauger) Beenie Man beim Afro-Pfingsten 2007 in Winterthur., Beenie Man live in Winterthur | © LAUT AG (Fotograf: Joachim Gauger) Beenie Man beim Afro-Pfingsten 2007 in Winterthur., Beenie Man live in Winterthur | © LAUT AG (Fotograf: Joachim Gauger) Beenie Man beim Afro-Pfingsten 2007 in Winterthur., Beenie Man live in Winterthur | © LAUT AG (Fotograf: Joachim Gauger) Beenie Man beim Afro-Pfingsten 2007 in Winterthur., Beenie Man live in Winterthur | © LAUT AG (Fotograf: Joachim Gauger)

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