Porträt

laut.de-Biographie

Danger Mouse

"The Grey Album" könnte als einer der größten Schabernacks in die Geschichte eingehen, mit denen sich die grauen Herren im Musikbusiness je konfrontiert sahen. Zumindest als der erfolgreichste: Am 24. Februar 2004 stellen mehr als 170 Webseiten allen Einschüchterungsversuchen seitens des Majorlabels EMI zum Trotz, Danger Mouse' Mash-Up zum Download bereit.

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In einem Anflug von Spinnerei packt der amerikanische Produzent und DJ die Vocals des eben erschienenen "The Black Album" von Jay-Z mit selbst gemischten Teilen des "White Album" der Beatles zusammen. Daraus entsteht sein "Grey Album", das in den folgenden Tagen über eine Million Downloads verzeichnet.

Entertainment Weekly krönt den Mash-Up zum Album des Jahres 2004, SPIN betitelt Danger Mouse als "eccentric genius of the year", der NME hält ihn für den "heißesten Produzenten der Welt", und das GQ Magazin kürt Danger Mouse gleich zur Person des Jahres. Nicht schlecht für eine Maus, die man noch wenige Wochen zuvor lediglich im Rap-Underground kannte.

Brian Burton, 1978 in White Plains in New York geboren, führte zuvor das beschauliche Leben eines unterschätzen Musikers. Unter dem Namen Pelican City bringt er es auf zwei Alben, "The Chilling Effect" und "Rhode Island", auf denen er sich als respektabler Trip Hop-Knöpfchendreher behauptet. An Hip Hop denkt zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Eigentlich verwunderlich, dass Danger Mouse 2003 gemeinsam mit dem Rapper Jemini auf dem Londoner Label Lex Records "Ghetto Pop Life" veröffentlicht, das als klassisches Rap-Album durchgeht: Sample-Wahnsinn, Old School-Anleihen und ein grandioses Zusammenspiel zwischen MC und DJ.

Schnell avanciert Danger Mouse, der sich seinen Namen von einer bekannten englischen Comic-Maus aus den Achtzigern leiht, zum obersten Lex-Künstler mit Remix-Aufträgen für die Super Furry Animals, Bright Eyes, Zero 7 und Dinah Washington. Von dieser Arbeit nicht ausgelastet, findet Brian trotzdem Zeit für musikalische Spinnereien, darunter eben besagtes erstes Bastard-Pop-Album der Geschichte, "The Grey Album".

Broken Bells - After The Disco
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Detailverliebt. Ideenreich. Stimmig. Einfach gut.
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Während Jay-Z begeistert reagiert, freut man sich in der Chefetage von EMI Records nicht im Geringsten. Das Label zieht vor Gericht und will gegen jeden vorgehen, der das "Grey Album" verkauft oder vertreibt. Danger Mouse selbst ist sich keiner Schuld bewusst: Er habe das Album lediglich einigen Freunden weitergereicht, die es dann wohl ins Internet gestellt haben.

Auf die Aufregung folgt der 'Grey Tuesday', an dem sich über zahlreiche Homepages beteiligen, indem sie das Album zum freien Download zur Verfügung stellen. Etliche Seiten schrecken die Drohungen von EMI zwar ab, sie verzichten auf die Download-Möglichkeit, färben aber ihre Internetpräsenzen aus Loyalität grau ein. Kritiker und Fans sprechen in seltener Eintracht von einem "modernen Klassiker", unter den Laudatoren finden sich Produzentenlegenden wie Rick Rubin und die Neptunes.

Hoch motiviert gönnt sich Danger Mouse keine Pause und arbeitet emsig weiter. Die perfekte Gelegenheit dafür gibt ihm Damon Albarn, der Danger Mouse für den zweiten Teil seines Gorillaz-Projekts verpflichtet. Als Nachfolger von Del Tha Funkee Homosapien kümmert er sich diesmal um die Hip Hop-Beats der virtuellen Freak-Crew und lässt mit "Feel Good Inc." die erste Single und mit "Demon Days" das gesamte Album aus dem Sack. Das Grammy-Komitee belohnt seine Arbeit mit einer Nominierung für die Auszeichnung als bester Produzent des Jahres.

Für Danger Mouse kein Grund, um sich auf die faule Haut zu legen. In der Underground-Rap-Koryphäe MF Doom findet er den kongenialen Partner. "The Mouse And The Mask" entsteht unter dem gemeinsamen Alias Dangerdoom und bietet genügend Platz für weitere Spinnereien und Gastauftritte von Talib Kweli, Ghostface Killah und Funk/Soul-Sänger CeeLo Green.

Besonders Letztgenannter scheint an der Studioarbeit mit Danger Mouse Gefallen gefunden zu haben. Anfang 2006 entscheiden sich er und Danger Mouse, eine gesamte Platte zusammen aufzunehmen. Als liege der Hype um das "Grey Album" von Danger Mouse nicht erst zwei Jahre zurück, sorgen auch Gnarls Barkley für eine kleine Revolution im Internet-Zeitalter: Die Debüt-Single "Crazy" des frisch gebackenen Duos mausert sich zum ersten Tonträger, der einzig und allein über Downloads auf Platz eins der englischen Charts klettert.

Ohne großes Konzept lassen sich die zwei Freigeister von ihrer musikalischen Aufgeschlossenheit leiten. Gleiches gilt für Danger Mouse' nächstes Kollabo-Projekt: 2009 tut der Produzent sich mit dem The Shins-Frontmann James Mercer zusammen und gründet die Broken Bells.

Kaum ist hier das erste Album ausgebrütet, stürzt sich Danger Mouse in die nächste Zusammenarbeit. Mit Daniele Luppi, einem Hollywoodkomponisten, fabriziert er ein gar nicht einmal so beatlastiges Album, das vor Reminiszenzen an 70er-Jahre-Western nur so strotzt. Mit dabei sind Jack White und Norah Jones. "Rome" findet ebenfalls wieder großen Anklang.

Sein Album "Dark Night Of The Soul" veröffentlicht Danger Mouse zusammen mit Sparklehorse ebenfalls 2009: eine leere CD-R, zusammen mit der Aufforderung, man möge sich die Files doch bitte selbst in den Weiten des weltweiten Netzes besorgen. Eine reguläre physische Veröffentlichung folgt, für alle, die diese Aufgabe überfordert, 2010.

Das Faible für Bluesrock gerät über den diversen Projekten nicht in Vergessenheit: Für seine Kumpel von den Black Keys produziert Danger Mouse 2011 das himmelhoch gelobte Album "El Camino": 2011 kann er damit mit einem Grinsen im Gesicht abhaken und zu neuen Ufern aufbrechen.

Die findet Danger Mouse in den folgenden Jahren als Produzent für die unterschiedlichsten Künstler. Das nächste Kapitel im Broken Bells-Kontext erscheint 2014 in Form von "After The Disco". Auf sein Konto gehen darüber hinaus Alben von Norah Jones, Portugal. The Man U2, A$AP Rocky, Adele und der Red Hot Chili Peppers. Auf die Qualitäten der Maus vertrauen offenbar einfach alle.

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Alben

Danger Mouse & Daniele Luppi - Rome: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2011 Rome

Kritik von Alexander Kroll

Das echteste Sample der Welt. (0 Kommentare)

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