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Broken Bells ist kein ganz gewöhnliches Nebenprojekt, denn die beiden beteiligten Musiker entstammen völlig unterschiedlichen Stil-Lagern. Brian Burton arbeitet erfolgreich als Produzent Danger Mouse, und James Mercer bekleidet die Posten des Gitarristen und Leadsängers bei The Shins.
Der 1978 in New York geborene Burton erlangt 2004 Aufmerksamkeit mit einem gewagten Projekt: er vermengt im heimischen Studio Vocals aus Jay-Zs "The Black Album" mit Elementen aus dem legendären "White Album" der Beatles. Titel seines Babys: "The Grey Album". Für ihn der große Einstieg in die Musik-Szene, denn danach greifen Künstler wie Damon Albarn (Gorillaz) oder MF Doom gern auf die Künste des DJ Danger Mouse zurück.
James Mercer, 1970 in Honolulu zur Welt gekommen, ist seit 1997 bei der Indie-Pop-Band The Shins aktiv. Bis 2007 veröffentlicht die Formation vier Alben, überregionale Bekanntheit erlangen sie durch den Song "New Slang", der in der TV-Serie "Scrubs - Die Anfänger" eingesetzt wird.
Bereits 2004 kommt es während des Roskilde-Festivals in Dänemark zu einem ersten Aufeinandertreffen von Burton und Mercer. Von Anfang an versteht man sich gut, trotz unterschiedlicher Genres findet die eigene Arbeit Anerkennung beim Kollegen. Bereits hier entsteht die Idee, in Zukunft einmal etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen.
In Brian Burtons eigenem Studio entstehen 2008 gemeinsame Probeaufnahmen. Für den bislang nicht erschienenen Longplayer "Danger Mouse And Sparklehorse Present: Dark Night Of The Soul" spielen sie den Song "Insane Lullaby" ein. Die Duo-Aktivitäten erweisen sich weiterhin als fruchtbar: beide stellen schließlich 2009 eine Homepage unter dem Namen Broken Bells ins Netz.
Im Dezember ist mit der Single "The High Road" der Vorläufer für das erste offizielle Album, das im März 2010 erscheint, erhältlich. Der Download ist kostenlos. Ihren Stil beschreiben die zwei Musiker als "melodisch, aber experimentell".
James Mercer (The Shins) und Brian Burton (Danger Mouse) über das erste heiße Projekt 2010.
Brian Burton alias Danger Mouse gilt vollkommen zurecht als einer der umtriebigsten Pop-Produzenten/Musiker unserer Zeit. Wenn der gebürtige New Yorker und Bastardpop-Erfinder (remember "Grey Album") nicht gerade für Gorillaz oder Beck im Produzentensessel sitzt oder sich Grammy-nominieren lässt, treibt er mit Vorliebe Kollaborationsprojekte voran.
Nach Gnarls Barkley und dem (nie offiziell veröffentlichten) Superstar-Projekt "Dark Night Of The Soul", bei dem Burton und Sparklehorse unter anderem mit Julian Casablancas, Iggy Pop und David Lynch zusammenarbeiteten, treibt es ihn nun tief in US-Indiepop-Gefilde: Der Wegbereiter des Bastardpop mischt mal wieder die Karten neu. Broken Bells heißt das jüngste Bandprojekt von Danger Mouse. Partner ist diesmal sein langjähriger Freund James Mercer - seines Zeichens Herz und Kopf von The Shins.
Jahrelang schon sei er Fan, gibt Danger Mouse an diesem Vormittag in einer aufgeräumten Hotelsuite in Berlin-Mitte zu Protokoll. Er spricht ruhig und überlegt. Äpfel und Croissants liegen bereit, ausgegangen sind die beiden letzte Nacht auch nicht - entsprechend ausgeschlafen präsentieren sich Burton und Mercer. Gemeinsam haben die langjährigen Freunde ein Album geschaffen, das das Spielfeld zwischen Gitarren- und Orgelgetriebenem Indiepop und psychedelischen Seitenstichen mit einer beeindruckenden Raffinesse füllt.
"Broken Bells" lebt von dieser bestimmten Art Melancholie, der jene Leichtigkeit innewohnt, die zuckersüße Melodien auf Watte zu betten vermag. Es ist analoger, warmer Pop mit einem unaufdringlichen Rhythmusfundament aus der Beatbox, und es scheint fast, als sei es die naheliegendste Kollaboration der Welt, wenn der afrotisierte Multiinstrumentalist und der Folksänger sich kurzschließen. Es wäre früher passiert, wären Mercer und Burton nicht so vielbeschäftigte Musiker.
Einen Masterplan gab es für die Studioaufnahmen übrigens nicht, erklären sie im Interview unisono. Er sei ohne jedes Instrument und konkrete Erwartungen in den Flieger zu Danger Mouse gestiegen, fügt James Mercer an. The Shins-Fans müssten sich aber trotz mehrerer personeller Wechsel keine Sorgen über die Zukunft seiner Hauptband machen. Neues Material werde sicherlich "someday" erscheinen, heißt es recht ungefähr. Die Priorität liege hier und heute eben auf Broken Bells. Indes wurde für das Projekt kein aktuelles Shins-Songmaterial verwendet, wie in manchen Foren bereits spekuliert worden war.
James und Brian: Wie, wann und wo habt ihr euch kennengelernt?
Bis vor kurzem lautete euer Bandname "James Mercer & Brian Burton/Pelican City". Konntet ihr euch zwischenzeitlich auf etwas Kompakteres einigen?
Brian, du hast in der Vergangenheit mit so unterschiedlichen Künstlern wie Damon Albarn, Julian Casablancas und David Lynch kollaboriert. Egal ob Soul, Indierock oder Hip Hop - Genres scheinen für dich keinen Grenze zu sein ...
James, nicht wenige Shins-Fans machten sich zuletzt Sorgen. Der Rauswurf von Drummer Jesse Sandoval und Keyboarder Marty Crandall Mitte 2009 bedeutet einen großen personellen Umbruch. Welchen Stellenwert hat Broken Bells mittelfristig?
Insbesondere die Danger Mouse-Veröffentlichungen sind für ungewöhnliche Wege bekannt: Gnarls Barkley feierten mit "Crazy" die erste Download-Nr.1, das "Grey Album" verbreitete sich viral im Internet, das Feature-Projekt "Dark Night Of The Soul" konnte wegen Copyright-Streitigkeiten mit der Plattenfirma nur als leere CD-R mit Fotobuch erscheinen. Für welchen Distributionsweg habt ihr euch bei eurem Album entschieden?
"Dark Night Of The Soul" war gerade in visueller Hinsicht herausragend: Der leeren CD lag ein mehr als 100 Seiten starkes Fotobuch mit Fotografien von David Lynch bei. Befürchtet ihr im digitalen Zeitalter einen Verlust der visuellen Seite von Musik? Glaubt ihr, es gibt wirksame Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken? Und hört ihr privat ganz klassisch Platten und CDs, oder läuft bei euch mittlerweile alles über den MP3-Player?
In Frankreich und Großbritannien, aber auch in den USA gibt es konkrete Bestrebungen der Content-Industrie, Urheberrechtsverletzer dauerhaft vom Internet auszusperren. Wie denkt ihr über diese sogenannte Three-Strikes-Out-Politik?
"Broken Bells" erscheint Anfang März als CD-Album bei Sony Music.
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