laut.de-Kritik

Meisterwerke des Hip Hop brauchen keine Stars.

Review von

Es gibt wohl keine glücklicheren Fans als die von MF Doom. Wieso? Weil der Supervillain täglich länger arbeitet, als die 40-Stunden Woche erlaubt, und weil dabei jedes verdammte Mal ein Geniestreich entsteht. Einmal mehr sorgt er nun mit einer Kollaboration für Freudensprünge. Nach der kongenialen Kurzpartnerschaft mit Weedhead Madlib auf "Madvillainy" hat das Metal Face nun den nächsten Undergroundhelden an die Hand genommen. Und auch DJ Dangermouse hat es faustdick hinter den Lauschern.

Der "Mann des Jahres 2004" (gekürt vom GQ Magazine) hat die Liebe der Musikwelt mit seiner fulminanten Melange aus Jiggas "Black Album" und dem "White Album" der Beatles auf sich gezogen. Und wer das kennt, dem sollte eigentlich schon klar sein, dass das gefährliche Mäuschen hinter den Reglern ganz Großes leistet. Gerade dann, wenn jemand wie Doom hinterm Mikro steht.

Um es kurz zu machen: Herausgekommen ist nichts weniger als ein Meisterwerk des unkonventionellen Rap. Dangermouses lockere Produktionen sind so unverschämt sympathisch, dass es die Raps des dreckig flowenden Maskenmannes braucht, um die Realness des Genres zu bewahren. Diesen Instrumentals kann beim besten Willen niemand widerstehen, Basslines hüpfen beschwingt über klickende Drums, Streicher tänzeln mit Bläsern, als ob es kein morgen gäbe, und wenn erst helle Flöten klingen, ist es schließlich um jeden Head geschehen. Sogar die düsteren Stücke haben dank ihrer Vielschichtigkeit solch eine Anziehungskraft, dass man Dangermouse einfach nur noch über sein weiches Mauskostüm streicheln will. Die Comic-Einspieler zwischen den Songs beweisen sogar, dass Skits tatsächlich zur Unterhaltung erfunden worden sind, und nicht, um den Hörern auf die Nerven zu gehen.

Jetzt soll es ja unwissende Rapfanatiker geben, die DJ Dangermouse für so einen Londoner Szene-DJ halten, der trendy Mash Up-Musik ohne Sinn für das traditionsreiche Hip Hop-Genre macht. Diejenigen sollten sich nur kurz "Old School Rules" zu Gemüte führen. Bei Fanfaren, Monster Boom Bap und Talib Kweli werden sie leicht vergessen, den Mund wieder zu schließen. Hip Hop at its best! Wenn dann noch Wu-Tangs Ghostface auf "The Mask" mit seinen nach vorne gehenden Edel-Raps ein perfektes Gleichgewicht zu Dooms schludrig-heiseren Reimen schafft, sollte der letzte Zweifler schweigen.

Dangermouse und MF Doom, die beide ihre eigene Person hinter einer Maske verbergen (der eine eine Maus, der andere Dr. Doom), beweisen, dass es für Meisterwerke im Hip Hop keine aufgebauschten Starpersönlichkeiten braucht. Hier zählt die Musik. Und die verdient bei Dangerdoom kein anderes Prädikat als: besonders genial.

Trackliste

  1. 1. El Chupa Nibre
  2. 2. Sofa King
  3. 3. The Mask - Feat. Ghostface
  4. 4. Perfect Hair
  5. 5. Benzi Box - Feat. Cee-Lo
  6. 6. Old School Rules - Feat. Talib Kweli
  7. 7. A.T.H.F. (Aqua Teen Hunger Force)
  8. 8. Basket Case
  9. 9. No Names (Black Debbie)
  10. 10. Crosshairs
  11. 11. Mince Meat
  12. 12. Vats Of Urine
  13. 13. Space Hos
  14. 14. Bada Bing

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LAUT.DE-PORTRÄT MF Doom

MF steht für Metal Face - schließlich ist die Maske, die Undergroundrapper MF Dooms Gesicht verbirgt, das Erste, was ins Auge springt. Bis er den Mund …

11 Kommentare

  • Vor 8 Jahren

    @venom (« "Crosshairs", "Old School (ft. Talib Kweli)" und "Space Ho's" sind sowas von lässig, eigentlich ja alles. :) »):

    Ja, die Tracks find ich davon auch am besten. Ist leider recht kurz ausgefallen die Kollaboration....40 min. :
    @venom (« Aber stimmt schon, im Grunde nichts "soo besonderes", Serpentine ... hätte eigentlich freakiger, verrückter und genialer ausfallen können. »):

    Es tönt für mich, als wenn der Grossteil der Beats von Metal Fingers (MF Doom) selbst gemacht wurden und Danger Mouse sie nur noch aufpolieren brauchte.

    Würd' Danger Mouse's Anteil schon fast nur als Co-Producer werten.

    Insgesamt zwar nicht Doom's bestes Album, aber dennoch sehr gut.

    Weitere mir bislang bekannte und erwähnenswerte MF Doom Releases:
    MF Doom / Nas - Nastradoomus Vol.1 (http://www.discogs.com/release/442416) Vol.2 (http://www.discogs.com/release/499764) (2003)

    Und ich mag's am liebsten, wenn er über seine eigenen Produktionen flowt, wie bei King Geedorah (http://www.discogs.com/release/153789) oder gänzlich instrumental, wie die Metal Fingers presents Special Herbs (http://www.discogs.com/artist/metal+fingers) Reihe, da sind einige echte BeatPerlen dabei.

    Auch ganz schicke Tracks:
    Wally Oyejide [aka science fiction] - Hold on to... Feat. MF Doom
    Zero 7 - Sommersault (Danger Mouse Remix ft. MF Doom)

    Wär' toll, wenn das nächste MF Doom Projekt in Richtung "DoomFiction" oder "AuDoomator" gehen würde. :trusty:

    Mir noch unbekannte Alben:
    MF Doom - Operation: Doomsday (http://www.discogs.com/release/159669) (1999)
    MF Doom - MM..Food (http://www.discogs.com/release/349232) (2004)

  • Vor 8 Jahren

    Etwas kurz geraten ist's in der Tat ... aber irgendwie ist's jetzt rein musikalisch wirklich genau mein Ding, diese sonnigen und loungigen Melodien, die schwer stilvolle Instrumentierung, Dr. Dooms Vocals, das ist alles einfach nur noch geil ... mir macht "The Mouse and the Mask" auf jeden Fall schon sehr viel Freude. :)

    Zitat (« Es tönt für mich, als wenn der Grossteil der Beats von Metal Fingers (MF Doom) selbst gemacht wurden und Danger Mouse sie nur noch aufpolieren brauchte. »):

    Hat wohl was, kann ich ehrlich gesagt aber zu wenig beurteilen ...

    Wie dem auch sei, danke für die Anspieltipps ...
    Madvillainy hab ich jetzt übrigens kürzlich bestellt, King Geedorah ist auch bald an der Reihe ... bin am aufholen. :whiz:

  • Vor 8 Jahren

    die pladde is wirklich geil.

    frage mich nur, warum sie auf laut "nur" vier punkte bekommt, wenn der schlußsatz lautet: "besonders genial"...