Porträt

laut.de-Biographie

Madlib

Von so bedeutenden Künstlern wie D'Angelo oder The Roots'-Chef ?uestlove als überraschender Indie-Hip Hop-Triumph gefeiert und als ihr Held bezeichnet zu werden, ist schon eine ganz besondere Ehre. Doch dabei noch auf dem Teppich zu bleiben und zu behaupten, dass die eigene Musik "einfach das ist, was man hören will", ist schon ein ganz dickes Ding.

Best Of 2014: Die Hip Hop-Alben des Jahres
Best Of 2014 Die Hip Hop-Alben des Jahres
Rap is king - aber wer ist King of Rap? Deine Mudder unter den Jahresbestenlisten präsentiert unsere Lieblinge von Boombap bis Trap.
Alle News anzeigen

Genau das trifft auf den Produzenten, DJ und Rapper Madlib zu. 1974 in Oxnard 40 Kilometer nördlich von Los Angeles geboren wird ihm seine Leidenschaft zur Musik schon quasi mit der Flasche eingeimpft. Der Vater, Otis Jackson sr., ist ein bekannter R'n'B- und Soul-Sänger der 60er und 70er Jahre, die Mutter, Senesca Jackson, Songwriterin und Background-Sängerin, der Onkel ist der große Jazz-Trompeter Jon Faddis, der schon mit Dizzy Gillespie und Charles Mingus auf der Bühne stand. Das sind schon gewichtige Gründe für Otis Jackson jr., auch in Richtung Musik zu tendieren, doch findet der junge Madlib eher im Hip Hop seine Richtung. Trotzdem unterscheidet er sich bald von den gewöhnlichen Hip Hop-Acts dieser Zeit. Er ist maßgeblich durch die Jazz-Platten seiner Eltern beeinflusst und hebt sich so von der Masse ab. Er sampelt mit seinem SP1200 vorwiegend Jazz- und Funk-Platten und erschafft so eine relaxte Mischung aus diesen Stilen, unterlegt mit easy Beats. Dabei findet er in Jack Brown (Wildchild) und Romeo Jimenez (DJ Romes) zwei Gleichgesinnte, die von seinen smoothen, jazzigen Interpretationen fasziniert sind.

Das Trio arbeitet unter dem Namen Lootpack und macht erstmals 1993 bei dem Beitrag für das Tha Alkaholiks-Album "21 And Over" von sich reden. Doch lassen sich die Drei mit ihrem Album-Debüt noch sechs Jahre Zeit, denn erst 1999 kommt "Soundpieces: Da Antidote" auf den Markt. Obwohl die Kritiken für sich sprechen, will sich der Erfolg der Gruppe nicht einstellen. Im Gegensatz zu der eher enttäuschenden Karriere des Trios läuft es bei Madlib umso besser. Gepusht vom Los Angeles Radio-DJ Peanut Butter Wolf wird Madlib auf dessen Plattenfirma Stones Throw Records gesignt und bastelt sogleich an verschiedensten Beats für das Label.

Sein Facetten-Reichtum wird aber nicht nur bei seiner Musik deutlich. Er arbeitet an verschiedenen Projekten unter der Maske zahlreicher Künstlernamen. So veröffentlicht er seine erste Solo-Platte unter dem Pseudonym Quasimoto, wie er sein rappendes Alter-Ego nennt. Auch "The Unseen" wird ein Erfolg bei den Kritikern, besonders die Eigenart, dass er seine Stimme bei den Raps derartig hoch pitscht, dass er sich wie 'Q-Tip auf Helium' anhört. Überzeugen tut er allemal, wie auch mit seinem Nachfolger "Angles Without Edges", das er unter dem Namen Yesterday's New Quintet aufnimmt. Hier spielt er alle Instrumente selbst ein und erforscht, wie weit er bei der Verschmelzung von Jazz und Hip Hop gehen kann. Auch im Jahr darauf, 2002, begibt er sich auf eine weitere stilistische Umleitung. "Blunted In The Bomb Shelter" ist ein DJ-Mix aus Reggae- und Dub-Tunes des Labels Trojan.

In den Archiven von Kult-Labels scheint er sich wohl zu fühlen, denn 2003 erlaubt ihm das renommierte Jazz-Label Blue Note Records, fast ohne Beschränkung alte Stücke zu covern und zu samplen. Madlib im Schlaraffenland, was durchaus auch den Fans gefällt. Seine Fan-Basis kann er immer weiter ausbauen. Bei einem solchen Produktions-Talent und dem richtigen Näschen für das Ausgefallene entwickeln sich folgende Projekte quasi zu Selbstläufern. Vor allem seine Kollaborationen auf Album-Länge schlagen in der Szene ein und hinterlassen tiefe Krater.

Freddie Gibbs & Madlib - Piñata
Freddie Gibbs & Madlib Piñata
Das rauste und beste Rap-Album des noch jungen Jahres.
Alle Alben anzeigen

Gemeinsam mit der Detroiter Produzenten-Legende Jay Dee schließt er sich zu Jaylib zusammen und schafft das für viele Heads beste Album des Jahres. Kurz darauf liefert er die perfekte Kulisse für Declaimes Gesanges-Ausflug als sein Alter Ego Dudley Perkins. Mitterlweile stehen auch die richtig großen Namen Schlange: Remixe folgen für Radiohead, Zero 7 und Jazzanova. Seine letzte Schandtat äußert sich im Zusammentreffen mit dem Underground-Rapper MF Doom. Gemeinsam avancieren die beiden zu Superschurken und treiben als Madvillain ihr Unwesen. Für Madlib ein weiterer Schritt zum Ruhm, doch darüber macht er sich sowieso keine Gedanken. Ihm fällt nur eins dazu ein: "I make music from the heart. If you like it, you like it. If not, that's cool."

So über den Dingen stehen, kann wirklich nur einer, der sich tatsächlich keine Gedanken machen muss. Muss er nicht. Madlib produziert munter weiter und erfreut 2005 erneut als rotzfrecher Rapper Quasimoto auf Helium. Das Instrumental zu "Shopping Bags", die erste Single des De La Soul-Albums "The Grind Date", entstammt Madlibs MPC und bedeutet für ihn den ersten wirklichen Charts-Einstieg. Natürlich tummeln die Old School-Helden von De La Soul im Jahr 2005 nicht mehr auf den vordersten Plätzen der Charts. Der Name Madlib macht trotzdem die Runde. Nur noch mehr Motivation für Madlib selbst, der sich für unzählige weitere Projekte in seinen Loop Digger Hideaway-Studios in Los Angeles einschließt.

Weiteren Stoff für die Hip Hop-Heads gibts zum Jahreswechsel 2006/2007: Da veröffentlichen Madlib und Talib Kweli ihr gemeinsames Album "Liberation". Projekte mit Erykah Badu und dem kompletten Stones Throw-Camp füllen Madlibs Terminkalender. Zeit für Urlaub gibt es da nicht. So bereist er zumindest die weite Welt im Geiste und sampelt sich für den zweiten Teil seiner Beat Konducta-Reihe durch etliche Bollywood-Filme. Der Beat-Wahnsinn aus dem Hause Otis Jackson nimmt kein Ende.

News

Alben

Freddie Gibbs & Madlib - Piñata: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

2014 Piñata

Kritik von David Maurer

Das rauste und beste Rap-Album des noch jungen Jahres. (0 Kommentare)

  • Label-Homepage

    Daheim präsentiert es sich immer noch am besten.

    http://www.stonesthrow.com
  • Rappcats

    Fan-Seite mit massig Informationen.

    http://www.rappcats.com
  • MySpace-Seite von Madlib

    Nicht nur Freunde, sondern auch Videos, Bilder und Tracks.

    http://www.myspace.com/madlib

Noch keine Kommentare