Porträt

laut.de-Biographie

Blu

Glaubt man dem Volksmund, gehört musikalische Offengeistigkeit nicht zu den großen Stärken der Vertreter des Hip Hop-Genres. Dabei gibt es genügend Beispiele, die dagegen sprechen. Auch die neue Generation wartet mit Künstlern auf, die für musikalische Konventionen weder Blog-Post noch Twitter-Status übrig haben. Bestes Beispiel: Johnson Barnes aka Blu - kalifornischer Rapper, Produzent und musikalischer Freigeist, wie er nicht weniger ins Bild notorischer Hip Hop-Gegner passen könnte.

Bereits die Eckdaten des im April 1983 geborenen Musikers zeigen, dass das Genre hier nicht einen ihrer konventionellen Repräsentanten gefunden hat. Zur Welt gekommen im berühmt-berüchtigten Inglewood, jenem Ort, den Dr. Dre mit seiner Crew N.W.A. bekannt machte, wächst Blu in einem streng katholischen Elternhaus auf. Sein Vater ist Pastor, für den es außer Musik mit streng christlicher Auslegung wenig bis gar nichts gibt. Der Sohnemann legt diese Regeln sehr breit aus, und so avanciert DMXs "It's Dark And Hell Is Hot" zum Lieblingsalbum des flügge werdenden Jugendlichen.

Erste Freestyles folgen und die immer tiefer gehende Auseinandersetzung mit dem Genre intensiviert sich durch die Entdeckung des Conscious Rap-Meisterwerks "One Day It'll All Make Sense" des Rappers Common. Als Westcoast-Head mit Vorlieben für Ruff Ryder-Sound aus New York und Backpacker-Großtaten aus Chicago macht Blu seine ersten Schritte im Musikzirkus und beginnt langsam aber sicher seinen Werdegang zum Szene-Liebling und Rap-Apologeten der musikalischen Open Mindedness.

Als Radio-Moderator und Hypeman für Slum Village, Platinum Pied Pipers und Steve Spacek kommt Blu mit bereits bekannten Vertretern der Szene in Kontakt. Insbesondere der Produzent Exile, gerade erfolgreich mit Partner Aloe Blacc als Emanon unterwegs, erkennt das Talent des 23-Jährigen und überzeugt seinen Arbeitgeber, das Indielabel Sound In Color, von den Talenten des Newcomers. Blus Qualitäten sprechen für sich: eine markante Stimme, als Produzent ein ausgereiftes musikalisches Verständnis, ungebrochener Arbeitseifer und eine interessante Aura zwischen sympathischem Sonnyboy und nachdenklichem Paradiesvogel.

Unter den Fittichen Exiles veröffentlicht Blu die ersten Songs und darf maßgeblich an Exiles Producer-Debüt "Dirty Science" Hand anlegen. Und während sich die Freunde des gepflegten BoomBaps noch wundern, wer dieser Jungspund ist, der neben Ghostface Killah, Kardinal Offishall, M.E.D. und Slum Village durch das Album führt, veröffentlichen Blu und Exile mit ihrer Kollaboration "Below The Heavens" den besten Longplayer, den Indierap im Jahr 2007 hören darf. Sowohl Blogosphäre als auch traditioneller Blätterwald sind sich über die Qualität des Albums einig: eine überraschende Großtat zwischen alten Hip Hop-Traditionen und frischer Newcomer-Energie.

Für Blu genug Motivation, um den Hype weiter köcheln zu lassen. Stetig schickt er Songs, Mixtapes und Features durch die Blogs der Rap-Wwwelt und veröffentlicht 2008 gleich zwei weitere Kollaborations-Alben. Es scheint, als fünde Blu erst hier seine wahre musikalische Mitte. Während die Zusammenarbeit mit Produzent Mainframe unter dem Namen "Johnson&Johnson" noch bekannten Rap-Vorgaben mit leicht psychedelischem Touch folgt, schlägt das gemeinsame Werk mit dem Detroiter Rapper und Produzenten Ta'Raach auf "C.R.A.C." Wege ein, die sich sukzessiv von Hip Hop wegbewegen.

Der Auslotung der Grenzen begegnen Szene wie Kritiker mit vollstem Verständnis. Auch als Blus Vollbart wächst und seine Jeans enger werden, findet die Journaille zwischen nahright.com, Fader und XXL Magazine weiterhin nichts als Begeisterung für den talentierten jungen Mann von der Westküste. Unter kalifornischer Sonne wurde ein neuer Star geboren, den man guten Gewissens sogar den Indierock-Kumpels ans Herz legen kann.

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