Porträt

laut.de-Biographie

Damon Albarn

"There's no other way / There's no other way / All that you can do is watch them play", heißt es 1990 in der zweiten Single der Band Blur. Doch nicht einmal die euphorischsten Fans der ersten Stunde konnten damals ahnen, dass man vor allem Sänger Damon Albarn noch über einen derart langen Zeitraum live beobachten darf. Zehn Jahre später bleibt selbst dem neutralen Betrachter nichts anderes mehr übrig, als den musikalischen Innovator als geistiges Kind von David Bowie anzuerkennen.

Damon Albarn kommt am 23. März 1968 im Osten Londons zur Welt. Mit seinen Eltern, der Bühnendesignerin Hazel und dem Musiker Keith sowie der älteren Schwester Jessica zieht er bereits in jungen Jahren ins nahe gelegene Colchester. Auf der dortigen Gesamtschule trifft er 1979 seinen späteren Gitarristen Graham Coxon, mit dem er die Liebe zu den Kinks, XTC, The Specials und Madness teilt.

Nach einer Jugend voller Musikbegeisterung und früher Klavier-Etüden zieht er im Alter von 19 Jahren nach London und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Als Hotelpage begegnet er damals sogar The Edge und Bono von U2, was sich allerdings als zweifelhaftes Vergnügen herausstellt, denn vom betrunkenen Bono wird er beleidigt. Mit ersten Demos will es Albarn zunächst solo versuchen, formiert dann aber mit dem Freund Sam Vamplew die Synthie-Band Two's A Crowd. Deren Lebenszeit ist allerdings von kurzer Dauer.

1988 entsteht mit dem ebenfalls am Londoner Goldsmiths College herumlungernden Coxon die Band Circus, aus der wiederum Seymour und schließlich Blur mit Dave Rowntree und Alex James entsteht. Im Laufe ihrer Karriere schreibt Sänger Albarn die meisten Songs der artifiziellen Popgruppe und ist auch mal an akustischer Gitarre und Keyboards anzutreffen.

In wortgewandten Texten verarbeitet er zumeist Englands Kultur und die Marotten seiner Einwohner in vorwiegend sarkastischer und witziger Art, was ihn zügig in die Ruhmeshalle jener britischer Songwriter bringt, die er selbst als Jugendlicher anbetete.

Die größte Ehrung seitens der Industrie darf der Songwriter 1995 im Form von vier Brit Awards für das Blur-Durchbruchsalbum "Parklife" entgegen nehmen. Zusammen mit "Definitely Maybe" von Oasis, das sich seinerzeit in England weit schlechter verkaufte, steht dieses Album exemplarisch für den Beginn des Britpop-Hypes auf der Insel.

In diese Zeit fällt auch Albarns frühes Image als arroganter Maulheld, da er bald Gefallen am medialen Abwatschen etwaiger Konkurrenten fand und damit Oasis, nach Meinung von Experten wie Creation Records-Gründer Alan McGee, den größten Gefallen überhaupt machte. Die Folge ist ein zunehmend niveauloser wie auflagenstarker Medienkrieg, dessen traurigen Höhepunkt das Gallagher-Zitat darstellt, Albarn und Basser James sollten an Aids sterben.

Mit dem zähen, Krautrock atmenden Album "13" etabliert sich der Sänger 1999 auch bei zuvor immun eingestellten Kritikern und in den USA als ernst zu nehmende Songwritinggröße.

Bis 1998 ist der eingefleischte Chelsea-Fan und Vegetarier mit Elastica-Frontfrau Justine Frischmann liiert, im neuen Jahrtausend ist die Künstlerin Suzi Winstanley die Frau an seiner Seite, mit der er die nach der US-Rapperin benannte Tochter Missy hat.

Um die Jahrtausendwende ist Albarn trotz stetiger Experimentierlaune den engen kompositorischen Grenzen seiner Hauptband und besonders der endlosen Album-/Tournee-Routine überdrüssig. Mit dem befreundeten Comic-Zeichner und WG-Kumpanen Jamie Hewlett entwirft er ein neues Pop-Konzept, das unter dem Namen Gorillaz unerwartet erfolgreich und somit länger als geplant am Leben erhalten wird. 2006 startet Albarn mit The Good, The Bad & The Queen ein Projekt, das so illustre Gastmusiker wie Tony Allen (Fela Kuti), Paul Simonon (The Clash) und Simon Tong (The Verve) zur Besetzung zählt.

Dass der Friedensaktivist, der 2003 vor dem Ausbruch des Irak-Kriegs mit Menschenrechtlerin Bianca Jagger die Anti-Kriegsbewegung auf den Straßen Londons anführt, einmal mit dem Afrobeat-Pionier Allen zusammen spielen darf, hebt Albarn in zahlreichen Interviews als riesige Ehre hervor. Seine Liebe zur afrikanischen Musik mündete zuvor bereits in das Projekt Mali Music sowie die Eröffnung des Liebhaberlabels Honest Jon's. Die kleine Plattenfirma beschäftigt sich ausschließlich mit verschollenen und raren Aufnahmen unbekannter Künstler aus Afrika, die in riesigen Lagerhallen des Majorlabels EMI vor sich hinschimmeln.

Ende des Jahres 2003 erscheint dort auch Albarns Solo-EP "Democrazy" in einer Sammlerauflage von 5000 Doppel-Vinyl-Einheiten. Die auf der Blur-Tournee zu "Think Tank" per 4-Spur-Recorder aufgenommenen Demos und Songfragmente sollen dem Hörer einen Einblick in den frühen Schaffensprozess des Musikers geben und sind daher absichtlich ungeschliffen gehalten ("It's the lowest lo-fi record ever", Albarn).

Stets auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern unterbricht er nach einem Album das Projekt The Good The Bad, And The Queen, um 2008 gemeinsam mit Hewlett die chinesisch inspirierte Oper "Journey To The West" zu schreiben. Fasziniert von der ungewohnten Arbeit, folgt 2012 mit "Dr Dee", einer Oper über das Leben von John Dee, ein weiteres Bühnenprojekt des Künstlers.

In der Zwischenzeit produziert er ganz nebenbei Bobby Womack oder gründet mit Flea und Tony Allen das Projekt Rocket Juice And The Moon.

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Alben

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Eine gewisse Affinität zur Oper sollte man schon mitbringen. (0 Kommentare)

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Die hektischen Beats verpuffen in wirren Electro-Spielereien. (0 Kommentare)

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Japanisches Remix-Paket der leibhaftigen Cartoonband. (0 Kommentare)

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Düsteres Style-Hopping mit großartigen Melodien. (0 Kommentare)

13 (1999)

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