Porträt

laut.de-Biographie

Redman

Reginald "Reggie" Noble gilt als einer der charismatischsten und beliebtesten Emcees jenseits des Atlantiks. Im Jahr 2001 feiert er als Redman sein zehnjähriges Jubiläum im Rapbiz. "In diesen zehn Jahren hat er zahlreiche Mikrofone verschlissen und jede Bühne, die er betrat, in Grund und Boden gerockt", resümiert Hip Hop-Kolumnist Damainion Ewell.

Reggie wächst in Newark, New Jersey auf und schafft 1991 mit Gastauftritten in den Tracks "Hardcore", "Headbanger" und "Brothers On My Jock" auf dem legendären EPMD-Album "Business As Usual" den Durchbruch.

Bevor ihn Erick Sermon, das E bei EPMD, unter seine Fittiche nimmt, studiert Reggie am Montclair State College. Um sich eine finanzielle Grundlage für die angestrebte Rapkarriere zu schaffen, vertickt er die eine oder andere nicht unbedingt legale Substanz. Sechs Jahre lang versucht er, sich mit Freestyles und Mixtapes einen Namen zu machen. Beim Freestylen in einem New Yorker Club fällt er dann auch Sermon ins Auge.

Seinen Alias Redman bekommt Reggie bereits im Kindesalter ab, als ihn ein Mädchen mit einem Schneeball im Gesicht trifft, und er daraufhin rot anläuft. Von Schüchternheit ist beim selbsternannten Funk Docta Spock später allerdings kaum noch etwas zu spüren. Reggie entwickelt sich im Laufe der Neunziger zu einem ultracoolen, aber humorvoll-intelligenten Rapstar, der nie in Jiggy-Puff-Gefilde abzurutschen droht. Er bleibt bodenständig und zieht gerade daraus einen Teil seiner Faszination.

Nach seinem Auftritt bei EPMD nimmt sich Def Jam seiner an. "Bei Def Jam zu veröffentlichen, das ist, wie für die Yankees zu spielen", freut er sich gegenüber dem Hip Hop-Magazin Juice über seinen Vertrag.

Auf seiner Debüt-Single "Blow Your Mind" zeigt Redman schon mal, wo es die nächsten Jahre musikalisch und lyrisch lang gehen wird. Funkige, spacige Beats von Erick Sermon und aus eigener Produktion, gepaart mit seinem einzigartigen nasalen Flow ergeben den typischen Redman-Sound.

Die tiefen, Weed-gesättigten Lyrics passen darauf, wie die berühmte Faust aufs Auge (Beispiel: "How To Roll A Blunt"). Ebenfalls 1992 erscheint seine Debüt-Langspielplatte "Whut? Thee Album" und setzt den Style der Single konsequent fort. Im Jahr darauf erhebt The Source Redman zum Rap Artist of the Year.

Die folgende Zeit wird von der Trennung von EPMD überschattet, der auch die All Star-Gruppe Hit Squad (Das EFX, EPMD, K-Solo und Redman) zum Opfer fällt. So gründen Redman, Erick Sermon, Keith Murray und Jamal den Def Squad. Erste Bewährungsprobe der vier bildet Sermons Solowerk "No Pressure". Im November 1994 überrascht Redman mit seinem zweiten Streich "Dare Iz A Darkside". Wie der Titel vermuten lässt, taucht Redman hier tief in den sprichwörtlichen Undergrund ab. Die dunkle Seite zieht sich wie ein roter Faden durch die Tracks.

Redman behält seinen Zwei-Jahres-Rhythmus bei. Ende 1996 steht mit "Muddy Waters" sein drittes Album in den Läden. Der Sound setzt sich aus einer schmackhaften Mixtur aus den besten Zutaten seiner Vorgänger zusammen. Mit 500.000 verkauften Einheiten verzeichnet Redman seinen bis dato größten kommerziellen Erfolg.

Zum ersten Mal kollaboriert Redman (in "Do What You Feel") kongenial mit Method Man. Kennen gelernt hat man sich ein Jahr zuvor bei den Aufnahmen zu "How High", einem Beitrag zum Def Jam-Sampler "The Show". Diese Begegnung von America's most blunted Emcees erweist sich als von schicksalhafter Bedeutung.

Die beiden schicken sich an, zum besten Rapduo aller Zeiten aufzusteigen. Bevor dieser Höhenflug beginnt, manifestiert Redman seinen Status mit Gastauftritten, unter anderem bei R'n'B-Künstlerinnen wie Mariah Carey oder Mary J. Blige und Hip Hop-Kollegen wie KRS-One oder Cypress Hill. Zudem sorgt er für die Höhepunkte auf dem Def Squad-Album "El Niño" und droppt 1998 sein viertes Werk: "Doc's Da Name 2000".

Im September 1999 geht es dann aber ab. Redman und Method Man schließen sich in Gesellschaft Unmengen bewusstseinserweiternder Drogen für ein paar Monate im Studio ein. Das Resultat trägt den passenden Titel "Blackout". Über Beats von Eric Sermon, RZA und Rocwilder duellieren sich die beiden auf ungeahntem Niveau und kreieren so eine intensive Atmosphäre.

"Ganz egal, ob Freundschaft oder Competition, wir mussten wachsam und on point bleiben, keiner wollte vom anderen geburnt werden." (Juice 12/99) Die Platte wird zum Megahit, das Duo bleibt trotz Wu Tang-Clan auf der einen bzw. Def Squad-Familie auf der anderen Seite fortan ein unzertrennliches Team.

So verwundert es kaum, dass Redman als einziges Nicht-Clan-Mitglied auf gleich drei Alben der Shaolinmönche mitmischt: Ghostface Killahs "Supreme Clientel", Method Mans "Tical" sowie "The W" des Wu-Tang Clans. Nach erfolgreicher Tournee mit Method Man, DMX und Jay-Z arbeitet Redman an seinem fünften Solowerk "Malpractice", das im Mai 2001 erscheint.

Die respektable Gold-Plakette in der Tasche baut Redman in der Folge seinen Bekanntheitsgrad erfolgreich aus. Im Kinofilm "How High" spielt er an der Seite von Buddy Method Man einen verkifften Weedhead, der sich bis ins Elite-College Harvard hochraucht. Der Streifen avanciert trotz absurdester Dialoge zum Verkaufsschlager - vielleicht auch gerade deswegen. Meth und Red bilden endgültig ein neues Dreamteam, verkaufen doch etliche Kopien des zugehörigen Soundtracks und bekommen schließlich vom TV-Sender Fox sogar ihre eigene Sitcom "Method & Red", die jedoch nach wenigen Folgen wieder abgesetzt wird.

Anlass zur Sorge besteht deswegen noch lange nicht, schließlich bestehen Beschäftigungsalternativen en masse. In den Computerspielen "Def Jam: Vendetta" und "Def Jam: Fight For New York" steht Redman Pate für einen Charakter. Musikalisch braucht sich Red ohnehin nicht zu beschweren: 2002 bezieht Pop-Sternchen Christina Aguilera den Rapper in ihr Imagewechsel mit ein und lässt Red auf der ersten Single "Dirrty" ein paar Zeilen spucken: Die Nummer wird immerhin für einen Grammy nominiert.

Die resultierende Chartsplatzierung käme eigentlich zum perfekten Zeitpunkt für eine Albumveröffentlichung. Doch Red führt statt dessen lieber MTV Cribs in einer wahrhaft filmreifen Vorstellung seine Wohnung vor. Seine Fans befriedigt er mit diversen Mixtapes seiner Gilla House Crew.

Das lang ersehnte Album "Red Gone Wild" wird angekündigt, verschoben, angekündigt und erneut verschoben. Kein Wunder eigentlich: Parallel arbeitet Redman angeblich am zweiten Teil von "How High", treibt seine Schauspielkarriere voran und meditiert Berichten zufolge über einem Nachfolge-Album zu "Blackout".

Abgesehen davon, dass er in einer Nickelodeon-Serie einen rappenden Sprecher gibt und in diversen Filmproduktionen (darunter 2003 eine kleine Rolle in "Scary Movie 3", "Method & Red" und "Chucky's Baby" von 2004) mitwirkt, bleibt es allerdings weitgehend still um Mr. Soopaman Luva. 2006 erscheint mit "BC4: Straight Outta Low Cash" ein weiteres Mixtape, auf dem er R. Kelly und Jay-Z auf einem Song zusammenbringt. Eine Fingerübung für weitere Kollabos? Man könnte solches vermuten.

2007 dreht Redman dann richtig ab. Nach sechs Jahren Pause hatten einige die Hoffnung auf "Red Gone Wild" bereits aufgegeben. Im März liegt es fertig auf den Tisch und präsentiert einen MC in Hochform. Die erste Single "Put It Down" entstammt den Reglern Timbalands, des weiteren steuern der alte Weggefährte Erick Sermon, Scott Storch und Rockwilder Produktionen bei.

Auf der Gästeliste stehen mit Biz Markie, Snoop und Nate Dogg, Keith Murray und selbstverständlich Method Man zahlreiche Hochkaräter. Als sei das noch nicht genug, setzt Red noch einen drauf: Im November des selben Jahres, verspricht er, stehe auch "Muddy Waters 2" verkaufsbereit in den Regalen.

Davon ist zwar auch im Jahr 2009 noch nichts zu sehen oder zu hören. Dafür erregt eine andere Nachricht die Gemüter: Zehn Jahre nach "Blackout" wollen es Redman und Method Man wissen. Unter Beteiligung von Rockwilder, Pete Rock, Bun B und einmal mehr Erick Sermon legen sie mit "Blackout 2" tatsächlich eine Fortsetzung der legendären Kollabo auf den Tisch: "Never change a winning team!"

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Redman - Malpractice: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2001 Malpractice

Kritik von Stefan Johannesberg

America's Most Blunted bietet altbewährten Hip Hop im Funkgewand. (0 Kommentare)

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