Porträt

laut.de-Biographie

Pete Rock

Der Boom und der Bap sind seins. Peter Phillips' Künstlernamen Pete Rock benutzen Rap-Heads weltweit bei der Erklärung ihrer Faszination für Hip Hop. Wie wenige andere setzt das in der Bronx geborene Multitalent (Produzent, DJ und Rapper) die Drums. Er gilt als Definitionsgeber des klassischen BoomBap-Sounds, als simpler, aber genial geistreicher Sample-Verwerter und damit als maßgeblich beteiligt an der Fusion aus Hip Hop und Jazz. Er ist der Gott für die SP1200-verliebte Hip Hop-Generation.

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Ihren Beginn nimmt Pete Rocks Geschichte beim New Yorker Radio-Sender WBLS und der Show "In Control With Marley Marl", bei der er als DJ agiert. Hier darf der 17-Jährige bei Marley Marl über die Schulter blicken und sich über die weitläufige Plattensammlung des Vaters hinaus beeinflussen lassen.

Gerade volljährig will der talentierte DJ selbst produzieren und verschreibt sich dem Beatbasteln. Er schließt sich mit dem aus der Schulzeit in dem nördlich der Bronx gelegen Mount Vernon bekannten Rapper C.L. Smooth zusammen. Ihre Gehversuche bleiben nicht unentdeckt, Elektra bietet dem Duo Anfang der Neunziger einen Vertrag an.

Im Juni 1991 erscheint ihr Debüt "All Souled Out" - eine EP mit lediglich sechs Tracks, die jedoch Eindruck hinterlässt. Pete Rocks Melange aus jazzigen Samples und straighten Drums unterlegt C.L. Smooths Raps, die genau so klingen wie sich der Rapper benannt hat. Kritiker sind begeistert, die Plattenfirma weniger, weil zwar gute Worte fallen, aber die Plattenverkäufe ausbleiben.

Ein Jahr später erscheint das erste Album "Mecca And The Soul Brother". Die Reaktion ist ähnlich wie bei der EP: Positive Stimmen von überall, die Geldbeutel bleiben aber weitestgehend zu. Vorerst. Denn die Single "They Reminisce Over You (T.R.O.Y.)" mausert sich zu einer Hymne, die im Laufe der Jahre Anklang bei einem Massenpublikum erreicht.

Das liegt in erster Linie an dem unverschämt musikalischen Beat von Pete Rock, jedoch auch an den Raps von C.L. Smooth, die inhaltlich eher wenig dem im gleichen Jahr erscheinenden Dr. Dre-Meisterwerk "The Chronic" ähneln. Während Dre mit seiner Westcoast-Mannschaft in erster Linie die Vorzüge eines bestimmten grünen Krauts anpreist, gibt sich C.L. Smooth bedächtiger und weniger profan.

Pete Rock - NY's Finest
Pete Rock NY's Finest
Seine MPC-Magie ist immer noch relevant.
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In New York, dessen Rap sich zu der Zeit in der goldenen Blütephase befindet, etabliert sich schließlich das Duo als jüngster Vertreter der legendären Reihe aus Rapper und Produzent - ihre Vorgänger: Eric B. und Gang Starr (DJ Premier & Guru). 1994 folgt "The Main Ingredient", auf dem sich Pete und C.L. noch konzentrierter ihren Vorstellungen von Rap hingeben. Mit großem Erfolg, auf den jedoch ein kleiner Schock folgt. Relativ unvorhersehbar gibt das Duo bekannt, fortan getrennte Wege zu gehen. Die Gründe liegen im Dunkeln. Streit soll es zwar gegeben haben, trotzdem kollaborieren die beiden in der Zukunft immer wieder miteinander.

C.L. Smooth trifft es heftiger als Pete Rock. Dieser hat sich bereits in der Öffentlichkeit als talentierter Produzent etabliert - in seiner Zeit im Duo vertonte er schon Songs für Run DMC und den Nas-Klassiker "Illmatic". Remixe für The Notorious B.I.G., Public Enemy und Jeru The Damaja avancieren außerdem recht schnell zu Klassikern. Loud Records greift sich nach dem Split Pete Rock und unterstützt ihn bei der Arbeit am ersten Soloalbum. Vorerst widmet sich Pete jedoch seinen Projekten INI (einem Trio mit Grap Luva und Rob-O) und DeDa (ein Rapper aus Mount Vernon), die jedoch trotz Pete Rocks Unterstützung untergehen.

Durch seine Arbeit beim Radio kommt Pete Rock außerdem in Kontakt mit weiteren großen Namen der Szene. Die Gästeliste seines 1998er Debüts "Soul Survivor" liest sich wie das Who-Is-Who der New Yorker Szene: Inspectah Deck, O.C., Method Man, Raekwon, Prodigy, Ghostface Killah, Large Professor, Kool G Rap, Big Pun, Noreaga, Tragedy Khadafi und Heavy D. Außerdem sind weitere gewichtige Namen zu hören: Common, Black Thought von The Roots, Kurupt, MC Eiht und Beenie Man. So hochkarätig wie die Liste ist das Album selbst, auf dem Pete Rock auch selbst hinter dem Mikro zu hören ist.

Die Zusammenarbeit mit Loud Records nimmt zwar ein Ende. Die Nähe zu den Mitgliedern des auch auf Loud gesigntem Wu-Tang Clan bleibt aber bestehen. Immer wieder hat Pete Auftritte auf den Solalben der Clan-Member. Pete Rock bricht mit der Major Label-Industrie und orientiert sich fortan independent.

Bei Rapster/BBE findet er Unterschlupf und veröffentlicht dort 2001 seine "PeteStrumentals". Es folgen weitere Alben mit Kollaborationen, die so facettenreich sind wie die Einflüsse Pete Rocks. Von Kardinal Offishall über Pharoahe Monch und Little Brother bis RZA ist alles dabei, was das Rap-Spektrum zu bieten hat. Immer wieder taucht auch der alte Partner C.L. Smooth auf - eine Reunion ist zwar öfter angedacht, aber sie bleibt aus. Dass es dazu auch nicht mehr kommen wird, zeigen etliche Interviews, in denen beide bekannt geben, dass sie sich nicht mehr wirklich grün sind.

Die Produktionsmaschinerie Pete Rock läuft weiterhin auf Hochtouren. Dabei ist er sich auch nicht zu schade, seine Beats alten Freunden von früher zu geben. Somit gerät er nie in Verdacht, sich meistbietend verkaufen zu wollen. Pete Rock steht auch nach zwanzigjähriger Karriere als klassischer Realkeeper da.

Das ändert sich auch nicht bei der Veröffentlichung eines weiteren Solowerks im Jahr 2008 auf Nature Sounds. Für "NY's Finest" lädt er so unterschiedliche Charaktere wie Jim Jones, Redman, Styles, MF Doom, Papoose, Slum Village, Ghostface Killah und Raekwon ins Studio. Die Szene dankt es ihm mit Respekt und der Anerkennung, dass Pete Rock definitiv zum Club der Szene-Besten gehört.

Auch die Kollabo mit Smif'N'Wessun ("Monumental") im Rapjahr 2011 untermauern seine Fähigkeiten als Ausnahmeproduzent. Und gerade deshalb, weil er immer wieder die großen Labels links liegen lässt und sich lieber mit Underground-Schwergewichten zusammentut.

News

Alben

Videos

Till I Retire / Best Believe (feat. Redman and LD)
  • Pete Rock bei MySpace

    Der Rap-Dinosaurier gibt sich zeitgemäß.

    http://www.myspace.com/officialpeterockpage

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