Porträt

laut.de-Biographie

Kool G Rap

Wenn die Frischlingsrapper der vierten Hip Hop-Generation nach ihren Vorbildern gefragt werden, liegen die Antworten recht nah: Nas, Biggie, Pac, Big Pun. Aber wer hat diese Größen beeinflusst, die Anfang/Mitte der Neunziger, die Rap-Kategorien Flow, Styles, Skills auf ein neues Level hievten? Immer wieder fällt dahingehend ein Name: Kool G Rap.

Nathaniel Wilson kommt am 20. Juli 1968 im New Yorker Stadtteil Queens zur Welt. Er und sein Partner DJ Polo zählen zu den Hip Hop-Duos, die Ende der Achtziger das Genre erschüttern. 1987 erscheint Eric B. & Rakims "Paid In Full", 1989 Gang Starrs "No More Mr. Nice Guy" und im gleichen Jahr Kool G Rap & DJ Polos "Road To The Riches". Während im Fall von Gang Starr eher der Produzent DJ Premier nachhaltig seine Karriere in Schwung bringen kann und zu einer wahren Marke avanciert, ernten im Fall der beiden anderen Duos in erster Linie die MCs dicken Beifall: Rakim und Kool G Rap schicken sich in dieser Zeit an, als Wegbereiter am Mikrofon in die Geschichte einzugehen.

Kool G Rap - die, an den Genre-Gründer Kool DJ Herc angelehnte Kurzform für Kool Genius Of Rap - legt jedoch einige Jahre zuvor den Grundstein für seine Ausnahmestellung. Als Teil der legendären Juice Crew um Mastermind Marley Marl schärft Kool G neben seinen Kollegen Masta Ace, Biz Markie, MC Shan, T.J. Swan, Craig G, Big Daddy Kane und der Kollegin Roxanne Shanté seine Fähigkeiten am Mic. Diese Zeit soll für immer als goldene in kollektiver Erinnerung bleiben - die legendäre Fehde mit KRS-Ones South Bronx-Posse als "Bridge Wars" in die Hip Hop-Geschichtsbücher eingehen.

Auf Marley Marls nicht minder Prestigeträchtigem Label Cold Chillin' Records veröffentlicht Kool G mit DJ Polo 1986 seine erste Single "It's a Demo/I'm Fly" - Marley Marl sitzt dabei an den Reglern. Es folgen weitere Singles - 1987 "Rikers Island/Rhyme Thyme" und 1988 "Poison" - bis der Rapper schließlich auf dem viel gerühmten Juice Crew-Possecut "The Symphony" landet. Bereits hier glänzt er mit seinen detailreichen Raps. Er stilisiert sich gerne als ehrenwerter Gangster bzw. Mafiosi. Ein Style, den in der Zukunft etliche nachfolgende Rapper adaptieren. Kool G Raps Fähigkeit den dicken Macker zu markieren, aber dennoch mit durchdachtem Storytelling zu fesseln, macht ihn mit der Veröffentlichung des Debüts "Road To The Riches" mit DJ Polo zu einem der angesehendsten Mcs der beginnenden Neunziger.

Auf den zwei darauf folgenden Alben - "Wanted: Dead Or Alive" und "Live And Let Die" - gibt Label-Boss Marley Marl schließlich Teile der Produktionsarbeit an die nicht weniger kredibilen Produzenten Large Professor und Eric B. ab. Kool G Rap konzentriert sich in seinen Reimen noch mehr auf kompromissloses, oft extrem explizites Storytelling - nicht nur für Notorious B.I.G. ein ganz offensichtlicher Einfluss.

Drei Jahre später trennen sich die Wege des Rappers und DJ Polos - Kool G ist fortan Solo unterwegs und veröffentlicht 1995 sein letztes Album für Cold Chillin' Records. "4,5,6" ist auch das offiziell letzte Album für das Label selbst. Marley Marl muss die Türen der Plattenfirma schließen, die in der Folge im gleichen Atemzug mit Death Row Records, Rap-A-Lot und Loud Records genannt wird.

Die goldenen Zeiten sind jedoch vorbei - die neue Generation hat das Parkett übernommen. Biggie, Nas und der Wu-Tang Clan zollen zwar dem Vorgänger ihren Respekt, laufen ihm jedoch bald den Rang ab. Kool Gs Features finden sich zwar auf einigen Veröffentlichung wieder - etwa bei Big L, Mobb Deep, Fat Joe, M.O.P. - der Rapper bleibt aber fortan eher schmuckes Beiwerk als Tonangebender Wegbereiter. Nach einem kurzen Zwischenspiel auf Illstreet Records für das Album "Roots Of Evil" kommt Kool G schließlich beim aufstrebenden New Yorker Label Rawkus unter.

Hier beginnt das traurige Dahinsiechen eines ehemaligen Stars. Rawkus, beflügelt von den Erfolgen von Mos Def, Talib Kweli und vielen anderen, schenkt dem einstigen Super-MC wenig Beachtung, sein Album wird immer wieder nach hinten geschoben. Wenige Releases ("The Streets", "My Life") zeigen zwar das nach wie vor herausragendes Talent, bleiben aber ohne Wirkung. Als die Rawkus-Blase 2001 platzt - der Vorzeige-Indie verkauft sich regelrecht an MCA Records - sitzt auch Kool G mit seinem Album "The Giancana Story" auf der Straße. Ein Jahr später erscheint die Platte über Koch Records – für Furore sorgt sie jedoch nicht, zu lange hat das Material in den Schubladen der Rawkus-Chefetage vor sich hingeschimmelt.

Längst kann das New Yorker-Urgestein nichts Großes mehr reißen. Der Süden ist das neue New York und ohne Prestigeträchtiges Label wird es ruhig um den einstigen Vorzeige-Rapper. Zurückgelassen hat er sein Vermächtnis. Als einer der ersten hat er die Faszination für Mafia-Metaphern und Gangster-Verehrung so offen zelebriert. Auf eine Fortführung dieser Story, die mit der Qualität der Anfangstage mithalten kann, scheitert er in Folge mit seinen weiteren Veröffentlichungen "Click Of Respect" und "Half A Klip", die über Independent-Vertriebe erscheinen.

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