Porträt

laut.de-Biographie

Rakim

Wenn das Nonplusultra der Rockformationen jeweils aus einem Gitarristen, Bassisten, Drummer und Sänger besteht, dann sind im Hip Hop ein DJ und ein Emcee oder zwei Turntables und ein Mic das Maß aller Dinge. Den Kampf um die Krone des berühmtesten Duos in der Hip Hop-Historie fechten wohl Gang Starr und Eric B. And Rakim unter sich aus. Guru und DJ Premier können jedoch dank intakter Bandchemie und konstanter Klasseleistungen einen leichten Vorteil gegenüber Eric B. und Rakim herausmusizieren, denn diese Gruppe ist bereits Geschichte. Wenn man jedoch nur die lyrischen Leistungen der beiden Frontrapper vergleicht, hat Guru trotz großer Skillz locker das Nachsehen. Rakim gilt als der Lyricist schlechthin. Vom Gza zu Jay-Z oder Nas, sie alle geben die Old School-Legende als wichtigsten Einfluss an.

Die letzten Ergüsse von Rakim muten jedoch überaus zwiespältig an. Sein 99er Album "The Master" erntet zumeist nur mittelmäßige Kritiken und das Feature bei Truth Hurts' "Addictive" aus dem Jahre 2002 reißt auch niemanden vom Hocker. Dabei darf er sich immerhin die Erfindung des Lyricism auf seine Fahne schreiben. Seit den Eric B. And Rakim-Anfangstagen prägt er diesen Begriff mit smoothem Flow, messerscharfen Reimen sowie intelligenten Texten, in denen er seine Gedanken über Wissenschaft, Politik und Religion (Nation Of Islam) verarbeitet. Sein Name sagt fast schon alles. Ra ist der ägyptische Sonnengott, und die Silbe "kim" steht für die Verbindung allgemein. Zudem soll es auch noch "Großer Poet" heißen.

"I'm not a regular competitor, first rhyme editor/Melody arranger, poet, etcetera/Extra events, the grand finale like bonus/I am the man they call the microphonist/With wisdom which means wise words bein spoken/Too many at one time watch the mic start smokin/I came to express the rap I manifest/Stand in my way and I'll lead a words protest/MC's that wanna be dissed they're gonna/Be dissed if they don't get from in fronta/All they can go get is me a glass of Moet/A hard time, sip your juice and watch a smooth poet/I take 7 MC's put em in a line/And add 7 more brothas who think they can rhyme/Well, it'll take 7 more before I go for mine/And that's 21 MC's ate up at the same time." (Eric B. And Rakim "My Melody" 1987)

Rakim erblickt 1970 als William Michael Griffith in Wyandach/Long Island das Licht der Welt. Er träumt zwar im Kindesalter von einer Footballkarriere, landet aber erst einmal auf den New Yorker Straßen. Dort lernt er Gruppen wie die Cold Crush Brothers oder The Furious Five kennen und lieben. Er studiert deren Reime aufs Genaueste und beginnt kurze Zeit später selbst verstärkt eigene Verse zu droppen. Begünstigt durch diverse Musikergene - seine Tante ist die R'n'B-Legende Ruth Brown und seine Mutter eine talentierte Jazzsängerin - erweitert William Michael seine Skillz mit rasender Geschwindigkeit. Die Freunde nennen ihn damals nur ehrfürchtig Kid Wizard. Er rockt mit der Formation Love Brothers so ziemlich alle Jams und Blockpartys jener Tage.

Im Jahre 1985 lernt er den hochbegabten Musiker und DJ Eric B. aus Queens während einer Radioshow kennen. Noch unter dem Namen "Eric B. feat. Rakim" bringen die Beiden zwei Demos heraus. Ein Independentplattendeal winkt, doch Rakim fühlt sich noch nicht reif dafür. Erst im Sommer darauf sorgt die von Marley Marl produzierte Single "Eric B. Is President" für Furore in den Clubs. Das Debut "Paid In Full" besticht dann durch monotone, minimalistische Sounds und eine harte, überlegene Attitüde, die ihresgleichen sucht. Zudem setzt das Duo als eine der ersten Bands auf James Brown-Samples ("I Know You Got Soul").

Auf Grund des unerwarteten Erfolges der ersten Platte unterzeichnen Eric B. And Rakim, wie sich mittlerweile nennen, einen Million-Dollar-Deal mit Uni Records. Das zweite Werk "Follow The Leader" erscheint 1988 und nimmt ein wenig Abstand vom Minimalismus des Vorgängers. Es dominiert eine Public Enemy-mäßige Soundvielfalt, die sich auch auf den nächsten Scheiben wiederfindet. Das dürfte auch ein Grund dafür sein, warum Elektrobands wie M.A.R.S. auf "Pump Up The Volume" oder Coldcut beim "Paid In Full"-Remix das Duo sampeln. Rakim sorgt zudem mit Gastauftritten bei der Souldiva Jody Watley für ein Novum und bereitet mit dem Feature den Nährboden für die unzähligen Kollabos der beiden Genres.

Doch die Zeit arbeitet gegen Eric B. und Rakim, denn Freunde sind sie nie gewesen und so geschieht, was viele Headz befürchtet haben. 1994 trennt sich das Duo. Zu diesem Zeitpunkt liegt mit dem Soundtrack-Titelsong "Juice (Know The Ledge)" - auf dem Rakim höchstpersönlich die Drums einspielt - die letzte gemeinsame Kooperation bereits zwei Jahre zurück. Aber anstatt sich im guten voneinander zu verabschieden, schmeißt der harte Geschäftsfuchs Eric B. seinem Ex-Partner einige Steine in den Weg. Er sperrt sich erfolgreich gegen Rakims Solokarriere und legt diese durch langjährige Rechtsstreitigkeiten auf Eis. Weitere Probleme mit seinem Label MCA sorgen im Endeffekt für eine fünfjährige Zwangspause Rakims.

Erst 1997 feiert Rakim mit dem Solodebut "The 18th Letter" sein Comeback. Das von DJ Premier, Pete Rock und Clark Kent-produzierte Album steigt auf Platz vier der Billboard Charts ein. Mit der einpeitschenden Single "Guess Who's Back" im Rücken sahnt Rakim allerorten wohlwollende Kritiken ab. Nur vereinzelt werden Stimmen laut, die sich über die fehlende lyrische wie beattechnische Dichte mokieren. Zwei Jahre später aber kommt es endgültig zum empörten Aufschrei der Szene. Rakim benutzt auf seiner Tour durch Europa ein Teilplayback - eine Todsünde im Hip Hop. Auch das zweite Solowerk "The Master" stimmt die Fans nicht gütig. Bis auf die Primo-Hymne "When I'm Be On The Mic" herrscht für Rakim-Verhältnisse zu viel Leerlauf. Der scharfzüngige Poet steckt unüberhörbar in der Krise. Seine einstigen Bewunderer haben ihm mittlerweile den Rang abgelaufen und teilweise schon überholt.

Im Oktober 2000 unterschreibt er überraschenderweise einen Vertrag bei Dr. Dre und dessen Aftermath-Label. Rakims drittes für November 2002 angekündigtes Soloalbum "Oh My God" produziert der Starproduzent natürlich selbst und verkündet dann großmäulig wie immer "das beste Hip Hop-Album aller Zeiten". Neben Dre soll dem angeschlagenen Rakim auch wieder der unverwüstliche DJ Premier unter die Arme greifen.

Doch nach unzähligen Verzögerungen platzt die Traumkollabo Mitte Juli 2003 wegen kreativer Differnzen. Old School-Gott Rakim löst seinen Vertrag mit Dr. Dres Aftermath Records auf. Als viertes Rad am Wagen nach 50 Cent, Ice Cube und Eminem fühlt sich die Legende anscheinend unter Wert verkauft.

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