Porträt

laut.de-Biographie

James Brown

The Godfather of Soul, Soulbrother Number One, Mr. Dynamite - James Brown ist jedenfalls einer der einflussreichsten afro-amerikanischen Musiker in der Geschichte der populären Musik. Ekstatisch, mit unglaublicher Ausdauer und perfektem Timing trägt er seine Show vor und auch deshalb die genannten Titel zu Recht. Seine Bedeutung für die aktuelle Musikszene ist riesengroß, seine Stücke zählen zu den meistgesampleten überhaupt (z. B.: Massive Attack, Funky Divas, Ice Cube, De la Soul, Salt and Pepper, Public Enemy, Sinéad O'Connor).

Geboren wird James Brown am 3. Mai 1933 in Barnwell, South Carolina, in ärmlichen Verhältnissen. Ab seinem vierten Lebensjahr wächst James bei einer Tante auf, da seine Mutter sich davon gemacht hat. Ende der 40er Jahre wird er wegen bewaffneten Überfalls verurteilt. Auf Grund der Unterstützung der Familie des Sängers Bobby Byrd entlässt man ihn nach vier Jahren unter Auflagen aus der Haft, und James beginnt, in der Gospel-Gruppe von Byrd zu singen. Die Band The Flames, wie sie sich nach mehreren Namensänderungen nennt, orientiert sich bald musikalisch in Richtung R'n'B, obwohl eigentlich in dieser Zeit der Rock'n'Roll sehr populär ist.

1955 nimmt die Combo das Stück "Please, Please, Please" zu Demozwecken bei dem Radiosender WIBB auf. Als der Produzent Ralph Bass das Lied im Radio hört, ist er von Browns leidenschaftlichem Gesang und den schwierigen Harmonien der Backgroundsänger so begeistert, dass er die Flames sofort unter Vertrag nimmt. "Please, Please, Please" ist der erste Hit von Brown und erreicht Platz fünf der R'n'B Charts.

Da nennt sich die Combo schon wieder um in James Brown and the Famous Flames, was Little Richard mit der Aussage kommentiert, sie seien die erste Band, die sich selbst berühmt gemacht hat, bevor sie tatsächlich berühmt ist. 1958 landen The Famous Flames den Hit "Try Me" in den R'n'B-Charts. Im Gegensatz zu dem eher ruhigeren Stück stehen energiegeladene Songs wie "Think" und "Night Train", die die Band mit relativ harten Drumbeats und einfachen Polyrhythmen spielt.

Seinen ersten Pop-Hit landet Brown mit dem mit Streichern angereicherten Remake der Schnulze "Prisoner of Love" 1963. Den eigentlichen Durchbruch aber bringt das Album "Live At The Apollo" (King, 1963). Es verkauft sich über eine Million Mal und hält sich länger als ein Jahr in den Albumcharts. Mit unglaublicher Energie und Leidenschaft im Vortrag überrennen Brown und seine Band ihre Hörer. Etwa bei dem Wahnsinnstempo von "Think" oder dem expressiven Gesang von "Lost Someone", wenn Brown immer wieder mit dem Publikum im Apollo kommuniziert.

Die Live-Aufnahme stellt den Beginn des zweiten musikalischen Stilwechsels von James Brown da, den die Veröffentlichung von "Out of Sight" endgültig vollzieht. Die Single erscheint bei Smash Records, da es einen Disput mit der alten Plattenfirma gibt. Die hatte sich gegen die Veröffentlichung des Live-Albums ausgesprochen. Das Neue an "Out of Sight" ist die Steigerung der Komplexität der Polyrhythmen, die verstärkte Verwendung von Riffs, Breaks und Improvisation. Die gesamte Band ist in diese musikalische Struktur eingebunden. Die verschiedenen Riffs der einzelnen Instrumentalisten oder Gruppen von Instrumentalisten (Bläsersektion) erzeugen die Polyrhythmen, und nicht nur die Schlagzeuger.

"Out of Sight" platziert sich ebenfalls in den R'n'B-Charts. Brown bekommt daraufhin bei seinem alten Label Kings Records wieder einen neuen Vertrag, der ihm mehr künstlerische Freiheit zusichert. Die folgenden Veröffentlichungen "Papa's Got A Brand New Bag" und "I Got You (I Feel Good)", beide kommerziell erfolgreich, führen die musikalische Entwicklung weiter. Neben den Veränderungen im Einsatz der Instrumente wandelt sich auch Browns Gesangsstil. Er verwendet mehr kurze Phrasen aus Gospel und Blues. Es mehren sich reine Laute wie 'Uh' und 'Ah'. Der Textinhalt tritt mehr in den Hintergrund, dafür wird der Klang wichtiger. Alle Stücke in dieser Zeit basieren noch auf der Blues-Harmonik und haben eine entsprechende Phrasenstruktur.

1967 verändert sich der Stil von James Brown ein weiteres Mal. Ein Grund dafür ist sicherlich das eingeschränkte Blues-Schema. "Cold Sweat" liegt dieser Harmonieverlauf nicht mehr zugrunde, obwohl noch eine Strophen-Refrain-Abfolge vorhanden ist. Die in den folgenden Jahren erscheinenden Stücke basieren innerhalb von langen Abschnitten nur auf einem oder wenigen Akkorden mit freier Länge. Mr. Dynamite füllt die Teile mit kurzen Blues-Phrasen, improvisiertem Gesang, Sprechgesang oder den bereits angesprochenen paralinguistischen Lautäußerungen (z. B. in "Licking Stick-Licking Stick" (R'n'B-Charts Platz zwei) und "I Got The Feelin'" (R'n'B-Charts Platz eins). Improvisationen der Instrumentalisten sind an der Tagesordnung, Wechsel in einen anderen Songabschnitt leitet der Bandleader oft mit dem Ausspruch "To The Bridge" ein, oder er fordert seine Bandkollegen zum Solo auf (z. B. in "Get It Together").

Mit diesen neuen Stilelementen begründet James Brown den Funk. Starken Einfluss darauf nehmen bis Anfang der 70er Jahre seine Bandkollegen: Die legendären JBs. Dies ist die Bläsersektion mit Maceo Parker, Pee Wee Ellis und Fred Wesley. Vor allem die beiden Letztgenannten sind am Songwriting und Arangement stark beteiligt. Der große Erfolg der Band in dieser Zeit gründet sich nicht nur auf das Songmaterial und die Bühnenshow, sondern auch auf das Zusammenspiel der Band, der Gitarrist Jimmy Nolen und Schlagzeuger Glyde Stubblefield angehören. Sie erzeugt einen phantastischen Groove. Wie die in dieser Zeit sehr aktive Bürgerrechtsbewegung greift James Brown die Anliegen der schwarzen Bevölkerung auf. Besonders deutlich wird dies in dem Lied "Say It Loud, I'm Black And I'm Proud" (R'n'B-Charts Platz eins).

Ende 1969 kommt es zwischen der Band und James Brown aufgrund seines militärischen Führungsstils zum Bruch. Als Ersatz werden The Peacemakers engagiert, bei denen Bootsy Collins und sein Bruder Catfish Collins mitspielen. Nach einem Jahr trennen sich aber wieder ihre Wege, denn die Collins-Brüder arbeiten mit George Clinton bei Parliament und Funkadellic zusammen.

Dann schließen sich Brown und die JBs wieder zusammen. Die Songs sind noch rhythmuslastiger, die Riffs werden lange Zeit gleichförmig durchgespielt. Bekannte Stücke aus der Zeit sind zum Beispiel "Make It Funky" (R'n'B-Charts Platz eins), "Hot Pants" und "Get On The Good Foot" (alle R'n'B-Charts Platz eins). James Brown ist damit der Vorreiter der gesamten Dancemusic, die das permanente Wiederholen von Patterns übernimmt.

Ab Mitte der 70er Jahre nimmt die Popularität des Godfathers ab. Er hat keine neuen Ideen, außerdem ist nun Disco angesagt. 1979 will er mit "The Original Disco Man" auf der Welle mitschwimmen und scheitert. Dazu kommen finanzielle Probleme. 1980 hat er einen kleinen Aufschwung, als er in dem Film "The Blues Brother" mitspielt, doch Ende des Jahres steht er ohne Plattenvertrag da.

Mit dem Hip Hop erlebt er Mitte der 80er Jahre eine Renaissance, viele der JB-Riffs werden gesamplet. 1984 nimmt African Afrika Bambaataa die Platte "Unity" mit Brown auf. Ein internationaler Hit wird 1986 der Titelsong "Rocky IV", "Livin' In America". In den folgenden Jahren platziert Brown sich noch gelegentlich in den R'n'B-Charts. 1989 unterbricht seine Verhaftung, unter anderem wegen unerlaubtem Drogen- und Waffenbesitz, die Karriere.

In den 90er Jahren macht er mit ständiger Präsenz seiner Lieder in Form von Samplings bei aktuellen Musikrichtungen auf sich aufmerksam, aber auch immer wieder mit guten Live-Auftritten. Auch die machen dem Publikum bewusst, wie groß der Einfluss des Godfather of Soul auf die Musik ist. Er gilt heute als einer der bedeutentsten und erfolgreichsten schwarzen Musiker der Pop-Geschichte.

In der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 2006 verstirbt der charismatische Ausnahmekünstler im Crawford-Long-Krankenhaus in Atlanta an Herzversagen. Dort wurde Brown kurz zuvor mit einer Lungenentzündung eingeliefert.

News

Alben

James Brown - Live At The Apollo: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

1963 Live At The Apollo

Kritik von Josef Gasteiger

Jahrzehnte vor Jacko tanzte er den Moonwalk und das Apollo trug ihn auf Händen. (0 Kommentare)

Videos

Video Video wird geladen ...

Fotogalerien

Am 13.07.2004 live in Bonn Ein Hauch von Las Vegas überm Museumsplatz ...

Ein Hauch von Las Vegas überm Museumsplatz ..., Am 13.07.2004 live in Bonn | © LAUT AG (Fotograf: ) Ein Hauch von Las Vegas überm Museumsplatz ..., Am 13.07.2004 live in Bonn | © LAUT AG (Fotograf: ) Ein Hauch von Las Vegas überm Museumsplatz ..., Am 13.07.2004 live in Bonn | © LAUT AG (Fotograf: ) Ein Hauch von Las Vegas überm Museumsplatz ..., Am 13.07.2004 live in Bonn | © LAUT AG (Fotograf: ) Ein Hauch von Las Vegas überm Museumsplatz ..., Am 13.07.2004 live in Bonn | © LAUT AG (Fotograf: ) Ein Hauch von Las Vegas überm Museumsplatz ..., Am 13.07.2004 live in Bonn | © LAUT AG (Fotograf: )

Noch keine Kommentare