Porträt

laut.de-Biographie

Kurupt

Wir schreiben das Jahr 2003. Ein gewisser DJ Tomekk lädt zu einem kleinen Gastspiel ein. Für all die Kleinkriminellen da draußen, die in den Supermärkten der Republik den Scheiblettenkäse klauen, komponiert er eine Hymne, die den Delinquenten eine letzte Motivation für ihre kriminelle Energie liefert.

"Tu mir den Gefallen und bleib Gangster ...", so schallt es deutschlandweit aus gestohlenen Autoradios, während das Nutella-verschmierte Taschenmesser an der Southpole-Jeans gewetzt wird. Der Gangster-Lifestyle hält Einzug in Deutschlands Wohnzimmern. Doch die Kredibilität hat DJ Tomekk nicht zuletzt dem eigentlichen Star des Tracks zu verdanken.

Kurupt aka Young Gotti hat in den harten Straßen von L.A. neben den Al Capones der Neuzeit - Snoop Dogg, Dr. Dre und Suge Knight - das Handwerk eines richtigen Gangsters gelernt.

Man sollte jedoch die Qualitäten eines Künstlers nicht immer an seinem schlechtesten Auftritt messen. Obwohl der als Ricardo Brown geborene Rapper in hiesigen Gefilden erst mit besagtem Track bekannt wird, ist seine Stellung in der Hip Hop-Gemeinschaft jenseits des großen Teiches längst eine ganz andere. Bei den Insidern genießt der in Philadelphia geborene Kurupt den Status eines Pioniers, der dem Westcoast-Sound der Neunziger seine ganz eigene Note aufgedrückt hat.

Anfang der Siebziger geboren, zieht Kurupt im jugendlichen Alter an die Westküste und frönt dort bald dem kriminellen Lebensstil. Auf den Straßen von Los Angeles trifft er auf den jungen Snoop Dogg, der sich auf ähnliche Weise sein täglich Brot verdient.

Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden ist das aktive Interesse an Rap. Schnell stehen sie gemeinsam auf der Bühne. Snoop verhilft dem Zwanzigjährigen schließlich zu einem Deal mit der Plattenfirma Death Row Records, die mit 2Pac den Star der Stunde unter Vertrag hat.

Seinen ersten Auftritt hat Kurupt auf Dr. Dres Album "The Chronic", das zum Meilenstein in der Geschichte des Raps avanciert. So kommt die breite Masse in den Kontakt mit dem melodiösen Rapstil Kurupts. Die Scheibe verkauft sich im dreifachen Millionen-Bereich. Kurupt ist danach in der Szene kein Unbekannter mehr. Weitere Fans gewinnt er mit seinem Part auf Snoops Erstlingswerk "Doggystyle".

1995 verleiht er persönlich der Westküste seine ganz eigene Note: Mit seinem Partner Daz Dillinger bringt er als Duo Tha Dogg Pound das Album "Dogg Food" auf den Markt. Mit der zusätzlichen tatkräftigen Unterstützung von Snoop Dogg und Hook-Maschine Nate Dogg huldigen sie dem besten Freund des Menschen und lassen nicht nur die Hunde der Westküste hochleben. Dem Publikum gefällt es, und die Verkaufszahlen schießen in die Höhe.

Noch vor dem eigentlichen Solo-Debüt des Rappers nehmen die Ereignisse rund um seinen Freundeskreis aber folgenschwere Wendungen. Erst verlässt Dr. Dre das Death Row-Camp, darauf folgt die tragische Ermordung Tupacs, und schließlich wandert Death Row-Boss Suge Knight auch noch für mehrere Jahre in den Knast. Der Release des Albums "Kuruption!" steht unter einem denkbar schlechten Stern.

So sehen es leider auch die Konsumenten und bestrafen Kurupt mit kollektiver Ignoranz im Kaufverhalten. Auf der Doppel-CD zeigt sich der Rapper zwar ambitioniert, aber eben nicht vollends überzeugend.

Das ändert sich auch nicht bei den nachfolgenden Werken. "Tha Streetz Iz A Mutha" geht auf die gleiche Weise im Meer der Veröffentlichungen unter. Zwei Jahre später kehrt Kurupt zurück und hat sein Gepäck mit einigen Appetithappen für das Chartpublikum bespickt. "Space Boogie: Smoke Oddessey" wartet zwar mit Gastauftritten von Limp Bizkit auf, erzielt aber genauso wenig Erfolg wie die vorangegangenen Longplayer.

Angesichts der hinkenden Verkaufszahlen wird es Zeit, wieder an die erfolgreichen Team-Zeiten anzuschließen. So erscheinen 2001 gleich zwei Alben von Tha Dogg Pound, mit dem Ziel, den kommerziellen Motor wieder zum Laufen zu bringen. Doch weder der Independent-Release "Dillinger & Young Gotti" noch die Leftover-Zusammenstellung "2002" von Death Row lassen die Heads die Brieftaschen zücken.

Der enttäuschte Kurupt kehrt der Musik kurzweilig den Rücken zu, um im Erfolg versprechenden Schauspiel-Milieu Fuß zu fassen. Immerhin bringt er es hier auf Einsätze in einigen Hollywood-Produktionen neben Stars der Szene wie Harrison Ford oder Kurt Russell.

Trotz dieser beachtlichen Erfolge lässt ihn das Musik-Business nicht los. Als der Death Row-CEO Suge Knight nach seiner fünfjährigen Haftstrafe den Knast verlässt, steigt Kurupt als Senior Vice President beim Label ein und versucht, dem Unternehmen erneut zur einstigen Blüte zu verhelfen.

Da ist es natürlich Ehrensache, dass die erste Veröffentlichung auf Death Row seit 1996 mit ganz neuem Material einzig und allein dem Rapper mit der langen Erfahrung im Geschäft gebührt. Im Juni 2004 steht "Against The Grain" in den Startlöchern und soll mit dem typischen Dogg Pound-Sound nicht nur den Namen Death Row wieder auf die Landkarte des Szene setzen, sondern auch Kurupt nach dem Erfolg in hiesigen Landen jenseits des großen Teiches wieder den einen oder anderen Fan zu bescheren.

Das Vorhaben schlägt jedoch grandios fehl. In seiner Heimat ledert die Journaille über das Album ab, die Heads nehmen davon kaum Notiz. 2005 nimmt Kurupt an der von Snoop organisierten West Coast Peace-Conference teil. Kurz darauf verlässt er Death Row, um sich Doggystyle Records anzuschließen. Es folgt ein weiteres Album mit Daz Dillinger ("Dillinger & Young Gotti 2") sowie ein Doggpound Reunion-Album ("Cali Iz Active"). Solo tritt er 2006 wieder in Erscheinung. Als Young Gotti veröffentlicht er "Same Day Different Shit".

Alben

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