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DJ Tomekk zählt (neben Urgestein DJ Stylewarz und Turntablerocker Thomilla) zu den drei wohl bekanntesten Hip Hop-DJs in Deutschland. Seit 1999 gilt er zudem als der mit Abstand Erfolgreichste seiner Zunft. Doch wo sich Ruhm breit macht, sind Neider nicht fern. So halten viele DJ Tomekk für ein seelenloses Produkt und werfen ihm vor, mit dem Geld seines Labels amerikanische Rap-Stars heran zu holen. Gerade Jugendbewegungen wie Hip Hop oder Punk müssen sich schließlich seit jeher mit "Sell Out"-Geschrei herumplagen. Dabei dürfte Tomekk länger in der Hip Hop-Szene aktiv sein als die meisten seiner Kritiker. Ein überregionaler Durchbruch gelingt ihm zunächst in den USA.
Bevor es soweit ist, hat DJ Tomekk bereits ein bewegtes Leben hinter sich. Er wird am 11. Oktober 1976 als Tomasz Kuklicz, Sohn einer Polin und eines Marokkaners, in Krakau geboren. Das künstlerische Talent wird Klein-Tomasz in die Wiege gelegt. Sein Großvater ist Maler, die Mutter bildende Künstlerin und der Vater ein angesehener Konzertpianist. Im Alter von zehn Jahren sieht Tomasz in einem Krakauer Club zum ersten Mal einen DJ bei der Arbeit. Fasziniert beginnt er, selbst zu üben. Noch im gleichen Jahr setzt sich sein Vater während einer Tournee nach Berlin ab. Kuklicz Junior folgt ihm wenig später. Fünf Jahre vergehen, dann stirbt Tomasz' Vater. Der 15-Jährige bleibt auf sich allein gestellt zurück. Er feilt noch intensiver an seinen DJ-Skillz. Mittlerweile hostet er bereits auf 98,8 Kiss FM unter dem Titel "Boogie Down Berlin" seine eigene Radiosendung.
Tomasz' große Stunde schlägt 1993. Er ändert seinen Namen in Tomekk und trifft sich mit der in Berlin gastierenden Hip Hop-Legende Kurtis Blow. Unter dem Vorwand, ein Interview führen zu wollen, versucht Tomekk, den Rap-Star von seinem DJ-Talent zu überzeugen. Der Zufall steht ihm zur Seite: Kurtis Blows DJ ist am gleichen Abend verhindert. Tomekk nutzt die Gunst der Stunde. Keine Frage, dass er die im Anschluss an die Show ausgesprochene Einladung, Blow auf seiner US-Tour zu begleiten, dankend annimmt.
1994 sorgt Tomekk in den Staaten für Aufsehen, lange bevor er in seiner Heimat Deutschland landesweit bekannt ist. Als einziger Nicht-Amerikaner wird er in der Kategorie "Bester DJ" für den "1st Annual Rap Music Award" nominiert. Bei der Preisverleihung demonstriert er sein Können in einer Live-Show.
In der Folgezeit absolviert Tomekk DJ-Auftritte bei Konzerten von Rap-Hochkarätern wie Run DMC, dem Wu-Tang Clan, LL Cool J und KRS-One. Daneben supportet er R'n'B-Größen wie Destiny's Child, Dru Hill und Mark Morrison. Er veröffentlicht diverse Mixtapes und den Sampler "Black Club Groove", der es auf Platz 16 der Compilation-Charts schafft. Remix-Aufträge von den Fugees, Brandy & Monica oder Jay-Z erschließen ihm darüber hinaus ein breiter gefächertes Publikum.
1999 gründet die Klamottenfirma Fila das Label F-Records. Tomekk wird als einer der ersten Künstler unter Vertrag genommen. Seine Debüt-Single "Rhymes Galore" mit Grandmaster Flash, Flava Flav, Afrob und MC Rene sorgt in der Hip Hop-Szene für einigen Wirbel: Hier rappen US-Legenden Seite an Seite mit deutschen Stars in friedlicher Eintracht. Tomekk verleiht dem ohnehin durchstartenden Hip Hop internationales Flair. Das zugehörige Video läuft auf MTV und VIVA heiß, der Song klettert auf Platz 6 der Media Control-Charts.
Doch Tomekk setzt noch einen drauf. Die zweite Single "Ich Lebe Für Hip Hop" kommt unter Beteiligung des Wu-Tang-Philosophen GZA, Prodigal Sun, dem Mindener Curse und den Stieber Twins daher. Der Track mit der prägnanten, vom Genius beigesteuerten Hook prescht sogar bis auf Platz 4 vor. Bevor im Februar 2001 das Album "Return Of Hip Hop" in die Läden kommt, koppelt Tomekk eine gleichnamige Single aus, die das Ende der Triologie einläutet. Hier vereint Tomekk Rap-Veteranen von diesseits (Torch) und jenseits (KRS-One) des Atlantiks.
Wer hoch fliegt, kann tief fallen. Sein Beef mit DJ Desue isoliert Tomekk in der Szene. Kurz zusammen gefasst: Desue schickt Tomekk im Jahre 2000 ein Tape mit seinen Beats (u.a. ist der Jay-Z-Remix "Anything" enthalten), um von dessen guten Kontakten ins Biz zu profitieren. Tomekk soll daraufhin diese Stücke unter eigenem Namen an verschiedene Rapper in Deutschland verschickt haben. Als wütende Reaktion von Desue entsteht mit Samy Deluxe und D-Flame der Diss-Track "Fuk Toemack". Zudem lässt Desue T-Shirts mit der Aufschrift "Fuk Toemack" bedrucken, die sich weithin großer Beliebtheit erfreuen. Tomekk streitet alles ab, dennoch geht Desue als Sieger aus dem Beef hervor.
Folgerichtig verlegt Tomekk daraufhin sein Hauptaugenmerk auf den US-amerikanischen Markt. Er nutzt seine alten Kontakte und knüpft neue zu Legenden wie Ice T und Gang Starrs Guru. Zudem begibt er sich zusammen mit dem Eiswürfel, Lil' Kim, Afu-Ra und Cappadonna ins Studio, um an einem Nachfolger für "Return Of Hip Hop" zu feilen. Es entstehen zwei verschiedene Alben, die Teile eines Gesamtkonzeptes sind: "Beats Of Life", Volume 1 (Sex-Money-Guns) und Volume 2 (Love-Appreciation-Respect). Im Herbst 2002 steht dann die erste Hälfte in den Plattenläden.
"Beat Of Life" erntet trotz der illustren Gästeliste keine Begeisterungsstürme. "Prollig-humorlose Sex-Styles", "uninspirierte Synthie-Sounds und flache Drumpattern" befindet die vernichtende Kritik. Ein Ausflug in die Rockmusik mit Guano Apes-Frontfrau Sandra Nasic endet ebenfalls mit Vollgas an der nächsten Wand. Vom zweiten Teil des "Beat Of Life"-Konzepts ward nichts mehr gehört; glücklicherweise, möchte man sagen.
Erschienen die beiden bisherigen Alben unter dem Dach von Sony/BMG, wechselt Tomekk für seinen dritten Streich zu EMI. Mit gigantischem Promo-Aufwand erreicht im September 2005 "Numma Eyns" den deutschen Markt. Diesmal mit am Start: die dieser Tage allgegenwärtige Aggro Berlin-Familie, Monie Love, MC Lyte und der alte Haudegen Xzibit. Das Album rechtfertigt den begleitenden Bombast allerdings nicht wirklich. Einzig die aufgewärmte Kris Kross-Nummer "Jump Jump" mit Fler und G-Hot erlangt, nicht zuletzt, weil damit die von Fler aufgewirbelte Neue Deutsche Welle seiner zweifelhaften Presse geritten wird, einige Beachtung.
Knapp drei Monate später wirft Tomekks ehemalige Plattenfirma Sony/BMG rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft eine Best-Of-Compilation auf den Markt, auf der ausgiebig dem Frühwerk gehuldigt wird. Ein fragwürdiger Termin, kurz nach einem Release, der eher mehr denn weniger als Flop gewertet werden muss - doch wer versteht schon wirklich die verschlungenen Denkpfade der Marketingstrategen?
Im folgenden Jahr widmet sich Tomekk neben seiner Modelagentur "Boogie Dimepiece International", die insbesondere dekorative Hühner für Musikvideos von Kollegen bereit stellt, vor allem der Nachwuchsförderung. Mit dem Mixtape "The Nexxt Generation" versucht er, aufstrebenden jungen Kollegen eine Plattform zu schaffen. Das Projekt wird unter anderem von Bushido, Chakuza, Bintia und Separate unterstützt. "Es ist beeindruckend, wie sich die deutsche Hip Hop-Szene in den letzten Jahren entwickelt hat", so Tomekk.
Seine eigene Karriere verläuft dabei weniger prächtig: Von Auftritten mit Rap-Legende Kurtis Blow über "Ich Lebe Für Hip Hop" hin zu seinen letzten merklichen Hüpfern gemeinsam mit Fler legte Tomekk einen beachtlichen Abstieg hin, so dass sein Einzug ins Dschungelcamp - Tomekk tritt bei der dritten Staffel der RTL-Produktion "Ich Bin Ein Star - Holt Mich Hier Raus!" als Kandidat an - letztlich nur als konsequenter nächster Schritt in den Sumpf des Vergessens gewertet werden kann, selbst wenn der Grund seines Abschiedes aus dem Camp für Medienwirbel sorgt. Tomekk fliegt aus der Freiluft-WG, weil im Internet ein Video auftaucht, in dem er den Hitlergruß zeigt und die erste Strophe des Deutschlandlieds singt.
Die goldenen Zeiten von "Boogie Down Berlin" sind damit unwiederbringlich Geschichte. Darauf eine leckere Made!
An DJ Tomekk scheiden sich die Rap-Geister. Die Einen halten ihn für einen Faker, der mit den Scheinen vom Label die großen Acts einkauft, die Anderen dagegen sehen in ihm einen ehrlichen Künstler, der seine Träume verwirklicht.
LAUT sprach mit ihm über Hip Hop in Deutschland und der Welt und über sein erstes reguläres Album, das vor kurzem erschienen ist.
Wann beginnt denn ein Tomekk-Arbeitstag?
Ganz unterschiedlich. Heute bin ich um 9 Uhr aufgestanden und habe ein paar Beats aufgelegt, um in den Groove zu kommen.
Mit welcher Musik bist du aufgewachsen?
Ich denke, als kleines Kind kriegt man hauptsächlich das mit, was im Fernsehen läuft. Ich hatte um mich herum immer viel klassische Musik. Auch Rockmusik und das was kleine Kinder halt so hören. Alles aus dem Fernsehen, Michael Jackson, Ich kenne noch seine komplette Familie. Jermaine Jackson und die beiden Schwestern ...
La Toya Jackson?
Ja, genau, aber ich glaube, die hatte immer bescheuerte Stücke.
Welche Instrumente spielst du?
Ich spiele Klavier.
Wie war dann die Entwicklung hin zum Hip Hop?
Das Witzige ist, das ich mich selbst noch nie festgelegt habe, nur Hip Hop zu machen. Das kennt man halt von mir und deswegen setzt man mich damit in Verbindung. Es war eigentlich nie so, dass ich gesagt habe, ich mach jetzt Hip Hop und gut ist.
Was hast du früher noch alles gemacht?
Oh, ich mache alles Mögliche. Ich habe auch auf meiner Scheibe verschiedene Sounds, okay da sind immer Hip Hop-Beats drunter, aber es gibt zum Beispiel auch einen Tango-Rhythmus. Die einen sagen halt, das heißt Hip Hop, die anderen sagen, das ist Funk/Soul – die Grenzen sind ja fließend.
Hip Hop kann ja auch jede Richtung aufnehmen.
Genau.
Was meintest du genau mit "die Seele zurück in den Hip Hop bringen"? Ist dies nicht schwer zu erklären?
Ne, da kann man was konkret zu sagen. Musikalisch kann man Hip Hop recht schlecht definieren, es ist so wie Krs-One das sagt. "Rap is something you do, Hip hop is something you live". Und ich denke, dass es oftmals so ist, dass ich einen gewissen Geist bei Scheiben vermisse. Eine gewisse Energie, eine gewisse Funkyness. Mir war wichtig, eine solche Energie zu bündeln. Deswegen heißt die Scheibe "Return of Hip Hop". Mir war das wichtig, nicht musikalisch die Defintion zu setzen, sondern durch die gebündelte Energie, durch die Power auf so einer Scheibe. Rein politisch hat für mich Hip Hop viel mit Toleranz zu tun, viel mit Austausch der verschiedenen Kulturen und Leute, und genau das soll die Scheibe widerspiegeln. Viele Leute begegnen zu lassen und jedem seine freie Meinungsäußerung zu lassen, ganz egal was er sagt. Es unzensiert, ungeschnitten und möglichst in bester Form zu präsentieren. Gebündelt als Energiepaket. Die Definition ist also eher ideologisch und politisch zu sehen als musikalisch.
Welcher Künstler repräsentiert denn für dich am ehesten diese Energie, diesen Geist?
Das kann man immer so schlecht auf bestimmte Menschen reduzieren. Jeder hat einen bestimmten Teil davon. Torch ist halt Old School, während Afrob eine New School-Attitude hat. Beide bündeln aber viel Energie und sind genauso Hip Hop. MC Rene hat zum Beispiel die gewisse Individualität. Jeder Künstler hat seinen Aspekt, seine Facette davon.
Und wer setzt diesen Geist musikalisch am besten um?
Da sind die Grenzen recht fließend, eher Stück bedingt, als Künstler bedingt. Es gibt schon ein paar Künstler, die in ihrer Zeit bewiesen haben, dass sie das verstehen, was sie machen. Dr. Dre zum Beispiel oder LL Cool J. Der ist seit 15 Jahren im Geschäft, das geht natürlich nur durch Qualität. Genauso eine Missy Elliot, die einfach die besten Scheiben macht. Verschiedene Künstler – verschiedene Facetten.
Womit fängst du an beim Produzieren? Mit einem Sample oder mit dem Beat?
Ich hab noch nie mit einem Sample angefangen. Ich hab alle Stücke, die ich gemacht habe, komplett geschrieben und überlegt von vorne bis hinten. Ich hab noch nie auf einer alten Scheibe ein Sample gefunden. Auf der Scheibe gibt es auch kaum Samples, die meisten Sachen sind eingespielt. Ich glaube, dass sich der musikalische Hip Hop viel weiter entwickeln kann. Das Samplen im Hip Hop war einfach. Ich glaube, bei den guten Hip Hop-Produktionen, die man kennt, ist entweder die Komposition komplett geklaut, oder es ist etwas völlig Neues. Dr. Dre ist ein gutes Beispiel, der macht nun wirklich hervorragende Beats, da ist wenig Sampling bei.
Stimmst du deine Beats auf die Künstler ab?
Ja, auf jeden Fall, natürlich, da mache ich mir schon Gedanken, in welchen Kontext ich jemanden setze.
Wie kam der Kontakt mit den Artists zu Stande?
Die meisten habe ich halt im Laufe der Zeit getroffen und kennengelernt. Ich hab viel gespielt in Amerika, seit Anfang der Neunziger immer wieder,
Und bei MC Serch von 3rd Bass? Der war ja schon lange von der Bildfläche verschwunden.
Ja, kennst du ihn?
Ja, aber eigentlich nur die Platte mit dem einzigen Hit ("Pop goes the weasel").
Ja, ich hab mir die drei Scheiben gestern erst noch mal angehört, Schade eigentlich, er war anscheinend nicht ganz so aufdringlich wie zum Beispiel Eminem, Ansonsten war er mindestens genauso gut. Wie ich zu ihm gekommen bin? MC Serch hat den Beat gemocht. Wenn Leute die Beats mögen, ist das wichtiger als politische Geschichten. Das war bei allen Leuten so. Wenn die Sachen so hervorragend sind, ist es egal wo man herkommt. Ob man nun Tomekk heißt oder Hans Peter.
Bei Coolio?
Den Song habe ich ursprünglich für dieses Album aufgenommen. Doch dann wollte Coolio ihn mir gar nicht geben, weil er ihn so gut fand. Jetzt haben wir uns so geeinigt, dass er auf seiner, meiner Scheibe und auf dem Soundtrack von einem Horrorfilm erscheint, der in Hongkong auf eins ist.
Wieso hast du zum Beispiel nicht den Track "Weltweit" mit dem polnischen MC Lerroy und Prodical Sunn auf der Platte?
Es geht einfach so, dass gewisse Songs den konzeptionellen Rahmen des Albums gesprengt hätten. Das Album muss schlüssig sein und eine Einheit ergeben. Ich hab noch viele andere Songs, die auf das nächste Album im September kommen werden.
Wie sieht es mit der Zukunft aus? Willst du jetzt nach NY ziehen?
Ich wollte da eine Wohnung mieten, ein Studio bauen, denn wenn ich oft dort bin, kann ich auch vor Ort ein Plätzchen haben. Ob ich da konkret hinziehe, weiß ich noch nicht. Muss ich mal gucken. Ich will einfach die Atmosphäre und den Vibe genießen und dazu ein bisschen arbeiten. Außerdem werde ich wahrscheinlich Dr.Dre mal beim Produzieren über die Schulter schauen.
Wie siehst du die Zukunft von Hip Hop in und aus Deutschland?
Hmm, also manchmal fehlt mir ein bisschen, was ich auch versuche, auf meinem Album zu vermitteln. Es fehlt mir manchmal die Mühe, die sich die Leute geben. Bei französischen Produktionen sind die Sachen wahnsinnig ausgereift, man merkt, dass das richtig gute Mcees und Beats sind. Bei deutschem Hip Hop hat man den Eindruck, das sind ein paar Oberschüler, die irgendwelche Songs machen. Und das mag ich überhaupt nicht. Diesen Oberschüler-Vibe wäre für mich kein Grund mehr, Hip Hop zu hören, wenn es das Einzige wäre. Abiturientenparty.
Aber die Berechtigung haben sie schon.
Ja, natürlich, aber ich muss mir das nicht geben.
Werden sich deutsche Hip Hop-Gruppen wie ABS, die ja gerade auf Platz 46 eingestiegen sind, auf Dauer in den Charts halten können?
Wobei man sagen kann, dass die ein gutes Stück gemacht haben, auch wenn es nicht richtig ausproduziert ist, das ist schon gut gemacht, solche Sachen werden sich auch weiterentwickeln und bestehen können. Denkst du, dass ausländische Jugendliche in Deutschland durch die US-Kollabos auf Leute wie Curse oder die Stiebers gebracht werden?
Auf jeden Fall, es ist ja so, dass sich die meisten ausländischen Jugendlichen einen Scheiß um deutschen Hip Hop kümmern. Also witzigerweise hören sich viele Afrob an, weil sie seinen Flow mögen oder seine Stimme. Nur weil es deutscher Hip Hop ist oder amerikanischer oder nur weil irgendwas, muss man es ja nicht hören. Ich denke, dass sich im Endeffekt die guten Sachen, die Funk haben oder irgendwas oder Leute ansprechen, die machen auch ihren Weg. Ich denke mit Sicherheit, dass ich da viele Leute angesprochen hab. Zu mir kommen viele Leute, die sagen: Hey cool, dass du was mit Krs-One gemacht hast, dann sag ich, aber da sind doch auch noch andere mit drauf, Ja die sind auch cool.. Das ist mir schon oft passiert.
Nicht viele werden zu dir kommen und sagen, "cool das du etwas mit MC Serch gemacht hast."
Den kennt doch keiner von den jungen Kids. Wenn, dann kennen ihn die alten Leute, und die haben sich richtig gefreut, wieder was von ihm zu hören. Das ist auch einer der besten Menschen, die ich kenne. Er ist ein guter Rapper, hat einen guten Flow und Hip Hop-Geschichte geschrieben. Doch die meisten kennen ihn einfach nicht.
Mit Scratches à la DJ Premier hälst du dich bewusst zurück.
Bei Primo haben die Scratches ja eine ganz bestimmte Funktion. Es ist ein musikalisches Element, wie ein Soli, was da immer durchläuft. Das findest du bei ein paar meiner Stücke auch. Rhymes Galore ist ein komplett aus Scratches bestehender Loop. Und bei Primo ist es ein Instrument. Wenn im Chorus die Scratches kommen, ist es so, als ob ein komplett neues Instrument ins Spiel kommt. Das ist es auch, was Primo ausmacht. Was mir auf der Scheibe wichtig gewesen ist war, dass wenn ich ein Bild male, das Bild als Bild stehen zu lassen. Und es nicht mit Scratches zu überlasten, nur weil ich als DJ scratchen muss.
Das ist ja die landläufige Meinung.
Stimmt, das ist die Bauernvariante. Der ist doch DJ, dann muss der doch scratchen. Ich hab mir halt gedacht, dass die Stücke möglichst gut sein sollen und nicht, ob ich nun genug Scratches auf der Platte habe.
Ist die Album-Version von "Ich lebe für Hip Hop" nun das Original? Immerhin hatte GZA verlauten lassen, dass er über einen anderen Beat gerappt hätte.
Nein, das ist auch ein Remix. Die Original-Version gibt es nur auf der Vinyl-Maxi. Ich finde es ganz wichtig, wenn sich Leute damit auseinandersetzen. Man darf den Leuten nicht alles geben. Man muss auch Geheimnisse behalten. Doch der Album-Remix kommt dem Original-Track von der Stimmung her schon ganz nahe.
Was hälst du ganz allgemein vom Internet?
Eigentlich ist Internet, so komisch das klingt, Hip Hop. Zum Hip Hop gehört halt auch, dass man günstig an Spraydosen und an seine Musikstücke kommt. Wenn man sich Songs downloaden kann, warum soll man das denn nicht machen? Nur weil ich jetzt Künstler bin, dürfen sich die Kiddies natürlich alles runterladen. Das ist Hip Hop. Das ist ein Lebensgefühl, welches sich dort manifestiert.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Stefan Johannesberg.
The Nexxt Generation (2006), Best Of DJ Tomekk (2005)
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