Porträt

laut.de-Biographie

MC Lyte

Will man im Rap-Geschäft eine Ausnahmestellung einehmen, muss man schon auf richtige Erfolge zurückblicken können. Oder man macht etwas, das es zuvor nicht gegeben hat, wie auch im Falle MC Lytes. Paart sich diese Innovativität mit einer guten Portion Qualität, kann der Nennung in den Annalen der Hip Hop-History eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Die Erwähnung MC Lytes in den Geschichtsbüchern des Raps ist aus einem ganz einfachen Grund unumstritten. In den achtziger Jahren, einer Zeit in der sich Hip Hop in festen Händen von Gangstern und Pimps lag, Frauen allenfalls leicht bekleidet auf den Platten-Covern ihren Auftritt hatten, machte sich MC Lyte daran die Stellung der Frau im Rap-Biz ein wenig auf Vordermann zu bringen.

Am elften Oktober 1971 in Queens, New York, geboren, macht sie schnell die Erfahrung, dass ihre liebste Musik-Richtung für Frauen nicht viel mehr übrig hat, als ein paar abwertende Bezeichnungen. Sie macht es sich zur Aufgabe, die ganze Szene ein wenig aufzumischen und den harten Jungs da draußen zu zeigen, dass auch ein Mädchen mit einem Mikrofon etwas anzufangen weiß. Sie ist eine der ersten weiblichen Rapperinnen, die sich gegen den Sexismus und die Überheblichkeit der männlichen Kollegen auflehnt. Mit diesem Schritt macht sie den Weg für kommende Sternchen am Rap-Himmel wie Queen Latifah oder Missy Elliot frei.

Im zarten Alter von Zwölf fängt sie an zu rappen und nimmt nach kurzer Zeit ihre erste Nummer "I Cram To Understand U" auf. Dieser Track verschafft ihr soviel Gehör, dass ein Angebot des Labels Priority Records für ein Debüt-Album vor der Tür steht. 1988 ist es soweit und "Lyte As A Rock" steht in den Regalen der Plattenläden. Schnell avanciert die Scheibe zu einem Klassiker, denn eine selbstbewusste Dame, die dazu noch ein außergewöhnliches Rap-Talent besitzt, hat es zuvor nicht gegeben. Mit ihrem Mut und ihrem Style kann sie nicht nur ihre neugewonnenen Fans begeistern, sondern sichert sich auch den Respekt ihrer männlichen Kollegen.

Auch ihr Nachfolger "Eyes On This" kann ein Jahr später an den Erfolg des Debüts anschließen. Die erste Single-Auskopplung "Cha Cha Cha" klettert schnell an die Spitze der Charts. Ein anderes Highlight der Platte ist das sozialkritische "Cappucino". Hier erzählt Lyte eine imaginäre Geschichte, in der sie beim Besuch eines Lokal bei einer Schießerei ums Leben kommt. Leider erreicht nicht das ganze Album diese aussagekräftige Tiefe, eine Tendenz, die bei ihrem folgenden Album weiter fortschreitet.

Höchstwahrscheinlich von ihrer neuen Plattenfirma gedrängt, ändert MC Lyte ihren Stil und tendiert in die softere R'n'B-Richtung. Trotzdem beinhaltet "Act Like You Know" immer noch sozialkritische Themen. So greifen Tracks wie "Eyes Are The Soul", "Lola At The Copa" und "Poor Georgie" Probleme des Drogenmißbrauchs oder der Gefahr von AIDS auf. Alles in Allem kommt der softere Stil Lytes nicht gut an. Deswegen kehrt sie beim Nachfolger "Ain't No Other" zu ihrem Hardcore-Rap Image zurück. Das Album hält was es verspricht und besonders eine Nummer sorgt für Furore. Zu einer Grammy-Nominierung als bester Rap-Song, erlangt MC Lyte mit "Ruffneck" als erste weibliche Hip Hop-Künstlerin Gold-Status in den Vereinigten Staaten.

Ein Erfolg, an den sie mit ihren nächsten Alben nicht annäherend anknüpfen kann. Aufgrund schlechter Produktionen und einseitiger Lyrics gehen die folgenden Werke "Bad As I Wanna Be" und "Seven & Seven" in mieser Kritik unter. Nur der gemeinsame Song mit Kollegin Missy Elliot "Cold Rock A Party" ist auf den Tanz-Flächen ein Lichtblick. Sonst ist musikalisch nicht viel von der Rapperin zu hören. Statt dessen entdeckt MC Lyte die Schauspielerei für sich. Damit ist sie zwar nicht so erfolgreich wie Rap-Gefährtin Queen Latifah, trotzdem kann sie auf einige Rollen in so bekannten Serien wie Moesha oder New York Undercover verweisen. Auch die Industrie hat Lytes Werbewirksamkeit für sich entdeckt. Sie wirbt nicht nur für illustre Firmen wie Nike, Pepsi oder McDonalds, sondern kann später auf eine eher außergewöhnliche Besonderheit zurückblicken. Der Puppenhersteller Matell verpflichtet die Rapperin dazu, der sprechenden Puppe Tia ihre Stimme zu leihen.

Außerdem engagiert sie sich im sozialen Bereich. Besonders die in ihren Texten angesprochenen Probleme liegen ihr am Herzen. Sie arbeitet an zahlreichen Anti-Gewalt-Kampagnen mit, wirbt für die Beteiligung an Wahlen und nimmt an AIDS-Aufklärungsveranstaltungen teil. Dazu ist sie der erste Rap-Künstler, der an Auftritten der USO teilnimmt, die Shows vor amerikanischen Truppen organisiert, die etwa in Griechenland und in Italien stationiert sind.

Ihre musikalische Karriere erleidet einen herben Rückschlag, als die Plattenfirma sie nach dem kommerziellen Misserfolg der letzten beiden Alben fallen lässt. Daraufhin folgen Gespräche mit dem Label von Will Smith. Letztendlich landet MC Lyte aber bei iMusic, die sich bald darauf an die Arbeit machen, um MC Lyte wieder zurück ins Rampenlicht zu bringen.

Nach Beiträgen für Will Smiths Album "Willenium", dem Song mit Angie Stone auf Mobys "18" und dem "Jammin"-Remix auf dem Bob Marley Tribute-Album "Chant Down Babylon", veröffentlicht MC Lyte nach viereinhalb Jahren ohne Platte ihr neues Werk "Da Underground Heat Vol. 1". Gemeinsam mit dem Produzenten-Team Madd Phunk!, die schon für Ruff Ryders, Fabolous und Bustas Flipmode Squad Beats bastelten, nimmt die mittlerweile 31-Jährige das Album in nur vier Tagen auf und unterstreicht damit ihre Proffesionalität. Jetzt kehrt sie zurück zu ihren Old School-Wurzeln und macht klar, dass sie nach etwa 15 Jahren im Showgeschäft nichts verlernt hat. Zusätzlich lässt sie sich durchgehend von Stars wie Janet Jackson, Da Brat, Biz Markie oder Queen Latifah feiern und darf sich deren Bewunderungen anhören. Dem Respekt ihrer Kollegen ist sie sich also sicher. Die Frage ist, ob sie in Zukunft an die kommerziell erfolgreichen Tage ihrer Karriere anschließen kann.

Alben

Videos

I Can't Make A Mistake
  • Offizielle Hompage

    Gute Seite, inkl. Tagebuch der Rapperin.

    http://www.mc-lyte.com
  • MC Lyte bei Launch

    Mit Bio, Photos, Interview. Etwas veraltet.

    http://launch.yahoo.com/read/feature.asp?contentID=157522
  • Fanpage

    Spartanisch, mit Grotten-Design.

    http://geocities.com/sylkie_/mclyte.html

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