Porträt

laut.de-Biographie

Ice T

Ob als Ice T, Iceberg, Ice Oscillator oder Nestea: Er zählt zu den beherrschenden Figuren der kalifornischen Rap-Bewegung der 80er Jahre. Als MC, Rockmusiker, Schauspieler oder Autor positioniert sich Ice T als einer der Pioniere des Gangsta-Rap, der auch sozialkritische Themen anschneidet. Ice Ts Texte behandeln Gewalt, Zensur, Rassismus, Drogen- und Alkoholmissbrauch, beziehen Stellung zur Todesstrafe, zum Golfkrieg und portraitieren das Leben in den schwarzen Ghettos.

Über seine Vergangenheit breitet Ice T gerne den sprichwörtlichen Mantel des Schweigens. Unbestritten: Einer der Wegbereiter des West Coast-Rap stammt eigentlich von der Ostküste: Tracy Morrow erblickt das Licht der Welt am 16. Februar 1958 in Newark, New Jersey. Ob sein Vater, der seinen Vornamen auswählte, lieber eine Tochter bekommen hätte? Wir wissen es nicht.

Es steht fest: Tracy verliert beide Eltern bereits im Kindesalter. Ob das Paar jedoch bei einem Autounfall ums Leben kam, oder ob - wie ebenfalls kursierende Gerüchte berichten - Mutter und Vater relativ kurz hintereinander Herzinfarkten erlagen: Auch das wissen wir nicht.

So oder so: Tracy wird zu seiner Tante nach Los Angeles verfrachtet. In South Central besucht er die Crenshaw High School und kommt einerseits mit Hip Hop, andererseits mit den Härten des Gang-Life in Kontakt. Mehrfach landet er hinter Gittern. Unter anderem werden ihm Juwelenraub und Zuhälterei zur Last gelegt. Er entschließt sich zu einer militärischen Laufbahn, verlässt die Army allerdings 1983 nach vier Jahren wieder. "Sich bedingungslos Befehlen unterzuordnen, das lag mir nicht", so sein Resümee.

Anfang der 80er Jahre startet Tracy, der sich in Anlehnung an den Ex-Zuhälter und Schriftsteller Iceberg Slim den Bühnennamen Ice T zugelegt hat, eine neue Karriere. Er nimmt bis 1986 verschiedene Singles, darunter seinen erster Streich "The Coldest Rap", auf. Genannte Nummer gilt als eine der ersten, in denen die später inflationär gebrauchten Vokabeln "nigga" und "ho" Verwendung finden. Mit "6 In The Morning", beeinflusst von Schoolly D, dem Pionier auf diesem Gebiet, legt Ice T seinen ersten Gangsta-Rap vor. Ice Ts frühe Werke finden sich zusammengefasst auf der Compilation "The Classic Collection", die 1993 erscheint.

Parallel zur Karriere am Mikrofon versucht sich Ice T als Schauspieler. Erste Auftritte absolviert er 1983 in "Fame - Wege zum Ruhm" sowie den Hip Hop-Streifen "Breakin'" und "Breakin' 2: Electric Boogaloo" (beide 1984). Ein Autounfall veranlasst Ice T 1985 dazu, der Kriminalität abzuschwören. Mit einem Major-Deal mit Sire Records in der Tasche eröffnen sich schließlich auch ganz andere Einkommensmöglichkeiten.

Ice Ts Debüt-Album "Rhyme Pays" kommt 1987 auf den Markt. Unterstützung erfährt er von DJ Aladdin sowie von Afrika Islam, der für die Produktion der musikalisch vorwiegend partyorientierten Tracks Sorge trägt. Um die 300.000 Exemplare des Longplayers werden verkauft. Zum Soundtrack des Films "Colors", der das Leben in L.A. beschreibt, steuert Ice T den Titeltrack bei.

Der Durchbruch gelingt Ice T mit seinem zweiten Album. "Power" erscheint 1988 bereits auf seinem eigenen Label Rhyme Syndicate, birgt mit "I'm Your Pusher" einen Riesenhit, und verschafft Mr. Morrow neben der Aufmerksamkeit der wachsenden Rap-Szene die zweite Goldene Schallplatte seiner Karriere. Zwischen "Power" und dem danach erscheinenden Klassiker geht "The Iceberg / Freedom Of Speech ... Just Watch What You Say" von 1989 ein wenig unter. Mit "O.G.: Original Gangster" setzt Ice T 1991 einen Meilenstein für den Gangsta-Rap.

Im Rahnem von "O.G." stellt er erstmals sein Rap-Metal-Crossover-Projekt Body Count vor, das 1992 das erste selbstbetitelte Album präsentiert. Die Combo macht hauptsächlich wegen ihres aus der Sicht eines Polizistenmörders geschriebenen Tracks "Cop Killer" derart Furore, dass sich selbst das F.B.I. zu einer Reaktion genötigt fühlt. Bei Warner Music, wo man Ice T bisher unter den Fittichen hatte, bekommt man kalte Füße. Der steckt mitten in der Vorbereitung seines nächsten Albums, als ihm der Vertrag gekündigt wird.

"Home Invasion" erscheint 1993 bei Priority Records, erntet aber nur verhalten positive Reaktionen. Ice T habe unterwegs seine ursprüngliche Klientel verloren und begeistere jetzt hauptsächlich weiße Teenager, so der Hauptvorwurf.

Inzwischen hat Ice T insbesondere mit seiner Beteiligung in "New Jack City" (1991) einigen Eindruck als Schauspieler hinterlassen und konzentriert sich vorwiegend auf seine Leinwandkarriere. Er tritt in etlichen Kino-Filmen (darunter "Tresspass", "Tank Girl" und "Johnny Mnemonic") auf und übernimmt zusätzlich Rollen in diversen Fernsehserien. Ice T spielt in Produktionen wie "New York Undercover" und "V.I.P. - Die Bodyguards". In "Law & Order: New York" gehört er bald zum festen Personal.

Erstaunlich, wofür sich zwischendurch noch so alles Zeit findet: 1994 erscheint mit "Born Dead" nicht nur das zweite (von Kritik und Fans weithin unbeachtete) Body Count-Album inklusive ausgiebiger Tour. Ice T debütiert nebenbei als Schriftsteller und publiziert sein erstes Buch, "The Ice Opinion". Die starke politische Motivation, die zu Beginn von Ice Ts Karriere stets spürbar war, geht seinen Texten mittlerweile weitgehend ab.

Nichtsdestotrotz: Ice T bleibt am Ball. Er kollaboriert nicht nur mit zahllosen Rap-Kollegen sondern tut sich auch mit Bands wie Black Sabbath, Motörhead, Slayer, Six Feet Under und unter anderem Jello Biafra zusammen und covert daneben Songs von Punk-Veteranen wie The Exploited oder Black Flag. Neben der Schauspielerei entdeckt er die Welt der Videospiele für sich: Seine Stimme ist in "Grand Theft Auto: San Andres" zu hören. In "Def Jam: Fight For NY" trifft man Ice T an in der Rolle von Ice T.

1996 erscheint ein weiteres Solo-Album, "VI - The Return Of The Real". Der nächste Body Count-Schlag ("Violent demise") folgt auf dem Fuß. Den Schwerpunkt legt Ice T danach allerdings wieder auf die Schauspielerei. Zwischen "The Seventh Deadly Sin" (1999) und "Gangsta Rap" von 2006 hat sich Ice T aber nur scheinbar eine Auszeit gegönnt: Er bleibt mit etlichen Nebenprojekten am Ball. So liefert er noch 1999 gemeinsam mit den West Coast Rydaz "What Really Goes On", 2000 mit den Analog Brothers "Pimp To Eat" und 2004 "Repossession" mit SMG.

Darüber hinaus gilt Ice T als gerne und häufig gesehener Feature-Gast. Mit "Murder 4 Hire" kriecht 2006 die vergessen geglaubte Formation Body Count ein weiteres Mal aus der Versenkung. Da sich hier musikalisch in den vergangenen zehn Jahren allerdings nichts getan hat, bleibt dieser Gruß aus der Gruft weitgehend unerwidert.

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Ice T - 7th Deadly Sin: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 2 Punkte

1999 7th Deadly Sin

Kritik von Gregory Britsch

Leicht schal gewordener Tee mit mehr oder weniger bekannten Raphardwürsten (0 Kommentare)

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