Porträt

laut.de-Biographie

Black Flag

Obwohl im Zusammenhang mit Black Flag an erster Stelle meist der Name Henry Rollins fällt (immerhin trägt der Kerl das Erbe der Band als einziger noch weiter) geht der Ursprung der Band eigentlich auf Gitarrist und Workaholic Greg Ginn zurück. Dem geht in den 70ern der Sound der Eagles, ELO und Konsorten dermaßen auf die Eier, dass er sich in L.A. 1977 ein paar Jungs zusammen trommelt, die in etwa wissen, wie Instrumente aussehen. Unter dem Einfluss der ersten Ramones-Scheibe geht es dann ans Musik machen. Mit Keith Morris (voc), einem Drummer und einem Bassisten legen sie dann unter dem Namen Panic los und holzen ihre drei Akkorde aus den Boxen.

Im Sommer '77 sind Chuck Dukowski (b) und Brian Migdol (dr) mit von der Partie und auf eine Idee von Gregs Bruder Ray hin, benennen sie sich in Black Flag um. Die schwarze Flagge ist ein historisches Symbol für Anarchie und Rebellion, was hervorragend zum Sound der Band passt. Keith kratzt die Kurve um die Circle Jerks zu gründen, mit denen er kurzfristig sogar richtige Erfolge verbuchen kann. Seinen Platz nimmt vorrübergehend Ron Reyes aka Chavo Pederast ein, der aber während eines Konzert einfach von der Bühne wetzt und auf selbige nicht mehr zurück kehrt. Das kratzt die anderen recht wenig, sie spielen einfach weiter und lassen jeden ans Micro, der meint, dass er was zu schreien hat. Zwar weigern sich beide Parteien, wieder zusammen live zu spielen, jedoch tritt Chavo im Studio brav an und singt seine Vocals für die "Jealous Again" EP ein.

Nachdem sie einige Monate ohne festen Sänger ihr Ding durchziehen, stößt Dez Cadena als Sänger zu Black Flag. Mit Robo an den Drums spielen sie die "Six Pack"-EP ein, jedoch hängt Dez den Sänger-Posten schnell wieder an den Nagel, da seine Stimme die vielen Live-Auftritte nicht mitmacht. Er ruft daraufhin ein schmächtiges Kerlchen an, welches vor einiger Zeit einfach mal auf die Bühne springt, um einen Song mit der Band zu brüllen. Somit kommt Henry Rollins ins Spiel. Dez bietet ihm den Job als Sänger an, worauf hin der beinahe all seine Sachen vertickt und aus Washington D.C. nach New York City fährt, um sich Black Flag anzuschließen. Dez steigt daraufhin nicht aus, sondern sattelt einfach auf die zweite Klampfe um. In dieser Besetzung entsteht dann das Debüt Album "Damaged"

Nach einer England-Tour packt Robo seine Koffer und heuert bei den Misfits an. Der neue hinter den Drums hört auf den Namen Emil und hat ne Frisur wie ein explodierter Pudel. Auch seine Zeit währt nicht lange und von den Kanadiern D.O.A. stößt Drummer Chuck Biscuits zum Line-Up. Mit ihm entstehen einige der legendärsten Demos, die wegen rechtlicher Probleme aber nie offiziell Veröffentlicht werden können. Als Drummer ist Chuck zwar exzellent, menschlich aber weniger, weshalb er '83 wieder aus der Band fliegt und daraufhin mit Glenn Danzig zuerst bei Samhain und später bei Glenns Solo-Band Danzig trommelt. In Bill Stevenson finden sie dann schließlich einen Kerl, der es auch länger auf dem Drumhocker aushält, jedoch müssen sie den Ausstieg von Dukowski verknusen, der lieber seine eigene Band DC3 gründen will.

Für die zweite LP "My War" steht ein gewisser Dale Nixon in den Linernotes, dies ist jedoch niemand anderes als Greg Ginn, der einfach noch die Bassspuren einspielt. Kurze Zeit später werben sie die kleine, aber quirlige Kira Roessler bei Dez' Band DC3 ab. Mit ihr erscheint zunächst das "Family Man" Album, welches zur einen Hälfte aus instrumentalen Black Flag-Songs besteht und zur anderen aus Spoken Word Beiträgen von Henry, dessen intellektuelles Wissen proportional zu seinem Halsumfang wächst. Etwas später, aber auch noch '84, erscheint dann "Slip It In" und die Band geht auf einen enormen Tourmarathon, der darin gipfelt, dass sie innerhalb von 24 Stunden drei Gigs in drei unterschiedlichen Staaten spielen!

1985 ist dann noch produktiver, denn nach der Live Scheibe" Live '84" erscheinen die Alben "Loose Nut", die instrumentale EP "The Process Of Weeding Out" und der nächste Full-Lenght-Player "In My Mind". Nach dieser Herkulesaufgabe fliegt Stevenson aus der Band und auch Kira verlässt Black Flag kurze Zeit später, ist jedoch noch auf dem zweiten Live Album "Who's Got The 10 1/2" zu hören. Um noch einmal quer durch die USA zu touren, kommen Basser C'el Revuelta und Drummer Anthony Martinez dazu. Mit auf Tour sind die Band Painted Willie und Gregs zweite Band Gone, bei der auch die beiden späteren Henry Rollins Recken Simeon Cain und Andrew Weiss mitspielen.

Nach der Tour erklärt Greg seinen Ausstieg, womit die Band offiziell 1986 aufgelöst wird. Greg konzentriert sich weiter auf sein SST Records Label, auf dem auch alle Black Flag Alben erschienen sind und Rollins beginnt seine Karriere als musizierender Muskelberg.

1987 erscheint noch eine Best Of namens "Wasted ... Again" aber bis auf ein Projekt von Henry Rollins, der mit dem Einspielen alter Black Flag Songs ("Henry Rollins presents Rise Above") mit diversen Gastmusikern versucht, die Berufung eines vermutlich falsches Gerichtsurteils zu finanzieren, bleibt Black Flag ein der größten Legenden im Punk/Hardcore Bereich. 2003 treten Black Flag dann tatsächlich wieder auf: Dez Cadena, Greg Ginn, Robo und C'el Revuelta stehen drei Mal auf der Bühne.

Zehn Jahre später kündigt ein Black Flag-Line Up um Gründungsmitglied und Gitarrist Greg Ginn nicht nur eine Reunion, sondern gleich ein brandneues Album an - das erste seit 1985 (!). Am Mic steht Ron Reyes, an den Drums sitzt Gregory Moore. Das Reunionteam will auch im Rahmen des Ruhrpott Rodeos in Deutschland spielen.

Kuriosum: Zeitgleich kündigt Gründungsmitglied und Sänger Keith Morris ebenfalls eine Livereunion unter dem Banner 'Flag' an. Die Formation mit Chuck Dukowski, Bill Stevenson und Stephen Egerton trat bereits 2011 für einen Secret Gig in Santa Monica, Kalifornien auf. Das bekannteste Ex-Black Flag-Mitglied, Henry Rollins, scheint sich für das Duell nicht zu interessieren: Eine Wiedergeburt ist nach wie vor kein Thema.

Ginns Black Flag bringen ihr neues Album "What the..." 2013 heraus. Ein 22-Track starkes Comeback voll groovendem Oldschool-Hardcore. Im Studio steht noch Ron Reyes am Mikrofon, wird aber wenige Wochen vor dem Release und während einer Live-Show ersetzt: Der Skateboard-Profi Mike Vallely schnappt sich das Mic und wirft Ron von der Bühne. Auf seiner Facebook-Seite äußert er sich später trotzdem versöhnlich, wünscht der Band viel Erfolg und zeigt sich erleichtert, nicht mehr Teil von Black Flag zu sein.

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