Porträt

laut.de-Biographie

Henry Rollins

Ganz schön spooky, dieser Henry Rollins: Es gibt von ihm kein Foto, auf dem er nicht dreinschaut, als schaukle ihm gerade irgendein Drill Instructor bei der Musterung die Klöten. So verbindet man mit Rollins immer unvermeidlich irgendwas militärisch Spartanisches, was natürlich gänzlich unbegründet ist, bei derartiger Frisur in Kombination mit solch voluminösem Körperbau und Knast-Tattoos.

In den 80ern war er schon ein Geheimtip und gehörte mit Black Flag zur aggressiveren Riege der Post-Punker. Nach deren Auflösung 1986 musste sich Rollins alleine durchschlagen. In einem Interview gab er damals zu, dass schon ab und zu nach den Konzerten die Fäuste sprachen, wenn er ungebetene Glatzen aus dem Backstage-Bereich vertreiben musste. Heute entlädt er seine Batterien im Gym.

Eigentlich kann er aber keiner Fliege ein Beinchen krümmen, weil er doch so sensibel ist, unser Henry und seine ganze Energie für Sport und Arbeit braucht. 1992 beendete Rollins eine Stille - wo eigentlich nie eine war - mit seinem Major-Erstling "The End Of Silence", einer weltweit hochgepriesenen Scheibe. "Das härteste Jazz-Album" lobte es seinerzeit der Rolling Stone.

Er schreibt nebenbei auch energische Gedichte und Bücher, und bringt sie in Lesungen auf die Bühne. "Think-Tank" nennt er sich dann. Das trifft nur teilweise zu: Er ist nicht nur Scream-, Rock- und Shout-Tank, sondern auch Verleger, Produzent und Filmschauspieler. Man erinnere sich nur an die Szene aus "Heat", als unser tätowierter Anaboliker von Al Pacino aufgemischt wird - eben wie im wirklichen Leben!

Doch am wichtigsten ist wohl sein Musikprojekt, wo er am meisten Dampf ablassen kann. Leider kam die Trennung von seiner Begleitband - wegen musikalischer Differenzen, so Rollins. Aber mal ehrlich, es ist bestimmt kein Zuckerschlecken, mit einem Typen zusammenzuarbeiten, der vor Energie nur so strotzt und dazu noch im Dunkeln aussieht wie Kindergartencop Arnold Schwarzenegger auf Freigang. Das Projekt bleibt aber weiterhin die Rollins Band, weil "Hangry" jetzt die Mother Superior unter Vertrag hat, eine L.A. Band, die sich der MC5-schen Tradition verschrieben hat.

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Rollins Band - Nice: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2001 Nice

Kritik von Martin Mengele

Gewinnt an Ausstrahlung durch den Einsatz von weiblichen Stimmen. (0 Kommentare)

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