Porträt

laut.de-Biographie

Hüsker Dü

1979 formiert sich eine der einflussreichsten Punkbands in Minneapolis (USA). Die Gründer der Underground-Truppe Hüsker Dü sind Bob Mould (Gesang, Gitarre), Greg Norton (Bass) und Grant Hart (Gesang, Schlagzeug). Sie gelten als die Urväter des Grunge, auf die immer wieder in zahlreichen Plattenbesprechungen verwiesen wird. Der Name stammt von einem dänischen Brettspiel aus den 50er Jahren, dessen Name so viel bedeutet wie "Erinnerst du dich?"

Bob Mould studiert Ende der 70er Jahre am Macalester College in St. Paul und verdient sich seine Studiengebühren in einem Plattenladen. Dort trifft er das erste Mal auf die beiden Musiker Grant Hart und Greg Norton. Trotz unterschiedlichem Musikgeschmack steht bei allen drei die Liebe zum Hardcore-Punkrock an erster Stelle. Kein Wunder also, dass sie sich als Band zusammen schließen und Nortons Keller zum Proberaum umfunktionieren.

Für das revolutionäre, persönliche und soziale Songwriting sind ausschließlich Mould und Hart verantwortlich. Musikalisch orientieren sie sich an den klassischen Punkpop von Bands wie Buzzcocks, allerdings um einiges härter, was man auch der Lyrik entnehmen kann. Die frühen Songs weisen Einflüsse von Folk und Pop der 60er auf und harmonierende Blueselemente. Hüsker Dü werden auch gerne mit R.E.M. in einem Atemzug genannt.

Beide Post-Punkbands verändern in den 80er Jahren die Richtung des Rock'n'Roll. Der einzige Unterschied ist, dass Michael Stipes mit seiner Gefolgschaft die Charts erobert, während Hüsker Düs kommerzieller Erfolg ausbleibt. Nichtsdestotrotz bleiben sie die Wegbereiter und Idole vieler erfolgreichen Bands wie zum Beispiel Nirvana, Replacements (hier gibt es eine ständige, freundschaftliche Konkurrenz), Pixies und Soul Asylum. Im Hinblick auf Majorlabels beweisen Hüsker Dü, dass man auch als Independent Band bei einer großen Plattenfirma unter Vertrag sein kann, ohne dabei die eigene Integrität und Kreativität zu verlieren.

Als herausragende Platte gilt das Debüt von 1981 "Land Speed Record", das auf New Alliance Record erscheint. Siebzehn Songs werden live aufgenommen und dauern insgesamt nur 26 Minuten. In verschiedenen kleinen Clubs, touren Hüsker Dü in dieser Zeit mit ihrem rasanten, lärmigen Sound und geschrieenen Vocals bereits durch die USA. Ihre Live-Performace ist ein bombastisches, meist improvisiertes Ohrfeuerwerk, das man so schnell nicht vergisst. Sie spielen einen Song nach dem anderen, ohne Unterbrechung und reden so gut wie gar nicht mit ihrem Publikum.

Während ihrer ganzen Karriere bleibt der Hüsker Dü-Sound ungewöhnlich und unverändert, die Verstärker stets auf voller Lautstärke. Bob Mould mausert sich zu einem der besten Gitarristen dieser Zeit. Er beweist neben der starken Rhythmusfraktion Grant und Greg, dass er mit seinem Metallic-Sound zu den Gitarrenhelden der späten 80er und 90er Jahre gehört. Seine Saitenbearbeitung mit ihrer verzerrten Rhythmik ist markant und unvergessen. Sie wird gerne als "geschmolzenes Metall, das aus dem Lautsprecher rinnt" beschrieben.

Neben ihrer provokativen Live-Show machen die drei Rocker stets durch kleinere Skandale auf sich aufmerksam. Sei es wild pöbelnd im Backstageraum nach einem Black Flag-Konzert, mit denen sie später auch auf Tour sind, oder mit Gerüchten über Homosexualität innerhalb der Band. Das offene Geheimnis lüftet sich Mitte der 80er Jahre. Mould und Hart lieben Männer, allerdings gibt es angeblich keine Beziehung zwischen den beiden Musikern, sondern stets nur männliche Groupies im Tourbus.

1982 wechseln sie wieder zu ihrem ursprünglichen lokalen Label Reflex, auf dem die erste Singleauskopplung "Statues" erscheint und das erste Studioalbum "Everything Falls Apart". Zwei Jahre später erscheint auf SST Records "Zen Arcade". Auf diesem Doppelalbum überraschen sie sowohl Kritiker, als auch Fans mit ungewöhnlichen Popmelodien. Es wird sogar mit Clashs "London Calling" verglichen. Zwischen 1984 und 1985 geben Hüsker Dü immer mehr Konzerte und schreiben an neuen Songs, dabei entsteht eine immer größere Rivalität zwischen den beiden Songschreibern. Ihre Kompositionsstile können unterschiedlicher nicht sein. Während Mould mehr für die aggressiveren Melodien verantwortlich ist, widmet sich Hart den melodischen Songs, die den unverkennbaren Hüsker Dü-Sound eben auch ausmachen. Weitere Auseinandersetzungen entstehen bei beiden wohl zunehmend durch den enormen Konsum von Speed und Alkohol.

1985 erreichen sie den Gipfel ihres Erfolges. Zwei Alben entstehen, die sich mehr und mehr dem präzisen Popsong widmen ("New Day Rising"), die Produktion wird dabei immer klarer ("Flip Your Wig"). Weitere positive Rezensionen in verschiedenen Fanzines und Magazinen folgen, somit auch der erste Major Vertrag. Warner Bros zeigt Interesse, das sechste Album "Candy Apple Grey" erscheint 1986. Damit gehört Hüsker Dü zu den ersten amerikanischen Underground-Bands, die einen Plattenvertrag bei einem Major unterschreiben. Somit sind sie die Wegbereiter für viele andere Bands, die später die sogenannte Rock-Alternative-Szene bilden und ebenfalls bei den größeren Plattenfirmen Aufmerksamkeit erhalten. In dieser Zeit verstärkt sich jedoch leider auch der zwischenmenschliche Konkurrenzkampf zwischen Mould und Hart. Während Bob sich mehr und mehr von den Drogen und Alkoholexzessen entfernt, reißt es Grant immer tiefer in den Abhängigkeitssumpf.

Trotz der traurigen Umstände entsteht ein zweites Majoralbum 1987. "Warehouse: Songs And Stories" wird auch das letzte Hüsker Dü-Projekt sein. Eine Tour zur Platte ist allerdings noch geplant, wenn sie auch zunächst unter einem bösen Stern steht, da in der Nacht zuvor der Manager David Savoy Selbstmord beginnt. Hüsker Dü entscheiden sich dennoch dafür, die geplanten Live-Shows zu spielen. Der Freitod von David lässt die internen Bandschwierigkeiten eskalieren. Hart ist mittlerweile heroinabhängig, während Mould es geschafft hat, clean zu sein. Nach der Warehouse-Tour spielen Hüsker Dü keine weiteren Konzerte, und das Gerücht verbreitet sich, dass die Band sich auflöst. 1988 wird Hart gefeuert, Hüsker Dü sind von nun an Geschichte.

Live-Material der letzten gemeinsamen Auftritte gibt es auf "The Living End" (1997) zu hören, ein abschließendes Kapitel der legendären Alternative Band. Doch natürlich gibt es Soloprojekte der einzelnen Mitglieder, dabei hört und sieht man vor allem Bob Mould, mal alleine oder mit seiner Band Sugar. Seine letzte Soloplatte "Body Of Song" erscheint 2005 mit anschließender Tour in Europa. Grant Hart hat seine Sucht inzwischen unter Kontrolle, veröffentlicht einige Soloplatten und gründet Anfang der 90er eine neue Band namens Nova Mob. Greg Norton tauscht unterdessen seinen Bass gegen einen Kochlöffel ein.

Ein überraschender Kurzauftritt wird 2004 gemeldet. Bob Mould und Grant Hart stehen nach sieben verflixten Jahren noch mal gemeinsam auf der Bühne. Grund ist ein Benefiz-Konzert für den an Krebs erkrankten Bassisten Karl Müller von Soul Asylum. Es erklingen noch einmal die Hüsker Dü-Songs "Hardly Getting Over It" und "Never Talking To You Again".

Alben

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare