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Durch den Einfluss der Fugees hat sich die Richtung des Hip Hop Movements wesentlich verändert. Schon bevor sie ihren ersten Plattenvertrag unterschreiben, produzieren sie unter dem Namen "Tranzlator Crew" Songs, die ernst und doch wieder funky sind. 1993 erscheint ihr erstes Album "Blunted On Reality". Und der Style der Fugees ist bislang in der Hip Hop Bewegung nicht bekannt: Ein Mix aus politischem Rap, smoothen Hip Hop, R'n'B, und Reggae lässt die Heads rund um den Globus aufhorchen.
Schuld daran sind, der am 17. Oktober 1972 in Haiti geborene Wyclef Jean, der zu seinen Raps die Gitarre in die Hand nimmt und singt. Lauryn Hill, geboren am 25.Mai 1975 in South Orange, deren Stimme neben perfekten Reimen auch wahnsinnig ausdrucksstarke, soulige Klänge erzeugt. Zu guter Letzt Prakazrel Michel, kurz Pras, Cousin von Wyclef (19. Oktober 1972), der mit seinem lyrischen Talent die Truppe ergänzt.
Der Name "Fugees" steht in Verbindung mit der Botschaft ihrer Musik; weil wir alle auf irgendeine Art und Weise Flüchtlinge sind und in der Musik Zuflucht finden sollen. Einer kann sich mit den Texten identifizieren, während ein Anderer einfach die Musik anhört, um dabei - wenn auch nur für einen Moment - vergessen zu können.
Für ihr zweites Album "The Score" (1996) ist der Grundgedanke, dass sich die Platte wie der Soundtrack eines Musicals anhören sollte. Bei einer Autofahrt hören die Drei den Song "Killing Me Softly" von Roberta Flack im Radio, und er paßt perfekt in ihre Idee - als Liebesgeschichte in der Mitte eines Musicals. Doch erst sorgt eine andere Single in der Szene für Furore. Im Dezember 1995 veröffentlichen die Fugees "Fu-Gee-La" und die Single wird dank eines genialen Beats und den Raptalenten der Drei zu einem ersten Erfolg. Doch die Cover-Version "Killing Me Softly" einige Monate später bringt erst den richtigen Hype um die damaligen Rap-Sensation. Mehrfach platin-veredelt entert der Track die Charts-Pole Position in zahlreichen Ländern. Genauso wie das Album, das mit über 17 Millionen verkauften Exemplaren zu den erfogreichsten Hip Hop-Platten aller Zeiten avanciert.
"The Score" heimst Preise noch und nöcher ein: Grammys, American Music Awards, MTV Awards, usw. Doch die Arbeit im Kollektiv ebbt auf dem Höhepunkt der gemeinsamen Karriere ab. Nach einer großen Tour widmen sich alle Drei ihren eigenen Plänen. 1997 veröffentlicht Wyclef sein erstes Solo-Album "The Carnival" und Kollegin Lauryn bringt ihr erstes Kind zur Welt. Beide Ereignisse läuten eine Post-Fugees-Ära ein, die einen Ruf nach einer Reunion von Jahr zu Jahr lauter werden lässt.
Damit das Drängen der Fans aber nicht zu laut wird, geben alle drei Fugees in unregelmäßigen Abständen der Öffentlichkeit ihre Solo-Aktivitäten zum Besten. Und sie überbieten sich regelmäßig mit dem Erfolg. Wyclef mit seinen Alben und zahlreichen Singles und Remixen. Dann steuert Pras äußerst erfolgreich seine Single "Ghetto Superstar" dem Bullworth-Soundtrack bei. Schließlich schießt auch Lauryn den Erfolgs-Vogel ab und releast im August 1998 ihr Meisterwerk "The Misseducation".
Doch weiterhin kein Ton über ein neues Fugees-Album. Erst Ende 2002 äußert sich Wyclef über etwaige Fugees-Pläne: "I want to do a Fugees record." Leider zu früh gefreut. Nach einer Dissattacke Wyclefs macht Pras vorerst jegliche Hoffnungen auf eine Reunion zunichte. Drei Jahre später sieht alles ganz anders aus. Lauryn, Pras und Wyclef sind im Studio und kündigen für den 27. Dezember ihr Comeback-Album an. Der Titel der Platte steht zwar noch nicht fest, dafür gibt es die Single "Take It Easy" bereits im September zu hören.
Ab Ende November geht das Trio zudem auf Europa-Tour und gastiert im deutschsprachigen Raum in Wien, Hamburg, Köln und Zürich. Die für 29. und 30. November geplanten Gigs in Incheba (Slowakei) und Wien werden aber kurz vor Tourbeginn ohne Angabe von Gründen abgesagt. Auch das Konzert zum Tourstart steht unter keinem guten Stern: Das Genfer Date wird vom 27. November auf 21. Dezember verschoben. Lauryns neue Soloplatte erscheint erst 2006.
Das divenhafte Verhalten der Sängerin macht bald alle Hoffnungen auf eine Fortsetzung der Fugees-Geschichte zunichte. Bei ihren Solo-Gigs düpiert sie wiederholt das Publikum mit spätem Erscheinen und kurzen Auftritten. Und auch ihre Ex-Kollegen sind schlecht auf Lauryn Hill zu sprechen, sowohl Wyclef als auch Pras machen deutlich, dass sie sich eine Zusammenarbeit mit ihr nicht mehr vorstellen können. Ein Rendevouz zwischen George W. Bush und Osama Bin Laden sei wahrscheinlicher als eine Fugees-Reunion erklärt Pras im August 2007, offenbar völlig desillusioniert.
Ein Kollege meinte, das sei ja wie bei einer "Audienz beim Papst". Nun ja, das halte ich ein bisschen für übertrieben. Natürlich war ich sehr gespannt auf die Begegnung mit dem Hip Hop Star aus den U.S.A. Aber Wyclef Jean mit dem Papst zu vergleichen? Mmhh. Egal. Jedenfalls ist er gläubig. Das stimmt!
Ich kam also zitternd und mit schweißnassen Händen im Mediapark in Köln an. Auf dem Flur der Sony Company ging es heiß her. Die Geschwister des Superstars hörten lautstark R.Kelly und trällerten fröhlich mit. Der Held selber saß noch unter heißen Scheinwerfern für eine Aufzeichnung des Kölner Musiksenders. Man sagte uns, dass es noch was dauern könnte, da Wyclef sich ein Hähnchen bestellt hätte und dies vor unserer Befragung noch vertilgen wollte. O.K., dann rauchen wir doch noch eine Zigarette.
15 Minuten oder drei Zigaretten später war es dann endlich soweit. Wyclef kam cool und sichtlich gut gelaunt aus dem Scheinwerferlicht. Ein kurzes Tänzchen noch mit "Check it out"-Diva Daisy und er begrüßte uns lässig mit "Give me five"-Handschlag. "Hey man, ich will euch hier nicht länger warten lassen. Das Huhn kann ich auch noch später essen"! Allright! Ob der Presserummel ihm auf Dauer nicht auf die Nerven geht? "Nein, ganz und gar nicht. Im Gegenteil, ich mag so viele Leute um mich herum. Meistens trifft man auf nette Menschen, so wie ihr, und ich lerne gerne neue Leute kennen. Stress hat man nicht, sondern man macht ihn sich, you know?"
Dem ist nichts hinzuzufügen. Der Mann wird mir immer sympathischer und die Aufregung lässt auch langsam nach. Anfang November moderierte er den MTV Award in Stockholm. Meine Frage, ob es ihm Spaß gemacht hat, abgesehen davon, dass er den Preis "Best Hip Hop" nicht gewonnen hat, beantwortet er ziemlich gelassen: "I'm from Brooklyn, man. Ich kann gar nicht verlieren. Ich hatte auf jeden Fall schon gewonnen, als MTV meinen Manager angerufen hat. Das war schon sehr cool. Es war zwar auch sehr stressig, weil wir drei Tage proben mussten, aber hey, die Leute lieben meine Jokes und es war ein cooler Abend."
Kollege Eminem gewann an diesem Abend den Award "Best Hip Hop Act". Was hält er von diesem doch recht umstrittenen Künstler? "Hey, ich denke nicht, dass er umstritten ist. Ich kenne ihn schon sehr lange. Noch aus dem "Underground", lange bevor er so berühmt wurde. Er ist cool. Seine Musik ist cool. Er macht Texte mit einer gewissen Art von Humor und das gefällt mir. Jeder sollte selber wissen, in wie weit er das versteht, oder nicht. Ich mag auch Dr. Dre und all die anderen. Das sind coole Leute."
Wyclef hat schon mit vielen verschiedenen Künstlern zusammen gearbeitet. Einen sehr großen Erfolg hatte er kürzlich mit Santana und dem Hit "Maria". Auf seinem aktuellen Album "The Ecleftic" singt und rappt er u.a. mit Country-Star Kenny Rogers, Wrestling-Hero The Rock und Mary J. Blige. Inwieweit beeinflusst diese Zusammenarbeit seine musikalische Entwicklung? "Oh, yeah. Die Arbeit mit Mary J. Blige war sehr cool. Sie ist eine großartige Künstlerin. Und diese Zusammenarbeit war auch sehr wichtig für die Kids da draußen. Ich mache gerne humorvolle Songs, wie zum Beispiel "It doesn't matter" mit The Rock, aber genauso wichtig sind ernstere Themen. Man muss den Leuten beides bieten. Nur dann ist die Arbeit sinnvoll."
Der gebürtige Haitianer ist bekannt für seinen Soundmix. Von Hip Hop und Reggae über Jazz und Blues bis hin zu Rock und Pop verarbeitet er sämtliche musikalischen Genres in seiner Arbeit. Was hört er denn zur Zeit für Musik? "Im Moment habe ich Miles Davis auf meinem Plattenspieler liegen. Ich liebe diesen Mann und seine Musik. Er hat mich stark beeinflusst. Ich bin mit Musik aufgewachsen. In meiner frühsten Kindheit habe ich schon Hip Hop und Reggae gehört. Dann schenkte mir meine Mum eine Gitarre und von da an liebte ich die Gitarrenmusik. Mein Onkel hat mich vor allem zur Popmusik gebracht. Er hatte eine große Plattensammlung. Musik ist mein Leben, you know what I mean?"
Wie schreiben Postars eigentlich ihre Texte? Gerade in der Hip Hop-Szene. Sitzen die Rapper auch zu Hause und schreiben brav ihre Lyrics in ein Notizheft oder "freestylen" sie vorwiegend im Studio? Wie ist das bei dir Wyclef, jemand der voll von Ideen ist? "Ich habe immer mein kleines mobiles Studio dabei. Wenn ich es mal nicht dabei haben sollte, dann miete ich mir irgendwo in der Stadt eins. Das ist schon sehr praktisch. Immer wenn mir Texte einfallen, kann ich sie vor Ort verarbeiten. Music is in my blood and freestyle ist striktly normal, like eating (Ah, ja, das Huhn wartet ja noch) or sleeping!" Das ist nun auch ein Anreiz für ihn, eine kurze, aber beeindruckende Freestyle-Performance hinzulgen. RESPEKT!
Der eigentlich Grund für seinen Besuch in Köln ist die Benefizveranstaltung "Beats for Life". Dort wird er gemeinsam mit deutschen Hip Hop Acts wie Blumentopf oder Torch auf der Bühne stehen. Was denkt der Mann aus Brooklyn über die deutsche Konkurrenz? "Yeah, ich habe gehört, dass die Hip Hop-Szene hier in Deutschland sehr groß ist. Ich bin sehr gespannt auf heute Abend. Es ist das erste Mal, dass ich mit deutschen Rappern auf der Bühne stehe. Ja, ich habe große Lust dazu. Das wird bestimmt cool!" Eine Erfahrungen mit deutschen Cracks hat er ja schon gemacht. Mit den Fantastischen Vier war er schon im Studio, u.a. für einen Remix von "Guantanamera". Und das hat ihm auch sehr gut gefallen. "Es ist was ganz anderes, mit deutschen Künstlern zu arbeiten."
Während diesem Gespräch sind mir neben seinen funkelnden Augen besonders seine vielen Brillianten aufgefallen, an seinem Ring, an seiner Uhr und seiner Kette. Solche Glitzersteinchen sieht man ja nicht alle Tage. "Yeah, man. Das muss sein. Darauf fahre ich total ab (strahlt über das ganze Gesicht). Du weißt, ich komme aus Brooklyn und ich war sehr arm. Jetzt bin ich reich und ich kann mir so was leisten. Das ist cool man und dafür danke ich Gott!"
O.k. So langsam wird der Mann doch etwas unruhig. Sein Huhn wartet ja noch auf ihn und außerdem wollte er sich auch noch ein wenig hinlegen vor dem großen Auftritt. Aber "It's Christmas-Time", und dass er gläubig ist, wissen wir jetzt, aber glaubt er auch an den Weihnachtsmann? Was sind seine Pläne für Weihnachten? "Ich verkleide mich als Santa Claus und gehe mit meinen Cousins shoppen. Das macht Spaß!"
Ja, das glaube ich. Vielen Dank für das Gespräch und have a nice meal! Dann verabschiedet sich Wyclef Jean mit einer zweiten Freestyle-Performance. Yeah! Yeah!
Ach übrigens. Für alle Fugees Fans: Ja sie sind wieder zusammen im Studio und ja sie werden bald das lang ersehnte Album herausbringen. Man darf gespannt sein.
Greatest Hits (2003), The Score (1996), Blunted On Reality (1993)
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