Porträt

laut.de-Biographie

Absolute Beginner

Autonome Kris Kross, deutsche Beastie Boys oder einfach nur ein musikalisches Trio mit je zwei Mics und Turntables? Egal, in welchen Kontext man die Absolute Beginner stellt und mit welchen (un-)sinnigen Synonymen belegt, die Hamburger können 1998 mit "Bambule" das bis dato beste und wichtigste, deutschsprachige Hip Hop-Album unter ihrer antifaschistischen Groove-Fahne veröffentlichen. Ohne die Jungs aus Hamburg-Eimsbüttel hätte Hip Hop heutzutage eine prolligere Fratze und einen deutlich steiferen Hüftschwung.

Hamburg-Eimsbush, 1992: Die Absoluten Beginner feiern mit der, an die Punkband Slime angelegte Polizistenschelte "K.E.I.N.E." ihre erste Sampler-Veröffentlichung auf der Rap-Compilation "Kill The Nation With A Groove". 1993 folgt die erste Beginner-EP "Gotting", die soundtechnisch zwar noch etwas dünn, textlich aber mit viel politisch- und gesellschaftlichen Engagement überzeugt. 1994 kommt die Single "Ill Stylez", die wie viele deutsche Rapper damals noch vom harten Gunshot-Britcore beeinflusst ist. Konzerte und Jams quer durch die Republik machen die Hamburger Sozialkritiker in der noch überschaubaren Szene überregional bekannt.

Die damals noch siebenköpfige Kapelle rappt, wie in der deutschen Gründerzeit üblich, auf englisch. Als man den Vorschlag der Plattenfirma beherzigt, auf deutschsprachige Texte umzusteigen, verlassen DJ Burn, Nabil und Mirko die Gruppe jedoch. Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, denn 1996 ist es soweit: die Beginner veröffentlichen mit "Flashnizm" endlich den ersten 'echten' Longplayer beim Buback-Label. Auf der nachfolgenden Tournee quer durch den deutschsprachigen Raum beweisen die Beginner mit Live-Instrumten ihre Seelenverwandtschaft zu den Beastie Boys und anderen Crossover-Kapellen. Doch auch neben dem Beginner-Projekt sind die Hamburger durchaus aktiv. So reimt Eißfeldt schon beim Posse Track "Nordisch By Nature" kräftig mit und remixt andere Lieder der Fetten Brote und Keilerkopf.

Die Absolute Beginner haben 1998 wieder Grund zu feiern, als ihr Zweitling "Bambule", getrieben vom Single-Hit "Liebeslied" die Charts stürmt und die goldene Jahre der Rapm-Musik in Deutschland einläutet. Die aufs Trio geschrumpften Absoluten Beginner kreieren mit der Scheibe das wichtigste, deutsche Rap-Werk ever. Zum ersten Mal setzt Underground-Rap nach dogmatischer Advanced Chemistry-Steifheit auch kommerziell und künstlerisch Akzente. Denyo, Eißfeldt und DJ Mad versprühen ein leuchtendes Feuerwerk aus Beats, Raps, Flows, Flashs und Styles. Hits wie "Hammerhart", "Füchse" und natürlich das "Liebeslied" saugen sich förmlich in die Ohrmuscheln der Nation und sorgen für einen wahren Hip Hop-Boom.

Nachdem sich die Drei in der Zwischenzeit an Soloprojekten, Radiosendungen oder als Gast-Rapper versuchen, erkennt die Plattenfirma bereits 2000 das nahende Ende des Booms und bietet den Hanseaten eine Menge Geld für ein eiliges Album. Man entschließt sich, schlau wie ein Fuchs, das Altbewährte einfach zu überarbeiten. Manche Songs werden von den Eimsbush Jungs selbst oder von Freunden geremixt und erscheinen als Bambule Remix / Boombule-Album. Dass man sich trotzdem Mühe gibt, zeigt die Nichtveröffentlichung eines eingesendeten Marley Marl-Beats, der laut Eißfeldt einfach zu schlecht ist.

2001 folgt der (doppelte) Alleingang: Die beiden Mcees der Absolute Beginner stellen sich zum bandinternen Wettkampf und gehen zeitgleich mit ihren Soloalben an den Start. Während Eißfeldt mit seinem Alterego Jan Delay eher dem Reggae/Ragga frönt, schüttelt Denyo locker-flockig eine groovende Hip Hop-Platte aus dem Ärmel.

Nach Soloalben, Labelaktivitäten, Urlaub, Radioshows und Familienplanung treffen sich Denyo, Eizi Eiz und DJ Mad 2002 wieder im heimischen Studio, um am "Bambule"-Nachfolger zu werkeln. Die Zeiten für deutschsprachigen Rap sind schwer, der Hip Hop-Boom ebbt immer weiter ab, und eine bloße Kopie ihres Klassikers wollen die neuerdings ohne das 'Absolute' auftretenden Beginner nicht fabrizieren. Nach endlosen Tüfteleien und Streiterein steht im Spätsommer das dritte, echte Werk "Blast Action Heroes" in den Läden und zeigt mit wummernden Elektro-Beats, eingängigen Hooklines und pointierten Querverweisen, dass die Anfänger noch lange nicht zum alten Eisen zählen.

Interviews

Beginner: "Nicht für viel Geld mit 50 Cent"

April 2004 "Nicht für viel Geld mit 50 Cent"

Interview von Philipp Gässlein

Mit "Blast Action Heroes" behaupten die Beginner ihren Rang im deutschen Rapgame eindrucksvoll. Vor dem Konzert im Rostocker MAU-Club sprachen die Rapper mit LAUT über ihre Jugend, Gangsterrap und die Beastie Boys. (0 Kommentare)

News

Alben

Absolute Beginner - Bambule: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

1998 Bambule

Kritik von Gurly Schmidt

Deine Raps mach ich auf'm Klo mit'm Po - Hamburger Sprech-Gesang der Extraklasse (0 Kommentare)

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare