Porträt

laut.de-Biographie

Separate

Hip Hop-Metropole Mainz? Betrachtet man den Output, den Sebastian Faisst liefert, man könnte glatt auf diese Idee kommen. Unter dem Alias Separate macht er sich einen Namen und trägt mit dazu bei, Mainz' Eintrag auf der Landkarte für Beats & Rhymes zu rechtfertigen. Seine zahllosen Featureauftritte, unter anderem mit Kool Savas, Prinz Porno, Olli Banjo, Fumanschu und Ercandize, sprechen für sich.

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Ganz allein (um nicht zu sagen: separat) entdeckt er in der ehemaligen Kurfürstenresidenz den Rap. Inspiriert von Tupac beginnt er zu freestylen, dann eigene Texte zu verfassen. Ohne Austausch lebt es sich auf Dauer jedoch schlecht. Glück für Separate: In einem Plattenladen im nahen Wiesbaden stolpert er über die Jungs von der ChillatWill-Crew. Diese veranstalten im Schlachthof regelmäßige Freestyle-Sessions, bei denen bald auch Separate zu den Stammgästen zählt.

Ende der 90er Jahre zieht Kool Savas im Rahmen der "Masta Blasta"-Tour durch die Lande. Separate fängt ihn - wieder in Wiesbaden - ab, die beiden unterhalten sich kurz, ein Demo-Tape wechselt den Besitzer. Ganz offenbar trifft dieses einen Nerv: Bereits am nächsten Tag ruft Savas zurück und lädt sich den jungen Mainzer nach Berlin ein.

Resultate der Reise: die Tracks "Charthits" und "Ändern Das Game" (mit Eko) sowie ein Kontakt zu Marcus Staiger von Royal Bunker - womit Separates 2003 erscheinendes Solo-Debüt "Überleg Dir Was Du Sagst" auch gleich eine Heimstatt findet. Erstmals zu Wort meldete sich Separate aber bereits 2000, mit dem Freestyle-Tape "Was Auch Immer Du Sagst".

Mit der "Wir Battlen Jeden"-Tour erfährt Separates ohnehin bereits breite Fanbasis eine massive Ausweitung. Der Titel ist Programm: Separate, Kobra, Smexer und Prinz Porno stellen sich am Mikrofon jeder Herausforderung. Niederlagen sind nur auf der Gegenseite zu verzeichnen.

Wiesbaden erweist sich als Separates Dreh- und Angelpunkt: Hier trifft er auf einer Jam auf Abroo, der zu einer Aufnahmesession gleich noch seinen Kollegen Casper mitschleppt. Zu dritt bilden sie mit Unterstützung des Produzenten Fadee (aus Wiesbaden, woher sonst?) die Crew Kinder Des Zorns.

Im August 2004 erscheint ihr erstes Album "Rap At War". Separate spricht im Interview von seinem bisher persönlichstem Werk. Es soll sich nicht wiederholen. Die Truppe trennt sich wenig später nach dem Ausstieg Caspers. Es bleibt wenig Zeit für Trauer: Eine gemeinsame Veröffentlichung mit Pronz Porno ("1. Liga") fordert Separates Aufmerksamkeit.

Freunde kommen, Freunde gehen: Die Zusammenarbeit mit Staiger erweist sich auf die Dauer als problematisch. Separate trennt sich von Royal Bunker. Gerüchte, er werde zu Savas' Optik Records wechseln, bewahrheiten sich nicht. Separate wählt die Selbständigkeit: Mit einem langjährigen Freund gründet er sein eigenes Label, Buckwheats Music. Der Sampler "Buckwheats Baby" stellt im März 2005 die Künstlerbelegschaft vor.

Diverse Auftritte (darunter bei der PopKomm und beim Splash!-Festival) belegen Separates Qualitäten als Live-MC. Dennoch folgt im November 2005 ein zweites Studio-Album. Die Produktion obliegt hauptsächlich dem Offenbacher Produzenten-Trio Nachtwandler.

Allerdings - man wird ja älter und weiser - gelingt es Separate zuvor, den früher zwischen ihm und einem weiteren Repräsentanten der Mainzer Hip Hop-Szene schwelenden Zwist beizulegen: So steuert auch Shuko zwei Beats zu "Zahltag" bei.

Separate - El Mariachi
Separate El Mariachi
Loyal und treu gegenüber der großen Liebe Hip Hop.
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Daneben bringt er mit seinen Kontakten in die USA Separates absoluten Lieblings-Rapper an den Start: Cormega hat seinen Auftritt in "Heb Die Faust". Olli Banjo liefert einen Part zu "Mein Freund", Prinz Porno sowie die Buckwheats-Labelkollegen sind ebenfalls mit von der Partie. Als erste Single koppelt er "Deutschlands Hustler" aus. Das zugehörige Video entstand im Berliner "Los Banditos" und erfreut sich in Fankreisen höchster Beliebtheit.

Seinen Ruf als Arbeitstier verteidigt Separate im Jahr 2006, als er in kurzer Folge drei Releases auf den Markt bringt: "Bourbon" mit Rec.On-Chef Abdel, das Mixtape "Die Jagd Auf Den König" und das Kollaboalbum "Deutsche Probleme" mit seinem jüngsten Labelsigning Vega.

Zu Beginn des Jahres 2007 kommt es zu einer für die Fans beider Lager großartigen verbalen Auseinandersetzung zwischen Separate und dem ebenfalls aus Mainz stammenden Selfmade-Rapper Kollegah. Nachdem der Buckwheatsboss dem Newcomer in mehreren Interviews die Authenzität abgesprochen hatte, kontert der mit dem Disstrack "Ein Guter Tag Zum Sterben", während er sich gerade anlässlich der Aufnahmen seines gleichnamigen dritten Studioalbums mit Monroe im Studio befindet. Natürlich antwortete Separate dem "Sonnenbank-Pimp". Danach gilt der Kleinkrieg eigentlich als beigelegt.

Dennoch finden sich auch auf Separates drittem Soloalbum im Juli 2007 einige kleine Anfeindungen. Ohne namentliche Erwähnung wird der Typus "Imagerapper" deftig aufs Korn genommen. Überraschender jedoch: Der Mainzer verkündet auf der Platte seinen Rücktritt aus der Rapszene, relativiert das jedoch kurze Zeit nach Release in einem Interview mit mzee.com wieder.

Ende des Jahres bewahrheitet es sich dann aber doch. Zwar will Separate weiterhin aus Spaß Mixtapes veröffentlichen (kurz darauf erscheint "Die Jagd Auf Den König 2"), arbeitet nach eigenen Aussagen aber in Zukunft an keinen Alben mehr und will als Rapper aus dem Geschäft aussteigen. Enttäuscht vom Musikbusiness und der unverhältnismäßigen Relation zwischen geleisteter Arbeit und dem Einkommen hat sich der Mainzer für ein Studium in Medienmanagement entschieden, um so einen sichereren Weg zu gehen.

Doch wie es mit der großen Liebe oft so geht: Sie lässt einen nicht los. Auf Monroes 2009 erscheinenden Produzentenalbum "Movement" ist Separate gleich mehrfach vertreten. Ein neues eigenes Werk bringt er nach Jahren der relativen Funkstille 2013 mit "El Mariachi" wieder an den Start.

Separate präsentiert sich da als gereifter, in sich ruhender, zäher Routinier, der sich mit seinem Status als ewiger Untergrund-Rapper abgefunden hat. "Hab' gelernt, auf alle zu scheißen und keinen Fick zu geben."

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