- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
1981 kommt irgendwo in New Providence, New Jersey ein musikalisches Baby zur Welt, das den Namen Overkill trägt - gegründet von Basser Carlos 'D.D.' Verni und Drummer Lee Kundrat aka Rat Skates, die vorher beide bei Lubricunts aktiv sind.
Ans Mikro holt sich das Duo den ehemaligen D.O.A.-Shouter Bobby 'Blitz' Ellsworth und an den Klampfen stehen zunächst Rich Conte sowie ein Zwerg namens Dan Spitz. Der macht sich aber nach den ersten Gigs - die hauptsächlich aus Coverversionen bestehen - in Richtung Anthrax davon, und auch Rich ist bald wieder Geschichte. In der Folge stößt für ihn der ehemalige The Dropouts-Klampfer Bobby Gustafson hinzu.
Da alle Bandmitglieder fanatische Motörhead-Fans sind, wundert die Wahl des Namens kaum. Nach dem Demo "Power In Black" und der EP "Overkill" werden Megaforce Records auf die Jungs aufmerksam und nehmen sie nach einem Gig mit Anvil unter Vertrag. Im selben Jahr kommt das Debüt "Feel The Fire" raus, das die Hardcore-Wurzeln des Quartetts, nicht nur wegen der Coverversion von "Sonic Seducer", verdeutlicht. Auch die Wahl des Produzenten spricht Bände - Carl Canedy, ehemals Drummer von The Rods.
Das Debüt schlägt in der Thrash-Szene massiv ein und Overkill begleiten Megadeth auf Us-Tour. 1986 setzen sich auch zum ersten Mal nach Europa über und eröffnen dort zunächst für Anthrax sowie Agent Steel, um wenig später noch mal als Opener von Slayer zurückzukehren. Mit "Taking Over" (einem der miesesten Coverartworks der Geschichte) machen sie im folgenden Jahr in den Staaten einen großen Sprung in Sachen Verkaufszahlen und landen mit dem Track "In Union We Stand" gar bei MTVs 'Headbanger's Ball'. Im selben Jahr erscheint die EP "Fuck You" und setzt die Tradition fort, einen sehr hardcorelastigen Song auf die Scheibe zu bannen.
Bevor 1989 "Under The Influence" erscheint, verlässt mit Rat Skates eine der treibenden Kräfte die Band. Es dauert ein wenig, jedoch findet das verbliebene Trio in Sid Falck Ersatz, der vorher bei Battlezone (der Band von Ex-Maiden-Fronter Paul Di'Anno) den Beat angibt. Viele Fans nehmen die Scheibe zunächst sehr zwiespältig auf, da die Songs nicht mehr nur direkt auf die Nuss geben, sondern ein wenig komplexer gestaltet sind. Allerdings setzen sie die "Overkill"-Songreihe, auf dem Debüt gestartet, zum dritten Mal erfolgreich fort.
Der Nachfolger "Years Of Deccay" kommt bei der Fangemeinde wieder deutlich besser an, obwohl sich Overkill zum ersten Mal an balladeskem Stoff versuchen. Blitz macht als Sänger richtig was her, doch leider werden interne Spannungen zwischen Gitarrist Bobby Gustafson und Basser D.D. Verni sichtbar. Nach einer Tour mit Testament ist Schluss und Blitz wird gebeten, eine Entscheidung zu treffen. Er hält zu seinem Bassisten - der auch für einen Großteil des Songwritings zuständig ist - und Bobby steigt wenig später bei Cycle Sluts From Hell ein.
Anstatt sich wieder nur einen Gitarristen zu holen, verpflichten Overkill den ehemaligen Faith Or Fear-Klampfer Merrit Gant und ihren früheren Roadie Rob Cannavino: Das Album "Horrorscope" besticht durch enorme Heavyness und gilt bei vielen bis heute als die beste Scheibe der New Yorker. Allerdings steigt Drummer Sid während der laufende Tour aus und einmal mehr greifen Overkill auf einen Roadie zurück. Der ehemalige M.O.D.-Stöckeschwinger Tim Mallare übernimmt das Drumset und lernt die Songs in Windeseile.
Ganz im Gegensatz zu "Horrorscope" bezeichnen viele den Nachfolger "I Hear Black" als Flop, da die Band eher in grungige Dimensionen vorstößt. Die Songs zünden nicht richtig und man fragt sich, in welche Richtung das Quintett gehen will. Zumindest live überzeugen sie nach wie vor und machen Savatage und Non-Fiction auf der gemeinsamen Tour das Leben schwer.
Auch "Wide Fucking Open" lässt Kritik laut werden, da sich Basser D.D. mit der Scheibe wohl ein Denkmal setzen will und man kaum Gitarre hört. Ob es damit zu tun hat, dass sich sowohl Merrit als auch Rob nach der Scheibe verabschieden, ist nicht bekannt. Nach einer Tour mit Jag Panzer und den Franzosen von Massacra ist jedenfalls für beide Schluss. Seitdem ist Rob als Fahrer bei Motorradrennen unterwegs, und Merrit als fürsorglicher Familienvater. Somit stehen Overkill mal wieder ohne Gitarristen da.
"The Killing Kind" entsteht in Zusammenarbeit mit den beiden Gitarristen Joe Comeau (zuvor Sänger bei Liege Lord) und dem ehemaligen Anvil-Klampfer Sebastian Marino, die sich beide von Ramrod her kennen. Das Album erfüllt exakt wieder das, was man sich von der Band erhofft: knochenharten Thrash mit geilen Melodien und einem gehörigen Tritt in den Arsch, wie die Tour in Europa mit Accu§er und Megora zeigt.
Mit "Fuck You And Then Some..." wird die 1987er EP neu aufgelegt und um einige Tracks erweitert, so dass sie von der Länge her eine CD abgibt - allerdings ohne neues Material. Mit "From The Underground And Below" stehen Overkill wieder in der Schusslinie der Kritik, da die Scheibe zwar gute Grooves enthält, aber doch sehr sperrig und schwer verdaulich daherlommt. Davon mag man sich auch live überzeugen, denn gemeinsam mit Nevermore, Jag Panzer und Angel Dust geht es quer durch Europa.
Auf "Necroshine" scheint die Band aus New Jersey wieder etwas wütender und intensiver an die Sache ranzugehen und bedient die Erwartungen der Fans souveräner. Blitz wird zuvor wegen Krebs im Nasenbereich behandelt, erholt sich aber. Allerdings steigt Seb Marino kurz nach der Veröffentlichung aus - David Linsk übernimmt die zweite Gitarre. Im gleichen Jahr gönnt man sich den Spaß mit "Coverkill" dasselbe zu tun, wie Metallica auf Garage Inc.: Stücke von persönlichen Helden-Bands zu covern.
Gemeinsam mit Annihilator und Dew-Scented drehen sie anschließend ein paar Runden in Europa und machen sich ans nächste Album. Obwohl Joe an "Bloodletting" noch mitarbeitet, ist er zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon als Sänger für Annihilator unterwegs. Die Scheibe darf aber zumindest als deutliche Rückbesinnung zu alten Wurzeln gewertet werden, da die Songs mit einer lang vermissten Aggressivität und Power vorgetragen werden, die einen mit Hoffnung ins neue Jahrtausend blicken lassen. Auf den Dates mit Halford muss D.D. leider ausfallen, weil er bei seiner schwangeren Frau bleibt. Für ihn springt Derek Tailer ein.
Im selben Jahr wie "Bloodletting" erscheint auch die erste CD von Vernis Projekt Bronx Casket Co. an dem Drummer Tim Mallare, Gitarrist Jack Frost (Seven Witches/Ex-Savatage), Keyboarder Charlie Calv (Shotgun Symphony) und Sänger Myke Hideous (Ex-Misfits) teilnehmen. Nach "Bloodletting" trennen sich die Wege von Overkill und dem Label SPV, die New Yorker unterschreiben bei Spitfire Records, die 2002 "Wrecking Everything - Live" als CD und DVD veröffentlichen. Auch diese Zeit wird von D.D. mit einer neuen Bronx Casket Co.-Scheibe überbrückt. Im selben Jahr erscheint zudem "Hello From The Gutter - The Best Of Overkill" beim alten Label SPV, das mit der Band weder abgesprochen ist, noch von ihren Anwälten verhindert werden kann.
Derek ist mittlerweile fest in der Band, als zweiter Gitarrist, und hätte eigentlich auf dem Bang Your Head auch dem deutschen Publikum hätte vorgestellt werden sollen. Doch auf Grund eines Schlaganfalls von Sänger Blitz muss der Gig gecancelt werden und man kehrt zurück nach New York. Dort legen Overkill letzte Hand an das neue Album, das im März 2003 in den Regalen steht. In der Zwischenzeit stampfen die beiden Gitarristen Derek und Dave mit Drummer Tim noch das Kill Speed Hate-Projekt aus dem Boden. "Killbox 13" macht seinem Namen alle Ehre, kann musikalisch zwar nicht ganz an Glanztaten wie "Horrorscope" anschließen, ist für ein dreizehntes Studioalbum sein Geld aber allemal wert.
In Interviews merkt man dem Sänger derweil an, dass er wieder voll auf der Höhe ist. Selbiges beweist er auf den ausgedehnten Tourneen mit After All und Seven Witches. In Japan gibs das Megapackage mit Testament, Flotsam und Death Angel. Kaum wieder daheim, muss man den Verlust von Tim Mallare verkraften, der nach den Aufnahmen zum 14. Album seinen Hut nimmt. Wer die Band nicht live genießen kann, greift einfach zur DVD "Wrecking Everything Live", die nun auch in Europa erhältlich ist. Nach einem überaus erfolgreichen Japan-Abstecher stehen die nächsten Studioaktivitäten an.
D.D. hat inzwischen einen weiteren Bronx Casket Co.-Longplayer im Kasten, die Kill Speed Hate-Scheibe ist ebenfalls draußen und die nächste Verlöffentlichung von Overkill steht an. "ReliXIV" erscheint im März 2005 über Regain Records und zeigt die New Yorker auf gewohnt hoher Betriebstemperatur. Wie hoch diese tatsächlich ausfällt, zeigen sie auf dem Rock Hard Festival 2005. Dort stellen Overkill mit Ron Lipnicki (Ex-Hades) auch ihren neuen Drummer vor. Die freundschaftliche Beziehung zu Hades wird noch weiter fortgesetzt, als Blitz gemeinsam mit dem Hades-Gitarristen Dan Lorenzob das Projekt The Cursed startet.
Anfang 2007 unterschreiben Overkill bei Bodog Music und kehren so zu ihren Wurzeln zurück: onny und Marsha Zazula gründen einst, wo Overkill ihre ersten Platten veröffentlichen. Im September sind sie Teil der 'Gigantour' und stehen neben Acts wie Megadeth, Arch Enemy, Lamb Of God oder Sanctity auf der Bühne. Anfang Oktober erscheint "Immortalis" und man merkt, wie sehr sich die alten Recken über den Wiedererstarken des Thrash Metals freuen.
Mit den Jungs von Exodus, die sich ebenfalls stärker denn je präsentieren, heizen sich Overkill 2009 gegenseitig auf Co-Headlinertour ein. Mit den alten Kumples teilt man sich schließlich nun auch das Label: Nuclear Blast. Die Jungs aus New Jersey erleben buchstäblich ihren x-ten Frühling. Ende Januar 2010 qualmen auf "Ironbound" folgerichtig einmal mehr die Klampfen.
Mit Studio-Album Nummer sechzehn im Gepäck und pünktlich 25-jährigen Bandjubiläum, begibt sich das Quintett in der Folge auf flächendeckende Welttournee. Nimmermüde beginnen die Briten das Jahr 2011 mit einer weiteren Live-Reise unter dem Banner "Killfest-Tour". Mit an Bord sind Destruction und Heathen, ehe sich die Thrash-Veteranen nach New Jersey verziehen, um in den "Gain Studios" den "Ironbound"-Nachfolger einzuprügeln.
Im März 2012 erscheint "Electric Age" und präsentiert die Band dynamischer und intensiver denn je; von Alterserscheinungen keine Spur: "Schau dir Motörhead, Kiss oder Van Halen an. Die sind auch noch alle dabei. Wir können und wollen einfach nicht loslassen."
Bobby "Blitz" Ellsworth über den Gesangsstil toter Vögel, den Faktor Energie und lustige Erlebnisse mit den Ramones.
Overkill-Frontförster Bobby "Blitz" Ellsworth ist trotz Krebserkrankung, Hirnschlag und Motorradunfälle nicht nur fit wie ein Turnschuh, sondern auch einer der lebenslustigsten Menschen im ganzen Musik-Universum. Nach einem unglaublichen Auftritt auf dem Rock Hard Festival 2005 bietet sich noch eine Gelegenheit zum gemeinsamen Plausch.
Meine Fresse, nach der Show, die ihr da gerade abgeliefert habt, beneide ich Sentenced nicht gerade, dass sie nach euch auf die Bühne müssen.
Das war gar nicht schlecht, oder? (In dem Moment werden wir ein wenig weiter nach hinten in den Gang gescheucht und stehen schließlich vor der Damentoilette.) Hm, scheint so, als sähen wir heute ein wenig nach Pussies aus, hahaha. Egal, wenn du auf so einem Festival spielst, ist alles immer etwas chaotisch. Kein Soundcheck, keine Vorbereitung, es heißt einfach irgendwann "GOOOOOO!" hahaha. Und dann rennst du raus und legst los. Aber du hast Recht, das Publikum war heute extrem gut drauf.
Ihr habt ja auch von Anfang an Gas gegeben und aus allen Rohren gefeuert.
Das ist doch auch die Idee hinter so einem Festival, dass man sich gegenseitig immer höher pusht. Du nimmst die Energie der Fans auf, bringst sie in deine Show ein und stachelst die Menge damit um so mehr an. Die Energie wird quasi immer hin und her transformiert, das hat heute extrem gut geklappt.
Die Jungs vom Rock Hard haben sich auch kaum mehr halten können vor Begeisterung.
Ja, stimmt, wir sind alles gute Freunde, seit ich ihren Arsch ein paar Mal in New York vor irgendwelchen Gangs gerettet habe, buahahaha.
Ihr habt einen neuen Drummer, wie ich gesehen habe. Was ist mit Tim?
Der hat die Band quasi drei Tage vor der Tour verlassen, weil er sich um seine Familie und seinen Job intensiver kümmern will. Er hat geheiratet, und die Kinder seiner Frau haben auch schon Kinder, weswegen er so was wie ein Instant-Grandpa ist. Sozusagen von Overkill zur Social Security, buhahaha. Eines seiner Stief-Enkelkinder ist sehr krank, und da möchte er eben da sein, um seine neue Familie zu unterstützen, und das respektieren wir voll und ganz. Es kam deswegen immer wieder zu ein paar Konzertabsagen, und da wir wussten, dass so was wieder passieren kann, haben wir eben mit Ron Vorbereitungen getroffen. Er war schon oft bei Shows von uns und saß auch backstage mit uns zusammen. Dan Lorenzo von Hades (Rons Ex-Band) hat ihn uns vorgestellt. Er kommt auch aus New Jersey, wir verstehen uns super. Hoffentlich bleibt er bei uns. Wir haben einfach alle die selbe Mentalität aus High Level Energy, ernsthafter Verbundenheit und etwa 35% Kriminalität, buahahaha. So ähnlich wie bei den Sopranos, hahaha.
Momentan seid ihr auf Tour in Deutschland, wie lange spielt ihr da jeden Abend?
Etwa 90 Minuten, und das quasi jeden Abend. Es ist schon hart, eine Songauswahl für 90 Minuten zu treffen aber wenn wir wie heute nur eine Stunde haben, ist es noch viel härter. Wir haben etwa 140 Songs, wähl da mal zehn bis zwölf aus, ohne dass sich einer angepisst fühlt, weil du einen bestimmten Song nicht gespielt hast. Das ist unmöglich! Wir versuchen also ein paar Alltime-Favorites zu spielen und richten uns ansonsten nach unserem eigenen Geschmack.
Ich hab mich ja beinahe nass gemacht vor Freude, dass ihr "Old School" gespielt habt. Der Song läuft bei uns jedes Mal in der Radioshow, und ich habe ihn als mp3 auf meinem Handy als Klingelton.
Als ich den Text zu dem Song geschrieben habe, erinnerte ich mich an unsere Anfänge in einem Club in New Jersey, in dem wir bald so was wie die Hausband wurden und vor tausend Leuten gespielt haben, ohne eine Plattenvertrag. Der nächste Schritt nach vorne war das Ritz, und das coolste dabei war dann, dass ich endlich etwas hatte, was ich mit meinem Namen Blitz reimen konnte, buahahaha.
Ein kleiner Egomane, hä? Wer hatte denn die Idee für diesen Song?
D.D. ist ein alter Punk. Vor Overkill spielte er schon in einer Punk-Band namens The Lubrucunts, die sich schwer an den Ramones orientiert hat. Im Grunde seine Herzens ist D.D. ein Punk, der vorgibt, in einer Metal-Band zu spielen. Wir hatten schon immer ein paar Songs, die definitiv mehr Punk als Metal waren, von der "Fuck You"-Coverversion ganz zu schweigen, die fester Bestandteil jeder Show ist. Wir wurden schon oft von unterschiedlichen Leuten gefragt: "Seid ihr ne Punk- oder ne Metal-Band", und wir konnten nur antworten: "Keine Ahnung, Mann. Vielleicht finden wir das mit der Zeit raus, aber es ist uns auch scheißegal." Als ich das Demo zu dem Song hörte, habe ich mich halb tot gelacht, weil D.D. den Chorus singt, und er hat nicht gerade die Stimme eines Vogels, buahahaha.
Na ok, aber es passt doch super, und außerdem kommt das ja auf den Vogel an, oder?
Stimmt, er klingt wie 'n toter Vogel, muahahaha. Aber du hast schon recht, es funktioniert so echt gut. Ich denke, das liegt auch daran, dass Overkill musikalisch und technisch nie perfekt waren und es auch gar nicht sein wollten. Dafür hatten wir immer diesen X-Faktor, und dieser X-Faktor ist die Energie. Diese Energie kommt wohl einfach aus dem Punk. Ich weiß noch genau, wie ich die Ramones zum ersten Mal im CBGBs gesehen habe. Das war vor 40 Leuten, und die Energie war unglaublich. Dabei standen die Jungs auf der Bühne und haben angefangen, sich zu streiten. Joey stand da oben und sagte: "Ok, der nächste Song ist 'Blitzkrieg Bob'", und von D.D. Ramone kam nur: "Nö, 'Blitzkrieg Bob' spiel ich nicht." "Was? Du musst das verdammt noch mal spielen!" "Mach ich aber nicht." "Es steht aber zwei gegen einen!" Das Publikum stand da, und die Blicke gingen hin und her wie bei einem Tennismatch. Das war der Hammer, hahaha. Dann ging's wieder "One, two, three, four" und sie legten los. Aber zu den Ramones hab ich noch eine Anekdote. Wir hatten gerade einen unserer ersten Gigs, ebenfalls im CBGBs, und Joey Ramone sollte uns ankündigen. Ich war total nervös und aufgeregt, weil Joey einfach eines meiner Idole war. Er ging also raus auf die Bühne, schnappte sich das Mikro und meinte im gelangweilten Ton: "Ok, Leute, hier spielt jetzt gleich eine Band aus New Jersey. Die heißen, glaube ich, Overkill, und ich habe keine Ahnung, wie die überhaupt klingen. Macht euch einfach selbst ein Bild davon." Damit schlappte er wieder von der Bühnen und krallte sich das nächste Bier. Ich dachte nur: "Du blöder Arsch, 'n bisschen mehr Enthusiasmus wäre schon drin gewesen, oder?" hahaha.
Momentan sind sowohl Anthrax als auch Testament mit einem Line-Up auf Tour, das in etwa dem ihrer erfolgreichsten Zeiten entspricht. Könntest du dir so was bei Overkill ebenfalls vorstellen?
Ich weiß nicht, darüber haben wir uns eigentlich nie Gedanken gemacht. Wir sind heute von der Bühne gegangen, und es hat sich einfach großartig angefühlt. Eine unserer Philosophien ist es, das Hier und Jetzt zu genießen und zu leben und nicht großartig über die Zukunft oder die Vergangenheit nachzudenken. Das hat uns geholfen, über 20 Jahre durchzuhalten. Wenn sich eine Möglichkeit wie das Rock Hard Festival bietet, ist es meiner Meinung nach wichtig, dass da fünf Leute rauskommen und Overkill sind. Wer diese fünf Leute sind, ist dabei eher nebensächlich. Wir leben eher nach dem Motto: "Seize the day, squeeze the shit out of every opportunity and get everybody sing FUCK YOU, buahahaha."
Das Interview führte Michael Edele
Bobby "Blitz" Ellsworth hat seinen Schlaganfall scheinbar gut überstanden und äußert sich zur neuen CD "Killbox 13" und seinem Nebenprojekt.
Die Stimmung von Bobby "Blitz" Ellsworth scheint verdammt gut zu sein, jedenfalls lacht sich der Kerl nach beinahe jedem Satz halb tot. Da die telefonische Verbindung von New York nach Mainz wohl nicht unbedingt die Beste war, kamen beim Interview mit dem Overkill-Sänger auch ein paar hübsche Stilblüten heraus.
Hey Bobby, was macht die Gesundheit? (What is your health like?)
Bitte was?
Ich hab gefragt, wie es deiner Gesundheit geht.
Ach so, ich hab verstanden: Wie ist es so im Nachleben? (What is the afterlife like?) buhahaha.
Öh, das frag ich dich vielleicht in ein paar Jahren noch mal.
Das war glaub ich die seltsamste Frage, die einem Kerl, der einen Hirnschlag hatte, je gestellt wurde.
Ja, seltsame Fragen sind meine Spezialität. Aber mal im Ernst, wie geht es dir? Nachdem du in Balingen auf dem Bang Your Head-Open Air nicht aufgetaucht bist und die Nachricht rum ging, dass du mit einem Hirnschlag ins Krankenhaus eingeliefert wurdest, ging mir ganz schön die Muffe.
Ich fühl mich klasse. Wie du hörst, geht es mir gut genug, eine neue CD aufzunehmen, Telefonate zu führen und auch sonst kann ich eigentlich alles machen, was ich zuvor auch getan habe. Die Inspirationen zur neuen Platte kamen dann schon von der Erkenntnis her, dass wir nur ein Leben haben, hahaha. Ich mache also das Beste draus und bin sehr zufrieden mit der neuen Scheibe. Dass mit dem Schlag war schon eine erschreckende Sache und es ist auch nichts, was ich andern empfehlen könnte, auszuprobieren, hahaha, aber hey, ich schreib das Drehbuch zu meinem Leben nicht, ich spiel nur mit. Für mich ist das aber einfach eine weitere Sache, die ich durchlebt habe und jetzt geht's weiter. Ich bin ja schon froh, dass es weiter geht. Ich bin verdammt glücklich darüber, dass keine beleiben Schäden aufgetreten sind. Dafür kann es aber eine ganz einfache Erklärung geben. Ich verstehe ein wenig deutsch und der Arzt im Krankenhaus sagte beim Betrachten der Röntgenbilder so etwas wie: "Ich kann es nicht finden." Wenn er von meinem Hirn gesprochen hat, ist die Sache klar, buhahaha.
Weißt du inzwischen, woran es lag? Zu hoher Luftdruck zwischen den Ohren vielleicht?
Gute Idee, hahaha. Es war wohl ein Blutgerinnsel, dass aber nichts mit meinem Lebensstil zu tun hat. Mein Arzt hat weder verlangt, dass ich mit dem Rauchen, der Musik oder mit sonst was aufhöre, auch Diäten oder so'n Scheiß muss ich nicht machen. Mir wurde gesagt, dass ich wohl schon seit geraumer Zeit an diesem Problem leiden würde, und dass es eben letztes Jahr akut auftrat. Meine Gesundheit ist ansonsten exzellent, ich muss jetzt einfach darauf achten, dass ich mein Blut dünn halte. Das war wohl die beste Nachricht, die ich je von einem Arzt erhalten habe: Hirnschlag überstanden, zurück zu den Drogen, hahaha. Yeeeeaaaaaah!
Kannst du mir die Nummer von dem Arzt geben?
Klar, Alter, kein Problem. Aber ich muss dich warnen. Zuerst wollte der mir ein Mittel andrehen, das sonst nur Epileptiker nehmen, aber den Scheiß wollte ich nicht haben. Ich hab ihn gefragt, mit was für Nebenwirkungen ich zu rechnen hätte. Er meinte dann, dass ich wohl Haarausfall bekommen könnte und meine Potenz der des Papstes ähneln würde. Deswegen hab ich gesagt, er könne das Zeug selber futtern und bin gegangen, hahaha. Das ist echt passiert, ich erzähl keinen Scheiß. Ich hab mein Leben deswegen nicht geändert. Ich nehme Aspirin, um mein Blut zu verdünnen, geh regelmäßig zu Checks, aber ich fahre auch weiterhin Motorrad und habe meinen Spaß am Leben. Ich kann immer noch die Rübe schütteln und CDs wie "Killbox 13" aufnehmen, und das ist für mich schon sehr viel wert.
Schön zu hören. Kommen wir mal zum Eingemachten: seit wann ist Derek Tailer bei Overkill?
Er kam 2000 während der Tour zur Band. Sebastian ist wegen sehr erfreulichen Umständen ausgestiegen, weil er Vater wurde. Wir haben Derek über Dave kennen gelernt, sie haben zusammen schon in einigen Bands gespielt, und es hat wunderbar funktioniert.
Wo holt ihr eigentlich immer diese ausgezeichneten Gitarristen her? Um bei Overkill zu spielen, muss man ja schon etwas mehr drauf haben ...
Meinst du ich sollte ihn ab jetzt so vorstellen: Das ist Derek Tailer, unser zukünftiger Ex-Gitarrist? Es ist ja nicht so, dass wir die Kerle alle rauswerfen, sondern sie gehen von sich aus, wenn wir jetzt mal von Bobby Gustafson absehen und da waren es wirklich die viel zitierten musikalischen Differenzen. Er hatte eine bestimmt Vorstellung, wie Overkill klingen sollten und D.D. und ich eine andere. Bei Dave war für mich schon nach der ersten Probe klar, dass der Kerl verdammt viel in die Band mit einbringen würde. Und ich denke da geben mir die letzten Alben recht. Mit Derek hab ich das selbe Gefühl.
Wie kommt es denn, dass sich der Sound von Overkill über die Jahre nicht massiv verändert hat, obwohl so viele unterschiedliche Gitarristen bei euch gespielt haben?
Zu diesem Zeitpunkt bricht die Verbindung beinahe vollkommen zusammen und Bobby ruft mich kurzerhand zurück.
Das letzte was ich verstanden habe war: ...ont ... eg ... at ... Aber jetzt ist es wesentlich besser. Ok, ich denke das liegt hauptsächlich daran, dass sich die Idee, die hinter Overkill steht, ja nicht verändert. Ich denke nicht, dass wir immer wieder die selbe Platte veröffentlicht haben, aber dass wir eine rote Linie verfolgen. Wir entwickeln uns schon, aber wir zwingen diese Entwicklung nicht krampfhaft herbei. Die Kerle, die in die Band einsteigen, tun dies ja, weil sie unsere Musik mögen und auch ähnliche Ambitionen haben wie Tim, D.D. und ich. Ich denke, wir haben einfach auch ein Händchen dafür, Leute zu engagieren, die gut zu uns passen.
Für mich ist es auch so, dass man sogar ohne deine Stimme schon eindeutig erkennen kann, dass es sich bei der Band um Overkill handelt.
Das liegt vermutlich an der Art und Weise, wie D.D. die Songs schreibt. Seit "Horroscope" stammen die meisten Ideen zu Songs von ihm. Ich beende sie und Leute wie Dave bringe auch ihren Teil dazu bei, aber die eigentliche Arbeit liegt bei D.D. und mir. Ich denke, das ist einfach das, was man erkennt. Man erkennt uns eindeutig, aber wir kopieren uns nicht. "From The Underground And Below" unterscheidet sich deutlich von "Horrorscope" und "Killbox 13", aber man erkennt deutlich, welche Band da spielt. Das ist es, was mir so gefällt.
Hatte Derek schon irgendeinen Einfluss auf das Songwriting?
Nein, dazu ist er zu frisch dabei. Derek hatte einen gewissen Input, schließlich muss er das Zeug ja spielen, hahaha. Wir verbieten ihm ja nicht das Maul.
Was soll "Killbox 13" eigentlich bedeuten, außer dass es euer 13. Album ist und mächtig killt?
Ich glaube, das habe ich aus einer Reportage über den anstehenden Golfkrieg. Wenn ein Pilot in seinem Kampfjet sein Ziel anvisiert, hat er die Abbildung davon auf einem Monitor, der ihm anzeigt, wenn die Peilung genau ist. Das ist die Killbox. Der Begriff hat mir sehr gut gefallen und ich fand ihn sehr passend für unsere CD.
Wann überkommt es dich eigentlich am ehesten, deine Texte zu schreiben?
Das passiert hier und dort. Du schlägst jeden Tag eine neue Seite auf und schaust entweder nach vorne oder du reflektiertst gewisse Dinge. Da ergeben sich mehr als genug Möglichkeiten, über die du dich auslassen kannst. Wie jeder andere Mensch auch, habe ich mein Kreuz zu tragen, habe meine Träume, Ängste, Freuden. Die ähneln deinen wahrscheinlich sehr, denn als Mensch unterscheide ich mich nicht großartig von den anderen. Wenn ich dann ans Schreiben gehe, betrachte ich gewisse Dinge einfach genauer und sehe mir Dinge an, die ich nicht ständig betrachten sollte, weil sie dich ansonsten einfach nur runterziehen und dein Leben unerträglich machen. Um ehrlich zu sein, habe ich mich auf diesem Album mit den sieben Todsünden auseinander gesetzt und betrachtet, inwiefern sie sich auf mein Leben anwenden lassen und wie viele ich davon schon begangen habe, hahaha.
Hast du den Schlaganfall auch textlich verarbeitet?
Ja in "Struck Down", hahaha. Nein, quatsch, so plakativ geh ich dann doch nicht vor, aber diese Erfahrung beeinflusst natürlich schon. Es gibt die beiden Sprichwörter: "What doesn't kill you makes you stronger", und "You can either live within the problem or you can live through the problem". Beide spiegeln sehr genau meine Einstellung und meine Gedanken wieder. Ich denke also schon, dass der Vorfall einen Einfluss auf meine Texte hatte, aber nicht in der Form, dass ich explizit über den Schlaganfall schreiben würde.
Mal was anderes, Derek, Tim und Dave haben ihr Speed Kill Hate Projekt. D.D. hat schon die zweite Bronx Casket Co.-CD draußen. Wann kommt dein Nebenprojekt?
Keine Ahnung, mit wem sollte das dann sein? Mit dir? Buhahahaha ...
Öh, klar. Warum nicht? Ein paar Songs von euch kann ich auch auf der Klampfe holzen. Danke für dein Vertrauen.
Just a joke, man. Ich hab mit Chris (Caffery d.Verf.) von Savatage schon mal ein bisschen gejammt und wir haben auch ein paar Songs aufgenommen. Ich hab das aber nie als mögliches Nebenprojekt gesehen, sondern immer nur als Spaß nebenher. Ich hab Chris kennen gelernt, als ich mit siebzehn mal in einem Gitarrenladen rum stand und er kam dann mit seiner Mutter rein, weil er erst vierzehn oder so war, hahaha. Wir stehen seitdem in losem Kontakt und hatten eigentlich auch nicht vor, das Zeug zu veröffentlichen, aber wir werden sehen.
Fühlst du dich noch wohl in deinem Land? Vor allem in New York, oder hat dich auch die Paranoia überkommen?
Nö, überhaupt nicht. Ich sehe auch keinen Grund, mich aus Amerika zu verziehen. Ich fühle mich wohl hier, auch wenn wahrscheinlich elf von zehn Leuten ne Waffe besitzen, hahaha. Ich würde mich irgendwie unwohl fühlen, wenn es anders wäre. Ich habe nach dem Schlaganfall mit meiner Frau einige Zeit in Holland verbracht, da sie Holländerin ist. Aber ich sehe keinen Grund, Amerika zu verlassen. Auch nicht wegen den augenblicklichen politischen Zielen.
Stimmst du mit Bushs Plänen überein?
Eigentlich mache ich dieses Interview doch, um bei euch Tausende von CDs abzusetzen und nicht um über Politik zu sprechen. Ich werde dazu nur kurz was sagen, da ich mich nicht dazu berufen fühle, mich großartig darüber auszulassen. Um ein guter amerikanischer Politiker zu sein, musst dein primäres Ziel sein, das Richtige für Amerika zu tun. Alle Politiker haben als stinknormale Bürger angefangen und haben sich politisch hoch gearbeitet. Alles was wir von einem amerikanischen Präsidenten verlangen können, ist, dass er versucht, das Richtige für Amerika zu tun. Ob ich persönlich mit dem übereinstimme oder nicht, ist nicht so wichtig. Seine Einstellung, das Richtige zu tun, ist das Wichtigste. Belassen wir das einfach mal als eine Philosophie. Er zieht jetzt eben durch, was er angekündigt hat und bleibt dabei. Ich finde es ist wichtig, zu seinen Aussagen zu stehen. So, das kostet dich jetzt tausend CDs, hahaha.
Mal sehen, was sich machen lässt.
Das Interview führte Michael Edele
Wrecking Eveything Live (2003)
Wrecking Everything - Live (2002), Hello From The Gutter - Best Of (2002)
Coverkill (1999), Necroshine (1999), From The Underground And Below (1998), Fuck You And Then Some... (1997), Killing Kind (1996), Wrecking Your Neck (live) (1995), Wide Fucking Open (1994), I Hear Black (1993), Horrorscope (1991), The Years Of Decay (1989), Under The Influence (1988), Taking Over (1987), Feel The Fire (1985)
22,99 €
9,99 €
9,99 €
14,99 €
17,90 EUR
17,90 EUR
17,90 EUR
54,90 EUR
54,90 EUR
54,90 EUR
| Thema | Posts | Letzter Beitrag | |
|---|---|---|---|
| {ersteller.avatar} |
{thread.titel} {ersteller.name} |
{thread.antworten} |
{letzter.zeit} {letzter.name} |
|
We don't care, what you say..? grim |
4 |
03.09.08, 21:50 DerMitRind |
Format
Homepage: