Porträt

laut.de-Biographie

Accu§er

Accu§er sind in den 80ern und 90ern eine der deutschen Thrash Hoffnungen, die nicht ganz so komplex wie Mekong Delta zu Werke gehen, aber auch nicht so straight wie Kreator oder Destruction. Die beiden ehemaligen Breaker-Mucker Eberhard Weyel (Gesang/Bass) und Volker Borchert (Drums) gründen die Band 1986 zusammen mit Expect No Mercy-Klampfer Frank Thoms in Siegen.

Schon wenige Monate nach ihrer Gründung veröffentlichen sie über das Atom H Label (auch Protector und Rumble Militia) ihr Debüt "The Conviction" und gehen zusammen mit den Crossover Königen Mucky Pup auf Tour. Ein knappes Jahr später legen sie mit der EP "Experimental Errors" nach, auf der zum ersten Mal René Schütz an der zweiten Gitarre auftaucht. Er verleiht dem Material eine technischere Ausrichtung, was Vergleiche mit Voivod oder Flotsam And Jetsam nach sich zieht.

Erneut vergeht kaum ein Jahr und "Who Dominates Who?" steht in den Regalen. Auch dieses Album strotzt vor erstklassigen Kompositionen, jedoch ist Eberhards Gesang Geschmackssache. Auf Tour geht es anschließend mit den Kollegen von Despair und Grinder. Da René danach aussteigt, dauert es dieses Mal etwas länger, ehe Accu§er mit neuem Album nachlegen. Zunächst müssen sie mit Milan Peschel einen neuen Mann einarbeiten.

Dieser gibt sein Debüt auf "Double Talk", das auch gleichzeitig die letzte Scheibe für Eberhard ist. Nach seinem Ausstieg sieht sich die Band aber weder nach einem neuen Bassisten, noch nach einem Sänger um. Milan wechselt einfach an den Bass, Frank übernimmt den Gesang und René kehrt zur Band zurück. Dass das funktioniert, beweisen sie schon im folgenden Jahr auf "Repent".

Inzwischen bei Rough Trade unter Vertrag, haben sie auch das Geld, um sich in Philadelphia einen anständigen Sound verpassen zu lassen. Die Songs sind nicht mehr ganz so technisch, zünden dafür aber deutlich schneller als noch auf den früheren Alben. Zu dieser Zeit entdeckt auch Jürgen Engler für seine Band Die Krupps den Vorteil von verzerrten Gitarren und Live-Drumming. So arbeiten Volker, René und Frank am "Metal Machine Music" Album mit. Volker ist eine ganze Zeit lang Live-Drummer für die Krupps und stellt dort sein außergewöhnliches Talent unter Beweis.

Milan steigt schließlich bei Accu§er aus. Es dauert eine ganze Zeit, ehe sie in Guido Venzlaff den richtigen Mann gefunden haben, um mit ihm "Reflections" einzuspielen. Als Produzent greifen sie auf Alex Perialis (Pro Pain, Souls At Zero) zurück. Die Songs sind dieses Mal eine Spur langsamer, die Band geht gezügelt zu Werke, verleiht ihrem Material damit aber deutlich mehr Groove. Damit geben die Siegener ihre Visitenkarte für das Label Koch International ab, das die Band unter Vertrag nimmt.

Kurz vor ihrer ersten Headlinertour durch Europa erscheint bei der alten Plattenfirma die zweite EP "Confusion Romance", die neben dem Titeltrack und zwei Live-Stücken, auch zwei vorzügliche Coverversionen enthält. Eine stammt von Sniff'n The Tears, die andere ist "Head Like A Hole von Nine Inch Nails, wobei sich beide Versionen deutlich vom Original unterscheiden. "Taken By The Throat" drückt wieder deutlich mehr aufs Gas, beschert dem Album leider jedoch nicht den finanziellen Erfolg, den Label und Band sich erhoffen. Nach einer Tour mit Overkill dauert es aber nicht mehr lange und Accu§er lösen sich auf.

Koch veröffentlicht 1997 posthum die ersten vier Alben erneut, da sie sich die Rechte daran gesichert haben. Fünf Jahre, nachdem sie sich auflösen, starten Frank und René einen neuen Versuch unter dem Namen Scartribe, wechseln aber nach kurzer Zeit wieder zum alten Accu§er Banner, nur um letztendlich wieder als Scartribe zu firmieren. Neben Frank und René spielen bei Scartribe Frank Kimpel (Bass) und der ehemalige Panacea-Mucker Oliver Fechner (Drums). Die Verwirrung ist perfekt, da sie sowohl 2002 unter dem Accu§er Banner, als auch 2006 unter als Scartribe, jeweils ein Demo mit dem schlichten Titel "Scartribe" veröffentlichen.

Letztendlich landen die Herren 2008 doch wieder bei Accusuer und legen 2010 schließlich die mehr oder weniger offizielle Comeback-Scheibe "Agitation" vor. Musikalisch machen sie weitgehend da weiter, wo sie mit "Taken By The Throat" aufgehört haben und gehen eher groovelastiger zu Werke. An den Vocals von Frank scheiden sich jedoch die Geister.

Anders sieht die Sachen auf dem bereits im folgenden Jahr erscheinenden "Dependent Domination" aus, an dem es in Sachen Sound, Songwriting und Gesang kaum was auszusetzen gibt. Auf diese starke Leistung bauen sie fortan wieder auf und legen auch 2013 mit "Diabolic" ein bärenstarkes Thrash-Album vor.

Alben

Accu§er - Diabolic: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2013 Diabolic

Kritik von Michael Edele

Die Siegener halten locker das Niveau des Vorgängers. (0 Kommentare)

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