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Mekong Delta ist ohne Zweifel eine der talentiertesten und gleichzeitig unterbewertetsten Bands im internationalen Metal-Zirkus.
Vergleiche mit den Techno-Thrash Göttern WatchTower waren zu Beginn nicht selten und voll und ganz berechtigt. Außerdem war die Besetzungsliste des Projekts eines der bestgehüteten Geheimnisse der Musikgeschichte.
Als Ralf Hubert 1985 seine Idee verwirklicht, mit deutschen Musikern ein Projekt zu starten, in dem alle nur unter Pseudonymen mitspielen, tritt er selber zunächst nur als geistiger Vater in Erscheinung. Auf seinem Aaarrgh Label fängt er schließlich an, Demos zu produzieren, wobei Jochen Schröder (Gitarre) und Peavy Wagner (Bass), die damals beide bei Rage spielen, Jörg Michael (Stratovarius/Saxon) an den Drums und Sänger Wolfgang Borgmann für die musikalische Umsetzung verantwortlich zeichnen. Schnell ist klar, dass Jochen Schröder nicht wirklich reinpasst und auch die technischen und musikalischen Voraussetzungen nicht erfüllt, weswegen er seinen Platz räumen muss. Für ihn kommen die beiden Living Death-Gitarristen Reiner Kelch und Frank Fricke ins Team, die eh schon bei Ralf unter Vertrag sind. Als auch Peavy das Projekt als Musiker verlässt (er schreibt weiterhin die Texte), greift Hubert selbst zum Bass. Da er der Meinung ist, dass deutsche Musiker nicht voll akzeptiert würden und manche von den Leuten anderweitig unter Vertrag stehen, liest sich das Line-Up wie folgt: Björn Eklund (aka Ralf Hubert) am Bass, Gordon Perkins (aka Jörg Michael) an den Drums, Rolf Stein (aka Frank Fricke) und Vincent St.Johns (aka Reiner Kelch) an den Gitarren und Keil (aka Wolfgang Borgmann) am Micro.
Diese Besetzung spielt das selbstbetitelte Debütalbum ein, welches Hubert auch produziert. Kurz darauf schieben sie die Picture Disc "The Gnome" nach, eine Verarbeitung des klassischen Stücks von Mussorgski. Da Jörg Michael zwischenzeitlich anderweitig verpflichtet ist, ersetzt ihn kurzfristig Patrick Duval (aka Uli Kusch, der inzwischen auch bei Holy Moses/Gamma Ray/Helloween/Sinner und zueltzt auch Masterplan aktiv war).
Nach der Fertigstellung von "The Music Of Erich Zann", wieder mit Michael, verlässt Reiner Kelch die Band, da es zu deutlichen Meinungsverschiedenheiten mit den andern Bandmitglieder kommt. Dem Album liegt eine geniale Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft zu Grunde, welche Peavy geschickt in die Gegenwart umsetzt, und ist eine deutlich Steigerung zum schon starken Debüt. Ersatz für Reiner finden sie in Mark Kaye (aka Uwe Baltrusch), der im selben Jahr noch auf "Toccata" seinen Einstand gibt. Bei dem Lied handelt es sich ursprünglich um ein Klassikstück von A. Ginesterra.
Das Album "The Principle Of Doubt", welches auf einem Fantasyroman namens "Die Chroniken von Thomas Covenant" von Stephen Donaldson basiert, ist Frickes letzte Platte mit Mekong Delta und die verbleibenden Mitglieder einigen sich darauf, ihn nicht zu ersetzen. Es folgt eine längere Sendepause, in der man von der Band weder etwas sieht noch hört und die Gerüchte über eine Auflösung häufen sich. Mekong Delta nutzen die Zeit aber, um "Dances Of Death" zu komponieren und um Ersatz für Sänger Borgmann zu finden, der sich mit der Musik nicht mehr identifizieren kann. Seinen Posten übernimmt fortan Doug Lee, ehemaliger Frontsirene von Siren.
Mit der Veröffentlichung von "Dances Of Death" gehören die Pseudonyme der Vergangenheit an. Allein Jörg Michael nennt sich weiterhin Gordon Perkins, vermutlich aus rechtlichen Gründen. Kurz danach verlässt Michael die Band endgültig, um sich finanziell vielversprechenderen Aufgaben zu widmen. Hubert findet in dem Schweizer Peter Haas adäquaten Ersatz und endlich kommen die Fans auch mal in den Genuss, die Band live zu erleben. "Live At An Exhibition" nehmen sie im Oktober '91 bei ihrem zweiten Live-Gig in Deutschland auf und beweisen zwar eindrucksvoll, dass Mekong Delta auch live ihre komplexen Stücke zur Geltung bringen können, jedoch auch, dass der Sound auf der Aufnahme ganz schön beschissen ist.
"Kaleidoscope" kann man als eine Art Zugeständnis an den Hörer sehen, da sich Komplexität und Konsumierbarkeit der Musik in etwa die Waage halten. Außerdem ist mit "Dance On A Volcano" eine Cover-Version von Genesis enthalten, was wohl einer Huldigung an alte Faves gleichkommt. "Sabre Dance", ein weiterer Song von "Kaleidoscope", ist die einzige Klassikadaption Huberts, die nicht auf der '93er Scheibe "Classics" landet. Auf ihr befinden sich unter anderem Adaptionen von Julio Sagreras "El Colobri" für Bass und Drums oder "Twilight Zone", welches, wie viele andere Stücke auch, einmal von der "Chronicle Of Doubt" beeinflusst ist, von Stu Philips fürs Orchester komponiert und von Mekong Delta für Band und Orchester umarrangiert wird.
Auch der Nachfolger "Visions Fugitive" ist wieder ein Meisterwerk von klassischen Arrangements und verzerrten Gitarren. Doug Lee hält sich mit seinem extrem hohen Gesang etwas zurück und macht es damit einigen Leuten leichter, sich die genialen Kompositionen von Ralf zu Gemüte zu führen. Anschließend ist es wieder zwei Jahre lang absolut still um die Band, ehe 1997 "Pictures At An Exhibition" auf den Markt kommt. Das rein instrumentale Album erscheint ohne Doug Lees Beteiligung und enthält insgesamt 32 Songs. Die 16 Songs sind einmal für Gitarre, Drums und Bass arrangiert, und anschließend noch einmal mit zusätzlichen Orchesterarrangements.
Später im selben Jahr erscheint eine CD-ROM mit einer Biographie über Modest Mussorgsky, mehreren Bildern verschiedener Künstler, unveröffentlichten Fotos, Live-Video-Clips und eine Doku der Entstehung von "Pictures At An Exhibition". Jetzt ist auch klar, warum es so lange still um die Band war, denn der Aufwand, den Ralf für diese CD-ROM betrieben hat, ist außergewöhnlich. Einzelne Stücke können sogar neu arrangiert, bzw. einzelne Spuren separat angehört werden. Viel Zeit verbringt Ralph damit an der Neuabmischung der alten Scheiben zu arbeiten. Schließlich kündigt er aber auf seiner Labelseite ein neues Studio-Album von Mekong Delta an, welches Ende 2005 erscheinen soll.
Das ist allerdings ein wenig zu optimistisch gedacht, denn es dauert doch noch eine ganze Weile, ehe es im Hause Mekong Delta tatsächlich an Neuaufnahmen geht. Zunächst veröffentlicht Ralf (anfangs ausschließlich für die Mitglieder des Fanclubs) die DVD "Live In Frankfurt 1991", die von ein paar Fans inzwischen schon für horrende Preise im Internet vertrieben wird. Nach einiger Suche wird er tatsächlich auch in Sachen Musiker fündig und präsentiert zunächst den Schweden Peter Lake (Theory In Practice) als neuen Gitarristen. Uli Kusch (zu dem Zeitpunkt Beautiful Sin/Ride The Sky) spielt die Drums ein und in Leo Szpigiel (Ex-Scanner/Angel Dust) findet er letztendlich den richtigen Sänger.
AFM Records lassen sich die Möglichkeit nicht entgehen und sichern sich die Vertriebsrechte am neuen Album "Lurking Fear". Dem Digipack der Scheibe liegt die DVD als Bonus bei, und wie Ralf im Interview mit laut.de versichert, soll man die Band auch live bewundern können - allerdings nicht in der Studio-Besetzung. Im Herbst des Jahres sieht die Sache so aus, dass Alex Landenburg (Axxis, At Vance, Angel's Cry) hinter den Drums sitzt und am Mikro Martin LeMar (Tomorrow's Eve) steht. Damit nicht genug, hat sich Ralf für die ersten Konzerten in Russland gleich zwei neue Gitarristen geholt. Benedikt Zimniak spielt mit Drummer Alex noch bei Memento und Erik Adam H. Grösch stammt von Annon Vin.
Auf der Homepage stellt Ralf noch einmal unmissverständlich klar, dass Mekong Delta nicht an einzelne Musiker gebunden ist, sondern nur an eine bestimmte Musik und Art der Komposition. Die Verwendung von Pseudonymen zu Beginn der Karriere sollte unter anderem jeglichen Personenkult vermeiden. Da es schwierig ist, vier weitere Musiker so zu koordinieren, dass ein Tour möglich ist, muss man auch in Zukunft mit wechselnder Besetzung rechnen.
Dennoch bleibt Ralf dieses Team zunächst treu und setzt seine musikalischen Visionen auf "Wanderer On The Edge Of Time" einmal mehr perfekt um. Die Scheibe erscheint Anfang Juni 2010 und knüpft textlich wie musikalisch an das geniale "Dances Of Death"-Album an, birgt dabei aber auch einige Neuerungen im Mekong-Universum. Stagnation ist also nach wie vor ein Fremdwort für Ralf Hubert.
Der Blick auf das bisherige Schaffen sei jedoch erlaubt und da die Nachfrage ständig präsent ist, nehmen Mekong Delta ein paar der alten Klassiker im aktuellen Line-Up neu auf. "Intersection" erscheint Mitte April 2012, ist aber quasi nur der Appetizer für das auf Ende des Jahres angesetzte, nächste Studioalbum.
Ralf Hubert über Oberflächlichkeit, Afghanistan, MySpace und den Fluch von MP3.
Genauso überraschend wie beim letzten Mal kommt eines schönen Tages im Mai eine Mail herein geflattert, in der Ralf Hubert ganz nebenbei erwähnt: "Hab da die neue Mekong Delta fertig, willste vielleicht mal hören?"
Was ist das denn für ne Frage? Hätte der Papst gern nen gesunden Satz Eier? HER DAMIT! Und so sitz ich wenige Tage später auch schon wieder am Schreibtisch und warte auf den Anruf aus Hamburg, um mal den Stand der Dinge im Hause Mekong Delta zu erfahren.
Moin Ralf, wie sieht es denn jetzt bei euch aus mit Label und Vertrieb und allem anderen?
Alles geklärt, war aber auch wieder ein ziemlicher Ärger. Grundsätzlich hatten wir ne ganze Reihe an Angeboten, aber was die meisten Labels heutzutage anbieten, ist eigentlich eher peinlich. Ok, wir haben hier mit meinem Studio und dem ganzen Equipment, was jeder von uns schon rumstehen hat, eigentlich das meiste vor Ort und müssen dafür nicht erst blechen. Aber alles in allem dürfte die Produktion der neuen Scheibe schon 20.000 Euro gekostet haben. Wenn dann irgendwelche Labels mit 10-15.000 Euro an Vorschuss kommen – was im Endeffekt meist eh alles ist, das du je von denen siehst – dann kann ich da nur müde lächeln. Also hab ich mir erst mal ein paar Vertriebe angeschaut, was die so vorschlagen. Ich werde das letztendlich mit verschiedenen Vertrieben handhaben. Den Hauptteil mit H'Art übernehmen und ich mach die Veröffentlichung einfach wieder über mein eigenes Label Aaarrgh Records.
Damit schließt sich der Kreis also wieder und du hast alles wieder in der eigenen Hand.
Absolut und das macht für mich auch am meisten Sinn. Die anderen Labels haben viel zu viel Schiss vor allem, was die letzten Jahre in der Musikindustrie passiert ist. Die sollen einfach mal vernünftige Musik veröffentlichen, dann sieht das wieder ganz anders aus. Der Scheiß, der da auf den Markt kommt und im Radio oder Fernsehen läuft, für sowas geb ich doch kein Geld aus.
Da sagste was. Und das ist ja nicht nur im Mainstream Bereich so, sondern greift auch immer mehr auf den Metal über. Allein die Masse an Veröffentlichungen ist ja schon kein Spaß mehr.
Man hat manchmal wirklich den Eindruck, dass so Zeug wie Youtube und Twitter mittlerweile auf die Musikindustrie übergegriffen hat. Dort wird auch jeder Furz, den einer lässt, veröffentlicht und scheinbar greifen viele Labels dieses Prinzip ebenfalls auf. Sowas KANN auf Dauer gar nicht funktionieren. Aber ich muss auch sagen, dass ich den Sinn in diesem ganzen Net 2.0-Kram nur bedingt erkennen kann. MySpace war und ist für Bands bestimmt noch ne interessante Sache, aber mir geht das langsam aber sicher auch auf den Sack. Wie willst du das als Musiker denn noch alles machen, wenn du nicht ein paar Leute hast, die das für dich erledigen? Ich teil mir den meisten Kram ja noch mit Martin (LeMar, d.Verf.), unserem Sänger, der ist Netztechniker. Das ist ne feine Sache. Von daher sind wir auch auf Facebook und all dem Kram, aber persönlich finde ich das alles andere als spannend. Was soll denn dieser ganze Scheiß mit diesen Farmspielchen oder Mafia oder was weiß ich alles? Das klaut dir doch nur irgendwelche Lebenszeit, die du nie wieder zurück bekommst. Und es wird wirklich jeder Furz publiziert!
Das sagste was! Was juckt es mich denn, ob sich jemand am Arsch kratzt?
So isses doch, aber vielleicht sind wir dafür einfach nicht geschaffen. Vielleicht ist das Problem einfach, dass wir noch denken (lacht). Menschen, die ihr Gehirn benutzen, kommen langsam echt ins Hintertreffen, das nimmt kein Ende. Ich hab mich neulich erst richtig weggeschmissen vor Lachen, als unser von und zu Guttenberg den Spruch abgelassen hat: "Wir befinden uns in einem Zustand, den man umgangssprachlich als Krieg bezeichnet!" Was soll denn bitte der Scheiß? Wenn will man mit sowas verarschen? Wie kommen sich die Jungs, die in Afghanistan den Kopf hinhalten müssen, bei so etwas denn vor? Denen fliegen die Kugeln um die Ohren, haben aber selber keine Schießerlaubnis ...
Was dir medial mittlerweile geboten wird, ist unter aller Sau. Wenn ich morgens ins Büro komme gibt's erst mal Kaffee, ne Kippe und dann check ich Nachrichten im Netz, auf allen möglichen Plattformen. Da herrscht natürlich überall der Zwang, Neuigkeiten zu erzeugen. Dass die dann stellenweise immer flacher und dämlicher werden, muss eigentlich nicht verwundern. Mann MUSS ja ständig irgendwie präsent sein und über etwas berichten. Das färbt irgendwie auf die Privatpersonen und ihren Social Network-Kram ab.
Das ist schon klar, aber wenn man dann wirklich mal ne sinnvolle Information reinstellt, wie, dass man mit der eigenen Band am Wochenende irgendwo spielt, bekommt man von seinen sogenanten 'Friends' nur Antworten wie: "Wieso soll ich vor die Tür gehen, ich bekomm hier im Netz doch alle Musik die ich will." Ja, du Arsch und wir als Band gehen dabei vor die Hunde ...
In Anthony Burgess Buch "A Clockwork Orange" steht ein großartiger Satz, der im Film, glaube ich, leider gar nicht vorkommt: "Es ist erstaunlich, dass Blut nur auf der Leinwand echt wirkt!" Und das kannste genau so auf alles andere übertragen. Gerade die Amis mussten schon immer erst einmal ins Fernsehen kommen, um sich real zu fühlen. Das ist mittlerweile überall der Fall. Daher kommt der ganze Mist, der nachmittags im Fernsehen läuft. Die Leute sind sich selbst nicht mehr real oder präsent genug und müssen sich dementsprechend im Netz produzieren. Aber was willste machen? Die sollen ihr Ding machen, ich lass lieber alle zwei Jahre mal Taten sprechen in Form neuer Musik.
Sehr schöne Überleitung zum eigentlichen Thema. Ich bin ja schon froh, dass es dieses Mal nicht wieder Ewigkeiten gedauert hat.
Ja, dabei hat es dieses Mal doch auch wieder länger gedauert. Das lag aber weniger am Komponieren, sondern eher an unserem Nesthäkchen Alex (Landenburg), unserem Drummer. Der hatte verdammt viel um die Ohren, weil er mittlerweile der Vorführdrummer für zwei Firmen ist und das weltweit. Der ist also dauernd auf irgendwelchen Messen in Hongkong oder Tokio oder sonst wo unterwegs. Das hat dann die Aufnahmen ein bisschen verzögert.
Aber Japan ist doch auch für euch ein großer Markt. Warum packt ihr nicht alle mit ein, fliegt mit rüber und hängt ein paar Shows dran?
Japan ist mit der größte Markt für uns, aber so einfach ist das dann doch nicht. Angebote bekommen wir mehr als genug, das sind dann aber so Sachen wie: "Hey, wollt ihr nicht bei uns spielen? Wir geben euch 500 Euro." Äh, hallo? Ich will durch die Gigs nicht reich werden, aber wenn ich meine Kosten gedeckt habe, sollte ich mir mindestens noch ne Kiste Bier kaufen können. Ich weiß echt nicht, was für Vorstellungen die Leute langsam haben. Da sollste irgendwo in den Appalachen für 800 Euro spielen. Ja, klar. Ich komm dann mit meinem iPod vorbei (lacht). Ich weiß auch nicht. Ich hab das Gefühl, dass alles langsam vor sich hin bröckelt. Ob das reinigend ist oder nicht, werden wir dann sehen. Aber alles, was nicht mehr im Fernsehen in irgendeiner Form präsent ist, wird von der Bevölkerung kaum mehr wahrgenommen.
Bestes Beispiel sind da wohl Unheilig ...
(Schallendes Gelächter tönt mir entgegen) Du meine Fresse, als ich den zum ersten Mal gesehen hab, bin ich beinahe abgebrochen. Wie ist das aufgesetzt. Das kauft dem doch keiner ab, wenn der vor einem steht. Ich würd mir glaub ich in die Hose machen vor Lachen. Manchmal kann ich gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte. Ich hab die zweimal im Fernsehen gesehen und hoffe, damit hat sich das erledigt. Da setzt bei mir sofort immer eine Fluchtbewegung ein, aber manchmal kann ich gar nicht so schnell wegrennen, wie ich das gern hätte.
Das lief auch ganz gut. Wir haben rund 10.000 Alben verkauft, weltweit dürften das 20 - 25.000 gewesen sein. Damit kann man eigentlich schon zufrieden sein. Nachdem die Promo raus war, ging es nicht lange und du hast das Album auf etwa 27 Servern bereits zum Download gehabt. Das stört mich aber grundsätzlich nicht, weil sich viele Fans das Album eh kaufen, wenn sie es gut finden. Wobei ich wirklich nicht verstehe, dass sich viele Leute MP3-Files von Rockmusik aus dem Netz ziehen. Das geht vom Klang her einfach überhaupt nicht!
Das Ding ist halt: Wo hören die Leute denn die Musik noch? Nur in den seltensten Fällen tatsächlich über eine gute Anlage daheim. Maßgeblich eigentlich nur noch auf dem iPod.
Ja, ja, da haste wohl recht. Das Thema hatten wir bandintern erst neulich. Ich kann mich über Mpeg und MP3 immer fürchterlich aufregen. Unser Gitarrist Erik meinte, dass seine Gitarrenschüler alle immer nur mit dem iPod ankämen und dann immer ganz überrascht sind, wenn er im Studio mal die richtigen Boxen anmacht. Da bekommen die ganz große Augen, wenn man auf einmal nen Bass hören kann… Aber man soll nicht drüber jammern, jede Generation bekommt, was sie verdient (lacht).
Hartes Urteil! Aber in vielen Fällen verdient. Aber einmal mehr zurück zu euch. Du hast ja mittlerweile schon wieder ein komplett neues Line-Up am Start.
Das war leider zwingend notwendig. Wir hatten eigentlich nach "Lurking Fear" eine komplette Tour mit 15 Shows stehen, die auch relativ hoch dotiert war, aber dann hat sich ein Aushilfsmann den Arm gebrochen und danach hatten Peter (Lake) und die anderen Jungs keine Zeit mehr. Ich wollte aber unbedingt live spielen und Uli (Kusch – Drummer) hat mir geholfen und schließlich Alex empfohlen. Der hat sich daraufhin bei mir gemeldet, ich habe ihm etwas zugeschickt und das Zeug war in kürzester Zeit perfekt eingetrommelt. Über den Alex hab ich den Benedikt (Zimniak – Gitarrist) kennen gelernt und den Erik kannte ich ja eh schon. Damit waren wir dann fast komplett, bis auf den Sänger. Das war dann wieder das übliche Spiel, das mich schier zur Verzweiflung getrieben hat. Auf der anderen Seite kannste mit so Gesangsdemos auch immer herrliche Lachabende machen. Einfach ne Flasche Wein, Tapes anhören und nicht schauen, wer da gerade versucht zu singen. Irgendwann bin ich jedenfalls über den Martin gestolpert. Der kommt aus einer Familie, in welcher die Eltern professionelle Opernsänger sind. Er ist Tenor und für ihn war das quasi ne Kleinigkeit, sich in meine Sachen rein zudenken. Auf Tour war das für ihn erst mal was Neues, aber was er auf dem Album singt, finde ich absolut gigantisch!
Der Gesang ist stark, aber was sofort auffällt, ist, dass er stimmlich tiefer angesiedelt ist als seine Vorgänger.
Das ist richtig. Der Einzige, der da extrem flexibel war, war der Bobo (Wolfgang Borgman), unser erster Sänger. Der konnte sowohl hoch, als auch tief. Alles, was danach kam, ging irgendwie immer weiter nach oben. Leo (Szpigiel) war Falsett, was einfach verdammt hoch ist. Ich kannte dann immer nur den Unterschied zwischen Gröhler und diesen hohen Stimmlagen. Da fand ich Martin dann echt schon ein Gottesgeschenk, denn er passt perfekt in die Tonlagen rein und füllt sich richtiggehend aus. Das gefällt mir persönlich super. Versteh mich nicht falsch, ich will keinen meiner alten Sänger abwerten, die waren alle klasse! Aber Martins Stimme ist einfach perfekt für die neuen Stücke.
Werdet ihr die alten Nummern für ihn transponieren oder singt er die in den entsprechenden Tonlagen.
Das singt der locker! Bei manchen Extremlagen zieht er die halt runter, aber das ist durchaus legitim. Die Leute, die das bislang live erlebt haben, vor allem in Russland, waren von Martin hellauf begeistert. Vor allem live macht der Junge richtig was her und ich kanns kaum erwarten, endlich wieder mit den Jungs auf die Bühne zu kommen.
Als wir uns das letzte Mal unterhalten haben, hattest du Peter Lake ja noch nicht einmal getroffen. Kam es eigentlich jemals zu einem Treffen, nachdem die Tour geplatzt ist?
Ja, auf jeden Fall. Der war ein Wochenende hier und wir haben uns ein wenig beschnuppert. Wir haben das damals in der Wohnung von Leo gemacht und waren innerhalb kürzester Zeit alle hackedicht (lacht). Das war schon ein netter Abend, aber leider wurde ja nichts mehr draus, da sich die Tour im Sande verlaufen hat. Wir stehen nach wie vor per Mail in Kontakt und das Solo im dritten Satz stammt auch von ihm. Ich finde das ne ganz interessante Sache, mit ein paar Gastmusikern zu arbeiten und werde das auch in Zukunft öfters versuchen.
Was spielst du eigentlich im Studio alles und was machen die anderen Jungs?
Also ich spiel natürlich den Bass und sämtliche Konzertgitarren. Und den Rest, das machen die anderen Jungs nach dem gleichen System wie immer. Die Partitur wird angelegt, das geht mit dem neuesten Steinbach-Produkt recht locker. Das wird auf Midi-File verteilt mit einem simulierten Bass, ein anderer Synthie simuliert die Gitarren und das bekommt dann jeder zugeschickt. Dann treffen wir uns, um etwaige Frage zu klären oder ein paar Veränderungen vorzunehmen und dann wird das Zeug auch schon eingespielt. Die Gitarren und den Gesang von Martin haben wir alles bei Erik im Studio aufgenommen. Die Drums und meine Sachen haben wir bei mir im Studio aufgenommen. Drums mach ich, da führt kein Weg dran vorbei (lacht).
Und wie weit ist der Einfluss der anderen?
Nicht vorhanden (lacht). Nein, die haben ja ihre Notation. So muss das gespielt werden, oder gar nicht. Mekong Delta ist mein Baby und ich sag, wo es lang geht. Die Soli sind natürlich das Ding der Gitarristen und die Drums sind auch weitgehend frei. Das arbeite ich immer mit den Drummern zusammen aus. Mit Martin hab ich die Gesangslinien auch zusammen ausgearbeitet, wobei es mit meinem Gehuste natürlich schwierig ist, die Ideen rüber zubringen. Aber Jungs wie Bobo, Leo oder Martin wissen relativ schnell, was ich meine und können das perfekt umsetzen. Vor allem, wo ich die Schwerpunkte in der Rhythmik sehe. Der Martin kam vorbei, als wir die Gitarren bei Erik aufgenommen haben. Wir haben uns dann ein paar Bier genehmigt und dann gesungen, bis kein Bier mehr da war.
Dann hat nur noch Martin gesungen …
Ich hab dann auch noch gesungen, aber ich glaube nur schmutzige Seemannslieder oder etwas in der Art (lacht). Davon gibt es aber leider keine Aufnahmen mehr. Leo hat allerdings angedroht, meine Gesangsvorschläge der letzten Scheibe irgendwann mal zu veröffentlichen und das wäre seeeehr bedenklich.
Warum erscheint gerade jetzt eine Fortsetzung von "Dances Of Death"? War das für dich schon immer ein Thema, dass noch nicht abgeschlossen war?
Auf jeden Fall! Das hat damals schon mit dem Cyborg auf der "Principle Of Doubt" angefangen. Auf "Dances Of Death" hab ich die Geschichte dann fortgeführt und wollte jetzt neben meiner Arbeit an "The Heart Of Darkness" - die ja immer noch läuft – einfach mal die Geschichte des Geigers weiterführen. Musik kann man ja unterschiedlich umsetzen. Man kann einfach nur mal was Schnelles, mal was Langsameres komponieren, oder man versucht, das Ganze auf emotionaler Basis umzusetzen. Das hab ich jetzt mit der neuen Scheibe versucht. Für mich ist das ne Art Vorstudie zu "The Heart Of Darkness".
Wie oft trefft ihr euch eigentlich um die Sachen zu proben.
Eigentlich eher selten, weil ich Proben nicht allzu viel abgewinnen kann. Ich hasse es, vor einer Show mehr als drei Stunden zu proben, weil ich der Meinung bin, entweder man kann das Zeug oder man kann es nicht. Aufeinander eingespielt sind wir sowieso und dann erwarte ich von allen Beteiligten, dass die Sachen sitzen. Da ist es mir auch egal, ob das ne wichtige oder ne unwichtige Show ist. Ich bekomm ne halbe Kiste Bier und dann bin ich wieder weg (lacht). Mich hat das schon von jeher angekotzt, wenn ich geprobt habe und irgendeiner konnte seine Sachen nicht spielen. Das sind Hausaufgaben, die du daheim erledigen musst. In der Probe kommt es dann auf das Zusammenspiel an, da reichen auch drei Stunden. Wenn die Gitarristen ihre Soli abstimmen, oder absprechen, wie man die unzähligen Gitarren der neuen Songs am besten aufteilen kann, dann muss ich doch nicht dabei sitzen. Der Alex ist auch so ein Einzelkämpfer und spielt das Zeug meist nur für sich alleine.
Nein, gar nicht. Die Eingängigkeit stammt vor allem von Martin, der bei der Nummer sogar den Text geschrieben hat. Ich wollte eigentlich nur eine bestimm'te Tonabfolge auf der Konzertgitarre spielen und Martin war davon so begeistert, dass er das gleich als seinen Song deklariert hat (lacht). Ich hab jeden Tag neue Melodien von ihm bekommen, der war echt Feuer und Flamme. Das merkt man dem Song an, gerade mit den Chören. Sowas hatten wir bislang noch nicht, aber das kann man eben auch nicht bei jedem Song machen. Da hat Martin doch großen Einfluss drauf genommen. Den Song finde ich richtig cool! Ich werde auf den kommenden Alben immer ein wenig mehr experimentieren, vor allem mit der Konzertgitarre. Da ist das Potential noch lange nicht ausgeschöpft. Ich will die Leute jedoch nicht vor den Kopf stoßen, sondern lieber häppchenweise ein bisschen locken (lacht). Ich brauche einfach unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten und will mich nicht einschränken. Der Expressionismus, der die letzten Scheiben maßgeblich beeinflusst hat, ist für mich ausgeschöpft. Da könnte jetzt nur noch ganz wirres Zeug kommen, bei dem kein Mensch mehr durchblickt und das muss nicht sein. Mit dem neuen Album habe ich versucht, die Komplexität zu erhalten, diejenige des Gesangs in eine andere, harmonische Ebene zu bringen und sobald die Band alleine spielt – volle Breitseite!
Ich hab noch so viele Notationen von Sachen, die ich gerne mal machen und ausprobieren will. Ich weiß echt nicht, ob ich die noch alle schaffe, oder vorher schon abgenippelt bin (lacht). Wir haben ja noch ein bisschen Zeit. Wie war das? 2012 geht die Welt unter? Bis dahin kann ich noch fünf Alben schaffen.
Dann ist ja gut. Bis dahin ist Roland Emmerich hoffentlich explodiert. Haste eigentlich mal wieder in deinen Perry Rhodan-Romanheften geblättert?
Wirst lachen, nach unserem letzten Gespräch hab ich mir ein paar Wochen später die Bücher geholt und weißte was? Ich war schlagartig wieder in der Science Fiction-Welt und hatte auf einen Schlag die ersten zwei Bücher durch. Auf einmal war ich wieder 20, 25 Jahre jünger und bin vollkommen in meiner Fantasie aufgegangen. Dafür brauch ich keinen Film oder etwas in der Art, da reicht eine gute Story, ein gutes Buch und die eigene Fantasie. Dies geht mittlerweile aber leider vielen Leuten ab. Das finde ich traurig. Das hängt aber auch damit zusammen, dass viele einfach so den Arsch voll zu tun haben, dass sie sich gar nicht mehr die Zeit nehmen können für sowas. Es zählt nur noch die schnelle Unterhaltung. Alles, was ein wenig Mitdenken erfordert, ist nach dem Feierabend schon zu viel des Guten.
Das zieht sich aber durch alle Bereiche. Schau doch mal, was einem von Politikern und Konzernen für eine Scheiße vorgesetzt wird. Keiner bekommt mehr den Arsch hoch um auf die Straße zu gehen und zu sagen: "Nicht mit mir!"
Ich glaube, das wird irgendwann ganz gewaltig kommen.
Ach ne, von wem denn?
Von mir!!!
Gib rechtzeitig Bescheid, ich bin dann dabei. Aber gelebte Demokratie bedeutet nun mal, dass man sich selber auch dafür einsetzen und stark machen muss. Das machen leider nur noch die Wenigsten.
Da hast du auf jeden Fall Recht. Die andere Seite sieht aber so aus, dass jeder meint, er müsste zu allem ne Meinung haben. Wenn ich mir auf spiegel.de die Kommentare von den Usern durchlese, wird mir immer ganz anders. Abgesehen davon, dass Spiegel mittlerweile auch unter aller Sau ist. Aber der Ton und der Inhalt der Kommentare ist meist noch unter Stammtischniveau. Und da fragen sich die Leute, wie ich bei manchen Diskussionen stundenlang dabei sitzen kann, ohne eine Wort zu sagen. Verdammte Axt, wenn ich zu einem gewissen Thema nichts sagen kann, weil ich mich damit nicht auskenne, halt ich lieber die Schnauze und hör zu. Im Idealfall lernt man noch etwas. Aber das scheint heute nicht mehr gefragt zu sein. Heute muss anscheinend jeder zu allem seinen Senf dazu geben. Das hatten wir aber vorher schon mit Twitter und allem.
Was benutzt du eigentlich live an Equipment?
Ich hab hier ne Highend-Anlage von Hartke stehen, die kann ich aber nicht immer mitnehmen. Ich hab von Fernandez jetzt einen guten Bass gestellt bekommen, der meinem alten sehr ähnelt, vor allem wiegt der mal ne halbe Tonne weniger (lacht). Das kann schon was ausmachen. Live spiel ich aber über ne ganz normale Ampeg-Anlage. Da gibt es mit meinem Steinberger gar keine Probleme, weil ich mit dem Ding überhaupt keine Klangregelung brauche. Das Ding wird eingesteckt und fertig. Im Studio benutze ich die Hartke-Anlage und hab auch einige Sachen von Steinberg hier rumstehen, mit denen ich gerne arbeite. Meist spiele ich die Sachen direkt in den Rechner ein und wenn das gut klingt, bau ich den Amp auf und mach re-amping. Das merkt man vor allem auf der neuen Scheibe, weil dadurch der Bass eine richtig schöne Tiefe bekommt.
Warum liest man eigentlich nirgendwo etwas über den Privatmann Ralf Hubert?
Ganz einfach, weil ich großen Wert drauf lege, dass mein Privatleben privat bleibt (lacht). Ich geb mit meiner Musik schon genug von mir Preis, das muss reichen.
Ok, kann ich akzeptieren. Dann wüsste ich aber noch gern, was denn für dich einen guten Bassisten ausmacht?
Hah, das is ne gute Frage. Standartmäßig muss ein Bassist natürlich ein sehr gutes Rhythmusgefühl haben und dementsprechend mit jedem guten Drummer klarkommen. Das ist für mich die Basis eines jeden Bassisten. Dann kommen eben ein paar Sachen, die ICH sehr wichtig finde und andere bestimmt nicht so sehen. Zum Beispiel finde ich es wichtig, dass ein Basser ein Tasteninstrument beherrscht, um sich über Harmoniestrukturen Gedanken machen zu können. Wenn ich von meinem Bassspiel ausgehe, ist das so, dass ich nur äußerst selten ausschließlich den Grundton halte, sondern oftmals auch Akkorde spiele, da ich von der Konzertgitarre her komme. Aber dass sich der Basser und der Drummer wirklich gut verstehen, halte ich für den wichtigsten Punkt. Die müssen gut zusammen saufen können, dann passt das (lacht). Die notwendige Technik am Bass setz ich jetzt einfach mal voraus. Allerdings seh ich oft genug Leute mit nem Sechssaiter auflaufen, die noch nicht mal einen Viersaiter beherrschen. Ich hab so ein Ding hier stehen, hab mich aber noch nicht getraut, den einzusetzen. Schon allein deswegen, weil die Möglichkeiten damit so fantastisch sind, dies aber für mich ein völliges Umdenken erfordert. Gerade auf so einem Ding bist du ohne die Kenntnisse, über die ich gerade gesprochen habe, vollkommen aufgeschmissen. Oder du bist einfach nur ein Poser.
Was steht denn als nächstes bei dir auf dem Plan.
Ich bin schon kräftig dabei, den Geiger von unserem Cover zu animieren. Das ist ne Höllenarbeit aber macht auch Spaß. Vor allem sieht das Ding schon richtig geil aus. Allein das Coverartwork von Eliran Kantor ist schon wieder überragend. Es wird davon eine LP geben und da wird das erst richtig zur Geltung kommen. Das Digipack ist schon ne feine Sache, aber im LP-Format lassen sich doch mehr Details erkennen.
Meine Abschlussfrage an dich: Abgesehen von Perry Rhodan, was würdest du unseren Lesern als Buch empfehlen?
Hm, ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat, war "Die Jagd Nach Zero Point" von Nick Cook. Das hab ich wirklich verschlungen. Es geht um Apparaturen und Instrumente, mit denen man die Schwerkraft aufheben kann. Das Buch ist schon eher dokumentarisch, aber geschrieben wie ein Roman. Der Autor ist relativ bekannt und in der Luft- und Raumfahrtszene durchaus etabliert. Bei seinen Nachforschungen ist er schließlich auf jede Menge Dinge und Apparaturen gestoßen, die bereits im Dritten Reich entwickelt und getestet wurden. Da wird dir schwindlig, wenn du das liest. Fand ich sehr interessant.
Nach zehn Jahren melden sich Mekong Delta mit einem Hammeralbum zurück.
Schlappe zehn Jahre ist es her, dass Mekong Delta mit dem genialen "Pictures At An Exhibition" (sowohl für Band, als auch für Band und Orchester) ihr wohl ambitioniertestes Werk vorlegten und wenig später sang- und klanglos von der Bildfläche verschwanden. Jahre gingen ins Land, in denen keiner so recht wusste, was aus Ralph Hubert - dem Kopf hinter dieser extravaganten Band - überhaupt geworden war. 2007 kommt nun die erlösenden Nachricht: Mekong Delta sind zurück und zwar mit dem Hammeralbum "Lurking Fear".
So ganz kann ich es immer noch nicht glauben, obwohl mir beim Genuss der neuen Scheibe immer wieder ein paar wohlige Schauer über den Rücken laufen. Heute Abend soll ich tatsächlich mit Ralph Hubert sprechen, dem genialen Kopf einer nicht weniger genialen Band, die ich schon seit frühester Jugend vereehre. Und das, nachdem jahrelang mehrere Anfragen per E-Mail unbeantwortet blieben und dem Mann der Ruf anhängt, ein wenig eigen, wenn nicht sogar hochnäsig zu sein. Doch was soll's, das Telefon klingelt, und am anderen Ende begrüßt mich ein gut gelaunter Kerl, der stimmlich irgendwie was von Atze Schröder hat.
Hi, alles klar bei dir?
Und ob! Verdammt Ralph, ich rede gerade mit einer Legende.
Hahaha, mit Sicherheit zu viel der Ehre.
Von wegen, aber gleich mal die erste Frage, die mir unter den Nägeln brennt: Was zur Hölle hat dich so lange aufgehalten? Warum mussten zwischen "Pictures At An Exhibition" und "Lurking Fear" geschlagene zehn Jahre vergehen?
Da kommen mehrere Sachen zusammen. Zum einen war ich nach der "Pictures" echt erst mal durch. Das hat so viel Zeit gekostet, allein schon für die Vorbereitung der Partituren gingen zwei Jahre ins Land. Die Umsetzung war dann ebenfalls mit unzähligen Problemen behaftet, da wir als eine der ersten Bands unzählige Sampler parallel geschaltet haben, und das warf ganz einfach technische Probleme auf. Das hat dann immer nicht so funktioniert wie wir das wollten, viele Geräte mussten wir uns noch von Norddeutschland und anderen Ecken herschaffen lassen, und irgendwann war ich sogar so weit, dass ich den Brocken echt hinschmeißen wollte. Meine Kollegen sagten aber nur: 'Komm jetzt, das haste angefangen, mach feddich!' Das hab ich dann getan, aber so was zehrt schon an den Nerven. Zum anderen kamen privat auch noch einige Sachen hinzu, auf die ich hier aber verständlicherweise nicht eingehen will.
Somit hab ich mich eine ganze Zeit lang zunächst einmal auf's Programmieren konzentriert, um überhaupt rauszufinden, wo ich bin und wie es weitergeht. In der Zeit war ich viel in Deutschland unterwegs und hatte echt gut zu tun. Zwischendurch hab ich natürlich auch weiter komponiert, war mit den Ergebnissen aber nie wirklich zufrieden. Bis auf einen Zyklus, aus dem auch die beiden Instrumental-Nummer auf der neuen Scheibe stammen, hat mich da nichts wirklich glücklich gemacht. Gegen Ende 2005 hatte ich in meinen Buch der Ideen so langsam aber jede Menge Sachen zusammen, die doch gut genug waren, um sie zumindest mal auszuprobieren. Außerdem passierten ein paar lustige Sachen und ... glaubst du an Zeichen?
Watt? Zeichen? Ööh, bedingt.
Also nein, hahaha. Ich eigentlich auch nicht, aber was da passiert ist, hat mich als rationalen Menschen doch ein wenig verwirrt. Ende Oktober bekam ich zunächst mal das Angebot, unser komplettes Material nach Russland zu lizenzieren, 14 Tage später bekam ich die Anfrage von einer Firma, die unser Merchandise übernehmen wollte, wieder zwei Wochen später kam ein Deal für eine Compilation, und wieder zwei Wochen darauf tritt auf einmal Peter Lake (neuer Gitarrist bei Mekong Delta, d. Verf.) mit mir in Kontakt. Was da in den zwei Monaten auf einmal alles in Bezug auf Mekong Delta passiert ist, war schon der Wahnsinn. Da dachte ich dann: 'Ok, jetzt probieren wir’s aus!'
Ach, Peter ist an dich herangetreten?
Das lief über unseren Fanclubleiter, dem ich nicht genug für seine Arbeit danken kann. Euch übrigens auch nicht, und das hat jetzt nichts mit Honig um den Bart schmieren zu tun. Finde ich echt super, was ihr macht, nicht nur für Mekong Delta. Aber unser Fanclubleiter hat über die Jahre wirklich eine tolle Seite gestaltet und die am Leben erhalten mit mittlerweile fast 250.000 Klicks. Er war auch der erste, mit dem ich seit Jahren mal wieder zum Thema Mekong Delta in Kontakt getreten bin, weil auf einmal 25 Interview-Anfragen vorlagen. Da hat er mich noc hmal angeschrieben, und wir haben ein wenig über die ganzen Gerüchte geredet, die über mich im Umlauf waren, dass ich beispielsweise in der Türkei lebe und so ein Kram, hahaha. Ihm hab ich dann auch gesagt, dass ich eigentlich bereit wäre, wieder was zu machen, aber auf der Suche nach einem guten Gitarristen bin. Über einige Umwege hat er mich dann zu Peter geführt, der mich auf seine Anfrage hin dann mal angeschrieben hat. Dabei hat sich heraus gestellt, dass Peter schon seit Jahren Mekong-Fan ist und für ihn damit quasi ein Traum in Erfüllung geht.
Cool, was kann's denn für einen Fan Geileres geben, als auf einmal bei der Lieblingsband mitzuspielen?
Der war da auch so scharf drauf, das kann ich dir gar nicht sagen, hahaha. Was der auf dem neuen Album hingelegt hat, ist echt kein Spaß mehr. Mein Toningenieur, mit dem ich immer zusammen aufnehme, ist selber Gitarrist, und zwar kein schlechter! Bei irgendeinem Stück, ich glaube, der Schostakovitsch wars, schaute er mich nur an und meinte: 'Ich weiß nicht mehr, was der da spielt.' Das fand ich echt den treffenden Kommentar. Wenn ein richtig guter Gitarrist zugibt, dass er keine Ahnung hat, was und wie ein anderer Gitarrist da gerade was anstellt, dann ist das schon ein Kompliment. Ich halte Peter definitiv für einen der besten Gitarristen Europas, der wird auch jedem Amerikaner Paroli bieten können.
Kam es für dich eigentlich nie in Frage, dich auch in den Staaten mal nach geeigneten Musiker umzusehen? Dank Internet ist das doch überhaupt kein Problem mehr.
Das ist schon richtig, aber bei den Amis bist du halt schnell an Jungs, die nur ziemlich viel heiße Luft produzieren, hahaha. Ich hatte ja schon viele Amis bei mir im Studio und das Niveau ist da bei vielen weiß Gott nicht so hoch, wie sie es gerne hätten und behaupten. Ne, also da hab ich gaaaanz üble Überraschungen erlebt. Im Vorfeld wird dir in den höchsten Tönen vorgeschwärmt, und dann kommen die ins Studio und treffen noch nicht mal nen Nagel auf den Punkt ... Was meinst du, was los war, als wir nen Sänger gesucht haben. Uli (Kusch, Drummer auf "Lurking Fear") kennt ja Gott und die Welt, genau wie ich auch. Über ihn haben wir unheimlich viele Kontakte zu einigen sehr bekannten Leuten gehabt. Was ich von denen dann aber an Demos auf den Tisch bekommen hab, da bin ich beinahe vom Glauben abgefallen. Da war nix in der entsprechenden Harmonie, da war nix auf den Punkt, geschweige denn, dass einer mal einen Grundrhythmus erfasst hat.
Ok, das ist natürlich auch kein Pappenstiel, auf eine Komposition von dir zu singen.
Schon richtig, aber das sind doch alles Profis, von denen sollte man so was erwarten können. Aber da war Zeug dabei ... Lass es mich mal so sagen, Stockhausen (Karlheinz Stockhausen war der Mitbegründer der sogenannten punktuellen Musik, d.Verf.) hätte das mit Sicherheit interessant gefunden. Ich will hier keinem zu nahe treten, aber ich war stellenweise echt überrascht, wie wenig dabei raus kam. Einige waren wenigstens gleich so ehrlich und haben gesagt: 'Ne, lass mal. Zu kompliziert, das schnall ich nicht.' Das ist ja dann ok, aber andere ... Wie hieß es immer so schön in den Zeugnissen früher: 'Er war sehr bemüht', hahaha.
Über Uli bin ich schließlich an Leo (Szpigiel, neue Sänger bei Mekong Delta) gekommen. Ich war schon wieder kurz vor dem Ausrasten, weil ich echt am Verzweifeln war. Inzwischen hatte ich dann schon von einem Kollegen (besagter Gitarrist und Toningenieur) ein paar Guidelines einsingen lassen, selber wollte ich das nicht machen, weil sich meine Stimme maximal für einen Horrorfilm eignet. Die Sachen haben wir dann Leo geschickt. Vier, fünf Tage später kamen die Songs zurück und waren völlig auf den Punkt eingesungen, 100% in der Harmonie und eine Mail dazu, die mich beinahe aus den Socken geworfen hat. Das stand: 'Bin mit meiner Leistung zufrieden, bitte schick mir dir Notation der Stücke.' Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ein Sänger nach der Notation gefragt hat!
Geschweige denn, dass die einer kapiert.
Eben! Ich schrieb ihm dann nur: 'Ich schick dir was du willst, mir alles egal. Du bist mein neuen Sänger!!!' Endlich ein Sänger, der Noten lesen kann, mit dem man diskutieren kann, warum da ein 7/8-Takt ist. Das hat mich echt aus den Socken gehauen, was er gesanglich geleistet hat, ist der Hammer. Der hat auch immer nur super trockene Kommentare auf Lager gehabt. Als ich es wagte, einmal zu fragen, ob er begriffen hat, wo der Einsatz bei einem Song wäre, kam nur zurück: 'Hör mal, ich kann zählen!'
Cool, aber demnach hast du schon eine gewisse Vorstellung von der Gesangsmelodie, wenn du deine Stücke schreibst?
Auf jeden Fall. Ich komponiere ja in einem gewissen System. Der Expressionismus ist ja nicht nur irgendeine wilde Musik, sondern hat gewisse Strukturen. Terzen, Sekunden und all das. Wenn ein Musiker das verstanden und umgesetzt hat, kann er sich darin auch ausleben, und das ist bei Leo eben der Fall.
Wenn man sich mit deiner Vergangenheit beschäftigt, dann stellt man fest, dass du quasi einer der Geburtshelfer der deutschen Metalszene warst. Immerhin warst du fast von Anfang an dabei.
Das stimmt schon, aber das habe ich auch in erster Linie dem Axel Thubeauville zu verdanken. Der hat mich letztendlich in die Rock- und Metal-Geschichte reingebracht, was Studioarbeiten und so was angeht. Unser Studio war relativ günstig, und Axel und ich haben unglaublich viele Produktionen zusammen gemacht. Das war damals alles gar nicht so einfach. Schon allein eine verzerrte Gitarre aufzunehmen, war in Deutschland zu der Zeit noch nicht so populär, möchte ich mal sagen. Da war eine Sache wie "Flag Of Hate" von Kreator schon eine echte Herausforderung. Wir hatten da einen etwas älteren Mann als Tontechniker dabei, der mich tatsächlich immer fragt, ob das jetzt eine gewollte oder eine ungewollte Verzerrung wäre, hahaha. Der konnte das einfach nicht unterscheiden. Scorpions ist halt eine Sache, aber Destruction, Kreator, Mekong Delta oder Living Death ist dann doch was anderes.
Damals war alles noch im Aufbruch, das war eine sehr interessante Zeit. Ich habe mit Axel sehr gern zusammen gearbeitet, auch wenn wir uns ab und zu mal gezofft haben. Aber ihm hab ich das alles zu verdanken, weil ich durch ihn auf Bands gestoßen bin, die keiner machen wollte, die aber richtig was auf dem Kasten hatten. Zum Beispiel bin ich so auf Target gestoßen, die ich über mein Label (Aaarrgh, später Zardoz Music, d.Verf.) veröffentlicht habe und nach wie vor für eine der großartigsten, unterbewertesten Bands überhaupt halte.
Die sagen mir auch nur namentlich was. Glaube nicht, dass ich da mal einen Song gehört hab.
Glaube ich, die sagen kaum einem was. Wurden fälschlicherweise immer mit Mekong Delta verglichen. Die waren zwar auch relativ komplex, aber ein ganz anderer, eigener Stil. Die zweite CD von ihnen, "Master Project Genesis" ist ein absoluter Geniestreich. Sowohl was die Story, als auch was die Musik angeht. Aber auch Living Death. Die beiden Gitarristen, vor allem Frank Fricke an der Rhythmusgitarre war ein absolutes Tier! Wenn der losgelegt hat, haben die Wände gewackelt. Als wir "Principle Of Doubt" aufgenommen haben, hat er über neues Equipment gespielt, das einen mörderisch tiefen Sound hatte. Bei den Aufnahmen ist nach fünf Minuten die Lampe von der Decke gefallen, ohne Scheiß. Den Sound konnten wir damals noch gar nicht richtig einfangen, das hörst du erst jetzt auf den remasterten Versionen.
Krass, aber obwohl du so früh schon und vor allem so aktiv dabei warst, taucht dein Name erst relativ spät in den Medien auf.
Das ist richtig und hängt mit mehreren Sachen zusammen. Zum einen bin ich niemand, der immer alles sofort nach außen posaunen muss. Zum anderen gab es da einfach manche Medien, mit denen wollte ich schlicht und ergreifend nichts zu tun haben, hahaha. Ich habe mich dem einfach verweigert, weil die zum Teil dermaßen dilettantisch rüber kamen und schlicht und ergreifend auch enorm arrogant auftraten. Ich finde, man sollte mit Menschen immer in einem freundlichen Stil umgehen, und das mache ich eigentlich auch. Wenn aber jemand schon mit der Einstellung auf mich zu kommt, er sei was ganz Besonderes, das kann ich einfach nicht haben. Ich bin nichts Besonderes, und das Gefühl sollte auch kein anderer von sich haben.
Das erklärt wohl auch, warum ich von ein paar Seiten schon gehört habe, dass es manchmal schwierig wäre, mit dir umzugehen. Allerdings kann ich das bisher noch nicht bestätigen.
Merkste was? Es ist echt nicht so schwierig, mit mir umzugehen, aber ich kann eins nun mal auf den Tod nicht ausstehen: wenn Leute vorgeben, Ahnung von einer Sache zu haben, die sie nicht mal ansatzweise verstehen. Früher hat mich so was noch viel mehr aufgeregt. Ich erinnere mich noch an eine Review zu "Visions Fugitive", in der der Rezensent wahrscheinlich in der zwölften Klasse mal was von einer Fuge gehört hat, um dann irgendwas von Engführung und Augmentationen zu faseln, die da fehlen würden und haste nicht gesehen. Da krieg ich einen Rappel. Wie soll ich den so einen Menschen ernst nehmen? Mit dem kann ich mich echt nicht unterhalten.
So was kennste doch bestimmt auch, das sind so Blender, so Luftpumpen, die du überall triffst. Das funktioniert immer so lange gut, wie du Leute um dich hast, die von dem Thema keine Ahnung haben. Aber hallo, der will mir was von ner Fuge erzählen? Alles was recht ist. Über solchen Blödsinn hat sich der Uwe (Baltrusch, ehemaliger Gitarrist der Band) damals immer aufgeregt. Manche Kritiker kannste einfach nicht mehr ernst nehmen. Die ersten drei Scheiben lang wurden Sepultura beispielweise von bestimmten Medien immer verrissen, und auf einmal kommt die Scheibe über Roadrunner raus, und schon lobt man sie über den grünen Klee. Ich könnte da jetzt was erzählen, wenn ich wollte, schließlich kenne ich die meisten Jungs ja noch persönlich, hahaha.
Nein, in dieser Beziehung bin ich Autodidakt. Ich war mal kurz für das Konservatorium vorgesehen, aber mir gingen die schon bei der Aufnahmeprüfung auf den Sack. Da gab es so einen Ritus, in dem du am besten schon eine Barocksuite, einen fünfminütigen Klassiker und vielleicht zwei Minuten Moderne spielen solltest. Klein Ralph war aber schon damals ein Rebel und hat sich das "Nocturnal" von Benjamin Britten ausgesucht, das erst 1960 geschrieben wurde. Das hat den Herrn Professoren schon mal gar nicht geschmeckt. Letztendlich waren sie mit der Technik zufrieden, wollten mir aber sagen, dass ich die Interpretation anders angehen solle. Hallo? Eine Interpretation ist ja wohl eine absolut subjektive Sache, da muss ich mir doch nicht reinreden lassen.
Aber ich hab schon mit zehn Jahre angefangen, mit den Querstreben von Kleiderbügeln auf allen möglichen Sachen rumzutrommeln. Um das abzustellen, haben mit meine Eltern mit zwölf einen Bass geschenkt, hahaha. Mit 14 oder 15 hab ich in Spanien dann mal einen hervorragenden Konzertgitarristen gesehen, der mich so begeistert hat, dass ich mich von da an zunächst auf die Konzertgitarre konzentriert habe. Aber richtig intensiv, mit zehn Stunden üben am Tag. Das hab ich durchgehalten, bis ich etwa 19 und an der Klampfe auch entsprechend gut war.
Warum bist du dann letztendlich wieder auf den Bass umgestiegen?
Hm, ich habe vor Mekong Delta ja auch jede Menge anderer Sachen gemacht und auch eine Zeit lang eine Band nur mit Konzertgitarre, Bass und Schlagzeug ausprobiert. Das war aber damals noch etwas über meinen Fähigkeiten und hat nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt hatte. Das wäre dann auch eher in den Jazz gegangen, von dem ich zu der Zeit schon nicht mehr so begeistert war. Damals war ich schon von der Klassik begeistert und hatte begonnen, mich mit Orchestern zu beschäftigen. Von da an war mein Ziel, Orchester mit einer Band umzusetzen. Das war mit einer Konzertgitarre einfach nicht machbar. Heute wär das wahrscheinlich was anderes.
Ich hab mir übrigens neulich erst ein Gerät bestellt, mit dem ich über den Bass ein Modul ansteuern kann, um über den Bass ein komplettes Orchester zu dirigieren. Früher, also 1996 rum, hattest du allein wegen der Zeitverzögerung der Prozessoren dazu nicht die Möglichkeit. Heute liegt die Verzögerung gerade mal noch im Millisekunden-Bereich. Vor allem live dürfte das eine interessante Sache sein. Wer da aber schon früher sehr interessante und abgefahrene Sachen gemacht hat, war die Band Kowalski. Die habe ich schon immer sehr für ihre Ideen bewundert, kennt aber heute wohl auch kein Schwein mehr, hahaha.
Muss ich auch passen. Dennoch würde mich interessieren, warum ihr gerade auf "Pictures At An Exhibition" nicht mit einem echten Orchester gearbeitet habt.
Ganz einfach, wer hätte das bezahlen sollen? Wir haben mit einem simulierten Orchester gearbeitet, weil ein echtes einfach jenseits jeglicher Finanzierungen lag. Man muss ja auch immer zwischen Orchester und Orchester unterscheiden. Nimm einfach mal die "Suite For Group And Orchestra" (von "Visions Fugitive, d.Verf.). Da ist immer großer Bläsersatz im Einsatz. Das heißt in Zahlen, du bist da gleich mal bei 56 Leuten. Das ist nicht mit fünf Streichern, zwei Blechbläsern und drei Flöten getan. Wobei ich so was nicht abwerten will, aber das kann ich eben nicht gebrauchen. Genauso wenig kann ich aber 56 Leute bezahlen. Deswegen musste ich mir eben selber helfen, aber ich finde das Ergebnis für die damalige Zeit nach wie vor ganz beachtlich.
Keine Frage, aber mit einem anständigen Label im Rücken wäre das doch vielleicht drin gewesen. Allerdings sind deine Scheibe ja immer über dein eigenes Label erschienen.
Ja, bis auf die letzten drei, die habe ich über Intercord vertreiben lassen, die dann von der EMI geschluckt wurden. Von denen habe ich übrigens auch nie eine Abrechnung gesehen, hahaha. Ich dachte, ich konzentriere mich mal nur auf die Musik und überlasse den Rest jemand anderem, aber vorher hatte es irgendwie besser funktioniert.
Ok, aber wenn ich mir anschaue, welche Bands inzwischen mit großem Orchester arbeiten, dann wäre das bei euch doch mit Sicherheit ne geile Sache. Nightwish haben jetzt erst wieder mit Orchester gearbeitet und schlappe 500.000 € für ihre Produktion ausgegeben.
Die sind in Sachen Verkaufszahlen aber auch in einer ganz andere Liga. Der Gedanke, so etwas irgendwann einmal zu realisieren, ist natürlich nach wie vor noch vorhanden. Das Problem ist aber folgendes: wir haben unheimlich viele Fans. Das weiß ich. Dass die nun aber alle in Deutschland sitzen, wage ich mal zu bezweifeln, hahaha. Ich verkauf von den alten Platten von hier aus echt noch eine ganze Menge. Davon gehen aber 80% ins Ausland.
Na das ist doch bestimmt kein Fehler.
Schon richtig, aber versuche dann mal, in Deutschland ein Konzert mit großem Orchester zu organisieren, bei dem du mindestens 1000 Leute auf einem Punkt haben musst, um die Kosten einigermaßen zu tragen. Das ist kaum machbar, obwohl du den Vorteil hast, dass dir solche Jungs natürlich die Sachen vom Blatt spielen. Du musst ja auch noch mindestens einen Tag Probe wegen der Technik und allem einplanen, obwohl ich allen beteiligten Musikern sogar zutrauen würde, ohne einmal gemeinsam geprobt zu haben, auf die Bühne zu gehen. Dennoch musst du die ganze Technik und vor allem den Sound ausgiebig checken und justieren. Wie willste da denn bei einem moderaten Preis von vielleicht 35 € bleiben?
Aber schau dir doch mal an, was die Leute für ein normales Konzert von Metallica oder Maiden hinlegen. Wenn ihnen da solche in bombastische Spektakel geboten wird mit Orchester und Mekong Delta, bin ich sicher, dass die auch mehr hinlegen.
Mag schon sein, aber das ist dann eben schon wieder eine andere Liga. Aber wie gesagt, der Gedanke daran ist durchaus noch vorhanden. Was ich mit AFM für "Lurking Fear" hier gemacht habe, ist ja nur eine Kooperation. Ist ja nicht so, dass ich mich da mit Haut und Haaren verkauft hätte. Die haben letztendlich nur den Vertrieb. Die Scheibe läuft noch über Zardoz Music. Bei AFM sind sie aber jetzt schon überrascht über die Menge an Vorbestellungen. Damit hätten die nie gerechnet, das ist doch ein guter Anfang, und wenn das weiter so läuft, dann kann man auch mal über andere Dinge diskutieren. Ich bin ja selber schwer überrascht von dem, was bisher passiert ist.
Ich find das echt hammergeil. Mit Sieges Even war das ja ähnlich. Die kamen nach einer gewissen Zeit zurück und starten jetzt richtig durch. Ich bin mir fast sicher, dass das bei Mekong Delta genauso läuft.
Das glaube ich auch, ich bin davon überzeugt, dass wir mit der Scheibe mehr verkaufen werden, als von allen anderen. Und das, obwohl du heute natürlich deutlich weniger Verkäufe hast als früher. Wobei mich das nicht mal sonderlich stört, denn ich finde die Politik der Plattenfirmen eine Unverschämtheit. Vor allem die Preispolitik ist eine absolute Schande. Alle haben sich immer über Internet und Kopieren und so was aufgeregt. Hey, das fand ich geil, dass die meine Songs runtergeladen haben. Je mehr Songs die in Russland von mir runtergeladen haben, desto mehr CDs habe ich verkauft. Das haben die Labels aber scheinbar noch nicht begriffen. Die Sache ist doch die, ein MPG-File klingt nun mal Scheiße. Ich hab mich ja wieder weggerollt vor lachen, als ich gelesen hab, wie sich einige Magazine lieber über den Sound der Promo ausgelassen haben, als über die Musik.
Das sind MPG-Files auf 32 hHz und 128 kByte reduziert, bei denen ich noch die Bässe und den Hall rausgezogen hab. Ich gebe doch nicht unzähligen Kritikern die fertigen Songs raus, damit ein paar die gleich ins Netz stellen können. Den können sie dann auf der fertigen CD hören, aber vorerst sollen die sich doch bitte auf die Songs konzentrieren. Vorige Woche habe ich den ersten Song im fertigen Mix bei uns auf die Website gestellt, und jeder, der das gehört hat, ist umgefallen. So einfach is dat, hahaha. Und selbst das ist auch nur ein hochaufgelöstes MPG-File und entspricht ungefähr 80% von den Sound, wie er letztendlich klingt.
Das werde ich mir morgen gleich mal reinpfeifen.
Mach das. Wir sind übrigens erst letzten Samstag überhaupt mit dem finalen Mix fertig geworden. Was du auf der Promo hörst, ist ja nicht viel mehr als ein erste Roughmix. Das hat bei mir schon Tradition. Ich arbeite an den Scheiben grundsätzlich immer bis zum letzten Punkt. Wenn ich am Montag nicht die Mastercopy hätte rausschicken müssen, würde ich wahrscheinlich immer noch dran rumschrauben.
Dich muss man also immer vom Mischpult wegprüglen.
So in der Richtung, hahaha. Aber das war dieses Mal ja alles relativ unkompliziert, da ich die einzelnen Sachen ja alle schon aufgenommen auf meinen Rechner bekomme und da nur noch zusammenfügen muss. Wir haben die ganze Zeit ja nur übers Netz zusammen gearbeitet. Wir haben kein einziges Mal zusammen gespielt.
Bitte, soll das heißen, dass du den Peter noch nie persönlich getroffen hast?
Nö, wir kennen uns nur vom Telefon her und durch Mails. Per Mail haben wir natürlich die Tastatur heiß diskutiert, aber die Hande hab ich ihm noch nie geschüttelt. Treffen werden wir uns erst Ende des Monats, um dann mal ein paar Live-Sachen zu besprechen.
Live-Auftritte sind also definitiv geplant?
Ja, auf jeden Fall. Soll ich dir mal was Witziges erzählen? Pass auf, ich hab die ganze letzte Zeit immer wieder mal ein paar Anfragen bekommen, wo es um Auftritte ging. Zuerst hab ich das immer einfach mal beiseite gepackt, und mich um andere Dinge gekümmert. Die wurden aber immer aufdringlicher, und nachdem ich auch noch Wacken abgelehnt hatte, worauf hin mich manche wohl für verrückt erklärten, dachte ich mir: 'Ok, jetzt suche ich mir einen Promoter und lass den mal machen.' Dem hab ich also vorige Woche gesagt, er soll sich mal umhören, wie das Interesse ist, wenn wir live spielen wollen. Ich hab dem Abends eine Mail geschickt, zu welchen Konditionen wir spielen würden, am Morgen darauf hab ich eine Mail: 'Wir haben zehn Angebote.' Petersburg, Russland, was weiß ich alles. Ich dachte echt, der will mich verarschen.
Abgefahren, andere Bands lecken sich die Finger danach, in den Gebieten zu spielen, und euch laden sie sofort dahin ein. Das ist ja wohl der Hammer.
Das kannste aber laut sagen, vor allem nach gerade mal zehn Stunden! Das hat mich echt umgehauen. Wenn wir das von uns aus zeitlich auf die Reihe bekommen, wollen wir so an die 15 bis 20 Shows spielen. In jedem Land so etwa zwei Stück. Das ist meiner Meinung nach deutlich sinnvoller als diese Knochentouren von früher. Also die Planung ist im vollen Gange, jetzt hängt es nur noch von den Zeiten von uns vieren ab, wie wir das unter einen Hut bekommen.
Ich habe euch vor Jahren auch ein einziges Mal live gesehen, das war glaube ich nach der "Dances Of Death". Da wart ihr mit Life Artist auf Tour.
Ah ja. Ne das war die "Kaleidoscope"-Tour. Das war zum Beispiel eine Tour mit definitiv zu vielen Dates. Vor allem Sachen, die viel zu nah beieinander lagen. Deswegen hatten wir ein paar Hallen, die restlos ausverkauft waren und ein paar, in denen fast nichts los war. Wir hatten da das absolute Wechselbad, was Besucher anging. Auf der Tour habe ich allerdings viel gelernt, da ich mich bis dahin um solche Sachen nie gekümmert habe. Ich wollte eigentlich immer nur auf die Bühne gehen und spielen. Aber dann brauchst du eben auch ein paar fähige Leute um dich rum, die wissen, was sie tun. Deswegen kommt es mir bei den anstehen Dates auch sehr darauf an, dass wir nur zentriert spielen und nicht zu viele Gigs auf zu engem Raum haben.
Ja klar, hahaha. Kennst du das auch noch?
Sicher, die werden doch sogar inzwischen neu aufgelegt und sogar weitergeführt.
Ach hör auf, alles was du da heute lesen kannst, ist doch Weichspüler, hahaha. Ich hab mir damals die ersten von der Neuauflage geholt, die sind total zensiert. Da haben sie die meisten Sachen rausgestrichen oder redigiert. Früher war das so, dass die ganzen Vorstandsmitglieder und Politiker alle die Dämonen waren. Die wurden dann natürlich alle abgemetzelt. Ich glaube, das wurde nach Band 124 vom Jugendschutz eingestellt. Ich hab hier noch 40 oder 50 Originalausgaben.
Die dürften inzwischen aber auch schon eine ganze Menge wert sein.
Kann sein, die finde ich aber so geil, die behalet ich.
Das würde ich an deiner Stelle auch machen. Kennst du noch die Hexer-Romane von Wolfgang Hohlbein?
Natürlich, das Zeug hab ich früher verschlungen!
Die hab ich fast noch komplett. Die werden inzwischen auch ganz interessante Preise für geboten, aber die werde ich ums Verrecken nicht hergeben.
Geil, aber wenn wir schon bei dem Thema sind. Als ganz junger Stecher haeb ich auch noch Perry Rhodan gelesen. Ich hatte von Ausgabe 1 bis 580 alle verdammten Bände in Original-Ausgabe! Und bei einem Umzug ist die Kiste damit irgendwo verschütt gegangen ...
Alter!
Ja, ich weiß! Ich hatte damals ein Haus gekauft, relativ groß, weil da ja noch ein Studio reinsollte, und irgendwie war die Kiste hinterher weg. Da bin ich echt wie Rumpelstilzchen hier rumgerannt und habe die Kiste gesucht. Mal ganz davon abgesehen, dass ich das als ein Zeitdokument betrachte, aber da kannste echt noch die Denkweise der Leute damals sehen, wie deutlich da Gut und Böse voneinander getrennt waren. Die war einfach weg ... habe sie nicht mehr gefunden. Aber immerhin habe ich meine "Dämonen Killer" noch. Das war einfach eine tolle Serie, ich fand die absolut herausragend damals.
Da gab es eine ganze Reihe an guten Serien, die aber leider oft schon nach nicht allzu langer Zeit wieder eingestellt wurden. Aber die Bezeichnung Groschenroman trifft da schon lange nicht mehr zu.
Sehe ich auch so. Wenn mich die 64 Seiten wirklich fesseln, ist mir das doch scheißegal, in welcher Form die veröffentlicht werden. Aber ich lese auch gerade einen ziemlich geilen Roman, den ich nur empfehlen kann. Kennst du "Der Schwarm" von Frank Schätzing?
Meine Freundin hat das Teil gelesen und war hellauf begeistert davon. Vor allem, weil anscheinend nie so ganz ersichtlich ist, wo Fiktion anfängt und die Realität aufhört.
Genau. Das zieht sich zwar am Anfang ein wenig, weil erst noch die ganzen Charaktere vorgestellt werden, aber dann geht's richtig zur Sache. Vom Allerfeinsten, kann ich dir wirklich nur empfehlen.
Wenn wir gerade bei Literatur sind. Wie kommt man denn dazu, sich von H.P. Lovecrafts Kurzgeschichte "The Music Of Erich Zann" zu einer Platte inspirieren zu lassen?
Naja, ich bin eben ein riesiger Lovecraft-Fan, der Typ war einfach ein begnadeter Schriftsteller, und diese spezielle Geschichte gefiel mir eben sehr gut. Ein Musiker, der versucht, das Böse aus der Welt fern zu halten. Zu der Zeit habe ich ja noch mit Peavy von Rage zusammen gearbeitet (hat viele der Texte von Mekong Delta geschrieben, d.Verf.) und kam da auf die Idee, dieses Konzept irgendwie in die heutige Zeit zu übertragen. Vom Text her also zu adaptieren und das Böse anders darzustellen. Als Politiker oder die Medien zum Beispiel, hahaha. Das haben wir dann auch so umgesetzt, und ich finde immer noch, dass Peavy das ganz klasse hinbekommen hat. Auch musikalisch bin ich von der Scheibe noch absolut überzeugt. Übrigens war das auch wieder ein tolles Beispiel zum Thema Deadline. Die Scheibe war um vier Uhr morgens fertig und um sechs bin ich nach Bremen zum Mastern gefahren. Das ist echt typisch für uns, hahaha.
Das kostet aber doch bestimmt auch einiges an Nerven, oder?
Auf jeden Fall, und vor allem ist man danach auch immer etwas nervöserrrrrrrrrr, hahaha. Aber bei "Lurking Fear" war das doch wieder was anderes, weil wir uns ja kein Zeitlimit setzen mussten. Ok, jetzt gegen Ende wurde es dann noch mal eng, weil ja ein Veröffentlichungsdatum angesetzt war, aber sonst ... Ich hatte ja genügend Angebote und meinte nur: 'Ich melde mich, wenn es so weit ist.' Wir haben uns einfach die Zeit für jedes Instrument genommen, und das war es wert. Die Scheibe toppt alles, was ich bisher gemacht habe und vielleicht sogar alles, was in Europa bisher gespielt wurde.
Das ist auf jeden Fall typisch Mekong Delta und sorgt vom ersten Ton an für Gänsehaut und Maulsperre. Ich habe das Teil eingelegt ... und mich daheim gefühlt.
Hahaha, das ist ja cool. Wenn du erst mal die fertige Mastercopy gehört hast, wirst du feststellen, dass da dieses Mal wirklich alles gut hörbar ist. Jeder Furz. Wir haben uns so viel Mühe damit gegeben, deswegen hörst du auf der Promo auch nur einen so ganz nebenbei mal mitgeschnittenen Roughmix. Es gibt nämlich nichts Nervigeres, als wenn bei der Produktion die ganze Zeit einer neben dran steht und nölt: 'Ich brauch, ich brauch, ich brauch ...' Ja, ich brauch auch und zwar vor allem meine Ruhe beim Mixen.
Warum habt ihr eigentlich nicht gleich auf 5.1 Dolby Digital gemixt?
Wir hatten die Option und haben das auch mal mit dem entsprechenden Programm ausprobiert, aber wenn ich ehrlich sein soll, dafür fühle ich mich noch nicht reif. Das ist noch mal eine Dimension ganz nach oben, und wenn man sich damit nicht auskennt, geht das mal schnell in die Hose. Das wäre durchaus mal eine Sache für die nächste Scheibe, vor allem weil ich momentan gerade die neuesten Programme in dem Bereich vorliegen habe. Aber das braucht natürlich auch die entsprechende Zeit, um sich damit auseinander zusetzen. Vor allem musste ich mir erst mal meinen Rechner entsprechend aufrüsten, irgendwie hat sich da nichts mehr bewegt, nachdem ich die Dinger drauf hatte und damit arbeiten wollte, hahaha. Aber die neuen Programme sind echt der Hammer. Die Möglichkeiten in dem Bereich sind inzwischen einfach unglaublich, aber leider machen die meisten Leute so wenig daraus.
Jetzt mal so ganz aus dem Zusammenhang, aber kann es sein, dass ich bei "Moderato" den "Imperial Troops March" rausgehört habe?
Jup, das haste. Der ganze Song ist aber so was wie ein Rätsel. Den Marsch haben die meisten schon erkannt, aber nicht alle. Aber da sind noch vier andere Titel drin verborgen, hehehe. Zumindest die größeren Sachen, die Kleinen habe ich gar nicht mitgezählt. Im Prinzip ist der ganze Song aus Hollywood-Themen zusammengebaut. Ich kann dir ja kurz sagen, welche das sind ...
Nönönönö, lass das mal sein. Da will ich mich selber noch ransetzen.
Na dann viel Glück. Das erste, das geb ich zu, ist ein wenig schwierig. Das Hauptthema sollteste aber eigentlich erkennen. Ich gehe zumindest mal davon aus, dass du auch so ein paar Filme schaust. Das Hauptthema ist eigentlich überdeutlic,h und ich dachte immer, dass das als erstes erkannt wird, hahaha.
Was ist eigentlich mit dieser DVD, die auch schon seit Jahren geplant war. Gibt's die schon? Kommt die noch?
Die DVD ... stell dir mal vor, du wirst per E-Mail von deinen Fans bombardierst, dass du gefälligst was aus deinem Archiv raussuchen sollst. Wenn dein Mailspeicher von so was ein paarmal verstopft ist, haste ein Problem, hahaha. Ich habe mir dann ein paar Gedanken gemacht und mich mit Devoraz, dem Herrn, der unsere Homepage gestaltet, unterhalten und habe sowohl für ihn, als auch für unseren Gitarristen Peter einen Grobschnitt von einem Gig gemacht, von dem ich dachte, dass er aus der Zeit der beste war. Das ist natürlich immer noch nicht toll – war auch nur eine Kamera – aber der Sound war gut.
Ich habe das also zusammengebastelt, mich ein wenig mit der Schnitttechnik beschäftigt, und die beiden waren hellauf begeistert. Das war ja ursprünglich nur als Auflage für die Fans gedacht und wurde somit zunächst auch nur im Fanshop angeboten für schlappe 8,95 €. Da kann man weiß Gott nicht von Abzocke reden. Ich habe die Restbestände an Schlaumeier verkauft, die die dann selber über's Netzt verhökert haben. Als dann AFM mit der Idee zum Digipack ankamen, habe ich mal erwähnt, dass ich noch eine DVD habe, und die meinten nur: Alles klar, die packen wir da mit rein. Ich finde das Teil eigentlich nicht schlecht. Das ist zwar nur eine einzige Standkamera, aber das kann man sich ganz gut anschauen.
So what, das ist mir wirklicht tausendmal lieber, als wenn bei einem Livekonzert alle zwei Sekunden ein Kameraschnitt ist, und du dich gar nicht auf eine Perspektive einlassen kannst.
Stimmt schon. Das Dumme ist nur, die Kamera stand neben dem Bühnenmischpult, und du hast deswegen eine Sicht von der linken Seite. Deswegen siehst den Uwe sehr selten. Das ist ein wenig blöd, aber die Aufnahmen entstand auch eher zufällig, da wir eben gerade eine Kamera zur Hand hatten, die wir haben mitlaufen lassen. Aber ich habe mich vorher auf jeden Fall mit ein paar Leuten unterhalten, ob man das überhaupt als Video rausbringen kann. Ich wollte und will damit kein Geld verdienen. Das war als reine Fansache und Nonprofit-Ding geplant.
Was aber noch sehr interessant ist, wenn du dich als Mitglied auf der Seite registrierst. Da steht noch ein Video online, also nur ein Clip, der von einen Warm-Up Gig von hier stammt, der mit zwei Kameras aufgenommen wurde. Da konnteste natürlich auch ein wenig was schneiden, aber der Sound war eben grottenschlecht. Ich habe dann also einfach mal den Sound von der CD genommen, und der hat tatsächlich 100%ig gepasst! Das hat mich echt umgehauen! Ich habe das dem Peter Haas damals nie so ganz geglaubt wenn er sagte: 'Wir spielen dass jetzt genauso schnell wie auf der CD.' Die Sau hat das tatsächlich hinbekommen, hahaha. Ich musste das Video da nur drüberlegen. Ok, vielleicht sind da ein paar Millisekunden Abweichung vom Gesang her, aber sonst ... Der Typ ist echt eine Maschine.
Hast du denn zu Peter, Uwe und den anderen Leuten noch Kontakt?
Ja, zu Peter schon. Bei den anderen Leuten ... nein. Ich habe auf der letzten Scheibe von uns schon ein wenig die Power vermisst, weswegen ich mich auch entschieden habe, die neue Scheibe mit einem komplett neuen Team zu machen. Das geht noch einen Schritt weiter als die alten Sachen, und da wollte ich einfach ein frisches Team. Das ist auch nicht böse gemeint, denn mit dem Peter verstehe ich mich nach wie vor blendend. Der hätte mir auch die Scheibe eingespielt, wenn er Zeit gehabt hätte. Aber so ist es schon besser, weil die Jungs, mit denen ich jetzt arbeite, richtig hungrig sind und sich mit absolutem Eifer in die Sachen reingearbeitet haben. Die haben alle einen Superjob gemacht.
Allerdings ist Uli (Kusch) auch nicht gerade ein Mensch, der sich über zu viel Freizeit beklagen kann.
Ja, das ist aber auch so eine witzige Sache. Ich hab vom Peter eine Mail zurück bekommen, in der er sagt, dass er Bock drauf hat, aber wegen anderen Projekten erst Ende 2006 dazu stoßen kann. Der ist in der Schweiz ja echt die absolute Nummer 1, auch in Sachen Jazz und Big Bands und Kram. Das war mir nun ein bisschen spät, weil wir eigentlich schon im April die Drums dabei haben wollte. Am gleichen Tag bekomme ich von Uli eine Mail: 'Hey Alter, find ich cool, dass du wieder dabei bist und mit Mekong was machst. Blablabla. Viel Glück.' Ich dachte mir nur: Hey, der Uli, der spielt doch auch Schlagzeug ... 'Äh, haste nich Bock auf meiner Platte zu trommeln?' 'Klar, schick mal was rüber.' 'Kein Problem, hier haste.' 'Boah, is krass kaputt, mach ich!' Es ist immer wieder der Hammer, wie viele Sachen bei dieser Scheibe durch Zufall zustande kamen. Aber der Uli hat einen klasse Job gemacht und ein paar sehr abgefahrene Sachen auf "Lurking Fear" gespielt.
Keine Frage, aber wenn's ans live Spielen geht, dürfte sein Terminkalender auch ziemlich voll sein.
Mag schon sein, aber lass es mich so sagen: Am Schlagzeuger wird es nicht scheitern, wenn es daran geht, live zu spielen. Sowohl Peter als auch Uli haben beide hervorragende Schüler. Da sind schon ein paar dabei, denen ich das zutraue, mal auszuhelfen. Mekong Delta ist nun mal ein Projekt, und das wird auch immer so sein. Die Musiker, die das spielen können, können auch mitspielen, und davon hab ich bisher immer Leute gefunden. Mittlerweile ist das dank Internet ja noch einfacher. Ich habe sogar Kontakt zu einem verdammt begabten Drummer in Brasilien. Also daran wirds nicht scheitern.
Live In Frankfurt 1991 (2006), Pictures At An Exhibition (1997), Visions Fugitive (1994), Classics (1993), Kaleidoscope (1992), Live At An Exhibition (1991), Dances Of Death (1990), The Principle Of Doubt (1989), The Music Of Erich Zann (1988), Mekong Delta (1987)
Alles, was das Mekong Delta-Herz begehrt.
http://www.mekongdelta.eu
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