Porträt

laut.de-Biographie

Holy Moses

Was einem 1980 in Form eines "Black Metal Masters" betitelten Demos um die Ohren bläst, ist ein sehr feines Stück Thrash-Metal germanischer Machart. Doch es dauert noch ein Jahr, bis Sabina und ihr Mann Andy Classen zur jungen Aachener Band Holy Moses stoßen und die Gruppe einzigartig machen. Sabina, die mit ihren 17 Jahren den Gesang übernimmt, ließ wohl so manchen männlichen Frontförster vor Neid erblassen. Täuschen Photos der Dame ein hübsches junges Mädchen in bevorzugt schwarzen Klamotten vor, so fallen einem beim erstmaligen Hören ihrer Sangeskunst schnell mal ein, zwei Eier aus dem Sack.

Doch fangen wir am Anfang an: Shouter und Gitarrist Jochen Fünders, Basser Ramon Brüssler und Drummer Peter Vonderstein gründen Holy Moses 1980 in Aachen und sind gleich mit Feuereifer bei der Sache. Aus ihrem ersten Proberaum in einer Kirche fliegen sie jedoch schnell raus, weil ein paar Fans dort so ganz nebenbei alle Kreuze umdrehen, worüber sich die Gemeinde eher wenig begeistert zeigt. Im Laufe der Zeit machen sich Peter und Jochen vom Acker und übergeben an Drummer Paul Linzenich und Ex-Disaster-Gitarrist Andy Classen. Den Job am Mikro hat kurzzeitig ein Kerl namens Iggy. Der fliegt aber schnell wieder raus und schon hat Andys (damalige) Freundin Sabina das Mikro, eher unfreiwillig, in der Hand.

Die folgenden Demos, unter anderem "Satan's Angel", "Walpurgisnacht" und "The Bitch", zeigen deutlich, in welche Richtung es geht. 1986 kommt endlich über das legendäre Aaargghh Label (u.a. Mekong Delta) "Queen Of Siam" raus. Das Line-Up, das auf der Scheibe neben den Classens aus Basser Ramon und Drummer Herbert Dreger besteht, hat sich auf "Finsihed With The Dogs" schon wieder verändert. Das einzige, verbliebene Urmitglied Ramon steigt ebenfalls aus und reicht den Viersaiter an Tom Becker weiter. Damit werden Drumhocker und Bassposten zum Schleudersitz, auf dem zwischenteitlich auch Uli Kusch (Ex-Masterplan) mal Platz nahm.

Die '89er Scheibe "The New Machine Of Lichtenstein" hat als Limited Edition ein Comic beiliegen, das die Story der Platte in verdammt geilen Bildern widerspiegelt. Rainer Laws, der das Comic gezeichnet hat, steigt kurzfristig auch als zweiter Gitarrist bei Holy Moses ein, die zusammen mit Sacred Reich und Forbidden auf Tour gehen. Die anschließenden Abstecher durch die Ex-DDR finden sogar in der BILD Erwähnung, und auch im ZDF fällt ihr Name, als Lederfratze Matula aus "Ein Fall für Zwei" mit den Worten "Geh zu Holy Moses ..." erstmals musik-kulturell an den Rand des Wahnsinns gebracht wird. Außerdem markiert die Platte den Wechsel zu WEA, bzw mit "World Chaos" dann zu West Virginia Records.

Neben Platten aufnehmen und auf Tour gehen steht Sabina auch vor der Fernsehkamera und moderiert zusammen mit Götz Kühnemund (Rock Hard Magazin) die Sendung "Mosh" auf RTL (lang, lang ist's her ...). Uli nimmt zwar noch "World Chaos" zusammen mit der Band auf, steigt danach aber aus, um sich Gamma Ray anzuschließen. Seinen Platz nimmt auf der folgenden Tour Ex-Living Death-Drummer Atomic Steif ein.

"Terminal Terror" und "Reborn Dogs" sind bei weitem keine schlechten Platten und erfreuen sich bei den Fans großer Beliebtheit. Trotzdem trennt sich Sabina von der Band (und inzwischen auch von ihrem Mann), um mit Ex-Warpath Klampfer Schrödey, bei Temple Of The Absurd weiterzumachen, steuert aber bei zwei Songs noch ein paar Vocals bei. Andy übernimmt auf "No Matter What's The Cause" den Gesang und findet in Danny Lilker (S.O.D./Nuclear Assault/Ex-Brutal Truth) am Bass und Sven 'Meff' Herwig (Ex-Rykers) tatkräftige Unterstützung.

Danach scheint das Thema Holy Moses abgeschlossen zu sein, denn auch Andy macht den Laden dicht, konzentriert sich auf's Produzieren und auf seine neue Band Richthoven mit dem ehemaligen Warpath-Sänger. Die Band bekommt wegen des Namens schnell Probleme wegen vermeintlichen rechtsradikalen Ansätzen, die aber vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Beiden Bands gelingt es nicht so recht, über den Underground-Status hinaus zu wachsen, musikalisch wird es sehr ruhig um die beiden. Nicht so im Internet, wo Sabina mit Bullet TV ein Hard'n'Heavy-Portal aufzieht, das seinesgleichen sucht. Das Angebot lässt sich hier in wenigen Worten gar nicht zusammenfassen, sondern sollte von jedem selbst begutachtet werden.

2000 mehren sich die Gerüchte, dass Sabina Holy Moses wieder ins Leben rufen will, und 2001 steht mit "Master Of Disaster" tatsächlich eine neue MCD in den Läden, die von Century Media vertrieben wird und der Band Auftritte beim Wacken und dem With Full Force Festival verschafft. Obwohl insgesamt fünf Leute im Booklet erwähnt werden, spielt Andy die CD quasi im Alleingang ein (bis auf die Drums). Zwar hat sich Sabinas Vocal-Performance deutlich verändert, und außer Jochen Fünders ist sie das einzige Original, aber mit der Produktion von Andy im Rücken und fünf starken Songs scheint die Wiederauferstehung gelungen.

Dass die EP keine Eintagsfliege ist, beweist der Full Length-Player "Disorder Of The Order", auf dem Basser Jochen aber schon nicht mehr zu hören ist, sondern an Andreas Libera abgegeben hat. Trotz auffällig buntem Cover (gezeichnet von Stephan Hagenow, der schon die Comic Serien Joe Darling und Rattenmeute entwarf) und einigen musikalischen Überraschungen besteht kein Zweifel daran, dass sich Holy Moses nach wie vor im Metal behaupten können.

Nachdem der Deal mit Century Media ausgelaufen ist, unterschreibt die Band bei Armageddon Music. Inzwischen sind neben Sabina Classen noch die beiden Gitarristen Franky Brotz und Michael Hankel, Basser Alex DeBlanco und Drummer Julien Schmidt in der Band. Vor allem Michael ist inzwischen ein wichtiger Faktor, da er den Part von Andy als Songwriter übernommen hat. Auch die Produktion für das im Mai erscheinende "Strength, Power, Will, Passion" liegt dieses Mal nicht in den Händen von Sabinas Ex-Mann, sondern in denen von Michael und Schrödey.

Schon bevor das Album in den Läden steht, sind Sabina und Co. mit Suidakra, Regicide und Illdisposed auf der Wacken Road Show 2005 unterwegs und spielen im Anschluss sogar einen Gig für die ISAF Soldaten in Kabul, Afghanistan. Auch weiterhin ist ein heiteres Kommen und Gehen bei Holy Moses angesagt und auf "Agony Of Death" sind vom letzen Line-Up nur noch Sabina und Michael übrig. Noch bevor ddie Scheibe Ende September 2008 erscheint, sind sie bereites mit Benediction auf Tour.

Die Wechsel im Line-Up haben fast schon Tradition, aber letztendlich zählt eigentlich nur, dass die Band um Sabina auch 2012, nach 30 jahren immer noch da ist. Entsprechend kommt im April das Doppelalbum "30th Anniversary: In The Power Of Now" auf den Markt, auf dem die Dame mit ihrer aktuellen Truppe 22 Titel neu eintrümmert. Und dass das neue Material ebenfalls nicht von schlechten Eltern ist, beweist das 2014 erscheinende "Redefined Mayhem"-Album.

Alben

Videos

Video Video wird geladen ...

Termine

Sa 07.06.2014 Hauptmannsgrün (Am Mühlteich)

Noch keine Kommentare