Porträt

laut.de-Biographie

Stratovarius

Als Stratovarius 1984 in Helsinki, Finnland aus der Band Black Water hervor gehen, hat das mit der Power Metal-Band von später noch nicht viel zu tun. Drummer Tuomo Lassila ist auch für den Gesang zuständig, John Vihervä spielt Bass, Staffan Stråhlman Gitarre.

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Musikalisch driftet man im Fahrwasser von Black Sabbath und Ozzy Osbourne, was Basser John Ende des Jahres zum Ausstieg animiert und Platz für Jyrki Lentonen macht. Im Jahr darauf packt Gitarrist Staffan eine Woche vor einem Gig in Dänemark seine Koffer und macht sich ebenfalls aus dem Staub.

Jyrki ruft daraufhin seinen alten Kumpel Timo Tolkki an, der sich innerhalb weniger Tage per Tape die Songs drauf packt und das Konzert mit den Jungs durchzieht. Nach und nach übernimmt Timo auch den Gesang, was die Band schließlich in die Nische bringt, in der man sie kennt.

Das Line-Up bleibt zunächst stabil. Man beginnt, Demos einzuspielen. CBS Finnland nehmen die Band schließlich unter Vertrag. Mit Neuzugang Antti Ikonen (Keyboard) werden zwei Singles und 1989 das Debüt "Fright Night" aufgenommen.

Nach intensiven Touren, darunter Gigs mit Anthrax, verlässt Basser Jyrki die Band und wird durch Jari Behm ersetzt, der eigentlich nur auf dem Foto zur selbst finanzierten "Twilight Time" glänzt, da Timo alle Bass-Parts spielt und Jari recht schnell wieder rausfliegt.

Shark Records veröffentlichen die Scheibe schließlich europaweit. In Japan schlägt sie dermaßen ein, dass sie 1993 zum bestverkauften Importalbum avanciert. Der Japan-Deal mit JVC ist also reine Formsache.

Als Jari Kainulainen den Bassposten übernimmt, stehen schon 70 Prozent des neuen Albums. Tuomo hat Probleme in beiden Händen, so dass Kingston Wall-Drummer Sami Kuoppamäki vier Songs der Scheibe einspielen muss. Nachdem das Album weltweit erhältlich ist, gehen Stratovarius auf Japan-Tour und erleben einen wahren Triumphzug.

Trotz Touren und fleißigen Vorbereitungen auf "Fourth Dimension" bringt Timo 1994 noch seine Soloscheibe "Classical Variations And Themes" raus, die (der Titel lässt solches vermuten) noch stärker klassische Themen aufgreift als seine Haupttruppe.

Während der Aufnahmen zu "Fourth Dimension", beschließt Timo, seine Fähigkeiten als Sänger seien ausgereizt und ein anderer solle diesen Job übernehmen. Mit Timo Kotipelto wird der Mann dafür flugs gefunden, das Album stellt "Dreamspace" auch verkaufstechnisch in den Schatten.

Nachdem man wieder kräftig auf Tour war, wird klar, dass Tuomo Lassila und Antti Ikonen den musikalischen Anforderungen auf Dauer nicht mehr gerecht werden. Eine Trennung ist nicht zu vermeiden. Mit Jens Johansson (Yngwie Malmsteen) findet man einen klasse Keyboarder und mit dem deutschen Drumvieh Jörg Michael (Axel Rudi Pell/Ex-Mekong Delta/Running Wild/Rage u.v.a.) das ultimative Line-Up. Damit nicht genug sind auf "Episode" ein 40-köpfiger Chor und ein 20-köpfiges Orchester zu hören, was den klassischen Ansprüchen der Werke Stratovarius' endlich gerecht wird.

Mit dem Nachfolger "Visions" gelingt schließlich auch in Finnland der Durchbruch. Auf der Tour durch Europa werden die Aufnahmen für die Doppel-Live-Scheibe "Visions Of Europe" aufgenommen. "Destiny" verbringt 1998 ein wahres Wunder, denn die Scheibe steigt eine Woche vor Veröffentlichung auf den ersten Platz der finnischen Charts ein.

Wie immer gehen VÖ und Tour Hand in Hand. Stratovarius freuen sich 1999 über die zweite Goldscheibe. "Infinite" wird 2000 über Nuclear Blast veröffentlicht, da die Vertriebsmöglichkeiten von Shark langsam aber sicher ausgereizt sind. Wieder zeigt sich der Kultstatus in Japan, auch in Deutschland sind die Verkaufszahlen mittlerweile enorm.

2001 kommt mit "Intermission" eine CD raus, die neben vier neuen Songs drei Coverversionen, einen Livetrack und sieben weitere Songs vorweist, die in Deutschland bisher nur als Import zu erhalten waren. Die Scheibe wird als Intermezzo genutzt, da man sich nach dem ständigen Platte/Tour/Platte-Kreislauf endlich mal eine Auszeit nehmen will.

Die anvisierte Pause dauert letztendlich aber auch nur zwei Jahre. "Elements Part 1" präsentiert die finnisch-schwedisch-deutsche Bande bombastischer denn je. Mit einer aufwändigen Instrumentierung - ein ganzes Orchester ist auf der Scheibe zu hören - und einer druckvollen Produktion begeistern Stratovarius erneut. Aber auch kritische Stimmen sind zu vernehmen, die meinen, das alles sei ein wenig zu viel des Guten.

An der Quantität ihres Outputs prallt Kritik indessen locker ab, denn bereits im Oktober steht der zweite Teil "Elements Part 2" in den Läden. Hier scheinen auch die Zweifler an der ersten Platte wieder versöhnt zu sein. Im Gegensatz zum ersten Release spart es sich die Band jedoch, den zweiten Teil auf Tour zu präsentieren.

Nach diesem Album trennen sich Stratovarius von Nuclear Blast und unterschreiben bei Sanctuary Records. Dies geschieht stilecht und mit Gefühl fürs Klischee: mit Elchblut. Zu jenem Zeitpunkt machen erste Gerüchte die Runde, Tolkki würde mit Sänger Kotipelto nur noch über den Anwalt kommunizieren.

Nur wenig später erscheint in einer finnischen Tageszeitung ein Interview mit ihm, in dem er von Streitereien innerhalb der Gruppe spricht. Es geht dabei um Drummer Jörg Michael und Timo Kotipelto. Die ganze Chose schaukelt sich hoch, und letztlich schmeißt Tolkki die beiden Ende 2003 raus. Als Begründung müssen die berühmten musikalischen Differenzen herhalten.

Ein Aufschrei geht durch die Fangemeinde, die sich eine Band Stratovarius ohne die beiden gefeuerten Mitglieder nicht vorstellen kann. Besonders der Abgang des charismatischen Shouters reißt eine große Lücke.

Mit einem Paukenschlag kommt Anfang 2004 die Nachricht aus dem hohen Norden, dass Timo Ersatz gefunden hat. Nicht wenige wundert es, dass es sich hierbei um eine Sängerin handelt. Miss K., ihr bürgerlicher Name lautet Katriina Wiiala, soll die künftige Frontfrau sein. Anders Johansson ersetzt den abgewanderten Michael am Schlagzeug.

Doch das bildet noch lange nicht den Gipfel das Ganzen, denn nach und nach schmeißt Tolkki alle aus der Band und sich selbst wahrscheinlich auch. Es stellt sich heraus, dass er psychisch Einiges am Knuspern hat und dringend Hilfe braucht.

Die bekommt er auch. Die Situation beruhigt sich wieder so weit, das Jörg Michael die Drums für das neue Album einspielt. Doch gerade als die Aufnahmen richtig losgehen sollen, weist sich Timo selbst in eine Anstalt ein, weil er erst einmal absolute Ruhe und ärztliche Behandlung benötigt. Bei Sanctuary schwitzt man wahrscheinlich Blut und Wasser, doch die Band rauft sich noch einmal zusammen. Anfang September steht tatsächlich "Stratovarius" in den Läden.

Wirklich überzeugend präsentiert sich auf dem 13. Album der Band aber eigentlich nur Sänger Kotipelto, der eine richtig gute Leistung bringt. Von den anderen bekommt man durchgehend nur Halbgas oder Halbgares abgeliefert. Das ständige Hin und Her zieht sich weiter hin. Da ohnehin schon jedes Mitglied sein eigenes Projekt am Start hat oder an diversen, anderen Projekten beteiligt ist, zieht Timo Tolkki Anfang April 2008 den Schlussstrich unter Stratovarius.

Während der ehemalige Sänger mit seiner Soloband schon eine ganze Zeit lang aktiv ist und Keyboarder Jens bei Malmsteen und diversen anderen Musikern mitspielt, ist Drummer Jörg zunächst mal wieder mit den reaktivierten Headhunter unterwegs.

Tolkki hingegen meldet sich schon im Juni mit seinem neuen Projekt Revolution Renaissance zurück, an dem Sänger wie Michael Kiske (Ex-Helloween) und Tobias Sammet beteiligt sind. Live will er dabei natürlich auch weiterhin auf diverse Stratovarius-Songs zurückgreifen.

Da er seinen ehemaligen Kollegen aber zugesichert hat, dass diese weiterhin als Stratovarius auftreten dürfen, melden die im Oktober 2008, dass sie mit Matias Kupiainen einen neuen Gitarristen gefunden haben.

Die ersten absolvierten Shows mit dem Neuen finden im Mai 2009 in England statt. Im Sommer stehen diverse Festivals auch in Deutschland an, doch zuvor erscheint Anfang Mai das neue Album "Polaris". Matias fügt sich bestens ein, und die Band ist wieder richtig on fire. So sehr, dass sogar ein Gig auf der Kanada-Tour mit einer brennenden PA-Box endet.

Ohne lange Zeit zu verlieren, machen sie sich an die Arbeiten zum nächsten Album. Als "Elysium" bereits in trockenen Tüchern ist und die Planungen zur Tour anstehen, wird bei Drummer Jörg ein Tumor diagnostiziert. OP und Therapie verlaufen positiv, doch für die ersten Dates mit Helloween springt Alex Landenburg (Mekong Delta, Rhapsody) ein.

Doch obowhl Jörg wieder komplett gesundet, gibt er seinen Job bei Stratovarius Anfang 2012 auf. Einen seiner letzten Einsätze mit den Finnen gibt es auf "Under Flaming Winter Skies - Live In Tampere" zu sehen. Fortan übernimmt für ihn Rolf Pilve.

News

Alben

Stratovarius - Polaris: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2009 Polaris

Kritik von Michael Edele

So hat man die Band gekannt, so hat man sie vermisst. (0 Kommentare)

Fotogalerien

Stratovarius auf dem BYH 2006 Nicht mehr zerstritten, aber eine Einheit sieht auch anders aus.

Nicht mehr zerstritten, aber eine Einheit sieht auch anders aus., Stratovarius auf dem BYH 2006 | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Nicht mehr zerstritten, aber eine Einheit sieht auch anders aus., Stratovarius auf dem BYH 2006 | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Nicht mehr zerstritten, aber eine Einheit sieht auch anders aus., Stratovarius auf dem BYH 2006 | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Nicht mehr zerstritten, aber eine Einheit sieht auch anders aus., Stratovarius auf dem BYH 2006 | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele)

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