Porträt

laut.de-Biographie

Running Wild

"We are Prisoners of our Time, but we are still alive, fight for Freedom, Fight for your right, we are Running Wild" ("Prisoners of our time" aus dem Album "Gates of Purgatory" '84).

Running Wild sind neben Accept der Inbegriff des Heavy Metal in Deutschland. Im Gegensatz zu Accept jedoch beweisen sie seit 1979 eine bemerkenswerte Konstanz. Bis zur Jahrtausendwende kann man jede Platte dem geneigten Metal-Fan bedenkenlos empfehlen. Druckvolle, straighte Songs ohne Schnörkel, zumeist mit hymnenartigen Refrains finden von Anfang an eine eingeschworene und gar nicht mal so kleine Fangemeinde. Balladen, Synthies und ähnliche Spielereien sucht man bei Running Wild in den Anfangsjahren vergebens.

Doch das heißt noch lange nicht, dass es sich hier um stupide Rocker handelt. Im Gegenteil, gerade die Texte heben sich durch ihre Vielfalt wohltuend von gängigen Klischees ab. Für die Musik und die Lyriks zeigt sich nur ein Mann hauptverantwortlich. Running Wild werden zwar als Band geführt, doch eigentlich besteht die Gruppe nur aus Frontmann/Gitarrist Rolf 'Rock'n'Rolf' Kasparek und aus musizierenden Zeitarbeitern.

Rolf Kasparek, der sich dank Black Sabbath mit elf Jahren eine Gitarre wünscht, gründet Ende '79 in Hamburg die Formation Running Wild. Der Name ist an den gleichnamigen Judas Priest-Track angelehnt. Komischerweise bevorzugt der spätere Alleinherrscher den Titel "Black Demon", fügt sich aber zum ersten und letzten Mal seinen damaligen Bandkollegen.

Der abgelehnte Bandname jedoch symbolisiert ganz gut die Anfangsphase der Gruppe. So stehen das 81er Demo und die diversen Samplerbeiträge deutlich unter dem Einfluss des in der Szene gerade angesagten Okkultismus'. 1983 unterschreibt man einen Vertrag beim Noise Label und veröffentlicht ein Jahr später die Debut-LP "Gates Of Purgatory". In drei Monaten und ohne nennenswerte Promotion gehen gut 20.000 Einheiten über die Ladentische.

Dann geht es '85 auf ausverkaufte Deutschlandtour, die vor 12.000 Metallern beim Loreley-Festival (u.a. mit Metallica) ihren Höhepunkt findet. Mit der zweiten Platte "Branded And Exiled", die noch im selben Jahr erscheint, verabschiedet man sich so langsam aber sicher vom Okkulten. Mit dieser Scheibe im Rücken treten Running Wild im Vorprogramm von Mötley Crüe bei deren 'Theatre Of Pain'-Tournee auf.

Running Wild sind trotz großer Fangemeinde wahrlich keine Kritikerlieblinge. Das zeigt sich dann auch, als Rock'n'Rolf seiner Truppe eine Imageänderung verpasst. Piraten und Freibeuterromantik sollen es jetzt sein. So stehen die nächsten drei Alben unter dem Einfluss von Störtebecker und Co. Den Reigen eröffnet im Jahr '87 die Scheibe "Under Jolly Roger", auf der Rolf im Intro die Marschrichtung vorgibt. "Ship Ahoi ... Mannequins, Fire!". Es folgen Running Wild-typische Abgehnummern wie "Raise Your Fist" oder "Raw Ride", die jedoch der kritischen Fachpresse zunächst kaum Lobeshymnen entlocken.

Trotzdem (oder gerade deswegen) feiern Running Wild auf der ersten Europatour große Erfolge. Die neue Pyroshow und ein waschechtes Piratenschiff machen die Auftritte zu wahren Erlebnissen. Die nächsten Alben "Port Royal" (Hauptstadt der Südsee Freibeuter) und "Death Or Glory" wirken dann auch endlich bei den Journalisten und erhalten gute Noten in Deutschlands Metal-Presse. Ob es nun am gestiegenen Marktwert oder an dem neuen, etwas differenzierteren Midtempo-Sound von Rock'n'Rolf liegt, lässt sich nicht mehr genau ermitteln. Doch seitdem gelten Running Wild als Institution im Heavy Metal.

In den Neunzigern festigen Running Wild ihren Status, indem sie in schöner Regelmäßigkeit gute und erfolgreiche Platten unter das Metalvolk streuen. Ob nun "Blazen Stone" mit dem Single-Hit "Little Big Horn", "Pile Of Skulls" oder das düstere "Black Hand Inn". Alle weisen die typischen Rolfschen Zutaten auf. Zwischen 94-96 gönnt sich die Besatzung eine wohlverdiente Pause, nur um dann in den nächsten vier Jahren mit der Triologie "Masquerade", "The Rivalry" und dem in Eigenregie produzierten "Victory" furios zurück zu schlagen.

Die drei Alben handeln vom Kampf zwischen Gut und Böse, Licht und Schatten, der im "Victory" gipfelt. Mit neuer Mannschaft arbeitet Rolf Kasparek 2001 am nächsten Werk, das unter dem Titel "The Brotherhood" ein Jahr später in den Läden steht.

Für das Album muss Rolf böse Schelte einstecken, da sich hinter Drummer Angelo Sasso nur ein mangelhaft programmierter Drumcomputer verbirgt, der dem Album viel von seiner Power nimmt. Live überzeugen die Stücke zwar um einiges mehr, doch mit der kurz hintereinander liegenden Veröffentlichung der "Live 2002"-Scheibe und der darauf folgenden Doppel-CD "20 Years In History" zum Bandjubiläum drängt sich schnell die Frage nach Sinn und Unsinn der beiden Veröffentlichungen auf.

Mit Matthias Liebetruth spielt 2005 auf "Rogues En Vogue" zwar ein Drummer aus Fleisch und Blut, doch das Album ist trotz allem recht blutarm produziert und geht bei Presse und Fans ziemlich unter. Entsprechend ruhig wird es um Running Wild in den folgenden Jahren, und als Rolf im April 2009 das Ende der Band ausruft, hält sich die Trauer in Grenzen. Um dem Ganzen einen würdigen Abschluss zu geben, soll es auf dem Wacken Open Air zum 30-jährigen Geburtstag eine zweistündige Headliner-Best-Of-Show mit vielen Überraschungen geben.

Bei dem Event sollen natürlich auch die Kameras und Aufnahmebänder mitlaufen, damit die Sache später auf CD und DVD für die Nachwelt erhalten bleibt.

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