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Auch in Phoenix im Bundesstaat Arizona finden sich gute Thrash Metal-Bands. Zumindest trifft das auf Flotsam & Jetsam zu (übrigens der Titel eines Kapitels in "Der Herr Der Ringe"). Bevor die Herren aber unter diesem Banner bekannt werden, passiert Anfang der 80er so Einiges.
Ein Kerl namens Jason Newsted hat schon zu Highschool-Zeiten eine erste Combo, in der er den Bass zupft und auch gerne ins Mikro schreit. Bei seiner Dredlox betitelten Truppe spielen 1980 außerdem die beiden Gitarristen Mark Vasquez und Kevin Horton sowie Drummer Kelly David-Smith.
Da Jasons Gebrüll nur in Maßen erträglich bleibt, sucht man einen anständigen Frontmann und ersucht Erik A. Knutson, sich doch bitte vier Judas Priest-Nummern draufzuschaffen - und schon ist er der neue Sänger von Dredlox. 1983 macht sich Kevin davon und gibt die Klampfe an Edward Carlson ab. Mit ihm im Line-Up gehts in Sachen Professionalität aufwärts.
Nachdem sie sich in Flotsam & Jetsam umbenannt hat, spielt die Band bereits erste Gigs im Vorprogramm von Armored Saint, Mercyful Fate oder Riot. Zu der Zeit wird Drummer Kelly-David wegen Dealens für ein paar Monate eingebuchtet. Als er wieder aus dem Knast kommt, müssen sich Flotsam & Jetsam nach einem zweiten Gitarristen umsehen, denn auch Mark hat den Dienst quittiert. Seinen Posten übernimmt der damals 17-jährige Michael Gilbert.
Dank des ersten Demos kommen sie in Kontakt mit Sacred Reich-Managerin Gloria Bujnowski. Sie zeigt sich von den Jungs überzeugt und verhilft zum Deal mit Metal Blade. Dort erscheint im Juli 1986 das Debüt "Doomsday For The Deceiver", zu dem Jason den Großteil der Songs geschrieben hat. Die Scheibe schlägt in der Szene mächtig ein. Vor allem der hohe, aggressive Gesang von Eric avanciert zum Markenzeichen.
Das britische Kerrang!-Magazin zückt gar sechs Punkte auf der Fünf-Punkte-Richterskala. Doch kaum ist die Scheibe auf dem Markt, machen Metallica Jason den Vorschlag, den vakanten Posten des tödlich verunglückten Cliff Burton einzunehmen. Dass dieser das kaum ablehnen kann, versteht sich von selbst. Damit geht Flotsam der Hauptsongwriter verloren, was die verbliebenen Mitglieder aber recht souverän wegstecken.
Zunächst springt Phil Rind von Sacred Reich ein, für den aber schnell Mike Spencer übernimmt. Metallica machen ihrem Label Elektra klar, dass Flotsam & Jetsam es definitiv verdient haben, auf einem größeren Label zu stehen. Nachdem der Deal unter Dach und Fach ist, geht es mit Megadeth auf Europatour. Bevor Flotsam & Jetsam sich aber an die Aufnahmen zu neuem Material machen, legt Mike den Bass wieder aus der Hand. Flotsam holen sich Troy Gregory als Tieftöner in die Reihen.
Mit dem 1988 erscheinenden "No Place For Disgrace" stellen die Herren klar, dass nach wie vor mit ihnen zu rechnen ist. Zwar hat Jason nur an drei Songs der Scheibe mitkomponiert, doch der Rest muss sich nicht verstecken. Neben einem absolut großartigen Artwork sticht vor allem die gelungene Coverversion von Elton Johns "Saturday Night's Alright For Fighting" hervor.
Zwar touren sich Flotsam nach der Veröffentlichung unter anderem mit Megadeth und King Diamond den Arsch ab, doch blüht die Thrash-Szene gerade dermaßen auf, dass der richtig große Durchbruch nicht gelingt. So ist auch der Deal mit Elektra bald wieder futsch.
Davon lassen sich Flotsam & Jetsam aber nicht entmutigen. 15 Monate nach "No Place For Disgrace" haben sie bei MCA eine neue Heimat gefunden. Dort nehmen sie die dritte Scheibe "When The Storm Comes Down" auf, das aber mit den ersten beiden nicht so recht mithalten kann. Die Band konzentriert sich zu sehr darauf, zu zeigen, dass ihre Musiker wirklich etwas drauf haben. Die Songs klingen dafür nicht wirklich rund, und selbst Eric kann nicht allen Stücken Leben einhauchen.
Kurz nach der Veröffentlichung zieht es Troy Gregory zu Prong, und Flotsam haben langsam den Ruf als 'bester Basslieferant' weg. Mit Jason Ward finden sie mehr als nur adäquaten Ersatz und melden sich zwei Jahre später mit dem absolut überzeugendem "Cuatro" zurück. Die von Neil Kernon (Nevermore, Cannibal Corpse) produzierte CD bietet alles, das das Thrash-Herz erwünscht.
Flotsam & Jetsam scheinen dennoch zum ewigen Undergrounddasein verdammt, denn auch mit diesem starken Album stellt sich der Erfolg nicht ein. Ob es daran liegt, dass der Sound auf "Drift" etwas grungiger rüberkommt, lässt sich nur vermuten. So oder so erreichen sie nicht die erwarteten Verkaufszahlen, weswegen sich die Wege der Band und MCAs trennen. Dass die Scheibe Jasons Bruder, dem ehemaligen Nine Inch Nails-Gitarristen Jeff Ward gewidmet ist, der kurz zuvor an seiner Heroinsucht gestorben war, ist dabei nur ein weiteres dunkles Kapitel.
So kehren Flotsam & Jetsam zu Metal Blade zurück und veröffentlichen dort ihr sechstes Album "High", das wieder ziemlich auf die Glocke haut. Zusätzlich gibts noch eine interessante Version von Lards "Fork-Boy", bei der Jello Biafra sowie Al Jourgensen und Paul Barker von Ministry im Studio zur Seite stehen. Dass Flotsam & Jetsam - im Gegensatz zu manch anderer alten Metalband - immer noch zu den Wurzeln ihres Sounds stehen, zeigt sich bereits in den unterschiedlichen Schriftarten für die Songtitel, die alle den Schriftzügen diverser Metalbands nachempfunden sind.
Nach der Tour mit Anvil und Exciter gibt Michael Gilbert seinen Ausstieg bekannt, und auch Drummer Kelly-David Smith packt seine Sticks ein. Mit den Neuzugängen Mark Simpson (Gitarre) und Craig Neilson (Drums) erscheint 1999 das zwiespältige "Unnatural Selection", das trotz einiger guter Songs bei vielen Fans auf Desinteresse stößt. Daran ändert 2001 auch "My God" nichts.
Kurze Zeit nach dem Release verlässt Eric im August aus familiären Gründen die Band. Die bereits bestätigten Tourdates ziehen Flotsam mit James Rivera (Ex-Helstar/Seven Witches) durch. 2002 sorgt nur die Tatsache, dass Eric ein Country-Projekt am Laufen hat, für etwas Verwirrung.
Ende Mai 2003 kommen Flotsam mit der Info über den Teich, dass sie eine Live-CD/DVD planen, an der auch Eric teilnehmen wird. Wie es mit der Band weitergeht, steht in den Sternen, bis sie sich im Mai 2004 plötzlich wieder mit Eric am Mikro zurück meldet und einen Deal mit Crash Music in der Tasche hat. Gemeinsam mit Overkill und Death Angel gehen sie im September des Jahre auf 'Thrash Domination'-Tour durch Japan. Nach der Rückkehr erscheint die erste Scheibe von Erics Country-Projekt The AK Corral.
Im Frühjahr 2005 gehen Flotsam & Jetsam ins Studio, um "Dreams Of Death" aufzunehmen. Ein wirklicher Hammer, wie etwa die letzten Exodus-Scheiben, wird das Album nicht, aber es finden sich gute Songs darauf. Ausgedehnte Touren bleiben weiterhin Mangelware.
Für den wegen seines Jobs verhinderten Ed Carlson steht beim Bang Your Head 2006 sein ehemaliger Kollege Michael Gilbert auf der Bühne. Ende November folgt über das belgische Label Mausoleum Records die Live-Platte "Live In Phoenix", die in den USA auch als DVD erscheint. In Europa muss man sich noch gedulden, ehe es im Februar 2006 schließlich Bildmaterial in Form von "Live In Japan" gibt.
Mark Simpson ist zwischenzeitlich mit Beautiful Creatures beschäftigt, Craig spielt ein paar Drumspuren für The Alien Blakk ein. Die für November geplante Tour fällt flach, da Eric sich auf die Prüfungen als Hubschrauberpilot für die Feuerwehr vorbereitet. 2007 ist es relativ ruhig im Flotsam-Camp, doch im März 2008 sind sie mit Non-Divine in Europa unterwegs und spielen auch einen Gig in Frankfurt, bei dem Abandoned mit dabei sind.
Im Laufe der Tour treten Flotsam & Jetsam auf dem Metalmania Festival in Polen auf, wo sie die Show für die DVD "Once In A Deathtime" aufnehmen. Die erscheint im Juli. Nachdem Flotsam Mitte des Jahres zu Driven Music, dem Label des ehemaligen Korn-Gitarristen Brian 'Head' Welch wechseln, machen sie sich direkt an die Arbeiten zum zehnten Studioalbum.
Die ziehen sich aber unglaublich in die Länge. Im Frühjahr 2010 warten die Fans noch immer auf das Album. Die Aufnahmen für "The Cold" sind derweil schon lange im Kasten. Für Ed Carlson sollen es vorerst die letzten sein. Er verabschiedet sich in aller Freundschaft und gibt an den nach langer Zeit zur Band zurück kehrenden Michael Gilbert ab. Es wird tatsächlich Mitte September, ehe "The Cold" endlich in den Regalen liegt. Das Warten hat sich aber gelohnt, die Scheibe überzeugt von vorne bis hinten.
Seltsamerweise nimmt Ende des Jahres Mark Simpson seinen Hut. Das führt zu der Situation, dass Ed Carlson erneut einspringt und so die beiden Gitarristen der legendären ersten Scheiben nach 14 Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne stehen.
Über das Thrash-Revival, Aktivitäten des Nachwuchses und T-Shirt-Sprüche.
Der Zeitpunkt, an dem das Interview mit Flotsam & Jetsam stattfand, liegt schon ein wenig zurück. Inzwischen haben die Jungs nun aber endlich ihr Album "The Cold" am Start. Das sollte die Nörgler verstummen lassen, die ständig behaupten, seit den beiden ersten Scheiben hörte man nichts Anständiges mehr aus dem Flotsam-Lager.
Welche Band verbringt ihren Jahresurlaub schon lieber auf Clubtour durch Europa, als mit der Familie in sonnige Gefilde zu fliegen? Außer Flotsam & Jetsam wohl kaum eine. Über musikalische Hingabe, Söhne, die für Alicia Keys Songs schreiben, und den nach wie vor ausbleibenden Erfolg steht beinahe die komplette Band Rede und Antwort. Zunächst nimmt mich der mittlerweile wieder ausgestiegen Gitarrist Edward Carlson ein paar Meter zur Seite. Doch im Laufe des Gesprächs schauen auch Drummer Craig Nielsen, Sänger Erik A.K. und Basser Jason Ward vorbei. Vor allem letzterer übernimmt den Hauptteil der Konversation, nachdem er mich schließlich wieder erkannt hat.
Jason, wie lief die Show aus deiner Sicht?
Klasse! Keine Frage, das ist ein etwas kleinerer Club und es war nicht wirklich gedrängelt voll. Aber die Leute, die da waren, haben richtig Party gemacht und dann gehen wir natürlich mit. Ich bin jetzt 43, da muss man sich hin und wieder schon quälen. Aber wenn die Fans vor der Bühne ihren Spaß haben und dich anfeuern, dann läuft der Rest meist wie von allein. Allerdings haben wir gestern Abend nach dem Gig in Holland so ziemlich die Bar trocken gelegt. Das hat sich heute ein wenig gerächt (lacht). Wir haben in Europa jedes Mal unseren Spaß. Wir kommen immer wieder gern hierher. Zumindest so lange, bis uns keiner mehr sehen will (lacht).
Freut mich zu hören. Als wir uns das letzte Mal auf dem Bang Your Head Festival 2006 unterhalten haben, war es ganze neun Jahre her, dass ihr Deutschland das letzte Mal besucht habt.
Stimmt, aber seitdem waren wir ja doch ein paar Mal hier. Es lässt sich nicht bestreiten, dass Europa und vor allem Deutschland immer noch ein recht starker Markt für uns sind. In den Staaten ist das immer so 'ne Sache. Okay, momentan ist der Thrash Metal auch da wieder einigermaßen angesagt, aber Europa ist einfach nicht so sehr diesen Trends unterworfen, wie die Staaten. Außerdem werden wir hier immer wieder für richtig große Festivals gebucht, wo du schon mal vor 10.000 Leuten spielen kannst. Das ist großartig und macht die wenigen Shows, die wir überhaupt spielen, für uns gleich doppelt so wertvoll. Mittlerweile müssen wir uns die wenigen Touren sehr genau und mühsam zusammen suchen. Jeder von uns hat Familie und einen Job, das bedarf schon einer sehr genauen Planung. Als wir noch jünger waren, hatten wir kein Problem damit, uns dem Arsch abzutouren. Wenn man älter wird, ist das nicht mehr so leicht (lacht).
Wir touren momentan ja mit sehr vielen alten Songs in unserer Setlist, aber wenn 2010 endlich das neue Album "The Cold" erscheint, werden wir auch ein paar andere Nummern spielen. Wir wissen natürlich genau, welche Songs hier angesagt sind und was die Fans hören wollen. Dennoch hoffen wir, dann endlich auch mal eine neue, aktuellere Setlist spielen zu können. Natürlich werden wir nicht sämtliche Klassiker aus dem Programm kicken, aber ich würde wirklich gern mal ein paar mehr Nummern der letzten drei, vier Alben spielen. Da sind nämlich auch ein paar richtig gute Stücke dabei. Das nächste Album wird jedenfalls echt der Hammer. Hey, A.K.! Komm' mal her und mach' bei dem Interview mit!
Erik: Hi, worum gehts?
Jason: Erzähl' ihm was über das neue Album. Du weißt da mehr drüber als ich.
Erik: Was? Ich weiß gar nichts über das neue Album (lacht). Okay, was soll ich sagen? Die neue Scheibe wird ziemlich heavy ausfallen. Ich denke, es geht ein wenig mehr back to the roots, ohne allerdings alles über den Haufen zu werfen, das wir auf den letzten Alben getan haben. Im Groben haben wir zehn Songs fertig. Ich muss bei ein paar Nummern noch den Gesang aufnehmen, und Soli und solche Sachen stehen noch aus. Willst du noch was dazu sagen, Jason?
Jason: Ich hab' ein paar verdammt geile Bass-Parts eingespielt.
Erik: Stimmt! Er hat genau das gespielt, was ich ihm gesagt habe (alle lachen).
Jason: Exakt. Es hieß immer nur: Spiel leiser! Leiser! Noch leiser! Er bat mich immer um ein Solo. 'Play solo. So low, that I can't hear you!' Aber wenn du mich fragst, wird die neue Scheibe härter als das meiste von dem, das wir bisher gemacht haben. Allein, was die Stimmung der Gitarren angeht, sind viele Songs richtig heavy und düster.
Jason: Wir sind recht positiv eingestellt, denn wir sind mittlerweile bei Driven Music gelandet, dem Label von Brian 'Head' Welch [Ex-Korn, d. Verf.] In der Vergangenheit ist eine Menge Müll passiert, wegen dem wir nicht anständig auf Tour gehen konnten. Das hat auch die Arbeiten an dem neuen Album verzögert. Aber gute Dinge brauchen nun mal ihre Zeit, und wir haben keinen Grund zur Eile. Auf "The Cold" soll eben alles stimmen, die Musik, die Texte, die Produktion und das Cover. Für letzeres haben wir wieder mit Travis Smith zusammen gearbeitet. Als wir das letzte Album aufgenommen haben, hatten wir echt nur ein minimales Budget zur Verfügung. Das waren nicht mal 35.000 Dollar, da muss man erst mal arbeiten. Für die neue Scheibe steht uns deutlich mehr zur Verfügung. Was wir bis jetzt haben, fühlt sich verdammt gut an. Unser Produzent Ralph macht einen richtig guten Job. Wie heißt Ralph eigentlich mit Nachnamen?
Erik: Macchio. [Das ist der Typ aus Karate Kid, d. Verf.]
Jason: Ralph Macchio, der … hey! Laber keinen Scheiß (Gelächter). Nein, Ralph [Patlan] ist der Gitarrist von Heads Liveband und ein echt guter Produzent. Und er arbeitet vor allem sehr gut mit Mark [Simpson] zusammen, der dieses Mal den Großteil der Songs geschrieben hat.
Erik: Auf dem Cover wird übrigens meine Tochter zu sehen sein.
Aha, interessant. Ist das dein einziges Kind?
Erik: Nein, ich hab insgesamt drei.
Jason: Ja, drei von denen er weiß! (Gelächter)
Erik: Mein ältester Sohn lebt in New York und schreibt Songs für Künstler wie Alicia Keys oder Rihanna. Damit ist er in Sachen Musik allerdings deutlich erfolgreicher als sein alter Herr (lacht).
Jason: Mein Sprössling hat auch mit dem Bassspielen angefangen, und Graigs Junior ist Drummer in einer Band. Digital Summer heißt die, glaube ich.
Craig: Moment, er ist nicht einfach nur Drummer in einer Band. Er ist ein richtig, richtig GUTER Drummer in einer Band! Und nicht mehr in Digital Summer, sondern in Bionic Jive. Das ist echt verdammt heavy stuff mit zwei schwarzen Sängern. Klingt ziemlich geil, solltest du auf jeden Fall mal anchecken.
Jason: Mann, ich bin echt nicht mehr auf dem Laufenden. Wieso spielt er denn nicht mehr bei Digital Summer?
Craig: War wohl 'ne Ego-Sache (lacht).
Erik, du hattest doch mal deinen Helikopter-Flugschein gemacht, wenn mich nicht alles täuscht. Was ist daraus geworden?
Erik: Ja, den hab' ich noch. Das hatte ich mal als Job neben der Musik geplant, aber das ist schlicht und ergreifend zu teuer. Man braucht eine bestimmte Anzahl an Flugstunden, um den Schein zu behalten und Personen transportieren zu können. Ich bräuchte sowas um die 800 Stunden, wobei jede Stunde 250 Dollar kostet.
Oooh, das ist natürlich sackteuer! Was hast du in der Zeit gemacht, als du keinen Bock mehr auf Touren hattest?
Erik: Es war ja nicht so, dass ich keinen Bock auf Touren hatte. Ich hatte es einfach satt, kein Geld damit zu verdienen. Wir haben uns echt den Arsch mit Flotsam aufgerissen und es so lange versucht, und irgendwann kam einfach der Punkt, an dem ich mich fragte: wozu der ganze Scheiß? Jetzt, da wir das alles nur noch aus Spaß machen und uns sozusagen als Hobby nebenher leisten und machen können, ist das wieder was ganz anderes. Wir müssen damit nicht mehr unserer Rechnungen zahlen, sondern einfach nur Musik spielen und Spaß haben. Der ganze Business-Scheiß hat sich auch erledigt. Wir sind einzig und allein aus demselben Grund hier, wie die Fans auch: Wir wollen Spaß haben und coole Musik spielen - beziehungsweise hören.
Jason: Es geht. Wie schon gesagt, ändert sich der Markt in den Staaten oft. Momentan sieht man auch als Thrash-Band ein bisschen Licht. Aber das schwankt nach wie vor. Wir können beispielsweise in L.A. vor 2.000 Leuten spielen und am nächsten Tag in Texas vor gerade mal 300 Nasen. Das ist immer so ein 'hit and miss'-Ding für uns. Hier in Europa merkt man den Enthusiasmus der Fans viel deutlicher. In den US scheint die Aufmerksamkeitsspanne deutlich kürzer zu sein (lacht). Wenn man da nicht ständig mit irgendeiner Band konfrontiert wird, vergessen die Leute sie einfach. Shadows Fall sind beispielsweise eine recht große Nummer in den Staaten und auch In Flames oder Opeth. Bei Dinosauriern wie uns hab' ich immer wieder das Gefühl, dass sich viele gar nicht mehr an den ganzen Scheiß erinnern, den wir früher gemacht haben. Da seh ich echt ein Problem! Jeder ist mittlerweile wieder euphorisch über Testament, Exodus, Death Angel und jetzt auch wieder Forbidden. Warum fragt kein Schwein nach Flotsam?
Erik: Wir haben einfach nicht genügend Ärsche geküsst (lacht). Nein, du hast schon recht. Das ist 'ne verdammt traurige Sache. Wir werden ja nicht mal auf VH-1 bei irgendwelchen Bandhistorys genannt. Also, unser Underground-Status war jedenfalls nie in Gefahr.
Ich glaube, ihr solltet euch vielleicht mal auflösen und dann für viel Geld auf Wacken wieder reformieren. Oder ihr streut Gerüchte, dass einer von euch ein Bein verloren hat. Etwas in der Art.
Jason: Hey, das könnte klappen (lacht). Oder wir machen es wir manch andere Band und behaupten nach jedem Album, dass das unser definitiv letztes ist. Oder unsere letzte Tour. Aber im Ernst, das Gefühl, dass du irgendwann echt Schluss mit dem ganzen Scheiß machst, kommt dir auf Tour immer wieder in den Sinn. Allerdings sind es dann Shows wie gestern oder heute, wenn die Leute richtig gut abgehen und ihren Spaß haben, die dir klar machen, dass du das nicht missen willst. Man kann jedenfalls eins mit Sicherheit sagen: Wir sind nicht wegen des Geldes hier! (lacht).
Erik: Wir bekommen Geld? Warum hat mir das keiner gesagt? (Alle lachen)
Mal im Ernst. Müsst ihr für so eine Tour draufzahlen? (Inzwischen hat sich Ed wieder dazu gesellt.)
Ed: Nein, glücklicherweise nicht. Kosten haben wir keine, wir kommen immer so ziemlich auf Null raus. Wir verkaufen mit unseren Shirts ganz ordentlich. Das holt uns aus dem Gröbsten immer raus. Und selbst wenn. Solche Shows wie gestern in Holland wären es echt wert.
Das muss ja wirklich der Hammer gewesen sein.
Jason: War es, Alter. Glaub mir! Wir wurden schon immer sehr freundlich und enthusiastisch in Holland aufgenommen. Unser Tourmanager ist Holländer und organisiert immer alles für uns, aber gestern war einfach großartig. Die Fans sind mitgegangen wie schon lange nicht mehr, und die Party im Anschluss hat erst geendet, als wir heute Morgen fahren mussten. Deutschland ist auch immer gut zu uns gewesen, aber die nächsten Tage sind wir zum ersten Mal in Tschechien unterwegs. Ich bin echt gespannt, wie es da für uns läuft. Danach geht es wieder nach Polen, wo wir ja schon die "Once In A Deathtime"-DVD geschossen haben. Da haben wir auch jede Menge Fans, die bei den Shows richtig einen drauf machen. Da freuen wir uns bereits wie kleine Kinder drauf. Dann kommen noch ein paar Festivals. Wacken Rocks South, da spielen wir mit Slayer! Ha, das letzte Mal, als ich Kerry King getroffen habe, meinte er nur: "Was? Flotsam & Jetsam? Euch gibts noch?" Danke auch, Kerry (lacht). Und das war, glaub' ich, vor zehn Jahren. Ja, verdammt! Uns gibt es immer noch!
Oh, Mann. Das letzte Mal, als ich Tom Araya auf 'ner Bühne sah, sah er aus wie Saddam Hussein, als sie ihn aus seinem Loch in der Erde gezogen haben (alle lachen). Aber mal was anderes. Vorhin meine ich, gehört zu haben, dass ihr alle Urlaub von euren Jobs nehmen musstet, um hier auf Tour zu gehen. Stimmt das so?
Jason: Auf jeden Fall! Und das müssten wir auch schon tun, um uns überhaupt mal wieder alle zu treffen. Wir leben ja nicht mal mehr im selben Bundesstaat. Von daher macht es auf Tour auch Spaß, die Jungs überhaupt mal wieder zu sehen. Das passiert sonst nur noch, wenn wir eine Scheibe aufnehmen.
Wie ich sehe, hast du auch wieder dein Lieblingsshirt an. [Auf dem steht: 'I Have The Biggest Dick In The Band', d. Verf.] Was aber nach wie vor erst noch bewiesen werden muss.
Jason: Ja, stimmt. Das hatte ich auch schon bei meiner letzten Show hier in Frankfurt an. Die Leute glauben jetzt bestimmt, ich hätte nur ein Shirt auf Tour dabei (lacht). Ich habe also den Biggest Frankfurter in der Band. Aber eigentlich ist das ein Fehldruck, denn da sollte stehen: 'I AM The Biggest Dick In The Band' (brüllendes Gelächter).
Erik: Er hat das Ding eigentlich nur deswegen an, weil er immer noch hofft, dass irgendjemand den Spruch glaubt. Dabei kann er nicht mal sich selbst überzeugen (lacht).
Die Thrash Metaller erklären u.a., warum sie sich überhaupt nicht gerne auf Jason Newsted ansprechen lassen ...
Es hat über neun Jahre gedauert, ehe sich Flotsam & Jetsam endlich mal wieder auf einer deutschen Bühne sehen ließen. Neun Jahre, in denen die Band drei Studioalben, eine Live-CD und eine Live-DVD veröffentlichte und in denen Sänger Eric A.K. immer mal wieder ein- und ausgestiegen ist ...
Dennoch war es vor allem der kleine Frontmann, der auf dem letzten Album "Dreams Of Death" wirklich herausragend war und auch live auf der Bühne eine große Leistung gebracht hat. Die Chance, die Texaner vor's Micro zu bekommen, lasse ich mir da natürlich nicht entgehen. So sitze ich am Freitag Nachmittag auf dem Bang Your Head den entspannt wirkenden Jason Ward (Bass) und Craig Neilsen (Drums) gegenüber. Die beiden sitzen im Musikerdorf im Schatten und sind sichtlich zufrieden.
Hey, verdammt das war ja ein richtig geiler Auftritt!
Craig zu Jason: Der sagt das so, als meine er es wirklich ernst, hahaha.
Jason: Könnte man fast meinen, hahaha. Danke, hat auch richtig Spaß gemacht heute. Ist aber auch schon verdammt lange her, dass wir in Deutschland gespielt haben.
Das musst du mir nicht sagen, Alter! Wann habt ihr denn zum letzten Mal auf einer europäischen Bühne gestanden?
C: Ich war vor ein paar Jahren mit Engine in Europa unterwegs, aber mit Flotsam waren wir das letzte Mal vor neun Jahren hier.
J: Verdammt, ich kann kaum glauben, dass das schon neun Jahre her ist.
Ich kann! Immerhin warte ich schon seit Ewigkeiten drauf, euch live zu sehen.
J: Wir wollten eigentlich nach der "My God"-Scheibe rüberkommen. Das war das letzte Album, das wir für Metal Blade veröffentlicht haben. Doch die wollten sich dann nicht mehr wirklich um uns kümmern und haben quasi nichts getan, um das Album zu promoten.
C: Ja, die haben lieber ihre Kohle in King Diamond und Six Feet Under gesteckt.
J: Stimmt, und Cannibal Corpse. Bei King Diamond kann ich das wenigstens noch verstehen, da steh ich auch drauf, aber Cannibal Corpse und Six Feet Under? Ich weiß nicht, ich kann mit dem Zeug echt nichts anfangen.
Sei froh, dass du dir die "Graveyard Classics II" nicht anhören musstest. Das war grauenhaft!
J: Kann ich mir vorstellen. Es gibt offensichtlich aber jede Menge Leute da draußen, die die Band lieben und auch so was wie Cannibal Corpse. Versteh' ich nicht. Ich kann mir beide nicht anhören. Das will einfach nicht an mich ran. Ich meine, ich stehe tierisch auf "Dawn Of The Dead", aber trotzdem muss ich mir den Film nicht ständig reinziehen oder das akustische Äquivalent dazu anhören, hahaha.
Und was ich auch unbedingt mal loswerden muss: Ich hoffe wirklich, dass das jetzt irgendwer liest und sich vielleicht mal zu Herzen nimmt. Diese Frage geht an alle Bands, deren Name und Schriftzug aussieht wie ein Baumzweig: Was soll das? Ich kann das nicht lesen! Wie soll ich mir denn da euren Namen merken? Das geht dann höchstens nach dem Motto: "Ok, das hier sind Rotbusch und das hier, öh, Magnolienzweig." Ok, man weiß wenigstens gleich, was einen erwartet, wenn man irgendwo so einen Baumzweig auf einem Plakat sieht, aber kann das der Sinn sein?
C: Mal ganz davon abgesehen, dass man die Namen der Bands nicht lesen kann. Es fällt mir auch einfach schwer, mich an überhaupt was von den meisten Combos zu erinnern. Wenn die spielen denkst du zwar: "Fuck, was ein verdammt guter Drummer. Wow der Gitarrist ist echt spitze." Aber fünf Minuten später erinnerst du dich nicht mal mehr an das vorletzte Riff. Es scheint da wirklich nur noch um den technischen Anspruch zu gehen und nicht mehr um einen guten Song.
Da gibt es bestimmt einige, die dir Recht geben werden. Ich kann mir aber das eine wie das andere reinziehen.
C: Marc von Crash Music kam auf uns zu und fragte, ob wir nicht eine neue Platte aufnehmen wollten. Das hat uns beeindruckt, denn sonst waren wir immer diejenigen, die das Label daran erinnern mussten, dass wir ja schließlich einen Vertrag hatten und gern mal wieder ein Album veröffentlichen würden. Hahaha. Crash Music ist bestimmt kein großes Label, aber sie stehen wirklich hinter ihren Releases. So wie es aussieht, werden wir wohl noch ein weiteres Album bei ihnen veröffentlichen. Ein paar Ideen hab ich schon.
In Sachen Touren werdet ihr euch aber vermutlich nicht gerade überschlagen, oder?
C: Nein, wohl kaum. Wie schon gesagt, hängen unserer Existenzen fast alle an unseren normalen Jobs. Mit der Band verdienen wir eigentlich kein Geld, und nicht nur Eric hat Familie und muss ein Haus abbezahlen.
J: Genau, und ich muss ganz ehrlich sagen, mir gefällt die Art und Weise, auf die wir momentan arbeiten, ganz gut. Wir können ein paar wirklich geile Shows spielen, wie hier auf dem BYH, und wir stehen auch nicht mehr so unter Druck. Es ist nicht so, dass wir unbedingt irgendwo spielen müssen, sondern wir können es uns genau aussuchen und machen quasi nur das, worauf wir Lust und wozu wir Zeit haben. Nächte Woche spielen wir mit Armored Saint und Death Angel in L.A. Das wird bestimmt sehr geil. Wenn du nicht so unter Druck stehst und dauernd live spielen musst, dann gehst du wesentlich lockerer an die Sache ran, was die Shows auch meist deutlich besser macht.
Ist Eric damals eigentlich nur deshalb ausgestiegen, weil er nicht mehr auf Tour gehen wollte?
J: Ja, das war mehr oder minder hauptsächlich deswegen.
C: Um mal kurz was klar zu stellen: Eric hat nie gesagt, dass er keine Platten mehr mit uns aufnehmen würde. Er hatte einfach keine Zeit und keine Lust mehr, auf Tour zu gehen. Deswegen haben wir die Gigs eine Zeit lang mit James Rivera gemacht. Eric ist aber eigentlich nie richtig ausgestiegen. Er hat sich einfach vom Tourzirkus eine Auszeit genommen. Für eine neue Scheibe war er immer zu haben.
J: Wir könnten ohne ihn auch kein Album für Flotsam & Jetsam aufnehmen. Das würde einfach nicht funktionieren. Wenn du mich fragst, wird es nie wieder ein neues Bandmitglied geben. Mike wird vielleicht wieder mit uns arbeiten, wenn er das mag, aber es wird nie wieder einen neuen Drummer oder einen neuen Gitarristen geben. Entweder nehmen wir die Platten in diesem Line-Up auf, oder gar nicht. Wir hatten vorhin schon ein Interview, und natürlich kam gleich wieder das Thema Jason Newsted auf. Leute, kapiert's endlich! Das wird nie passieren, dass Jason zurückkommt. Zumindest nicht, so lange ich am Leben bin, hahaha. Das ist jetzt meine Band und ich bestimme, hahaha.
Das Thema sollte langsam echt durch sein. Aber auf eurer Homepage hast du dich ja zu diesem und ein paar anderen Themen mal recht angepisst geäußert.
J: Ach komm, das ist doch aber auch kein Spaß mehr, oder? Seit 15 Jahren werden wir immer wieder nur auf Jason Newsted angesprochen. Was soll denn der Scheiß? Nennen wir's mal beim Namen: der Kerl hat ein Album mit Flotsam gemacht. Ich hab schon über hundert Songs mit den Jungs geschrieben. 75% der Sachen sind von mir. Ich dachte eigentlich, dass man spätestens nach zehn Jahren nicht mehr von dem Neuen in der Band spricht. Aber da hab ich mich wohl getäuscht, hahaha. Aber es war eigentlich klar, was passieren würde, als Jason Metallica verlassen hat. Sofort hieß es überall: "Oh, er kommt zurück zu Flotsam!" Was ein Bullshit. Jetzt ist er bei Voivod, und das ist doch wesentlich geiler.
Was ist eigentlich mit der "Live In Japan"-DVD? Ist die in Deutschland schon erschienen? Ich habe sie bisher nämlich nicht in die Finger bekommen.
J: Ich glaube nicht, aber ich bin mir nicht 100%ig sicher. Wir haben mit den Jungs von Crash Music darüber gesprochen, und es wurde uns immer wieder gesagt: "Wir arbeiten daran und arbeiten daran und arbeiten daran", aber bisher ist zumindest noch nichts zu haben. In den USA kam das Teil Ende Februar schon raus. Die Songs unterscheiden sich nicht unbedingt maßgeblich von denen von der "Live in Phoenix"-Scheibe, aber es war einfach eine tolle Show, die wir da in Japan gespielt haben. Der Club hatte das Konzert quasi ohne unser Wissen mitgeschnitten und gab uns nach dem Gig die Bänder. Das war schon cool, denn die Show war der Hammer. Wir haben uns das Material angeschaut und die Qualität war wirklich gut. Da wir noch keine DVD hatten, haben wir die Sachen einfach veröffentlicht.
Und warum ist das in Europa bisher nicht erschienen? Es ist ein wenig verwirrend, wenn "Dreams Of Death" über Crash Music erscheint und "Live In Phoenix" über Mausoleum Records.
C: Ja, das ist ein wenig seltsam aber warum die DVD noch nicht raus ist, kann ich dir echt auch nicht sagen. Hoffe, das wird sich bald ändern.
J: Ja, stimmt. Wir haben sogar mal drüber nachgedacht, den Song für das Album neu einzuspielen. Die Idee zum Albumtitel stammt aber nicht daher, sondern von Eric, der das textliche Konzept der Scheibe unter diesem Titel zusammengefasst hat.
C: Auch das Cover von Travis Smith hat da eine gewisse Rolle gespielt, denn es passt einfach perfekt zu so einem Titel. Da fiel die Wahl dann nicht schwer.
J: Allerdings haben wir bisher eigentlich noch nichts von der Scheibe live ausprobiert. Das sollten wir auf unserer nächsten Tour unbedingt tun. Heute haben wir auch nichts davon gespielt. Der letzte Song war übrigens 'ne Coverversion von Black Sabbath, die wir mal auf der "Drift"-Single veröffentlicht hatten.
C: Den Song haben wir zuvor Ewigkeiten nicht mehr gespielt.
J. Wir haben eigentlich jeden Song seit Ewigkeiten nicht mehr gespielt, hahaha. Mit Live-Auftritten hatten wir es in letzter Zeit nicht so sehr. Das liegt aber auch daran, dass ich inzwischen in Chicago wohne. Wir waren uns auch nicht sicher, wie es wohl laufen würde, als wir mit den Arbeiten an "Dreams Of Death" begannen. Wir hatten uns eine ganze Zeit lang nicht mehr gesehen, aber als wir dann wieder zusammen gespielt haben, war es wie früher. Ich bin echt froh, dass die Leute was mit dem Album anfangen können. Wir haben anschließend ein paar Shows gespielt, und auch die liefen wirklich gut. Wir werden auch weiterhin noch ein paar Gigs spielen, wenn wir das alle zeitlich unter einen Hut bringen. Heute hat es ja für Ed nicht geklappt, aber dafür ist Michael mitgefahren. Er ist zwar ein Prallarsch, aber das ist ok, hahaha.
C: Ed hat zum ersten Mal in seinem Leben einen richtig guten Job, und sein Boss hat ihn leider vor die Wahl gestellt. Da er auch Familie hat, musste er nicht lang überlegen, und wir verstehen ihn da natürlich sehr gut.
J: Wir haben uns alle in den letzten Jahren sehr weiterentwickelt. Ich hab meinen BA in Informatik gemacht, Ed hat einen tollen Job, und auch bei den anderen Jungs hat sich privat Einiges verändert. Mike ist also für Ed eingesprungen, und es hat toll funktioniert. Wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle, dann spielen wir demnächst mit drei Gitarristen.
Och nö, nicht die Iron Maiden-Nummer!
J: Wieso nicht? Was bei Maiden klappt, funktioniert auch bei uns, hahaha. Es wäre auf jeden Fall ein Spaß, und aus keinem anderen Grund machen wir das ja. Außerdem hätten die Gitarristen so endlich mal Chance, mit meinem genialen Bassspiel mitzuhalten, hahaha.
Ja klar, die können da jede Hilfe brauchen, die sie bekommen können.
C: Es ist einfach toll, Mike wieder mit dabei zu haben und wie es aussieht, fährt er auch noch eine weitere Tour mit uns im November. Ich kann es mir auch nicht vorstellen, mit einem anderen Gitarristen bei Flotsam zu spielen. Es kommt einfach auf den Spaß innerhalb der Band an, und dass uns die Fans noch sehen und hören wollen. Wir haben sehr loyale Fans, aber die werden nie über eine bestimmte Anzahl hinauswachsen. Ich glaube kaum, dass wir irgendwann mal die zweiten Pink Floyd werden, obwohl das toll wäre, hahaha.
Nee, ohne Scheiß?
J: Wobei wir auch mal erwähnen müssen, dass wir insgesamt schon über eine Millionen Platten verkauft haben. Das ist an sich nicht so schlecht. Und dass wir nicht mehr so oft auf Tour sind, zahlt sich wirklich aus. Als wir das letzte Mal in L.A. waren, spielten wir dort in direkter Konkurrenz mit einer ganzen Anzahl an angesagten Bands. Das Publikum in L.A. ist eh sehr schwer zu motivieren, denn da spielt ja dauernd irgendwas. Aber die Leute sind total abgegangen, und vor allem sind sie ganze schöne Strecken gefahren, um uns überhaupt zu sehen.
C: Es ist auch fantastisch, woher wir überall Mails bekommen. Auch aus Ländern, von denen wir nicht mal wussten, dass wir dort überhaupt jemals eine Scheibe verkauft haben. Wer zur Hölle hätte gedacht, dass wir Fans in Chile oder in Korea haben?
Hat das angefangen, nachdem ihr euch bei MySpace eine Page eingerichtet habt? Für den direkten Fankontakt bietet sich dieses Forum ja nahezu an.
C: Nö, das ging schon vorher los. Die MySpace-Sache läuft über Mark, wir haben davon keinen Plan, hahaha.
Eure offizielle Homepage ist aber auch nicht so der Brüller.
J: Das mag sein, aber der Kerl der die betreibet, Steve, kam eines Tages auf uns zu und fragt, ob er das für uns machen darf. Er ist ein großer Fan von uns und macht das in seiner Freizeit. Ich finde das toll und bin ihm sehr dankbar dafür. Er bekommt keine Kohl dafür, und für mich ist das voll und ganz in Ordnung. Es ist übersichtlich, und du findest alles, was du suchst. Was willst du mehr?
In dem Moment schlappt Mike Gilbert vorbei, begrüßt uns kurz, gesellt sich dann aber zu Eric und Mark, die etwas weiter hinten im Biergarten sitzen.
Lass uns noch mal auf Mike zurückkommen. Wie kam es, dass ausgerechnet er Ed vertritt?
J: Wir haben ihn einfach angerufen, nachdem Ed sagte, dass er nicht mitkommen kann. Craig ruft mich immer dann an, wenn irgendeine Katastrophe passiert, also quasi alle zehn Minuten, hahaha. Er hat mich morgens um neun angerufen, da war noch alles bestens. Alle hatten ihre Tickets, die Koffer waren gepackt. Zwanzig Minuten später klingelt wieder das Telefon und Craig schreit: "Fuck, alles scheiße! Ed kann nicht spielen! Wir haben keine Tickets! Wer soll eigentlich spielen? Uaahhh!" Zehn Minuten später wieder Craig: "Ok, alles ist cool, Mike spielt." Die halten mich auf Trab, die Jungs, hahaha. Das führt aber auch dazu, dass ich eigentlich nur dann wirklich relaxt bin, wenn irgendwas schief geht. So bald alles richtig gut läuft, werde ich nervös. Irgendwas muss explodieren oder sonst irgendwie schief gehen, ansonsten sind wir scheiße, hahaha.
Habt ihr die Weltmeisterschaft ein bisschen mitverfolgt?
J: Ja, aber ich finde, wir sollten den Namen vom US-Team in Not Very Good umbenennen. Das hätte schon was: Heute spielen Ghana gegen Not Very Good, hahaha
C: Yeah, oder vielleicht Ghana gegen Could Have Been Better?
Echt Fans, von ihrem Team, die Amis.
Once In A Deathtime (2008), Live In Japan (2006)
Live In Phoenix (2005), My God (2001), Unnatural Selection (1999), High (1997), Drift (1995), Cuatro (1992), When The Storm Comes Down (1990), No Place For Disgrace (1988), Doomsday For The Deceiver (1986)
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