laut.de-Kritik

Läuft wie ein schweizer Uhrwerk, knallt wie ein D-Böller und planiert wie ein Bulldozer.

Review von

Nachdem sich Overkill vor zwei Jahren mit "Ironbound" das wohl schönste Geschenk zum 25-jährigen Bandjubiläum machten, sahen diverse Insider und Szene-Kenner die New Yorker Thrash-Urgesteine am Zenit ihres Schaffens angekommen und munkelten über alsbald folgende Farewell-Szenarien.

Und fürwahr: man hätte es den Mannen um Shouter Bobby Ellsworth nicht übel nehmen können. Doch statt sich auf dem Gipfel zur Ruhe zu setzen, spaziert das Hartholz-Quintett im vergangen Jahr zum siebzehnten mal ins Studio und schüttelt mit "Electric Age" mal so eben einen Nachfolger aus dem Ärmel, der "Ironbound" in punkto Dynamik, Spielwitz und Energie in nichts nachsteht.

Gleich zu Beginn sprintet "Come And Get It" in bester "Battery"-Tradition allen vergangenen Uptempo-Ergüssen der Thrash-Kollegenschaft auf und davon. Wie ein wildgewordener Pittbull verbeißt sich 'Blitz' im Mikrofon und spuckt dabei Gift und Galle, als klopfe das jüngste Gericht an die Bandpforten. Seit über einem halben Jahrhundert beehrt der lockige Derwisch nun schon den Planeten mit seiner Anwesenheit und es gibt so manchen aufstrebenden Edelstahl-Frontmann, der im direkten Duell ernüchtert, geschlagen und stimmlich gedemütigt von dannen ziehen würde.

Mindestens ebenso giftig und aggressiv präsentieren sich Ellsworths Mitstreiter, die nur so vor Spiellaune strotzen und Songs wie "Electric Rattlesnake", "Drop The Hammer" oder das fulminante "All Over But The Shouting" zu Highlight-Anwärtern für kommende Live-Shows werden lassen.

Zwischendurch sorgen gekonnt platzierte Midtempo-Parts oder akustische Zupfspielereien für kurze Verschnaufpausen, ohne allerdings die Grundstabilität des Ganzen in Gefahr zu bringen. Nach fast dreißig Jahren Business-Zugehörigkeit wissen die Veteranen aus dem Big Apple nur zu gut, wie der Hase läuft.

"Electric Age" läuft wie ein schweizer Uhrwerk, knallt wie ein D-Böller und planiert wie ein Bulldozer. Und selbst wenn in Songs wie "Black Daze" oder "Old Wounds New Scars" ungewohnter Groove das Heft in die Hand nimmt, läuft die Maschinerie auf Hochtouren, dass jedem Metallisten die Freudentränen in die Augen schießen.

Fesselnd, impulsiv und nimmermüde: Overkill servieren zum "Ironbound" Hauptgang einen Nachtisch, der der Hauptmahlzeit fast die Show stiehlt. Wer hiernach nicht satt ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Allen anderen: Guten Appetit!

Trackliste

  1. 1. Come And Get It
  2. 2. Electric Rattlesnake
  3. 3. Wish You Were Dead
  4. 4. Black Daze
  5. 5. Save Yourself
  6. 6. Drop The Hammer
  7. 7. 21st Century Man
  8. 8. Old Wounds New Scars
  9. 9. All Over But The Shouting
  10. 10. Good Night

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7 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    WIE GEIL IST DAS DENN?!?!? Man denkt an nichts böses, und dann sieht man auf einmal auf der Lautstartseite, dass es ein neues Overkillalbum gibt (Vorchecking schau ich nur noch sporadisch rein).
    Mit Ironbound habe ich die Herren das erste Mal kennen gelernt und war begeistert.
    Absoluter Pflichtkauf!

  • Vor 2 Jahren

    Ist schon ein sehr geiles Album. Bor allem "Electric Rattlesnake" hat es uns als Band angetan. Unglaubliche Energiemukke!
    @Sancho: Hör' doch mal in "Under the Influence" oder "The Years of Decay" rein. Sind wie ich finde auch zwei sehr geile Alben von den Jungs die meiner Meinung nach zu Unrecht so tief im Untergrund stecken!

  • Vor 2 Jahren

    Verdiente Wertung und endlich mal ein Album mit Metal-Bereich, dass dem anderen beliebigen Schund, der hier gewöhnlich angeschleppt wird, die Zähne zeigt. Dachte schon, dass dieses Album hier wieder nicht rezensiert werden wird. Wäre ja nicht das erste Mal, dass ein Top-Release im Metal nicht beachtet wird.

  • Vor 2 Jahren

    THE YEARS OF DECAY ist wohl die Scheibe mit der Overkill am nahesten vor dem Durchbruch in Kommerziellere Gefilde standen. Bobby Elsworth Stimme ist leider so eine Sache, manche lieben sie manche hassen sie. Ich liebe Sie.
    THE YEARS OF DECAY klingt herrlich glatt poliert und die Songs haben zum Teil "Pop-Thrash" feeling, aber dass in gut und nicht in "Hammerfall scheiss feeling"

    I HATE, ELIMINATION, TIME TO KILL - oder der Rauswerfer The E.N.D. (Evil Never Dies - das war vor den Black Eyed Peas) sind einfach nur geil.
    Ich hab die damals im TOR3 in D'dorf gesehen.. Geile Sache!

    OK, ich rede über eine alte Platte - die neue ken ne ich noch nicht, aber wie alles aus dem Hause OVERKILL wird auch diese gekauft, die Jungs haben es sich verdient!

    Grüße
    jackgin

  • Vor 2 Jahren

    So ein perfektes Thrashalbumm und das nach Ironbound, beides unglaublich nach all den Jahren.

    Brettert mehr als der meiste Deathmetal. Live eh ungefragt göttlich.

  • Vor einem Jahr

    bin ja nicht unbedingt ein fan von thrash, aber mannm, dieser scheiß bläst die rübe durch! sagenhaft.