Porträt

laut.de-Biographie

M.O.D.

Fettsack Billy Milano ist in der Metal- und Hardcore-Szene bekannt wie ein bunter Hund. Nicht nur, dass er sich als Shouter und Mitbegründer von S.O.D. unsterblich gemacht hat, auch mit der Nachfolgeband M.O.D. hat der Mann einige gute Scheiben abgeliefert. Am besten hat er sich jedoch in den Köpfen der Musikwelt mit seinen konträren, massiv patriotischen und stellenweise auch selten dämlichen Aussagen zu den USA im Irak Krieg festgesetzt.

Als Danny Lilker (Nuclear Assault), Scott Ian und Charlie Benante (beide Anthrax) 1985 das Kult Album "Speak English Or Die" unter dem Banner S.O.D. (Stormtroopers Of Death) eintrümmern, holen sie sich mit Billy Milano eine Frontklops dazu, der im Anschluss an dieses Ereignis mit M.O.D. (Method Of Destruction), seinen eigene Band aus dem Boden stampft. Ähnlich wie bei S.O.D. mischt der Dicke dabei Hardcore mit einer kräftigen Prise Thrash, was man heute gern als Metalcore bezeichnet.

Billy komplettiert sein Line-Up mit Tim McMurtrie (Gitarre), Ken Ballone (Bass) und Keith Davis (Drums), mit denen er '87 über Megaforce Records das Debüt "U.S.A. For M.O.D." einhämmert. Waren die Texte von Billy auf "Speak English Or Die" schon grenzwertig, so muss man fortan entweder jede Menge Humor haben oder sich mitunter über die fast schon faschistoiden Texte des New Yorkers wundern. Milano selbst spricht von Ironie und Provokation, jedoch mag man daran manchmal zweifeln. So hat es der Song "Death To Hindus" erst in letzter Minuten NICHT mehr auf das Album geschafft.

Zusammen mit Exodus drehen sie ein paar Runden durch die Staaten, wobei sich McMurtrie beim Stagediving das Bein bricht und den Rest der Tour im Rollstuhl spielt. Ballone bricht sich die Hand, weswegen John Monte für ihn einspringt. Dieser ist auch auf dem nächsten Album "Surfin' M.O.D." zu hören, neben Gitarrist Louis Svitek und Drummer Tim Mallare. Das Album findet auch nur bedingt Freunde, denn das ganze scheint einen Funprojekt-Charakter zu bekommen.

Dennoch zeigt sich die Band auf "Gross Misconduct" deutlich gereifter und vor allem nicht mehr nur als bloße S.O.D.-Kopie. Das hindert jedoch keinen der Musiker daran, nach dem Album die Kurve zu kratzen. Svitek und Monte gründen im Anschluss zunächst Mindfunk (bei denen auch Celtic Frost Drummer Mark St.Mark den Beat angab) und sind später auch beide bei Ministry aktiv. Mallare schließt sich Overkill zunächst als Roadie an und steigt später als Drummer fest bei der Band ein. Dafür kommt McMurtrie wieder zurück und mit ihm ein neuer Drummer namens Dave Chavarri. Den Bass zupft Billy auf "Rhythm Of Fear" selbst. Im selben Jahr kommt es auch zur kurzen S.O.D.-Reunion im New Yorker Ritz Club, bei der "Live At Budokan" entsteht.

Die Scheibe bietet erstklassigen Crossover und Milano hält sich mit zweifelhaften Texten zurück. Außer Dave scheint es aber keiner bei dem immer fetter werdenden Brüllwürfel auszuhalten, denn auf "Devolution" stehen die beiden Gitarrist Tom Klimchuck und Rob Moschetti bei M.O.D. in Lohn und Brot. Doch auch die beiden haben schnell die Schnauze voll und verkrümeln sich in Richtung Pro Pain. Billy scheint daraufhin auch keinen Bock mehr zu haben und löst M.O.D. vorerst auf.

1995 erscheint mit "Loved By Thousands, Hated By Millions" natürlich noch die obligatorische Best-Of, doch als sich M.O.D. ein Jahr später schon wieder zurück melden, riechen manche schon den Ausverkauf. "Dictated Aggression" ist aber auch so etwas wie Milanos Alleingang, denn er spielt alle Bassspuren, die meisten Gitarrenspuren und singt natürlich. Hinter den Drums sitzt einmal mehr Dave Chavarri, bevor er sich ebenfalls zu Pro Pain verkrümelt, um schließlich Ill Nino zu gründen; die Soli spielt Joe Young. Textlich nimmt der Frontklops wieder mal kein Blatt vor den Mund und eckt mit seinen stockkonservativen Ansichten, bei vielen an.

Was manch einer erhofft, aber kaum einer für möglich gehalten hat, tritt 1999 ein, als sich S.O.D. tatsächlich reformieren und "Bigger Than The Devil" eintrümmern. Sogar ein paar Touren folgen und im Juni sieht man die Jungs mit Meshuggah und Stahlhammer durch Europa ziehen, woran sich auch ein paar Abstecher nach Japan anschließen. Fast drei Jahre später gibt es noch mit "Speak English Or Live" einen Nachschlag, der vor allem durch die seltendämlichen und teilweise abstrusen Interviewsequenzen lebt. Billy glänzt wieder durch eine absolute Redneck-Einstellung und Danny Lilker ist eigentlich ständig nur stoned.

Zwischen Milano und den Anthrax-Muckern ist die Stimmung schon seit Anfang 2002 unter aller Sau und der Fleischberg lässt keine Gelegenheit aus, um den beiden auf seiner privaten Homepage eine reinzuwürgen. Auch mit M.O.D. will er es nochmal wissen und veröffentlicht 2003 über Nuclear Blast "The Rebel You Love To Hate". Neben Billy zocken auf der Scheibe noch Klampfer Joe Affe und Drummer Danny Burkhardt. Es folgt eine kurze Tour mit Crisis, aber nachdem das Label so gut wie keine Promotion für die Scheibe unternommen hat, stellt Milano das komplette Album als Download auf seine Seite.

Auf weiteren Touren sieht sein Line-Up aber schon wieder ganz anders aus und neben ihm stehen Gitarrist Scott Sargeant (Ex-Skinlab), Basser Houston (Brewtality) und Drummer Mike Bennett (Ex-40 Grit). Zur Überraschung vieler leistet Billy aber einen gesanglichen Beitrag zur Soulfly-Scheibe "The Dark Ages". Anstatt Maxe als liberales Arschloch zu bezeichnen, shoutet Milano lieber ein paar Zeilen durchs Handy, die genau so auf dem Album landen.

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