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Slayer, ein Name, ein Programm. Wo Slayer draufsteht, ist Metal drin. Kaum eine andere Band, und sei sie noch so kommerziell erfolgreich, hat auf den Hartwurst-Sektor einen derart großen Einfluss ausgeübt, wie die vier Kalifornier. Seit Anfang der Achtziger lärmt es nun aus dem Sunshine-State ohne Gnade in alle Himmelsrichtungen.
Kerry King (Gitarre) ist 1982 auf der Suche nach fähigen Musikern, um eine Band zu gründen. Den Bassisten Tom Araya, der zu der Zeit in einem Krankenhaus als Therapeut arbeitet, kennt er bereits aus früheren Tagen, als er gemeinsam mit ihm in einer Combo spielt. Den zweiten Gitarristen Jeff Hanneman gabeln die beiden auf, als er im selben Haus herum dudelt, in dem Kerry wohnt. Alles, was jetzt noch zum finalen Gelärme fehlt, ist ein geeigneter Schlagzeuger. Fündig werden sie bei einem gewissen Dave Lombardo, ein Tier von einem Drummer. Ihre ersten Gigs bestreiten sie mit Coverversionen bekannter Metal- und Punk-Songs.
Im Jahr darauf spielen sie ein Konzert in einem Club, bei dem zufällig auch Brian Slegel, Inhaber von Metal Blade-Records, anwesend ist. Er bietet Slayer an, einen Track für den dritten Teil des Metal Massacre-Samplers beizusteuern, das diese dankend mit "Aggressive Perfector" annehmen. Noch im selben Jahr schmettert das Quartett unter der Regie von Slagel und Bill Metoyer das Debüt-Album "Show No Mercy" ein.
Das Spielen mit satanistischen Symbolen beherrscht die Band von Anfang an gut, denn im prüden Amerika lässt sich mit so was viel Publicity erzielen. Mit grandios blöden Lyrics setzen Slayer ihre erste Duftmarke in einer Metal-Szene, in der Heavyness erst noch richtig definiert werden will. Kostprobe? In "Evil Has No Boundaries" heißt es sinnig: "Satan our master in evil mayhem guides us with every first Step. Our axes are frowing with power and fury, soon there'll be nothingness left". Großer Lyrik-Sport im Angesicht des Teufels. In einer Rohfassung mit grottigem Sound sind auf SNM aber bereits alle Zutaten vorhanden, die auch heute noch die Slayer-Trademarks darstellen: kreischende Soli, sägende Riffs, druckvolles Drumming und die hysterisch schreienden Vocals. Die Gagen, die sie für ihre erste Tour erhalten, werden komplett versoffen.
Neue Songs entstehen, die in der EP "Haunting The Chapel" resultieren. Heute ist das Teil nicht mehr erhältlich. Die Songs finden sich auf dem Re-Releases der Live-EP "Live – Undead" wieder, dass im Original 1984 das tote Licht der evil Welt erblickt. Das erste komplette Album seit dem Debüt knüppeln sie in der altbewährten Besetzung und wiederum mit Brian Slegel 1985 ein. "Hell Awaits" verkauft innerhalb kürzester Zeit über 100.000 Einheiten, was selbstverständlich Major-Labels auf den Plan ruft. Im Zuge der Veröffentlichung zieht es die Band zum ersten Mal nach Europa, wo sie einige Headliner-Clubshows spielen und auch das Dynamo-Festival mit einem Besuch beehren. Die böse Saat ist somit auch auf dem alten Kontinent gesät.
Richtig auf geht sie weltweit aber erst 1986. Ein Knilch namens Rick Rubin setzt sich mit Slayer in Verbindung und möchte gerne deren nächstes Album produzieren. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sich Rubin jedoch nur mit Arbeiten für Run DMC, den Beastie Boys und Public Enemy ausgezeichnet. Eventuell aufkeimende Befürchtungen bezüglich eines softeren Sounds oder gar Hip Hop-Einflüssen ersterben beim Anhören des bahnbrechenden Meisterwerkes "Reign In Blood". Auf nicht einmal 30 Minuten dreschen Slayer, gewandt in einen lupenreinen Sound, alles nieder, was jemals vorher unter der Marke "Heavy" firmierte. Dabei ist die Schnelligkeit, wenn den Aussagen Arayas geglaubt werden darf, so gar nicht beabsichtigt, sondern kristallisierte sich erst bei den Aufnahmen heraus.
Die Auswirkungen, die der Release dieser Scheibe auf den Metal haben sollten, waren jedoch schon damals vorherzusehen. Zu Recht gilt sie als die wohl beste je unter dem Banner Thrash- oder Speed erschienene Platte. Der Release der Scheibe verzögert sich jedoch etwas. Die Neigungen der Band, allzu freizügig mit Symbolen der Nazi-Zeit zu spielen, macht die Plattenfirma CBS, bei der RIB eigentlich erscheinen soll nicht mit. Rick Rubin hilft auch hier aus, und so erscheint 1986 ausgerechnet auf einem Hip Hop-Label die wohl spektakulärste Metal-Platte der Achtziger. Die Reibereien um Fascho-Symbolik bzw. Texte ("Angel Of Death") sorgen dafür, dass europäische Fans erst 1987 in den Genuss des neuen Outputs kommen. Zum ersten Mal gelingt Slayer der Einstieg in die US Billboard-Charts (#94, GB #21), und am Ende steht eine goldene Schallplatte auf der Habenseite.
Die Fanscharen wachsen und wachsen, also muss ein Fanclub her, den die Band schwachsinniger Weise auch noch auf "Slaytanic Wehrmacht" tauft. Feinfühligkeit ist offenbar nicht ihr Ding. Noch während der folgenden Tour verlässt das Rhythmus-Urwerk Lombardo aufgrund der berühmten 'persönlichen Differenzen' die Band und wird durch Tony Scaglione (Whiplash) ersetzt. Dieser passt aber nicht zur Band und, so kehrt Dave wieder zurück.
1988 steht ganz im Zeichen des Nachfolgers zum Meisterwerk. Der Druck scheint von außen betrachtet immens zu sein, denn was sollen Slayer in punkto Geschwindigkeit oder Aggressivität noch drauf setzen? Nichts, eben deswegen drosseln sie das Tempo und versuchen nicht, alle Geschwindigkeitsrekorde zu brechen, was die Fangemeinde erst etwas irritiert, das Objekt der Begierde aber dann doch als das erkennt, was es ist, ein würdiger Nachfolger. Ausgerechnet mit "Criminally Insane" platzieren sie sich sogar in den Single-Charts. Das 90er-Album "Seasons In The Abyss" erscheint komplett auf Rubins American Recordings. Wieder ging's ab in die Charts, was von da an als Selbstverständlichkeit angesehen werden darf. In Deutschland steigt die Platte bis auf Platz 19, in Großbritannien auf 18 und in den USA auf Nummer 40. Für das Spätjahr stehen extensive Touren auf dem Programm. Mit Testament als Support geht es durch Amerika und mit Anthrax, Megadeth und Suicidal Tendencies firmieren sie unter dem Banner 'Clash Of The Titans" in Europa. Die musikalischen Epen dieser Tour finden ihren Eingang auf dem Live-Album "Decade Of Aggression".
1992 verlässt Lombardo Slayer dann wieder einmal, und Forbiddens Paul Bostaph nimmt hinter der Schießbude Platz. 1993 nehmen Slayer zusammen mit Ice-T den Song "Disorder" für den Judgement Night-Soundtrack auf, aber erst 1994 gibt es wieder etwas in Album-Länge auf die Ohren. Auf "Divine Intervention" ist zum ersten Mal auf Albumlänge Bostaph zu hören. Mittlerweile hat das Quartett bereits Legenden-Status inne, eventuell entstehende Erwartungen gehen ihnen getrost am Allerwertesten vorbei. Unbeschwert prügeln sie denn auch auf "Divine Intervention" los, was ihnen die Fans in Form von Plattenkäufen danken. Platz acht der US-Charts springt dabei heraus. Beachtlich.
1996 ist es an der Zeit, den Wurzeln zu würdigen. Mit "Undisputed Attitude" ehren sie ihre Hardcore- und Punk-Usprünge. Mit Songs von Iggy And The Stooges, sowie Minor Threat und D.R.I. überraschen sie ihre Fans, und nicht alle aus dem eher konservativen Metal-Lager sehen das mit Wohlwollen. Nach diesem Release erhält das Buch Slayer-Drummer ein weiteres Kapitel. Bostaph steigt aus und schließt sich der Combo The Truth About Seefood an. Ersatz finden Araya, Hanneman und King in John Dette (Ex-Testament), der aber 1996 für das nächste Album dem zurückgekehrten Bostaph Platz macht. Und da war sie auf einmal, die Platte, die als Ausrutscher bezeichnet werden darf. Death Metal-Riffs en Masse und ein durch Effekte hindurch brüllender Tom Araya hören sich wenig inspiriert an. Trotzdem treten sie wieder einen Siegeszug rund um den Erdball an, mit ausverkauften Konzerten aller Orten.
Das für Mitte Juli 2001 angekündigte neue Album wird nicht wie vorgesehen "Soundtrack Of The Apocalypse" heißen, sondern "God Hates Us All", auch nicht weniger bedrohlich ... Zusammen mit Pantera, Biohazard, Cradle Of Filth und weiteren Bolzenschneidern steht Ende September zudem eine Tour durch deutsche Städte an. Die neue Scheibe wird unter der Regie von Matt Hyde eingetrümmert, der nach den Aufnahmen zum Song "Bloodline" (Dracula 2000) für würdig befunden wurde. Die Aufnahmen werden immer wieder unterbrochen, etwa für das Ozzfest oder die Recordings für den Track "Here Comes The Pain", welcher für irgendein Wrestling Tier geschrieben wurde. In Bryan Adams' Warehouse Studios in Vancouver wird das Baby schließlich, nach kleineren Umdekorationen wie diversen Totenschädeln und ähnlichem aus der Taufe gehoben und kann einem schon nach einmaligem Hören mächtig den Arsch versohlen.
Und der Treppenwitz geht weiter. Paul muss seinen Stuhl räumen, da er aufgrund chronischer Ellbogenschmerzen nicht mehr in der Lage ist, die Sticks beim zweiten Teil Tour zu schwingen. Sein Ersatz ... wer wohl? Das Konzert am 7. Dezember 2001 im Warfield Auditorium in San Francisco findet aber noch mit ihm statt, wo die Kameras mitlaufen und die Aufnahmen schließlich als DVD ins Regal wandern.
2006 arbeiten die Kalifornier an ihrem neuen Album, auf dem sie zum ersten Mal seit 1990 in Originalbesetzung ihre Geschwindigkeitsrekorde brechen. Zum symbolträchtigen Datum 6.6.2006 erscheint in den USA die EP "Eternal Pyre" mit dem neuen Stück "Cult". Der Rest der Welt kann sich den Song am selben Tag ab 06.06 Uhr von der Slayer-Webpage laden. Der Tag ist gut gewählt, denn so haben zahlreiche Metaljünger gleich neues Material zum Headbangen - wird doch just am 6.6.2006 auch der (Inter)National Day Of Slayer ins Leben gerufen. Mittlerweile zum allgemeinen Metaller-Feiertag erkoren, ist es an diesem Tag Pflicht, lautstark Slayer zu hören. Immer und überall.
Doch zurück ins Studio. Dort arbeiten Araya und Co. am Feinschliff für "Christ Illusion". Für die Produktion ist Josh Abraham zuständig, unter Supervision von Rick Rubin. Neben Lombardo und Rubin setzt man auch bei der Covergestaltung auf alte Bekannte. So zeigt sich Larry Carroll für das visuelle Blutbad verantwortlich, das schon vor der Plattenveröffentlichung für Proteste in Kalifornien sorgt. Schon die Artworks von "Reign In Blood", "South Of Heaven" und "Seasons In The Abyss" entstammen seinem Pinsel.
Anfang Juni will die Band dann mit ihrer Unholy Alliance - Chapter II-Tour in Amerika starten. Als Supports sind u.a. Children Of Bodomund Lamb Of God engagiert. Aufgrund einer Gallenblasen-Operation Tom Arayas verschiebt sich der Tourstart auf Mitte Juni.
Im August kommt "Christ Illusion" in den Handel, das neben kompromissloser Schnelligkeit und Härte auch etwas langsamere Nummern zu bieten hat. Im Oktober und November spielen sie fünf Konzerte in Deutschland. Neben Lamb Of God und Children Of Bodom sind auch In Flames mit von der Partie.
Im Interview im Nightliner gaben die Herren Araya und Hanneman Auskunft über die letzte Scheibe "God Hates Us All" und über ihre Empfindungen nach dem Attentat auf das WTC.
Dass Slayer eine gnadenlos geile Live-Band sind, bezweifeln wohl nur wenige. Dass viele der neuen Songs schon beinahe danach schreien, live gespielt zu werden, auch nicht.
Gratulation zum neuen Album. Nach dem ersten Hören hab ich mich gefühlt, als ob ich gerade dreizehn Runden im Ring mit den Klitschko-Brüdern hinter mich gebracht hätte. Ich bin seitdem trotzdem jeden Tag wieder im Ring.
Beide lachen
Tom: Danke, freut mich zu hören, dass wir mal wieder richtig die Fresse polieren konnten.
Warum seid ihr eigentlich extra nach Vancouver, Kanada gegangen, um da eure Platte aufzunehmen?
Tom: Das war Matt’s Idee. Matt Hyde unser Producer wollte die Sache nicht unbedingt in LA durchziehen und schlug die Warehouse Studios in Vancouver vor. Im Endeffekt wäre es aber schlauer gewesen, alles in LA durchzuziehen. Jeff hatte sowieso von Anfang an keinen Bock auf Vancouver.
Jeff: Mich musste man beinahe an den Haaren dahin schleifen. Und wenn ich jetzt zurück denke, muss ich feststellen, dass wenn wir in LA geblieben wären, die Scheibe schon viel früher fertig gewesen wäre.
Tom: Auf jeden Fall. Wir waren da irgendwie nicht so in unserem Element.
Wieso, habt ihr euch da nicht wohl gefühlt?
Tom: Öh, nicht wirklich. Es wurde einfach alles etwas zu exzessiv. Die Barbesuche, die Hockeygames, dann sind wir auch ab und zu heim gefahren zu unseren Familien. Das wäre in LA einfach anders abgelaufen.
Jeff: Ja, definitiv. Da hätten wir uns mehr auf die Sache an sich konzentrieren können. Im Endeffekt sind wir mit der Scheibe voll und ganz zufrieden. Sie tritt gut in den Arsch. Nur in LA wäre sie schneller fertig gewesen.
Kam Bryan Adams mal auf nen Besuch vorbei??
Beide lachen wieder, dabei fällt Jeff beinahe die Sonnenbrille aus dem Gesicht.
Tom: Nein, wir hofften zwar alle, dass er mal reinschaut, tat er aber nicht. Wahrscheinlich ist er erstmal in den Urlaub geflogen, nachdem er gehört hat, wer da in seinen Studios rumwerkelt.
Jeff: Das ging wahrscheinlich so: "Wer ist da drin? Slayer? Taxi!
Tom: Nein, er lebt ja auch gar nicht in Kanada. Er wohnt, glaube ich, in London. Aber die Studios sind wirklich cool. Drei separate Studios auf drei Stockwerken. Sehr angenehm zu arbeiten da.
Ich hab gehört, ihr habt euch das Studio erstmal etwas ummodeliert. In welchem Zustand habt ihr es wieder verlassen?
Jeff: Wir waren brav und haben nichts kaputt gemacht. Hm, schade eigentlich (lacht)
Tom: Wir mussten uns einfach wohl und heimisch fühlen um einigermaßen konzentriert arbeiten zu können. Wir haben also Poster an die Wände gehängt. Ein paar Totenschädel und jede Menge Kerzen verteilt und das Licht soweit gedimmt, dass man beinahe nichts mehr gesehen hat. So wie wir es eben mögen, die Atmosphäre und alles. Alles was wir machen, hat etwas Dunkles an sich.
Für welchen Wrestler war eigentlich der Song "Here Comes The Pain" gedacht und wie kam die Sache ins Laufen?
Tom: Für Sid Vicious aus der WCW. Die Company von ihm trat an uns heran und bat uns, den Einmarsch-Song für ihn zu schreiben. Letztlich haben sie ihn aber nicht verwendet, da er anscheinend zu schnell sei.
Jeff: Er hatte wohl keinen Bock zum Ring zu rennen, aber eigentlich ist der Song doch recht langsam. Jetzt haben wir ihn einfach mit aufs Album genommen und die WCW benutzt ihn als Intro und Outro für die Show. Aber nur das Gitarrenriff.
Ok Jungs, und wie könnt ihr das rechtfertigen, einen so geilen Song wie "Bloodline", für einen so miesen Streifen wie "Dracula 2000" rauszugeben?
Tom: (lacht) Da gibts eigentlich nichts zu rechtfertigen. Als wir den Song geschrieben haben, war der Film noch nicht zu sehen. Wir wurden gefragt und fanden die Idee recht cool. Inzwischen hab ich den Film aber gesehen und muss sagen, mein Toaster hat mehr Ausstrahlung als irgendeiner der Darsteller.
Auch die Idee, dass Dracula mit Judas identisch sei, ist doch dermaßen an den Haaren herbei gezogen ...
Tom: Das hielt ich eigentlich für eine recht interessante Idee. Aber ansonsten ist das kein wirklich großer Film, da hast du recht.
Dabei ist der Song so geil
Jeff: Danke, das ist es doch was zählt. Tut mir leid, dass du den Film sehen musstest (grinst), aber Hauptsache der Song war gut.
Zu gütig. Lasst mich aber jetzt mal auf etwas kommen, was gar nicht zum Lachen war. Der Anschlag auf das WTC. Wann und wo habt ihr davon gehört und was ging euch dabei durch den Kopf?
Tom: Wir sind beide gerade erst von einer Autogrammsession in einem Plattenladen heim gekommen. Das war so eine Mitternachts-Autogramm-Aktion, wo um Punkt zwölf die Türen aufgemacht wurden, und die Fans als allererste die neue CD kaufen und sich ein Autogramm abgreifen konnten. Das ging so vier Stunden und gegen Fünf war ich dann zu Hause. Ich war dann gegen 5.45 Uhr endlich eingeschlafen, als mich meine Frau aufweckte und mir erzählte, meine Schwester habe gerade angerufen. Sie würden das WTC bombardieren. Ich konnte es gar nicht glauben. Ich bin sofort zum Fernseher gerannt und sah, dass das eine Gebäude schon brannte. Ich war noch halb im Schlaf, als das andere Flugzeug dann in den zweiten Tower einschlug und dachte nur: Seh ich hier gerade ne Wiederholung oder passiert das jetzt wirklich gerade? Aber es war keine Wiederholung. Es war unglaublich zu sehen, wie die Gebäude eingebrochen sind. Ich war wie paralysiert. Das was mich am meisten bestürzt, ist die Menge an Personen, die in diesen Gebäuden gearbeitet haben. Sie wissen ja immer noch nicht die genaue Anzahl der Opfer. Zum Glück haben es einige raus geschafft. Eigentlich wollten wir an exakt diesem Tag nach Europa fliegen, aber die Flüge wurden natürlich alle gecancelt. Wir hätten eigentlich nach Irland und Belgien fliegen sollen, aber eine Woche lang ging da gar nichts.
Wie habt ihr euch dann gefühlt, als ihr ins Flugzeug gestiegen seid, um hierher zu fliegen?
Tom: Verdammt unwohl. Vor allem unsere Familien waren über unseren Entschluss hier zu spielen gar nicht glücklich. Jetzt sind wir halt hier, aber wir werden nach der Tour so schnell wie möglich wieder heim fliegen.
Was haltet ihr von den Statements eures Obercowboys Bush Jr? Der Kerl erzählt die ganze Zeit etwas von Krieg, aber bei allem Mitgefühl, es ist nach wie vor ein terroristischer Anschlag einer Gruppe. Wenn man darauf mit Krieg antwortet, ist man selbst der Auslöser.
Tom: Ich frag dich mal was. Angenommen vier Lufthansa Maschinen würden gekidnappt und in irgendwelche öffentlichen Gebäude in Deutschland getrieben. Wie würdest du dann über Krieg denken?
Exakt so wie jetzt auch. Nur weil hierbei Unschuldige gestorben wären, muss das nicht in einem Krieg wiederholt werden.
Jeff: Es ist ne schwierige Frage. Das Problem, das ich dabei sehe, ist eben: Wo ist der Feind, wo sind die feindlichen Truppen? So gesehen ist das natürlich kein Krieg. Ich denke, Bush hat das auch deutlich genug dargelegt, dass das eine ganz andere Art von Krieg ist.
Tom: Ja, das muss auf jeden Fall klar sein. Er muss die Leute daran erinnern, dass wir nicht die Art von Krieg haben, in den Truppen gegeneinander kämpfen. In Amerika ist aber jedem bewusst, dass wir gegen einen unbekannten, unsichtbaren Feind kämpfen. Das Problem ist, dass dieser Feind überall ist. Zu Jeff sagte ich neulich, dass dies jetzt Amerikas Eintritt in die globale Gemeinschaft war. Hier in Europa und in beinahe allen andern Teilen der Welt habt ihr schon lange mit Scheiße wie dieser zu tun. Nicht in dem Ausmaß, aber trotzdem. In Amerika gabs das bis auf einige wenige Ausnahmen so nicht. Das war Amerikas Eingliederung in diese ganze Scheiße. Jetzt müssen wir uns auch um Terrorismus kümmern, vor allem in unserem eigenen Land. Jetzt können wir wohl endlich von "One World" sprechen. Jetzt muss die Welt gemeinsam auftreten und handeln, um den Terror zu bekämpfen. Und das ist es, was Bush sagt.
Er weist auch immer wieder daraufhin, dass wir den Feind nicht kennen und es deshalb ein langer, harter Kampf werden wird. Es soll einfach jeder wachsam und mit dabei sein. Wenn du in Amerika auf den Flughafen gehst, denkst du immer nur: Ach ist das Leben nicht toll, schubidubidi. Hier in Europa hab ich immer das Gefühl, dass die Leute einfach aufmerksamer sind und schauen, ob alles noch stimmt. Jetzt musst du immer und überall wachsam sein und das kotzt mich an. Für mich hat Amerika etwas von seiner Freiheit verloren. Viele von unseren als selbstverständlich erachteten Freiheiten gehen zum Teufel. Einfach um uns selbst zu schützen, das stinkt doch.
Wie kommt es eigentlich, dass ihr nach all den Jahren immer noch so verdammt aggressive Musik macht? Woher kommen die Aggressionen bei euch, worüber regt ihr euch noch auf?
Tom: Wir sind einfach ein Haufen wütender Kerle.
Immer?
Jeff: Nö, jetzt grad nicht (grinst). Aber wir machen halt das, was wir gut können. Verdammt wir sind Slayer, sollen wir auf einmal fröhliche Musik spielen? Das hätte doch nichts mehr mit uns zu tun. Die Fans haben doch bestimmte Erwartungen an uns und die werden eigentlich erfüllt.
Denkt ihr, dass euch Presse und Fans diesmal strenger bewerten bezüglich der Frage, ob ihr eurer Linie treu geblieben seid oder andere Einflüsse mit verarbeitet?
Tom: Oh ja, darauf kannst du einen lassen. Die sind da wesentlich kritischer, da sie ja wissen, was sie erwarten können.
Jeff: Es ist aber nicht so, dass wir uns davon unter Druck setzen lassen. Wenn wir im Proberaum sind, spielen wir, worauf wir Bock haben. Wenn wir dann ein bestimmtes Riff ausarbeiten, stellen wir uns höchsten vor, wie es live wohl an der Rübe schraubt. Das ist dann aber die einzige Überlegung beim Songwriting Prozess. Wir spielen den Sound ja immer noch, weil wir ihn lieben.
In letzter Zeit ist es ja gang und gebe, mit anderen Bands oder Künstlern zu kooperieren. Wie siehts da bei euch aus?
Jeff: Nö, keinen Bock
Tom: Ich hab Max Cavalera auf der letzten Soulfly-Scheibe bei einem Song unterstützt. Aber außer den Tracks mit Ice-T und Atari Teenage Riot für den "Judgement Night"- bzw. den "Spawn"-Soundtrack wars das auch schon. Aber für ein ganzes Album mit anderen Künstlern zu kollaborieren, das wär ja wie ein Side-Projekt.
Haben sich andere Bands mal an euch gewandt?
Jeff: Ich wurde ein paar Mal gefragt, aber meine Antwort war immer: Nope! Nee! Mach ich nich!!
Tom: Das gleiche gilt für mich. Slayer ist ein Full-Time-Job. Ich denke nicht, dass es mich glücklicher machen würde, bei einer anderen Band zu spielen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Diabolus in Musica (1998), Undisputed Attitude (1996), Divine Intervention (1994), Decade of Aggression (Live) (1991), Seasons in the Abyss (1990), South of Heaven (1988)
Hell Awaits (1984), Show No Mercy (1984), Live Undead (1984), Haunting the Chapel (1983)
| Fr | 08.06.2012 | Slayer A-Novarock (Nickelsdorf) | |
| Sa | 09.06.2012 | Slayer Vainstream Rockfest (Münster) |
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Die offizielle Seite hat Hörproben vom neuen Album und gestattet Einblicke ins Coverartwork.
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