Porträt

laut.de-Biographie

Minor Threat

Sie sind Aushängeschild der Washingtoner Hardcore-Szene und mit das Beste, was der amerikanische Punk in seiner Geschichte ausgespuckt hat. Rotzig runtergehobelt schreiben sie gleich nach ihrem High School-Abschluss Punk-Hymnen, von denen kaum eine länger als eine Minute dauert, und die für nachfolgende Generation sowohl musikalisch als auch textlich stilgebend werden sollten.

Alles beginnt, als die High School Freunde Jeff Nelson und Ian MacKaye nach dem Split ihrer Band The Teen Idles eine weitere Formation gründen. Ian, damals gerade 18 Jahre alt, wechselte vom Bass an die Gitarre, während Jeff am Schlagzeug sitzen bleibt. Zusätzlich holt man sich noch den eigentlichen Gitarristen Brian Baker (damals 15 Jahre alt) und verdonnert ihn an den Bass, da die Gitarre schon mit Lyle Preslar besetzt ist. Minor Threat sind geboren und Baker hat gerade einmal einen Monat Zeit, um sein neues Instrument zu beherrschen, bevor der erste Gig ins Haus steht.

1981 vertreiben sie eine erste selbstbetitelte 7" über Ians eigenes Label Dischord, das er für die einzige Single der Teen Idles mit Jeff aus dem Wohnzimmer seiner Eltern heraus "managt". Mit dem zweiten Output macht sich MacKaye dann unbeabsichtigt zu Legende. Grund dafür sind die Zeilen "I'm a person just like you, but I've go better things to do than sit around and fuck my head, hang around with the living dead - snort white shit up my nose, pass out at the shows – I don't even think about speed, that's just something I don't need – I've got straight edge!". Diese beiden Worte werden von einer Szene von Jugendlichen, die jegliche Drogen und Alkohol verneinen, und in der sich auch die Bandmitglieder rumtreiben, als längst überfälliger Name für ihre Lebenseinstellung übernommen. Minor Threat werden daraufhin zu lebenslangen Ikonen dieser Bewegung stilisiert.

Nach weiteren Konzerten in ihrer Heimatstadt und der umliegenden Ostküste löst sich die Band 1981 auf, da Gitarrist Lyle Washington verlässt, um das College zu besuchen. Jeff und Ian gründen kurzzeitig mit zwei anderen Freunden Grand Union/Skewbald - mehr als drei Songs wird diese Band aber nie aufnehmen. Bereits sechs Monate nach seinem Uni-Beginnn kehrt Lyle unzufrieden mit seinem Studium und mit dem Gefühl, in D.C. etwas unvollendet hinterlassen zu haben, zurück, und Minor Threat finden im April 1982 wieder zusammen. Allerdings nimmt Baker im Herbst doch wieder seine geliebte Gitarre in die Hand, und Steve Hansgen kommt als neuer Bassist in die Band. Diese 5er-Besetzung hält bis zum Juni 1983, als Brian Baker Minor Threat verlässt. Er spielt danach in verschiedenen Punk-Bands, bis er mit Dag Nasty vorerst eine halbwegs sichere Beschäftigung findet; später spielt er Gitarre bei Bad Religion.

Mit vier Köpfen tourt man noch kurzzeitig weiter, doch die Chemie innerhalb der Band stimmt aufgrund von Streitereien über Angebote von anderen Labels und die musikalische Zukunft nicht mehr. Im September 1983 spielen sie ihren letzten Gig und beschließen, danach lieber getrennte Wege zu gehen, bevor alles endgültig den Bach herunterläuft. Minor Threat sind Geschichte.

Eine Band, die nicht mal ein komplettes Album veröffentlicht hat ("Out Of Step" kommt im März 1983 offiziell als EP auf den Markt), lässt mit einem Haufen schlecht aufgenommener Singles und rausgebrüllter Statements eine nicht wieder zuerkennende Hardcore-Welt zurück, die ihre Role-Models verliert. In den Folgejahren sollen diese vier bzw. fünf Jungspunde zu einer der einflussreichsten Bands für die komplette amerikanische und weltweite Punk-Szene werden. Die Straight Edge-Szene breitet sich vor allem gegen Ende der Achtziger wie ein Lauffeuer in Amerika aus und Nachfolger wie die New Yorker Hardcore Legenden Youth Of Today oder Gorilla Biscuits haben mit dieser radikalen Einstellung und einer nicht minder radikalen Musik sogar weltweit Erfolg.

Nach dem Ende von Minor Threat konzentriert sich Ian MacKaye zuerst auf seine neue Band Embrace, bevor er mit Fugazi den Weg in den Emo-Core frei machte. Auf seinem Label gab und gibt er immer noch Künstlern wie Jawbox, Shudder To Think oder The Make-Up, eine Möglichkeit sich der Welt zu zeigen.

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