Porträt

laut.de-Biographie

Prince Paul

Ja es gibt sie, die ganz großen Produzenten im Hip Hop-Geschäft: Dr.Dre, Marley Marl, Jay Dee, die Neptunes ... Die Liste der wohlklingenden Namen könnte hier noch ein wenig weitergehen, immerhin hat das Hip Hop-Genre auch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Ein Produzent, der seit Anfang der Achtziger Jahre dabei ist, hört auf den Namen Prince Paul. Aber trotz seiner seit mehr als zwanzig Jahren dauernden Karriere und dem Fakt, dass er seine Finger bei etlichen Klassikern des Genres im Spiel beziehungsweise an den Reglern hatte, wird er selten in selben Atemzug mit den oben genannten erwähnt.

Seine bedingt ruhmreiche Karriere beginnt im Jahr 1981 mit der Gruppe Stetsasonic, die als eine der ersten Rapgruppen auf die Unterstützung einer Liveband zurückgreifen. Inhaltlich gelten die Herren Paul Huston aka Prince Paul (DJ und Rapper), Leonard 'Wise' Roman, Marvin "DBC" Nemley (Drummer/Keyboard/DJ), sowie Glenn 'Daddy O' Bolton, Martin 'Delite' Wright and Bobby 'Frukwan' Simmons (alle Rapper) als Wegbereiter für die nachfolgende Native Tongue-Bewegung mit Schlagwörtern wie Spiritualität, Afrozentrismus, Positivität und musikalischem Anspruch. Gesignt ist das Sextett auf dem legendären Label Tommy Boy und veröffentlicht zwischen 1986 und 1991 drei Alben, die sich zu wahren Klassikern entwickeln. Nach "Blood, Sweat & No Tears" ist jedoch Schluss mit der Gruppenarbeit, Stetsasonic gehen getrennte Wege.

Der letzte Longplayer hatte bereits hörbar die Handschrift von Prince Paul angenommen, der durch seine Zusammenarbeit mit De La Soul zu einem gefragten Produzenten avancierte. Für deren Debüt "3 Feet High And Rising", das als eines der besten Hip Hop-Alben aller Zeiten gilt, darf er sich verantwortlich fühlen. Die innovative Art des Samplens und seine Detailverliebtheit, die manchen Beats die Komplexität eines Hörspiels verleiht, prägen das De La Soul-Debüt und haben großen Einfluss auf folgende Generationen von Produzenten. Nebenher arbeitet Paul an weiterem klassischem Material mit Künstlern wie Boogie Down Production, MC Lyte, Big Daddy Kane oder 3rd Bass.

Ins hellere Rampenlicht schreitet Paul 1994, indem er sich mit Wu-Tang-Boss RZA (hier The Rzarector), Poetic (The Grym Reaper) und Frukwan (The Gatekeeper) zur Gruppe Gravediggaz zusammenschließt. Unter dem Pseudonym The Undertaker schafft Paul, mit Hilfe seiner totengrabenden Mitstreiter, ein musikalisches Meisterwerk aus düsteren Soundteppichen und erschreckenden, aber nicht ganz ernst gemeinten Friedhofs-Lyrics. "6 Feet Deep" (in Europa unter dem Titel "Niggamortis" erschienen) ist das totale Gegenteil zum De La Soul-Werk, dessen Cover Blümchen zieren, und muss als spielerischer Geniestreich gewertet werden. RZA und Prince Paul übertreffen sich in der Brachialität ihrer Beats und erschaffen Übertracks, die bis heute ihresgleichen suchen ("Bang Your Head", "Diary Of A Madman", "Trippin'", "Nowhere to Run, Nowhere to Hide"). Nach dem überraschenden kommerziellen Erfolg (Platz 40 der Billboardcharts) trägt das Gravediggaz-Projekt weitere Früchte. 1997 folgt "The Pick, The Sickle And The Shovel", läutet aber auch das Ende der Zusammenarbeit mit Prince Paul ein.

So bleibt dem Produzenten also Zeit, um an einer Solo-Karriere zu arbeiten, wobei die Bezeichnung Karriere auf Paul nicht ganz zutrifft. Kommerzieller Erfolg und die ihm gebührende Anerkennung in der Szene bleiben dem Musiker verwährt. Man muss aber auch sagen, dass Prince Paul einen Hang dazu hat, seinen Zuhörern ein wenig zu viel zuzumuten. Das Solodebüt "Psychoanalysis: What Is It?" (1997) ist voll gepackt mit Samplespielereien und musikalischem Brimborium und überfordert wohl die Hip Hop-Hörer. Zu Gute halten muss man Prince Paul trotz seiner überladenen Alben, dass sich etliche weitere Rap-Platten ein Beispiel an den frühen Werken von Prince Paul nehmen. An der Verbreitung der kurzen Voice-Samples, den hörspielartigen Kurzszenen zwischen den eigentlichen Songs, meist Skits genannt, war Paul maßgeblich beteiligt. Einige sind sogar der Meinung, dass Prince Paul den Skit erfunden hat.

Etwas weniger abgefahren ist "A Prince Among Thieves" 1999, das in eine etwas andere Richtung geht. Hier verbindet der Produzent vorwiegend straighte Beats mit Streicher- und Piano-Loops und sollte so auch dem weniger offengeistigen Rapfan Freude bereiten. Für Paul wäre so ein Projekt jedoch zu einfach. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich "A Prince Among Thieves" schließlich als Konzeptalbum, das den Versuch wagt, eine Hip Hop-Oper zu konzipieren. Prince Paul erzählt dabei mit Hilfe von Xzibit, Kool Keith, De La Soul, Big Daddy Kane, Chubb Rock, Sadat X und Chris Rock die Geschichte von Tariq, einem bemühten Rapper, der beim Aufnehmen seines Debütalbums vor etlichen Problemen steht. Das Album unterstreicht Pauls Klasse, die hier weit über sein musikalisches Talent hinausgeht.

Neben der Arbeit an dem Gravediggaz-Projekt schließt sich Paul zu einer weiteren musikalischen Familie zusammen. Mit Dan the Automator gründet er die Handsome Boy Modeling School, eine Einrichtung, bei der man aus einem Mix aus Funk, Hip Hop, Rock, Jazz und Reggae die Regeln des guten Benehmens erlernt. Seinen Anfang nimmt dieses genreübergreifende Projekt im Jahr 2000 mit "So ... How's Your Girl?". Fünf Jahre später folgt "White People", das die musikalische Open Mindness von Prince Paul durch die Zusammenarbeit mit Mike Patton, Alex Kapranos, The Mars Volta, RZA, Chino Moreno, Pharell Williams, Jack Johnson oder Del Tha Funkee Homosapien einmal mehr unter Beweis stellt.

Die Solo-Diskografie erweitert Paul 2003 mit einem neuen Konzeptalbum, auf dem er mit der Businesswelt des Rapzirkus abrechnet. Einmal mehr staunt man über die Gästeliste: unter anderen finden DJ Premier, Eric Sermon, Keith Murray, Tony Touch, Guru, Biz Markie, Masta Ace, Jean Grae, MF Doom, Ice T und die Beatnuts Gefallen an Pauls Zynismus und schießen scharf in die Richtung der Büros der Plattenbosse.

2005 nähert sich Prince Paul wieder seinem Solodebüt und frönt seiner Innovationsfreude. "Itstrumentals" beinhaltet schräge Samples, erneut Hörspielanleihen und einer Menge Nonsens, was in einem überzeugenden Album mit rotem Faden resultiert. Auf Gäste verzichtet Paul auf diesem Werk komplett und überlässt die Textarbeit seinem Sampler, aus dem wohl in naher und ferner Zukunft weitere Spinnereien kommen und allen verbohrten Hip Hop-Heads die Köpfe verdrehen werden.

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