Porträt

laut.de-Biographie

Cee-Rock "The Fury"

"Ja, doch. Du kannst was." Nicht gerade die euphorischste Reaktion, die eine Demo-Aufnahme hervor rufen kann. Stammen diese Worte jedoch aus dem Mund einer Legende wie Rakim, kommen sie für einen jungen Rap-Fan einem Ritterschlag gleich.

Cee-Rock, 'The Fury' trägt die Anekdote, wie er einst seinem Idol begegnete, wie einen Orden. Dass C. S. Anderson dem Hip Hop verfällt, verwundert nicht wirklich. Geboren und aufgewachsen im New Yorker Stadtteil Queens saugt er die Anfänge des im Entstehen begriffenen Genres wenn nicht mit der Muttermilch, so doch mit der Atemluft ein.

Am Linden Boulevard, den A Tribe Called Quest berühmt gemacht haben, bleibt einem zu Beginn der 80er Jahre schließlich kaum etwas anderes übrig. "Cee-Ski, Super-Cee, Cee-Lover ... Jeder musste damals so einen Namen haben. Cee-Rock blieb irgendwie hängen", erinnert sich der Mann, der seinem Alias später noch den Zusatz 'The Fury' anhängt.

In nächster Nachbarschaft zu den Legenden der Goldenen Ära des Hip Hop verbringt Cee-Rock seine Jugend. Er verfolgt den Werdegang von Stetsasonic, den Trecherous Three, den Fat Boys und den Funky Four plus One.

Cee-Rock sieht Run DMC und LL Cool J aufsteigen, lässt sich von Public Enemy, Kool Moe Dee, EPMD, A Tribe Called Quest, Queen Latifah, Brand Nubian, KRS-One, Gang Starr, Slick Rick, Kool G Rap und Rakim beeinflussen. "Außerdem hörte ich natürlich auch James Brown, Parliament, Brothers Johnson und solche Sachen. You gotta have the funk!"

Bereits in den 80er Jahren reicht Cee-Rock das bloße Zuschauen nicht mehr. Er schreibt eigene Texte, greift selbst zum Mic und schärft seine Skills, so oft es nur geht. Den Rap-Battles auf der Straße folgen erste Auftritte und Kollaborationen mit Kollegen. Insbesondere arbeitet Cee-Rock mit seinem Freund Tim McKasty, dem Bruder der Produzentenlegende Paul C, zusammen.

Gerne und oft erzählt er von der denkwürdigen Begegnung: Eben auf dem Heimweg von einem Vorstellungsgespräch, erspäht Cee-Rock den Jeep Rakims. "Ich wusste, dass es sein Auto war. Ich hatte ihn schon öfter darin gesehen." Er beschließt, die Gelegenheit beim Schopf zu packen. "Ich wartete eine halbe Ewigkeit, dass Rakim aus dem Gebäude kam. Ich wollte gerade aufgeben und ihm einen Zettel unter den Scheibenwischer klemmen, da tauchte er auf. Er hatte seinen Sohn dabei und ein Mädchen."

Ganz klassisch outet sich Cee-Rock als Rakims größter Fan und nötigt ihn dazu, seinem Demo, das er selbstverständlich stets mit sich führt, ein Ohr zu gönnen. Statt ihn abzuwimmeln, scheucht Rakim Frau und Kind auf den Rücksitz, lässt den Jungen einsteigen und sein Band abspielen. Das Urteil: "Yeah, you got some skills!" Spätestens jetzt steht Cee-Rock sein Weg klar vor Augen.

"Queens hat eine ganze Menge Talente hervorgebracht", so Cee-Rock im Interview mit ukhh.com. "Ich wollte auch auf dieser Liste stehen. Mein Ziel, das ich über Jahre hinweg verfolgt habe, war, mein Talent auf das Level von Künstlern zu heben, die ich bei Hot Tracks, bei Friday Night Videos oder auf Yo! MTV Raps gesehen habe."

Beobachte und lerne lautet die Philosophie. "Genau hin zu schauen war sehr wichtig, um zu kapieren, wie Dinge laufen. Es gab diesem ganzen Wahnsinn Methode, machte eine Wissenschaft daraus. Und wenn du die richtige Formel gefunden hast, bist du the freakin' man!"

Cee-Rock beschränkt seine Aktivitäten nicht auf seine Nachbarschaft. Auch, wenn er lange keine eigene Veröffentlichung vorzuweisen hat, arbeitet er doch mit zahlreichen anderen Künstlern zusammen. 1997 führt ihn der Weg nach Schweden, wo er u.a. Promoe, Looptroop und DJ Erase, einen seiner späteren Produzenten, kennen lernt. Mit dem Remix von "The Things You Do" seines schwedischen Kollegen George landet er erstmals in den Charts.

Mehrfach tourt Cee-Rock von Skandinavien aus durch Clubs und über Festivals in Europa. Auftritte in den USA und eine zweimonatige Tournee durch Südafrika schließen sich an. Cee-Rock teilt sich die Bühnen mit Flavor Flav, The Alchemist, Mobb Deep, Tim Dog, der Rock Steady Crew und DJ Static. Sein Erscheinen in Nas' Video zu "Hate Me Now" hebt sein Gesicht ins Bewusstsein einer breiteren Masse von Fans.

Bis er 2005 endlich sein Debüt "Bringin' Da Yowzah!!!" veröffentlicht, hat Cee-Rock, 'The Fury' bereits eine umfangreiche Fährte von Featureauftritten auf Alben anderer Künstler gelegt und sich eine Reputation als kredibler MC, Texter und Produzent erworben - und das ganz ohne sich deftiger Sprache zu bedienen. Der Sticker auf dem Cover verkündet: "No Parental Advisory Necessary".

"Um mich zum Fluchen zu bringen, muss schon etwas Dramatisches passieren. Wenn mir zum Beispiel eine Bowlingkugel auf den Fuß fällt oder ich einen Zehn-Millionen-Lottoschein verliere, dann fluche ich schon mal. Viele andere haben vielleicht einen begrenzten Wortschatz und keine Wahl, als die Lücken mit Schimpfwörtern zu füllen. Ich brauch' das nicht, ich kann mich recht gut artikulieren. Ich meine, um street zu sein, musst du noch lange kein Neandertaler sein."

Seine Single "Kill Da Killin'" verdeutlicht diese Einstellung. "Dieses ganze Gangstergerede, wie viele Leute jemand töten kann oder schon getötet hat ... Das wurde doch alles schon gespielt. Wenn du Eindruck machen willst, versuch' etwas zu töten, das noch zu töten ist: das Töten selbst."

"Rings um mich sehe ich Rapper sterben - für nichts", kommentiert er in einem anderen Interview. "Jeder glaubt, sich etwas beweisen zu müssen. Sich auf einer Platte zu battlen, scheint plötzlich nicht mehr genug. Die Jungs glauben, sie müssten die Sache auf ein physisches Level heben. Aber das hat mit Hip Hop nichts mehr zu tun. Wenn alles, was du willst, Leute erschießen ist, kannst du genauso gut zur Army gehen und dich in den Irak schicken lassen." (oldtothenew.wordpress.com)

"Bringin' Da Yowzah!!!" samt Features von Promoe, Mikey D von Main Source sowie den New Yorker Kollegen Tah Phrum Duh Bush und Coole High, mit denen er zuweilen als 3DA, Three Different Anglez, antritt, beschert Cee-Rock, 'The Fury' Vergleiche mit Chuck D, Ice Cube, Rakim, Redman, KRS-One und Nas. "Wenn du die alle in einen Mixer packst, kriegst du die Essenz von Cee-Rock."

"Wenn Leute sagen, ich sei oldschool, ist das cool, denn das war die echteste Ära, damals bedeuteten Musik und Lyrics noch etwas. Damals erkannten die Leute den Unterschied zwischen guter und schlechter Musik. Heute wirken die Konsumenten alle, als hätten sie eine Gehirnwäsche hinter sich, sie akzeptieren, was immer man ihnen vorsetzt, ungeachtet der Qualität."

Freundlicher Kritiken zum Trotz bleibt "Bringin' Da Yowzah!!!" insbesondere dem Publikum in Europa weitgehend vorenthalten. Um so erfreulicher, dass man sich bei !Handzup!, der Hip Hop-Unterabteilung von Turmic Records, der Cee-Rock als Chef des A&R-Bereichs vorsteht, zu einer Neuauflage entschließt. Von 19 auf elf Tracks gestrafft, erscheint "Bringin' Da Yowzah!!!" im Sommer 2008 in Zusammenarbeit mit dem britischen Label Abstract Urban erneut.

Cee-Rock, 'The Fury' raucht und flucht immer noch nicht und hält sich von Drogen fern - mit einer Ausnahme: Dem Hip Hop ist er ungebrochen verfallen. "In this hip hop game I was 'born to do it' like Craig David", resümiert er gegenüber ukhh.com. "Ich kann nichts dagegen tun. Es ist meine Gabe und mein Fluch."

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