Porträt

laut.de-Biographie

Stetsasonic

Hip Hop ist für Leute, die keine Instrumente beherrschen. Diese irrige Ansicht findet sich bevorzugt bei Kleingläubigen, die sich weder mit der Musikrichtung noch mit ihrer Geschichte auch nur ansatzweise auseinandergesetzt haben. Liveinstrumente existieren im Hip Hop seit Jahrzehnten. Eine der ersten Crews, die dieses Potenzial für sich entdeckt, entstammt den frühen 80ern: Nicht umsonst spicht man bei Stetsasonic von DER Hip Hop-Band.

Anfang der 80er Jahre tingeln Daddy O (im Ausweis steht der Name Glenn Bolton) und Delite (bürgerlich Martin Wright) durch die Clubs in Brooklyn, New York. Als Stetson Brothers (ganz recht, benannt nach dem Hersteller bekannter Hüte) sammeln sie auf ihrem Weg nach und nach weitere Mitglieder auf. Mit Prince Paul (Paul Houston), Wise (Leonard Roman), Frukwan (Bobby Simmons) und Drummer, Keyboarder und DJ DBC (Marvin Nemley) ist das Sextett komplett und benennt sich zum Release des Debüts in Stetsasonic um.

"On Fire" erscheint 1986, wie auch die beiden folgenden Alben, bei Tom Silvermans legendärem Label Tommy Boy. Stetsasonic setzen auf positive Texte, den Gebrauch von Jazz-Samples und gelten als Vorreiter der Native Tongue-Bewegung bzw. Wegbereiter einer alternativen Strömung im Hip Hop. Mit "A.F.R.I.C.A." veröffentlichen sie 1987 einen der ersten Rap-Tracks afrozentrischen Inhalts.

Die Geister der Kritiker scheiden sich an "On Fire". Als echter Durchbruch Stetsasonics muss das Nachfolge-Album "In Full Gear" von 1988 gewertet werden, das mit "Sally" und "Talkin' All That Jazz" gleich zwei Erfolgsnummern enthält. "In Full Gear" wird nahezu uneingeschränkt wohlwollend aufgenommen. "Talkin' All That Jazz" mit einer Funk-Bassline aus Lonnie Liston Smiths "Expansions" und einem Sample des Jazz-Trompeters Donald Byrd schafft aus sattsam bekannten Versatzstücken etwas völlig Neues. Der Track zählt wie kaum ein anderer zu den Klassikern des Genres. Die Kritik, Sampling sei nichts anderes als Diebstahl, wird mit "Talkin' All That Jazz" humorvoll und bravourös ad absurdum geführt.

"Blood, Sweat & No Tears" von 1991 gilt weithin als bestes und vielseitigstes Stetsasonic-Album. Der Einfluss sozialkritischer Lyrics wie der von Public Enemy ist unüberhörbar. Dennoch befindet Daddy O, der Crew seien über die Jahre die Ideen ausgegangen. 1992 trennen sich Stetsasonic.

Prince Paul, der sich bereits mit der Produktion von De La Souls bahnbrechendem "Three Feet High And Rising" einen Namen gemacht hat, bleibt der Produzententätigkeit treu. Unter anderem trägt er die Verantwortung für das 1995 erscheinende Solo-Debüt des Gitarristen Vernon Reid. Er veröffentlicht 1997 ein eigenes Album ("Psychoanalysis: What Is It?") und zwei Jahre später, unter Mitwirkung von Big Daddy Kane, Everlast, Xzibit, Kool Keith und anderer, die Hip Hop-Oper "A Prince Among Thieves". Mit Dan The Automator bildet er Handsome Boy Modeling School - seine Solo-Laufbahn ist gesichert.

Frukwan und Prince Paul sind als The Gatekeeper bzw. The Undertaker gemeinsam mit Too Poetic und Wu-Tangs RZA bei den Gravediggaz zu finden. Daddy O verschlägt es ebenfalls an die Regler. Er produziert unter anderem für Mary J. Blige, die Red Hot Chili Peppers und Queen Latifah.

Ein letztes (posthumes) Lebenszeichen von Stetsasonic liefert 2001 die Wiederauflage von "On Fire". Hoffnungen auf ein Comeback der Mannschaft erweisen sich allerdings als haltlos und vergebens.

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