Porträt

laut.de-Biographie

Brand Nubian

Militanz, Rassismus und Schwulenhass zählen nicht ohne Grund zu den Vorwürfen, die sich Brand Nubian Mitte der 90er Jahre gefallen lassen müssen. Dass die New Yorker Crew ungeachtet ihrer offen zur Schau gestellten zweifelhaften religiösen wie politischen Ansichten Hip Hop-Geschichte schreibt, liegt an ihrem enormen musikalischen Vorsprung: In Stil und Sound der Native Tongues-Posse nahestehend, setzen Brand Nubian besonders mit ihrem Debüt-Album "All For One" einen Meilenstein. Über die Jahre inzwischen wesentlich besonnener geworden, tauchen Brand Nubian immer wieder genau dann aus der Versenkung auf, wenn man am wenigsten mit ihnen rechnet.

Glaubt man Sadat X, so geht die Gründung von Brand Nubian im Jahr 1989 auf die Initiative von Jazzy Jay zurück. In der New Yorker Vorstadt New Rochelle finden sich vier junge Herren: Grand Puba (mit bürgerlichem Namen Maxwell Dixon) war bisher mit der Crew Masters Of Ceremony unterwegs. Er, Derek Murphy (zunächst als Derek X, später als Sadat X bekannt), dessen Cousin DJ Alamo und Lord Jamar (Lorenzo DeChalus) bilden die ursprüngliche Besetzung.

Nahezu sofort kommen Brand Nubian bei Elektra unter; hier erscheint 1990 "All For One". Obwohl alle drei Singles ("All For One", "Slow Down" und "Wake Up") reichlich Beachtung finden und überwiegend positive Kritiken ernten, sind die Meinungen bezüglich Brand Nubian geteilt. Warum? Der Truppe wird Rassismus unterstellt; die Texte - besonders stark in die Diskussion gerät "Drop The Bomb" - sprechen eine überdeutliche Sprache. Die Auswirkungen dieser Debatte dürften sich zwar nur unwesentlich auf die Verkaufszahlen niedergeschlagen haben, ein breites Publikum (und damit der Einstieg in die R'n'B- oder gar die Pop-Charts) ist mit Hasstiraden allerdings ganz offensichtlich schwer zu erreichen. "All For One" gerät nicht gerade zum kommerziellen Erfolg.

Nur wenig später kommt es innerhalb der Crew zu Unstimmigkeiten; Grand Puba, dem nachgesagt wird, er reiße den Großteil der Rap-Parts an sich, verlässt die Gruppe Ende 1991. Ein schwerer Schlag für Brand Nubian, verlieren sie so nicht nur ihren (unbestritten virtuosen) Frontmann und Hauptproduzenten, sondern auch gleich noch den DJ: Alamo zieht es vor, weiterhin mit Puba zu arbeiten. Grand Puba veröffentlicht im Jahr darauf sein Solo-Debüt "Reel To Reel".

Lord Jamar und Sadat X bemühen sich in der Zwischenzeit um Ersatz für den verwaisten Platz an den Decks: Sie holen sich Terrence Perry aka DJ Sincere ins Boot. 1993 erscheint "In God We Trust" und verkauft sich überraschend gut. Brand Nubians zweites Album verfehlt den Einstieg in die R'n'B-Top-10 nur knapp. Ohne Grand Puba gestalten sich die Einlassungen von Brand Nubian, die stets unter dem Einfluss der Five Percent Nation Of Islam standen, noch weitaus deutlicher. Die offene Hetze gegen Schwule in "Punks Jump Up To Get Beat Down" stößt (glücklicherweise) etlichen Kritikern sauer auf, ebenso werden die eindeutig pro-islamischen Texte mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

Ganz schlimm wird es 1994 mit "Everything Is Everything". Brand Nubian präsentieren sich hier in einer Weise dogmatisch, dass es selbst denjenigen, die sie bisher (aufgrund ihrer musikalischen Qualitäten, die sie von anderen, politisch und ideologisch ähnlich gelagerten Bands abheben) eisern in Schutz nahmen, zu viel wird. Das Album kommt entsprechend schlecht an. Es dauert deshalb nicht sehr lange, bis die Mitglieder getrennte Wege gehen - zunächst.

Sadat X tut sich noch einmal mit seinem ehemaligen Weggefährten Grand Puba zusammen. Das Resultat dieser Kollaboration, "Play It Cool", findet sich auf Pubas zweitem Solo-Album. Sadat X kann es allerdings auch alleine: 1995 veröffentlicht er sein Debüt "Wild Cowboy". Lord Jamar verlegt sich aufs Produzieren und treibt nebenher seine TV-Karriere voran.

Die Crew Brand Nubian tritt erst 1998 wieder auf den Plan: Die ursprünglichen vier Mitglieder spielen gemeinsam ihr Reunion-Album "Foundation" ein, das bei Arista Records erscheint. Trotz positiver Resonanz konzentrieren sich sowohl Grand Puba als auch Sadat X weiterhin auf ihre eigenen Angelegenheiten. Sadat X, dessen zweites Album immer noch auf sich warten lässt, bringt in der Zwischenzeit - quasi als Appetithäppchen - die EP "State Of NY Vs Derek Murphy" unters Volk.

Es wird 2004, bis das Projekt Brand Nubian ein weiteres Mal reanimiert wird: Neben dem Album "Fire In The Hole" verbuchen Brand Nubian einen weiteren Erfolg: Ihr "Brand Nubian" betitelter Track kommt im Videospiel "Grand Theft Auto: San Andreas" zu Ehren und findet auf diesem Wege enorme Verbreitung. Brand Nubian verwenden hierfür Samples aus George Clintons "Flashlight" sowie aus "Rigor Mortis" von Cameo. Bereits ein Jahr später spicht Sadat X, der nach knapp zehn Jahren tatsächlich sein Nachfolge-Album "Experience & Education" fertig gestellt hat, von einem in Planung befindlichen weiteren Brand Nubian-Album. Betrachtet man die Abstände, in denen die Lebenszeichen von Brand Nubian in der Vergangenheit zu verzeichnen waren, ist also innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre mit einem neuen Longplayer zu rechnen.

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