Porträt

laut.de-Biographie

Fiva MC und DJ Radrum

"Eure Show wirkt vom Ablauf her eher wie ein Soundcheck / und obwohl da ein paar Typen rappen, hört es sich an wie Frauenrap!" Als Samy auf seinem Debütalbum mit Dynamite DeLuxe das gängige Vorurteil in Worte verpackte, Frauen fehle schlichtweg der Groove, um ordentlich zu rappen, kannte er wohl die Münchnerin Fiva MC noch nicht.

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Fiva, die in Wirklichkeit Nina Sonnenberg heißt, kommt 1995 zum Hip Hop, als sie im Feierwerk in Bayerns Hauptstadt ein Konzert des mittlerweile legendären Rapperkollektivs Die Klasse Von 95 besucht. Zuvor wollte sie unbedingt Tänzerin werden, doch ab diesem Zeitpunkt widmet sie sich im stillen Kämmerlein intensiv dem Sprechgesang. Als sie 1999 das erste Mal mit einem Freestyle in Erscheinung tritt, hat ihr Flow bereits ein derart hohes Level erreicht, dass sie kaum ein Jahr später mit MC Rene auf Tour gehen darf.

Ihr DJ und Beatbastler, DJ Radrum, beschäftigt sich schon weit früher mit Rapmusik. Inspiriert von Public Enemy und Run DMC sowie restlos begeistert von einem David Pe-Konzert, gründet er 1994 seine eigene Crew.

Während seine Schulfreundin Fiva heimlich an ihren Skills arbeitet, versucht er sich bereits am Produzieren von Beats und ab 1997 auch am DJing. So legt er bald in verschiedenen Clubs in München auf, unter anderem im Flava Club 70, in dem Fiva das erste Mal freestylt.

Gemeinsam nehmen die beiden ein Demotape auf, bevor es mit Rene auf besagte Tour geht. Innerhalb kurzer Zeit erarbeiten sie sich einen respektablen Ruf. 2001 unterschreibt das Duo bei Buback in Hamburg, gemeinsam mit Four Music das damals wichtigste Label für deutschen Sprechgesang. Es folgt die erste Single "Status Quo" und eine Tour mit den Ruhrpott-Poeten RAG.

Danach schließt man sich gemeinsam mit Glammerlicious von Main Concept ins Studio ein und releast im Jahr 2002 das Album "Spiegelschrift", das bei allen ernstzunehmenden Magazinen nichts als Lob einheimst. Solider, intelligenter Deutschrap, voll liebenswerter Wortspiele und fernab der sonst üblichen Phrasendrescherei. Es folgen die erste eigene kleine Tour und ein Feature mit Blumentopf-DJ Sepalot und Esther.

2003 ist das Duo gemeinsam mit Yage und Joy Denalane Thema des Dokumentarfilms "More Than Music". Dieser stellt Musiker vor, denen es neben der Musik auch um die Kunst und das Gefühl dahinter geht. Neben dem Rappen nimmt Fiva auch an Poetry Slams teil und belegt nach kurzer Zeit bei einem nationalen Treffen den dritten Platz. Obendrein beginnt sie 2004, Theaterstücke zu schreiben und arbeitet an dem neuen Album "Kopfhörer". Quasi nebenher studiert sie noch Soziologie in München.

2005 zeigen sich Fiva und Radrum auf der Fettes Brot-Tour als überaus eingespielter Supportact. Dennoch lässt der Release der zweiten Albums auf sich warten. Die Raplabellandschaft steckt in einer tiefen Krise, Buback ist die weitere Kooperation mit einem 'Singer/Songwriter-MC' zu heikel. Die logische Konsequenz: Das Duo gründet sein eigenes Label Kopfhörer Recordings und releast darauf auch gleich eine EP mit dem Namen "Zurück In Die Zukunft".

Die zweite ("Rücken Zur Wand") folgt im Winter des selben Jahres in Zusammenarbeit mit dem Mannheimer Mnemonic. Ebenso wie dessen kurze Zeit später releastes Album erscheint auch diese über die eigene kleine Plattenfirma.

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Trotzdem verzögert sich der Release von "Kopfhörer" noch um ein weiteres Jahr, auch weil Fiva in dieser Zeit ihre Diplomarbeit schreibt. Erst im November 2006 beschert die Rapperin ihrer kleinen, aber dafür um so fanatischeren Fanschar, vorgezogene Frühlingsgefühle.

Nina Sonnenberg nutzt die große Bandbreite ihres lyrischen Talents auch anderweitig. Neben einem festen Sendeplatz bei u.a. FM4 macht sie sich im Podcast für den bayrischen Rundfunk einen "Reim auf die Welt" und veröffentlicht 2007 ihr erstes Buch "Klub Karamell", eine Ansammlung von rhythmischen Spoken Word-Lyrics mit beiliegender Audio CD.

Im Frühling 2009 releast die Rapperin das Album "Rotwild" solo, da Partner Radrum gerade im Diplomstress steckt. In seiner Funktion als Beatbastler ersetzt ihn Flip von der befreundeten Linzer Rapkapelle Texta.

Fürs vierte Album und die anschließende Tour formiert Fiva gar eine ganze Backingband: Das Phantom Orchester. Neben dem Wiener DJ Phekt und Sportfreunde Stiller-Drummer Flo Weber besteht dieses aus den zuständigen Produzenten: Rüdiger 'Rüde' Linhof, (Kontra-)Bassist und ebenfalls Sportis-Mitglied, und Paul Reno, der jahrelang bei der Münchner Nu Metal-Band Emil Bulls als DJ Zamzoe hinter den Turntables stand. Auf "Die Stadt Gehört Wieder Mir", das im Februar 2012 auf den Markt kommt, vernimmt man zusätzlich ein dominantes Streichquartett.

Von DJ Radrum spricht zu dem Zeitpunkt keiner mehr, das neue Team tritt im Herbst 2012 beim Bundesvision Song Contest für Bayern an. Knapp zwei Jahre später legt Fiva ihr fünftes Album "Alles Leuchtet" nach: eine Zusammenarbeit mit den Wiener Musikern Herbert Pirker, Stephan Kondert und Philipp Nykrin, die den organischen Sound des Phantom Orchesters teilweise aufgreifen.

Doch parallel geht es auch mit der Moderationskarriere voran, seit 2011 steht die Münchnerin für ZDFkultur vor der Kamera. Unter anderem die Grimmepreis-Nominierung ihrer Sendung "Der Marker" beweist: Nina Fiva Sonnenberg hat sich mit ihrem Sprachtalent in die verschiedensten Richtungen, doch gerade dadurch zu einer beeindruckenden Persönlichkeit entwickelt.

News

Alben

  • Offizielle Seite

    Hübsch designte Homepage der Rapperin.

    http://www.ninafivasonnenberg.de/
  • Kopfhörer Records

    Die Homepage des Labels.

    http://www.kh-rec.de
  • Facebook

    Nina Sonnenbergs offizielles Profil.

    https://www.facebook.com/NinaFivaSonnenberg

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