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Blumentopf aus München sind seit 1992 Kung Schu, Holunder, Specht und Master P, die ungeniert und direkt über heikle Themen rappen und dabei von DJ Sepalot unterstützt werden, der seine MCs mit orginellen Instrumentals versorgt. Der Name Blumentopf hört sich für die meisten Menschen zunächst sinnlos an, doch dahinter versteckt sich ein durchdachtes Konzept. Definiert nach dem Brockhaus-Lexikon ist der Blumentopf ein "Kegel- oder pyramidenstumpfförmiges Gefäß aus Ton (hart gebrannt, aber porös), Kunststoff u.a. zum Bepflanzen von Nutzgewächsen."
Aus diesem Topf sprießt ein Gewächs namens Hip Hop, das 1997 per Debütalbum "Kein Zufall" auf durchaus fruchtbaren Boden fällt. Die Pflanze wuchs und gedieh auf Jams und Tourneen, beispielsweise mit Fettes Brot und Main Concept. Die Blüte des ersten Albums ist die Single "6 Meter 90", die kuriose Geschichte eines Mädchens, das sich im Boygroup-Fieber aus dem Fenster stürzt. Die Blumentöpfe reimen auf eine sehr direkte Weise, so ehrlich, dass sie ihr freizügiges Denken von vielen anderen deutschen Hip Hoppern abhebt.
1999 pflanzen die zunächst beim Fanta 4-Label Fourmusic beheimateten Münchener den zweiten Samen ein, das Album heißt "Großes Kino" und seine Wurzeln greifen tief in die Gesellschaft, menschliche Beziehungskisten und das System. Das Gewächs trägt schwere Früchte, deren Samen viel Material für neue Triebe bildet. Und wenn diese Samen auf fruchtbaren Boden fallen, braucht man noch viel mehr Blumentöpfe um alle Pflanzen züchten zu können. Eine kleine Metapher, die den tiefgreifenden Inhalt der Musik aus dem Herzen des konservativen Bayerns widerspiegelt.
Der dritte Longplayer "Eins A" steigt zwei Jahre später auf Rang 16 der Media Control Charts ein und die Crew geht auf ausverkaufte Tourneen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz (u.a. mit Sens Unik). Hinzu kommen zahlreiche Festivals (u.a. bei Rock am Ring, Rock im Park, bei den MTV HipHop Open, dem Splash und beim Summer Jam). Die Töpfe sind mittlerweile schwer beliebt. Für "Eins A" gibt es eine Nominierung beim Cometen und die Leser des Hip Hop-Mags Juice küren sie 2001 und im Folgejahr zur besten Live-Band und Rap-Crew. Mit dem Album "Gern Geschehen" erweitern die fünf bayerischen Freestyle-Fachleute 2003 erneut ihr stilistisches Repertoire.
Nach einer kurzen Pause, in der DJ Sepalot sein Solo-Album Fraud veröffentlicht (kurioserweise interpretiert er dort alte AC/DC-Hits neu), geht die Band 2005 im Auftrag des Goethe-Instituts auf Tournee durch den Nahen Osten. Zum zehnjährigen Jubliäum (die erste EP "Abhängen" erschien 1996) meldet sich der Topf zu allererst per TV zurück. Für die ARD kommentieren die Münchner rappend die Fußball-Weltmeisterschaft, derweil ihr fünftes Album "Musikmaschine" erscheint.
Ein offenbar harmonisches Miteinander, denn vier Jahre später wiederholt sich die Szenerie. Pünktlich zum Start der Fußball-WM in Südafrika erscheint nach diversen Soloprojekten das gemeinsame Comeback unter dem Titel "Wir". Nach Aussage der Gruppe ein deutliches Bekenntnis zu Beats und Cuts, zu Samples und Reimen. 2012 erscheint die Platte "Nieder Mit der GbR" und der Topf katapultiert uns in die 90er zurück. Musikalisch sind die Münchner wieder dahoam.
"Man muss jetzt keinem mehr beweisen, was für ein krass anderer Typ man ist", beschreibt Roger ihren tandpunkt, und das steht ihnen auch zu.
Roger, Schu und Sepalot über den Bundesvision Song Contest und den Tod des DJs.
Im wunderschönen Zürcher Kaufleuten treffen wir drei der fünf Blumentopf-Jungs zum Interview. Auf edlen Couches zeigen sich die Münchener kritisch sowohl gegenüber den Fragen wie auch sich selbst.
Die Zicken von Aufnahmegeräten aus der Vorzeit verzeihen sie jedoch warmherzig. Man ist ja nicht erst seit gestern im Business unterwegs. Und so geben Schu, Sepalot und Roger bereitwillig Einblick in das Innere des Blumentopfs.
Vor kurzem wart ihr ja beim Bundesvision Song Contest und habt euch mehr als beachtlich geschlagen. Vor der Show ließ Holunder jedoch verlauten: "Wenn wir hier gewinnen, werden sich Unheilig und Ich + Ich mindestens genauso wundern wie wir." Wieso denn so kleinlaut?
Sepalot: Das ist gar nicht kleinlaut. Es war ja relativ klar, dass so ein Act wie Unheilig das gewinnen muss. Die waren ja mit ihrem Album ewig auf Platz 1.
Roger: Länger als Grönemeyer!
Sepalot: Genau, und Ich + Ich ist einer der größten Pop-Acts, den es in Deutschland gibt. Deshalb sind wir für uns einfach erster geworden, weil der vierte Platz einfach der erste mögliche war.
Wie bewertet ihr das Konzept der Sendung generell? Wenn das ja vorher klar war, was war denn die Motivation hinter eurer Teilnahme?
Schu: Das Coole an der Sache ist, dass es wirklich um Musik geht. Die Leute von der Produktionsfirma suchen sich die Leute aus, auf die sie Bock haben. Es gibt im deutschen Fernsehen keine so große Abendshow, die Musik als zentrales Thema hat.
Klar kannst du als richtig bekannter Act bei "Wetten, dass ...?" auftreten, aber die ganzen kleinen Bands wie Mikroboy oder wahrscheinlich auch wir haben selten die Möglichkeit, an einem Samstagabend auf so einem Sendeplatz zu spielen.
Roger: Außerdem gewinnt man ja nicht sonderlich viel. Ob man jetzt auf Platz zwei oder Platz vier landet ist ja scheißegal. Es war einfach eine coole Gelegenheit und ein neues Format für uns: Einfach rausgehen und drei Minuten rocken. Und das für so ein breites Publikum, weshalb es für uns ein geglücktes Experiment gewesen ist.
Gab es für also gar keine negativen Punkte dabei? Das ganze Glamour-Ding ...
Schu: Glamour-Ding? Also ganz ehrlich, das ist eben Unterhaltungs-Industrie. Ich kann da nur für mich sprechen, aber wenn bei einer Pressekonferenz 1.000 Fotografen mehr Fotos machen als normal im ganzen Jahr, dann bin ich schon froh, dass das nicht das Zentrum unserer Arbeit ist.
Unser Ding sind einfach die Live-Shows, am Merchandise-Stand rumhängen und dass wir größtenteils machen können, worauf wir Bock haben. Ich beneide echt niemanden darum, dessen täglich Brot dieses Business ist. Aber das mal zu sehen und dabei zu sein, ist einfach eine super Gelegenheit. Es war teilweise so irre, dass es halt geil ist, das mal so zu sehen. Auch die Leute, die das organisiert haben, waren wirklich supernett.
Roger: Da habe ich mich zum Beispiel vor sieben Jahren beim Splash unwohler gefühlt, als jetzt beim Bundesvision Song Contest. Auch hinter den Kulissen war's echt nett, auch wenn wir sehr viel Zeit einfach nur absitzen mussten.
Na dann ist ja gut, hätte ich nicht gedacht.
Roger: Wir auch nicht (lacht).
Schu: Es ist eben nicht alles böse.
Roger: Weniger als man vermutet. Natürlich gibt es kritische Stimmen, wenn man was für die Nationalmannschaft macht. Vor der WM im eigenen Land, war das ja eh ein großes Thema, ob man die deutsche Flagge an den Balkon hängen darf. Klar, gibt es immer jemanden, der sagt: "Die zweite High-Hat vom dritten Lied ist nicht gut", aber das ist verschwindend gering.
Schu: Auch lange bevor dieses WM-Ding losging, waren wir ja nie eine Band, die die Fans mit ihrem Underground-Status begeistert. Wir haben in den Raportagen genau das gemacht, was wir schon immer machen. Wir haben gefreestyled und dabei aktuelle Ereignisse einfließen lassen. Es hätte einige andere Bands viel schlimmer treffen können, da wir ja nie das Aushängeschild der deutschen Hip Hop-Szene waren.
Wir hatten einfach schon immer eine gewisse Sonderstellung und auch Fans, die sonst mit Hip Hop gar nichts anfangen konnten. Mainstream klingt immer gleich so böse, aber eigentlich heißt es nur, dass es in deiner Musik eine große Schnittmenge gibt.
In eueren Lieder und teilweise in Interviews distanziert ihr euch ja auch oft genug explizit von der "klassischen" Hip Hop-Szene in Deutschland.
Roger: Wir sind mittlerweile die klassische Hip Hop-Szene in Deutschland. Die Bands, die mit uns angefangen haben, sind die am längsten bestehenden Gruppen. Kool Savas gibt es auch schon ewig, früher sogar noch als englischer Rapper. Fettes Brot, die Fantas, auch die Beginner. Uns war aber immer wichtig, dass wir nicht so sind wie die Szene.
Zum Glück war uns immer egal, wer was anhat und wie weit die T-Shirts gerade sind. Wir haben nie versucht, die trendigste Musik zu machen, sondern wir wollten einfach die beste Musik machen, unsere Musik.
Euer neues Album "Wir" war ja schon auch ein starker Bruch mit älteren Sachen von euch. War das einfach eine Entwicklung oder wolltet ihr ganz bewusst den Hip Hop-Begriff erweitern?
Sepalot: In wiefern war das für dich ein Bruch?
Es ist auf jeden Fall lauter, gitarrenlastig und auf jeden Fall massentauglicher.
Roger: Massentauglicher?
Schu: Also dann hast du einen anderen Mainstream-Begriff als andere Leute. Ich meine, wenn man sich das Vorgängeralbum "Musikmaschine" anhört, gibt es zum Beispiel Tracks wie "Die City Schläft", die sich meiner Meinung nach deutlich 'mainstreamiger' anhören.
Das war eben deutlich Hip Hop-lastiger.
Sepalot: Deswegen habe ich ja noch einmal nachgefragt. Wenn das so bei dir angekommen ist, dann ist das ja durchaus richtig angekommen. Das neue Album ist für uns beides, einmal eine Rückkehr zu unseren Stärken und eben gleichzeitig ein Blick nach Vorne. Wir wollten eben für das neue Album einen neuen Sound etablieren.
Wir haben dann ein Zwitterding gemacht, das zwar aus einerseits Schlagzeug-Loops und 60's-Krautrock-Sachen besteht, andererseits aber so produziert wurde wie wir unsere frühen Rap-Sachen aufgenommen haben. Also mit vielen Samples, auseinandergeschnitten, zusammengesetzt. Es war uns vor allem wichtig, dass es anders klingt, aber gleichzeitig wie ein Rap-Album funktioniert. Es klingt sehr roh und vielleicht deshalb für manche Ohren sogar kommerzieller als etwas Glatteres. Das würde mich ja sehr freuen, wenn man mit Kanten kommerzieller klingen würde.
Mich hat zum Beispiel der Track "Fenster Zum Berg" sehr beeindruckt. Der besteht ja fast nur aus Samples alter Stieber Twins-Sachen. Ist das als Ehrung des klassischen deutschen Raps zu verstehen?
Roger: Das hat damit zu tun, dass der Wunder [Holunder a.k.a. Bernhard Wunderlich, Anm. d. Red.] einfach ein totales Stiebers-Rad ab hat. Er kann fast keinen Textentwurf mehr bringen, bei dem nicht mindestens ein Stiebers-Cut drin ist. Der Wunder ist einer, der für die Zeit echt ein fotografisches...(lacht) naja, ein fotografisches Gedächtnis für Audio-Sachen hat.
Das ist so sein Ding und die Stiebers sind nun mal die Chefs in dem Classic-Rap-Ding in Deutschland. Klar, die haben fette Stimmen, haben die richtigen Sachen gesagt und waren witzig. Wenn einer einen Stiebers-Cut vorschlägt, sagen wir alle Hurra!
Seid ihr ab und zu in Heidelberg oder trefft die Jungs irgendwo?
Sepalot: Wir haben uns jetzt schon länger nicht mehr getroffen, weil ihre Live-Shows doch relativ rar geworden sind. Deshalb trifft man sich nicht mehr auf den Bühnen, aber wenn wir mal in Heidelberg sind, gehn wir auf jeden Fall in ihren Laden.
Roger: Da verabredet man sich dann meist für den Abend bis dann ein Anruf kommt, dass die Freundin krank oder der Puddingplunder nicht mehr frisch ist.
Roger: Unserer lebt zum Glück noch.
Schu: Einer der letzten seiner Art (beide lachen).
Sepalot: Du hast in gewisser Weise natürlich recht. Gerade wenn man nach Amerika guckt, da gab es immer Teams wie Gang Starr mit Premo oder Erik B and Rakeem, diese Kombination war also ganz normal, auch bei Bands wie De La Soul. Dann hat sich das immer mehr zum Solokünstler entwickelt, der sich von verschiedenen Leuten Beats hat geben lassen.
In Deutschland hat sich das dann auch so entwickelt, dass viele MCs keinen festen DJ hatten. Auf der Bühne und in der Produktion ist der DJ auf jeden Fall rausgedrängt worden. Im Club hat er sich selbst rausgedrängt, weil die meisten DJs einfach zu uninspiriert auflegen. Wir haben uns dagegen immer als Band gesehn, weshalb bei uns der DJ hoffentlich nicht ausstirbt.
Eure "Nerd-Tracks", die sich dann nur um Skaten, Videospiele oder sowas drehen, wie funktionieren die? Gibt da einer das Thema vor und die anderen müssen quasi mitziehen oder sind das Dinge, die euch alle faszinieren?
Roger: Ach, da kommt man eben mit zwei, drei Sprüchen beim Freestylen daher und das rattert dann in einem weiter. Auf einmal merkt man dann: "Fuck, ich kenn mich da viel zu gut aus. Wo kriege ich jetzt das ganze unnütze Wissen unter?" Manchmal entwickelt sich dabei einfach ein guter Track, aber wir überlegen uns nie vorher was wir machen wollen oder sowas.
Schu: Es gibt, Gott sei dank, kein Gremium, das aus uns fünf besteht und dann festlegt, ob sich alle soweit damit identifizieren können, dass da ein Track daraus wird. Wär's so, würde es die Band auch nicht mehr geben.
Klar, wir zwei sind die Spiele-Nerds und Holunder ist der Skater, das hälts ja auch irgendwie spannend. Das macht es ja auch cool, weil wir zwar alle Freunde sind, aber wir sind eben nicht alle gleich. Das muss sich auf jeden Fall in der Musik auch so widerspiegeln. Sonst wäre es einfach langweilig.
Achtet ihr absichtlich darauf, dass ihr immer ein oder zwei solche Tracks auf der Platte habt?
Roger: Wir schauen eher darauf, dass wir nicht 17 solcher Tracks auf der Platte haben.
Ich sehe diese Tracks aber schon auch ein wenig als euer Markenzeichen.
Schu: Das freut uns dann natürlich. Die Tracks sind auch immer sehr stark. Rappen über das Rappen ist eher lahm. Man braucht schon etwas, das sich lohnt erzählt zu werden, das dann eben auch außerhalb der Hip Hop-Welt ist.
Wenn ihr so zurückschaut, habt ihr euch ja gerade in Hinsicht auf die ersten zwei Alben sehr verändert. Wie bewertet ihr diese Veränderung? Stört es euch vielleicht auch manchmal, wie ihr euch entwickelt habt?
Roger: Naja, da waren wir Anfang zwanzig und heute sind wir Mitte dreißig. Klar haben wir uns da sehr verändert. Ich bin aber sehr froh, dass auf den ersten Alben nichts drauf ist, wofür wir uns schämen müssten. Ich finde, wir haben cool angefangen und besser weitergemacht.
Sepalot: Diese Veränderung war auch immer bewusst. Wir haben nie direkt an einem Album angeknüpft, weil uns ein neuer Sound wichtig war. Zwischen den Alben sind immer viele Songs in die Tonne gewandert, weil die für uns noch nicht "Neues-Album-Material" waren. Das war dann meist noch die Zugabe von dem vorherigen Album. Man kann sich ja nicht für etwas begeistern, was man schon mal gemacht hat.
Schu: Bei "Großes Kino" haben wir zum Beispiel auch zusammen in einem Haus gewohnt und bei "Kein Zufall" haben wir einfach herumexperimentiert. Jetzt müssen wir uns eben diese Freiräume auch bewusst schaffen. Jetzt treffen wir uns zum Beispiel in einem Haus in irgend einem Dorf um dort Texte zu schreiben.
Für mich hat sich also eher die Herangehensweise verändert, auch weil wir jetzt Mitte dreißig sind und mehr Verantwortung tragen. Ich könnte mir zum Beispiel gar nicht vorstellen, Platten übers Internet zu machen. "Hey guck mal, ich hab' dir da einen Text gemailt."
Der Topf rockt das Haus. Auch im zweiten Teil der aktuellen "Gern Geschehen"-Tour lieferten die fünf Freestyle Fanatics eine grandiose Show ab. Mit LAUT sprachen sie vor dem Konzert im Ulmer "Roxy" über den Aufstieg Berlins, Featurepartner und Unplugged-Konzerte.
Wer deutschen Hip Hop - rein technisch gesehen - objektiv bewertet, kann den Töpfen nicht an den Karren fahren. Die Geister scheiden sich eher an der textlichen Ebene, bleiben die fünf Münchner doch der inhaltliche Gegenentwurf zum teutonischen Gangsta-Konzept. Dass das auch in Zukunft so bleiben soll, beteuern die Töpfe immer wieder gern.
Was sagt ihr zum Auftrieb, den die Berliner Rapszene gerade erfährt? Haben Rap-Hörer keine Lust mehr auf intelligente Texte à la Fanta 4 und Blumentopf?
Holunder: Nee, denk ich nicht. Die Beginner müsste man da ja auch dazu zählen, und das letzte Jahr war ganz klar ein Beginner-Jahr. Schu: Ich denke auch, dass Hip Hop in Deutschland einfach langsam dazugehört. Dass da mehr Facettenreichtum entsteht, ist ja nur logisch und auch gut so.
Ihr tourt jetzt schon das zweite Mal mit eurem aktuellen Album. War die erste Tour so erfolgreich?
Schu: Ja! Sepalot: Ja, schon. Schu: Es ist ja nicht direkt eine zweite Tour, eher eine Fortsetzung der ersten. Wir besuchen halt jetzt die Städte, die beim ersten Mal nicht drankamen. Aber unsere bisherigen Touren waren alle ziemlich erfolgreich.
Was war euer interessantestes Tourerlebnis?
Holunder: Das kann man nicht so sagen. Das Schöne an einer Tour ist, dass immer sehr interessante Sachen passieren. Schu: Unsere Touren sehen auch ganz anders aus als früher. Wir spielen viel Liveinstrumente tagsüber. Sepalot: Ja, inzwischen essen wir sogar Salat (deutet auf sein Essen). Und wir saufen nicht mehr die ganze Nacht (lacht). Wir stehen schon um 12 Uhr auf, dann gehts zum Workout.
Könntet ihr euch vorstellen, mal ein Unplugged-Konzert zu spielen?
Holunder: Wenn wir noch fünf Jahre üben (grinst) Sepalot: Gib uns Zeit. Viel Zeit. Schu: Das ist sicherlich eine Sache, auf der wir gerade hängen bleiben. Wir üben ziemlich viel. Es gibt jetzt live sogar schon einen kleinen Block, wo wir selbst Instrumente spielen. Das passt. Für ein Konzert würde es allerdings nicht reichen. Lust hätten wir allerdings schon. Holunder: Es macht einfach Spaß, wenn du mit so was neu anfängst. Früher haben wir ja alles nur im Rechner gemacht. Und wenn du halt ganz frisch anfängst damit, merkt man auch noch die Verbesserung von Tag zu Tag. Sepalot: Das Tolle ist, jeder spielt alles gleich schlecht. Holunder: Wir können alles auf Einsteigerniveau, so dass wir uns noch gar nicht auf eine feste Verteilung der Instrumente festgelegt haben.
Eure Alben zeigen eine Entwicklung zu mehr Melancholie hin auf. Seid ihr ernsthafter geworden?
Schu: Naja, es gab eigentlich schon immer auch eine melancholische Seite auf Blumentopf-Alben. Auf "Kein Zufall" gab es schon ein paar Tracks, "Anfang vom Ende" zum Beispiel, ebenso auf "Großes Kino". Vielleicht klingt alles etwas erwachsener, das kann natürlich sein, wir werden ja auch älter. Einen Song wie "Mustermann" konnten wir damals nicht machen, es wäre schon komisch gekommen. Achtzehnjährige, die übers Rentnerdasein rappen... Es ist uns aber wichtig, unseren Humor zu bewahren. Wir wollen kein Album komplett in einem Stil halten. Das dauert ja fast zwei Jahre, bis so ein Album fertig ist. Und sich so lange Zeit nur melancholisch zu fühlen, das wäre ja auch nicht Sinn der Sache.
Ihr habt einige Solostücke auf eurer aktuellen Platte ...
Schu: Ja, aber das gab's früher schon. Holunder: Auf der "Eins A" waren es weniger, aber auf der "Großes Kino" gab es auch schon mal so viele Solostücke.
Könnt ihr euch vorstellen, auch Soloplatten rauszubringen?
Schu: Naja, Sepalot hat jetzt eine Soloplatte mit Esther gestartet, also die Beats produziert. Aber sonst kann ich es mir nicht vorstellen. Es macht einfach so viel Spaß, gemeinsam zu arbeiten, da kommt nie das Gefühl auf: "Hey, ich mach das hier ja nur für Blumentopf, eigentlich möchte ich ja ...". Und jeder von uns hat ja durch die Solostücke die Möglichkeit, sich ganz auszuleben und zu sagen, das Stück ist von vorne bis hinten nur meins.
Kommen wir zum "Frauenflüsterer". Mir kam es vor, als wärt ihr durch "2000 Mädchen" von den Ärzten beeinflusst?
Schu: Naja, das Lied hat wahrscheinlich den selben Inhalt wie 500 andere Stücke. Holunder: Ja, wir sind stark davon beeinflusst. Leider kennen wir das Lied nicht (lacht). Aber die Ärzte-Sachen sind eigentlich ganz geil. Schu: Ja, die Ärzte sind toll, auch die Interviews sind immer extrem lustig. Sicher beeinflussen einen Sachen, die man hört, aber wir wollen nichts abkupfern. Wenn du dich umschaust, die meisten Themen sind halt einfach schon angesprochen, deshalb kann es immer sein, dass dich Sachen von uns an andere erinnern und andersherum ebenso. Holunder: Mit dem Thema Frauen befasst sich sowieso jedes zweite Lied.
Wie fielen die Reaktionen auf "Danke Bush" aus?
Schu: Wir haben sehr viel positives Feedback bekommen, auch etwas negatives, aber deswegen war es trotzdem richtig, es zu machen.
Nur von Fans?
Sepalot: Naja, da wir das Lied ja zum Download auf unserer Homepage hatten, kamen die Reaktionen schon großteils von Fans. Holunder: Manche Leute meinen dann natürlich auch: "So ein Scheiß, hättet ihr nicht "Danke Saddam" schreiben können?
In "Alle Sind Da" bringt ihr derbe Anspielungen auf die deutsche Rap-Jugend. Findet ihr die lächerlich?
Schu: Das sind keine derben Anspielungen. Wir haben uns nur die Clubs angeschaut, in denen wir stehen. Und machen uns von innen drüber lustig gemacht, ohne drüberzustehen. Sepalot: Du musst ja nur mal auf eine Hip Hop Party gehen. Da sind halt im Endeffekt (lacht) ja, alle da. Wenn das die Leute als Verarsche sehen, können wir da nichts dafür. Eigentlich ist es nur eine Bestandsaufnahme der deutschen Szene. Holunder: Ich finde aber auch nicht, dass das eine böse Verarsche ist. Eher ein freundliches miteinander Über-sich-selbst-lachen. Weißt du, nach dem dritten Cuba Libre steh ich auch da und droppe die Wu-Tang-Zeilen mit. Das ist doch schön, und genau so soll es ja auch sein.
Der direkte Vergleich zwischen eurem "Mein Block" und dem gleichnamigen Stück von Sido offenbart genau den Unterschied zwischen euch und dem Rest der Rapszene. Genau das ist es ja, was euch die 'Ghettorapper' vorwerfen ...
Sepalot: Ich bin froh, dass ich in einem Vorort aufgewachsen bin, in einer Reihenhaussiedlung ... Holunder: Ich seh' ganz ehrlich nicht, was uns vorgeworfen wird. Wir können natürlich nur authentisch erzählen, wie es bei UNS ist. Und wenn sich jemand anders denkt, er macht es ganz anders und erzählt, wie es bei sich ist, ist das doch das Beste, was passieren kann. Das macht das Ganze doch erst interessant. Uninteressant hingegen wäre es, wenn ich jetzt beispielsweise erzählen würde: "Yo, bei mir im Treppenhaus, und alle mit Knarren und blabla". Das wäre einfach nicht wahr. Wenn es bei ihm so ist, und er erzählt mir das, dann finde ich es cool.
Wenn ihr euch einen Featurepartner für einen Rapsong aussuchen könntet. Wer wäre das?
Holunder (zeigt auf Schu): Ich würd' ihn gerne mal featuren. Schu: Ja, ich würde auch gerne mal was mit Holunder machen (lacht). Nee, im Ernst, bei uns ist das nicht so. Ein Featurepartner muss einer sein, den wir kennen, von dem wir wissen, dass man mit ihm auch mal zwei, drei Tage locker rumhängen kann. Wenn dann nicht sofort eine Idee kommt, fühlt sich keiner angepisst oder denkt, er kommt jetzt nicht schnell genug an Kohle. Unsere Featurepartner sind alles Kumpel, die wir natürlich auch deshalb featuren, weil wir es richtig gut finden, was sie so machen. Mit manchen hat sich leider noch nichts ergeben. Dendemann zum Beispiel ist da ganz vorne dabei. Holunder: Und wir haben uns fest vorgenommen, uns nach der Tour mit Nico Suave zu treffen und mit ihm was zu machen. Er hat uns ja supportet.
Was sagt ihr zu Schwester S beim Grand Prix?
Sepalot: Ich finde das vollkommen egal. Vorher war mir der Wettbewerb viel suspekter. Ich weiß nicht, ob das in anderen Ländern auch so ist, aber bei uns traten da ja immer nur Künstler und Interpreten auf, von denen man vorher fast nichts gehört hat. Jetzt sind halt mal Popmusiker am Start, die auch sonst präsent sind. Schu: Und denen es von den Verkaufszahlen her so schlecht geht, dass sie auch bei sowas mitmachen müssen (lacht). Sepalot: Ja, genau. Also ich würde uns da nicht sehen wollen.
Ihr würdet also definitiv nein sagen?
Schu: Ja, da würden wir nein sagen. Holunder: Ich weiß auch nicht, ob man dazu eingeladen wird. Kann man sich da nicht einfach anmelden? (Arbeiter im Hintergrund): Ich glaube, da wird man nominiert. Schu: (lacht) Oh Gott, hoffentlich nominiert uns keiner!
Letzte Frage geht an dich, Schu. Du berichtest häufig in deinen Songs von Problemen mit Türstehern. Gibt es etwas, was du allen Türstehern Deutschlands gerne mal sagen würdest?
Schu (schreit): Losst Mi Nei!
Danke für dieses Gespräch!
Das Interview führte Philipp Gässlein
Drei Wochen vor dem Beginn der eigentlichen "Eins A"-Tour spielten Blumentopf zwei Aufwärmkonzerte in kleinen Clubs. Eines davon brachte sie Anfang Oktober in den Konstanzer Kulturladen.
Ein Mini-Club, der aus allen Nähten platzt, die Innentemperatur verwandelt T-Shirts binnen Sekunden in tropfende Lappen und die Band hat frische Songs im Gepäck. Also die allerbesten Voraussetzungen für ein Konzert, das den Begriff "Party" neu definierte. Das klappte auch wunderbar und trotz ausgelaugter "Welche Seite rockt?- Diese Seite rockt!"-Spielchen, die dann doch immer wieder Spaß machen, ging das Publikum hochzufrieden und mit dem Ziel sich morgen die neue Blumentopf-Platte zu kaufen nach Hause.
Den Gig vor der Haustür haben wir natürlich für ein Interview mit den Münchnern genutzt.
Würdet ihr mir zustimmen, dass das neue Album reifer und erwachsener ist?
Heinemann: Also eigentlich wollten wir ein voll kindisches Album aufnehmen, und jetzt ist uns das leider so rausgerutscht... .
Sepalot: Ne, natürlich. Wir sind älter und reifer geworden und wenn man das nun auf unserem Album hört, dann ist das natürlich total cool.
Auf "Eins A" fehlen ja die typischen Blumentopf-Geschichten, wie z.B. "From Disco to Disco". Ist mit dem zunehmenden Alter jetzt der Punkt gekommen, an dem ihr eine Message habt und diese straight raus muss?
Schu: Die Message hatten wir auch schon früher, aber wir wollten eben kein "Großes Kino Teil Zwei" machen, auf dem die ganzen Geschichten verstärkt vertreten waren. Man plant das ja vorher nicht, wie man die Platte macht. Es ist einfach darauf hinausgelaufen, dass jetzt mehr Sachen wie "Liebe und Hass" oder "Medizin" darauf zu finden sind. Wir wollten eben nicht das Alte noch einmal machen, sondern versuchen, ob wir auch etwas Anderes hinkriegen. Und ich glaube das ist uns auch gut gelungen.
Ich finde eben, dass bei den alten Sachen die Message in den Geschichten versteckt war, bei den neuen Songs schießt sie gerade raus.
Schu: Die Leute haben die Geschichten eben nie verstanden... (lacht). Naja, ich finde es sind genau so Geschichten drauf, "Flirtaholics" ist eine, der Anfang von "Die Jungs Aus Dem Reihenhaus" auch und diese Vierzeiler wie "Medizin" sind halt kleine Kurzgeschichten. Wir wollen eben kein "6 Meter Bleistift" mehr schreiben. Wer die alten Sachen mag, kann sie natürlich gerne hören, aber für uns ist diese Zeit eben jetzt mal vorbei. Vielleicht wird die nächste Platte wieder nur mit Geschichten voll, das planen wir nicht vor.
Ok, jetzt eine Frage die ihr bestimmt schon tausend mal gehört habt, die mich aber trotzdem noch interessiert....zum Song "Nur Dass Ihr Wisst".
Roger: Das haben wir schon öfter als tausend mal gehört und der Holunder, der den Song geschrieben hat, ist jetzt auch gar nicht da. Aber deine Frage wird wohl sein, wie wir zum Kiffen stehen, oder so.
Nicht ganz, mich interessiert eher wie sich Holunders Text mit den Einstellungen der anderen Bandmitglieder verträgt.
Roger: Holunder ist halt eine Einzelperson. Es ist kein Problem, wenn wir jetzt kiffen und er nicht.
Schu: Das macht auch Blumentopf aus, dass alle Statements von jedem auf der Platte sind, wie er meint es sagen zu müssen. Das ist ja auch das Schöne. Es muss nicht immer alles ein stimmiges Bild sein, sondern es muss genau zu dem passen, der das rappt. Wenn Holunders Texte sich ein bisschen von meinen und Rogers unterscheiden, dann ist das ja eher eine Bereicherung.
Roger: Den Holunder stört ja auch nicht das Kiffen, darum geht es in dem Song ja nicht. Es stört nur, dass es für die Meisten zum Hip Hop dazugehört. Es kann keiner glauben, dass er rappt und nicht kifft, und er sieht eben nicht ein, wo da der Widerspruch liegen soll.
Ich fand's eben auch sehr gut, dass mal jemand etwas dagegen sagt...
Roger: Natürlich. Wir fanden's ja auch gut, sonst wäre es nicht auf der Platte drauf.
Gab es wegen diesem Song im Vorfeld irgendwelchen Streit?
Schu: Nein. Wir machen schon seit zehn Jahren zusammen Musik und seit zehn Jahren ist es so, dass der Holunder nicht kifft. Den Streit hätte es schon viel früher gegeben.
Warum ist Kiffen denn so ein fester Bestandteil im Hip-Hop Kontext?
Schu: Weil so viele kiffen, die diese Musik machen und so viele darüber rappen...
Roger: Genau, und weil es einem ein bisschen so verkauft wird als würde es dazu gehören. Aber es gibt da ganz viele Sachen, bei denen so getan wird, als würden sie dazugehören und eigentlich gehört nichts davon dazu. Im Grunde gehört die Musik und alles was mit dieser zusammenhängt zu Hip Hop: also Tanzen, Sprühen und so. Aber jetzt z.B. nicht die weite Hose. Die gab's früher halt nicht. Für mich gehört in erster Linie die Einstellung und die Liebe zur Musik dazu.
Ein beliebtes Thema auf "Eins A" sind eure Eltern. Man merkt doch deutlich, dass ihr verdammt stolz darauf seid, es ihnen gezeigt zu haben.
Roger: Klar, das ist doch Hammer, wenn dein Vater früher immer gesagt hast, dass du doch endlich die Musik leiser machen sollst, oder wenn deine Eltern dachten, dass der gerade so eine Phase durchmacht und mit dem Rappen in einem halben Jahr schon wieder aufhören wird. Jetzt kann ich eben davon leben. Meine Eltern haben nie gesagt "Hör auf zu rappen", aber natürlich "Lern was Richtiges". Diese typische Sache eben. Aber ich hab trotzdem meinen Job hingeschmissen, weil ich vom Touren nicht mehr hingekommen bin. In dieser Situation musst du aufpassen, dass du nicht verkrampfst, da du natürlich irgendwann Erfolgsdruck bekommst, weil man sich eben sagt: "Davon leb' ich jetzt und ich hab jetzt keinen anderen Job." Das darfst du natürlich nicht in die Musik einfließen lassen und man muss sich eben so locker machen können. Bis jetzt haben wir immer Glück gehabt und die Sache hat funktioniert. Durch unser eigenes Studio und weil wir fünf Leute sind, die Ideen bringen, konnten wir die Platte auch völlig unstressig machen. Wenn dir nichts einfällt, dann ist vielleicht den Anderen was eingefallen. So ist auch nie der große Erfolgs- bzw. Finanzdruck da.
Mir ist aufgefallen, dass viele Leute, z.B. aus der Gitarrenfraktion, die mit Hip-Hop überhaupt nichts am Hut haben, sich Blumentopf Platten kaufen. Woran könnte das liegen?
Schu: Genau weiß ich das nicht, aber es ist eben so, dass in unsren Texte, wie du schon gesagt hast, viele Geschichten vorkommen, wie z.B. "From Disco To Disco". Die Texte drehen sich eben nicht nur um Rap: die Leute hören bei uns gerappte Geschichten oder gerappte Einstellung, die sich nicht nur um das Hip Hop-Ding dreht, was es dann auch für andere Leute interessant macht. Wobei wir da ja nicht die Einzigen sind, sondern da gibt es eine ganze Menge, die das genau so machen. Es ist natürlich schön, wenn man für diese Leute der Erste ist, aber wenn man sich da ein bisschen weiter reinhört, dann findet man schnell auch andere Sachen, die man sich gut anhören kann, weil es eben nicht dieses "Represent/Battle"-Ding ist, was aber im Hip Hop auch cool ist.
Ist Gitarrenmusik für euch überhaupt ein Thema ?
Roger: Natürlich. Jede Musik ist irgendwo Thema, weil es in jeder Musik doch immer ein Lied gibt, dass du irgendwie doch cool findest, auch wenn du es nicht zugeben möchtest. Früher habe ich nur Gitarrenmusik gehört, aber ich kauf mir jetzt nicht die neue Bon Jovi oder hör mal, was S.O.D. heute macht. Ich habe früher selber ein bisschen Gitarre gespielt, zwar sehr schlecht, aber Spaß hat es gemacht. Das fließt auch bestimmt noch mit ein, man hört das auch auf unseren ersten Aufnahmen, dass diese Gitarrenzeit nicht so schnell wegzukriegen war. Da haben wir gebrüllt wie die Affen.... aber war schon geil.
Auf der neuen Platte jammert ihr auch viel über die Hip Hop Situation in Deutschland.
Schu: Wir jammern nicht, wir regen uns auf. Jammern hat gleich so was Resignierendes und wir resignieren ja nicht. Wir kritisieren eben manche Sachen und zeigen, wie man es besser machen kann.
Aber bringt das nicht der große Erfolg von deutschem Hip Hop mit sich, von dem ihr natürlich auch profitiert, dass eben auch viel Müll rauskommt?
Schu: Ja klar, deshalb sind ja auch solche Anspielungen auf der Platte drauf. Aber das liegt nicht allein am Erfolg. Es gibt auch viel Scheiß den keiner kennt, und es gab auch viel Scheiß als Hip-Hop noch nicht so bekannt war. Es hat jetzt mit dem Erfolg natürlich insofern was zu tun, dass es halt immer mehr ins Rampenlicht gerückt wird und auch der größte Schmarn gesignt wird.
Curse hat jetzt einen Song ins Internet gestellt, habt ihr vielleicht gehört ...
Schu: Ja, ich hab den gehört...ist ein Hammer-Song.
Er sagt, dass jeder MC in den jetzigen Zeiten eine politische Verantwortung hat, die er nutzen muss, um seine Message abzugeben. Wie seht ihr das?
Roger: Ich finde ganz ehrlich, dass jeder MC das für sich selbst entscheiden muss. Er sagt jetzt zwar, dass die MC sich nicht aus der politischen Verantwortung ziehen können, aber ich mag das nicht, wenn jemand mir vorschreibt, was ich jetzt machen soll. Ein politisches Lied mache ich, wenn ich eins machen will und wenn ich mich gut genug fühle das umzusetzen. Das ist auch gar nicht leicht. Ich finde Curse macht das ganz gut, aber es gibt auch viele, bei denen ich sagen muss: "das ist jetzt unter aller Sau!" Man darf sich nicht gleich auf die Schulter klopfen, weil man einen politischen Song gemacht hat, sondern man muss dabei auch echt was leisten. Wenn ich nicht denke, dass ich das gut kann, dann mache ich das auch nicht. Ich probier es vielleicht und schmeiß es dann weg, aber ich muss das niemanden antun. Ich kann nicht jeden Stil rappen. Oder vielleicht doch?...(zögert)...doch, ich kann jeden Stil rappen (breites Grinsen)!
Wer weiß... . Auf der Platte imitiert ihr auch die Styles von Eißfeldt, D-Flame und ich glaube ich habe auch Samy Deluxe erkannt ...
Roger: Den hast du bestimmt nicht erkannt, weil ich den gar nicht nachmache. Den erkennen zwar viele, aber das bin ich. Wenn ich Samy nachmachen würde, würde ich das ganz anders machen. Aber er war sich da selbst unsicher, ob er es ist.
Ich finde, die Sache läuft auf eine respektvolle Schmunzelart hinaus, die weit von einem Diss entfernt ist. Gab es da schon irgendwelche Rückmeldungen?
Roger: Das ist ein sehr schmaler Grat, den man da geht, weil manche Leute eben nicht gerne über sich selbst lachen. Bevor die Platte veröffentlicht wurde, habe ich sie jedem Einzelnem geschickt und auch einen Brief dazu geschrieben, indem ich erklärt habe, wie ich es gemeint habe, und ob es mit ihm o.k. ist. Es hat sich keiner beschwert. Das gibt mir einfach ein gutes Gefühl, weil es nicht hintenrum sein soll. Ich will eben nicht in der Presse lesen: "der disst den und der disst den", weil irgendjemand das einfach völlig falsch verstanden hat. Im Booklet haben wir auch extra zu jedem Track noch einen kleinen Text geschrieben, damit keiner irgendwas missversteht.
Hoffen wir das mal. Auf www.blumentopf.com sind jetzt wöchentlich MP3s zu finden. Was verbirgt sich genau dahinter?
Schu: Das sind Songs die es nicht auf die Platte geschafft haben. Z.B. hatten wir vor, weil ich ja den Song "Schus Quiz" gemacht haben, dass alle anderen auch noch ein Quiz beisteuern. Dann hätten wir aber einen anderen Song ganz runterschmeißen müssen. Bei der Aufnahme war es immer so eine Zeitfrage. Auf die CD passt einfach nichts mehr drauf. Wir haben dann gesagt, dass wir die irgendwann mal veröffentlichen. Da es bei uns aber so ist, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass irgendwas Altes auf einen neuen Release kommt, haben wir halt beschlossen die Songs ins Netz zu stellen.
Roger: Sonst gehts einfach verloren. Das sind alles coole Lieder, die es von der Länge einfach nicht mehr auf die Auswahl der Platte geschafft haben. Das hat auch alles was mit der Stimmigkeit der Platte zu tun, dass die ein gutes Bild gibt und man sie gut durchhören kann. Manche Songs waren dann eben schwer einzuordnen und wir saßen da mit ein paar Lieder, die zu viel waren, und haben diskutiert welches runterfällt. Durch diesen Überschuss können wir diese MP3 Geschichte auch mal für uns nutzen. Wenn die Sachen jemand haben will kann er sich die runterziehen und so viel kopieren wie er will.
Ihr habt mal gesagt, dass jeder, der eine Blumentopf-CD brennt, ein Dieb ist, andererseits stellt ihr jetzt MP3s ins Netz.
Holunder (der inzwischen dazu gekommen ist): Die MP3s sind ja ein Geschenk. Bei den Songs ist ja nicht gedacht, damit irgendwas zu verdienen. Wenn die bei uns im Keller liegen hat auch niemand was davon und bevor sie dort vergammeln ist es eine coole Möglichkeit, den Leuten, die sich wirklich dafür interessieren, es zu ermöglichen, sich diese Teile anzuhören.
Also unterscheidet ihr zwischen MP3 und Brennen?
Holunder: Natürlich, wir sind ja zufrieden, wenn die Leute unsere Platte kaufen und dann haben sie auch genug gekauft. Das andere können sie dann dazu haben.
Schu: Du machst dir eben Stress und machst eine Platte und dann bezahlen dich die Leute nicht für deine Arbeit.
Holunder: Der krasseste Fall war ein Typ, der sechs Wochen vor dem Release auf Ebay angeboten hat unsere Platte für 25 Mark zu brennen....
Und ihr habt die dann ersteigert?
Holunder: Klar, wir haben mitgesteigert und am Ende auch gewonnen. Der Typ ist natürlich extrem dumm. Aber ich sitz eben zu Hause vor meinem Computer und wenn ich das sehe, rege ich mich natürlich auf. Ich mach hier die Arbeit und dann kommt jemand, der damit eigentlich gar nichts zu tun hat, aber dann mit deinen Sachen Geld verdient. Dann denke ich mir: "Du bist ein Volltrottel, weil es klar ist, dass wir die Platte bei dir bestellen." Aber es ist eben auch so was von unverschämt, dass ich da überhaupt kein Verständnis mehr dafür habe.
Schu: Der Typ sagt zwar, dass die CDs so teuer sind und die Künstler dabei so viel verdienen. Aber er selbst ist der Arsch, der null Kosten hat und dann 25 Mark Gewinn macht.
Holunder: Die Künstler verdienen an jeder Platte 2 Mark 50 und er streicht 25 Mark Gewinn ein... .
Wie hat er reagiert, als raus kam, dass ihr eure Platte ersteigert habt?
Schu: Das ist alles noch nicht so ganz raus. Das war erst bei der neuen Platte.
Roger: Das Problem ist einfach, dass du die ganze Platte als Promo an die Presse schickst. Und einer von denen hat dann sechs Wochen vor dem Release auf unsere Seite geschrieben, dass er die Platte für die Leute brennen würde und sie sich die Platte nicht kaufen müssen.
Schu: Und dann war er auch noch so dreist zu sagen, dass wir uns nicht wundern müssen, wenn wir weniger Platten verkaufen, da er sie jetzt schon für alle brennt!
Roger: Ich wäre an dem Tag, als ich das gesehen habe fast ausgeflippt und hab dann kurz schon ganz anders über das Internet nachgedacht...
Danke für das Interview.
Nieder mit der GbR - Live (2013)
| So | 19.05.2013 | Blumentopf A-Linzfest (Linz) | |
| Mi | 05.06.2013 | Blumentopf Wolfhagen (Kulturzelt) | |
| Sa | 08.06.2013 | Blumentopf Rock im Park (Nürnberg) | |
| So | 09.06.2013 | Blumentopf Rock Am Ring (Nürburg) | |
| Fr | 05.07.2013 | Blumentopf Summerjam (Köln) | |
| Sa | 06.07.2013 | Blumentopf Tollwood (München) | |
| Sa | 20.07.2013 | Blumentopf Mixery HipHop Open (Stuttgart) | |
| So | 21.07.2013 | Blumentopf Deichbrand Festival (Cuxhaven) | |
| So | 25.08.2013 | Blumentopf Folklore im Garten (Wiesbaden) |
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