Porträt

laut.de-Biographie

Wu-Tang Clan

Wenn sich überhaupt irgendeine Crew mit dem Titel "Supergroup" schmücken darf, dann der Wu-Tang Clan. Neun Herren aus Staten Island und Brooklyn machen sich Anfang der 90er Jahre auf, ein Rap-Imperium aufzubauen, das die Welt aus den Angeln heben soll.

Doubletime: Tupac lebt!
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Sagt Galileo. Danny Brown ist der Beste. Sagt er selbst. Hip Hop muss sterben. Sagen die Antilopen. Separate beim Clan und Curse auf Tatooine.
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Die Wurzeln des legendären Clans finden sich back in the days des Jahres 1992. RZA, sein Cousin GZA und Ol' Dirty Bastard sind als Force Of The Imperial Master aktiv, eine Truppe, die nach dem Titel ihres populärsten Tracks auch als "All In Together Now Crew" Bekanntheit erlangt. Für einen Plattenvertrag reicht es allerdings nicht. Das Trio trennt sich Anfang der 90er. RZA und GZA suchen ihr Heil in Solokarrieren, GZA veröffentlicht sogar ein Album - der Durchbruch bleibt jedoch aus. Frustriert von diesen ersten Erfahrungen im Musikgeschäft beschließen die beiden, ihr eigenes Ding aufzuziehen.

RZA nimmt die Sache in die Hand und entwickelt ein bis dato einzigartiges Business-Konzept. Innerhalb der nächsten fünf Jahre, so der großspurige Plan, werde man sich die Hip Hop-Welt Untertan machen. Wie? Mit einem Familienunternehmen. Der "Clan" ist durchaus wörtlich zu verstehen: Die drei Gründer greifen tatsächlich auf Verwandte oder engste Freunde zurück. Am Ende bilden neun MCs die legendäre Crew: Neben RZA, GZA und ODB sitzen Raekwon, Ghostface Killah, Method Man, Inspectah Deck, U-God und Masta Killa an Bord des auslaufenden Wu-Tang-Schlachtschiffes.

Dem Namen werden, je nach Lesart, verschiedene Bedeutungen zugeschrieben: Ob nun "Witty Unpredictable Talent And Natural Game", "Wisdom, Universe, Truth, Allah, Nation & God" oder "We Usually Take All Niggaz Garments" - das Ergebnis bleibt immer Wu-Tang.

Der Debüt-Track "Protect Ya Neck" schlägt wie eine Bombe ein. Dennoch gestaltet sich die Suche nach einem adäquaten Vertragspartner schwierig. Zur Politik des Clans gehört, dass jedes Mitglied seinen eigenen Style auf Solo- Veröffentlichungen ausleben soll. Um das zu gewährleisten, dürfen sie eben nicht an ein Label gebunden sein. Die wenig später gängige Praxis, Crew und Mitglieder getrennt unter Vertrag zu nehmen: ein Novum, das als Wu-Deal in den Sprachgebrauch eingeht.

Loud/RCA akzeptiert des RZAs Bedingungen und veröffentlicht mit dem ersten Clan-Album "Enter The Wu-Tang (36 Chambers)" einen Klassiker der Hip Hop-Geschichte. Wie bei sämtlichen Wu-Releases der kommenden Jahre, so liegt auch beim Debüt die Produktion komplett in RZAs Händen. Vor allem seine samplebasierten Beats, zusammen mit den stark differierenden Rap-Styles der neun MCs, dem exzessiven Gebrauch von Slang-Ausdrücken und Five-Percenter-Inhalten sowie den immer wiederkehrenden Bildern aus der Martial Arts- und Samurai-Kultur prägen den unverwechselbaren Sound der Crew.

Wu-Tang Clan & D-Block - Wu Block
Wu-Tang Clan & D-Block Wu Block
Mit baumelndem Gemächt über die Showtreppe.
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Um die Clan-Mitglieder gruppieren sich eine Vielzahl weiterer assoziierter Künstler und Projekte. Cappadonna, dessen Status auch innerhalb der eigenen Reihen immer wieder zu Diskussionen führt, ist wohl am nächsten dran, als "zehnter Wu-Tang" gezählt zu werden. Ähnliches gilt für den aus der Writer-Szene stammenden Produzenten Mathematics, der mit dem Fledermaus-Logo das Markenzeichen der Gruppe schuf. 1997 prangt es auf dem Cover der Source.

Zusätzlich bewegen sich Killah Priest, die Wu Elements True Master und 4th Disciple, Killarmy (ebenfalls mit 4th Disciple und RZAs Bruder Prince), die Sunz Of Man (mit genanntem Killah Priest), Street Life (ein enger Freund von Meth), ODBs Bruder 12 O'Clock, Brklyn Zu, der britische Produzent Baby J und die Gravediggaz im Umfeld des Wu-Tang Clan.

Bis 1997 behält RZA die Regler vollkommen unter Kontrolle. Method Man und ODB veröffentlichen ihre Solo-Alben. Als erstes Wu-Seitenprojekt legen die Gravediggaz (mit dem RZA persönlich in ihren Reihen) mit "Six Feet Deep" einen Longplayer vor. Auf Raekwons "Only Built 4 Cuban Linx" findet sich mit Nas erstmals ein Nicht-Wu-Tang-Feature. Dieses, des GZAs "Liquid Swords" sowie Ghostfaces Debüt "Ironman" zählen sämtlich zu den Klassikern des Genres.

Auch die assoziierten Mitglieder profitieren von der Umtriebigkeit des Clans: Cappadonna debütiert 1998 mit "The Pillage", Killah Priest wirft "Heavy Mental" ins Rennen. Ebenfalls 1998 präsentiert RZA mit "Wu-Tang Killa Bees: The Swarm" einen Sampler, der Solo-Tracks der Kern-Clanmänner sowie diverse Veröffentlichungen aus deren Umfeld zusammenfasst.

Ohne auch nur einen Hauch von Zugeständnis an den Mainstream zu machen, steigt das nächste Album der kompletten Crew, "Wu-Tang Forever", 1999 auf Platz 1 der amerikanischen Charts ein. Die dunklen, von den Ideen der Five-Percent Nation beeinflussten Raps sind geblieben. Der Sound allerdings wird merklich opulenter: Keyboards und Streicher nehmen jetzt mehr Raum ein. Zum ersten Mal tritt RZA Teile der Produktionsarbeit ab, auch True Master und 4th Disciple leisten ihren Beitrag.

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Eine gemeinsame Tour mit Rage Against The Machine endet allerdings früher als erwartet: Bereits nach etwa der Hälfte der Live-Shows wird dieses Projekt abgebrochen. In der Presse munkelt man von Reibereien und offenen Streitigkeiten zwischen den einzelnen Mitgliedern. Ganz einfach scheint es eben doch nicht zu sein, einen kompletten Bienenschwarm unter einen Hut zu bekommen.

Die Flut von Veröffentlichungen bringt in den Jahren zwischen 1997 und 2000 allerdings auch eine Menge zweit- bis drittklassiges Material hervor, was am Ruf des Clans nagt. Zudem erweist sich das zunehmend ausgetickte Verhalten Ol' Dirty Bastards als kompliziert zu handhaben, da er neben der Aufmerksamkeit der Medien auch immer wieder die der Behörden auf sich zieht. Er gerät - nicht nur seiner Ausfälligkeiten während der Grammy-Verleihung 1998 wegen - immer wieder in die Schlagzeilen. Diverse Male wird er verhaftet. Nicht eingehaltene Gerichtstermine sorgen für nicht enden wollende rechtliche Schwierigkeiten.

Als einigermaßen profitabel erweist sich allerdings die eigene Designer-Klamotten-Linie Wu Wear - auch wenn Inspectah Deck später im Interview gegenüber der Juice angibt, viele falsch getroffene Business-Entscheidungen hätten den Ertrag doch sehr geschmälert. Der Clan erschließt sich damit ein vollkommen von der Musik abgetrenntes Betätigungsfeld. Zahlreiche Rapper folgen später diesem Vorbild und werfen eigene Modelinien auf den Markt.

Obwohl die Mitglieder ordentlich Endzeitstimmung schüren, geht mit dem Jahrtausendwechsel überraschenderweise nicht die Welt unter. Der Clan erlebt komplett das Jahr 2000. Sehr zur Freude der Kritiker, manchen Kollegen treibt "The W" Tränen der Begeisterung in die Augen. Der Clan verstärkt seine Reihen mit Features von außerhalb: Nas, Redman, Snoop Dogg und Busta Rhymes kommen zu Wort. Die Single "Gravel Pit" gerät zum Hit. Nur einer fehlt: ODB sitzt wieder einmal im Knast. Auch auf "Iron Flag" aus dem Folgejahr ist Dirt McGirt nicht zu hören.

2004 veröffentlicht Masta Killa mit "No Said Date" als letztes Clan-Mitglied sein Solo-Debüt. Hartgesottene Fans jubeln und feiern die Rückkehr zum "echten Wu-Sound". Ghostface präsentiert mit "The Pretty Toney Album" erstmals ein Album ohne Mitwirkung der Familie. Cappadonna und insbesondere U-God beklagen sich lauthals über die Arbeitsbedingungen und die Finanzpolitik innerhalb des Clans.

Nach einer Pressekonferenz erklärt letzterer seinen Ausstieg. Immer schön vor der Nase der Öffentlichkeit wird die Auseinandersetzung weitergeführt. Ein in einer Radio-Show übertragenes Telefonat mit dem RZA führt zu vorläufiger Aussöhnung: U-God tourt gemeinsam mit dem Clan durch Europa und die USA und veröffentlicht 2005 - wieder unter dem Fledermausbanner - seinen zweiten Longplayer "Mr. Xcitement".

ODB hat mittlerweile das Zeitliche gesegnet: Am 14. November 2004 stirbt er während der Aufnahmen zu seinem nächsten Album überraschend im Studio an einer Überdosis. "Disciples Of The 36 Chambers" (auch auf eine DVD gebannt) gerät zum Denkmal für Ol' Dirty Bastard - "live and uncut", ebenso die Hits-Sammlung "Legend Of The Wu-Tang", die ebenfalls 2004 erscheint.

2006 rollt eine neue Welle aus dem Wu-Tang-Camp heran: Ghostface hat den Killah in seinem Namen wieder entdeckt und rühmt sich mit "Fishscale" eines weiteren Klassikers: Produktionen von MF Doom, Pete Rock und J Dilla runden das Werk ab. Masta Killa legt mit "Made In Brooklyn" sein Folgealbum vor, Method Man begeht mit "4:21" den "Day After", und der nimmermüde Ghostface setzt im Dezember mit "More Fish" noch einen drauf. In unsicheren Zeiten bleibt eines gewiss: Der Clan ist am Leben.

Daran ändert auch der Jahreswechsel nichts. Bereits im Januar bekommen Wu-Tang-Fans neue Perlen vorgeworfen. Allah Mathematics wühlt in seinen Schatzkisten und stellt für "Unreleased" einen bunten Strauß bisher unveröffentlichter Tracks aus diversen Album-Sessions zusammen. Abgerundet wird das Ganze durch exklusive Remixe von Hits wie "Da W" oder "Wu Banga".

Etwa zur gleichen Zeit kündigt der Wu-Tang Clan auch ein neues Album an. Wie sie auf ihrer Homepage berichten, handelt es sich dabei um den Soundtrack zu einer Animationsserie, in der Samuel L. Jackson einen zugerauchten, rache-süchtigen Samurai 'spielt'. Mit RZA tritt die komplette Familie an. Ol' Dirty Bastard grüßt mit Vocals aus seinem Nachlass aus der Gruft.

Die tatsächliche Veröffentlichung des ersten gemeinsamen Clan-Albums seit Jahren zieht sich jedoch noch bis zum 07. Dezember 2007 hin. Zuvor gehen die New Yorker noch ausgiebig auf Tour und besuchen dabei auch Deutschland: Neben den MTV Hip Hop Open in Stuttgart bestreiten die Clan-Brüder Auftritte in Offenbach, Berlin und Köln. Allerlei Mixtape- und Sampler-Veröffentlichungen trösten nicht darüber hinweg: "8 Diagrams" ist überfällig.

Die Liste der Feature-Gäste steigert die Vorfreude weiter: Bei dem Beatles-Cover "While My Guitar Gently Weeps" spielen John Frusciante von den Red Hot Chili Peppers und George Harrisons Sohn Dhani die Gitarren. Auch von einem Ol' Dirty Bastard-Tribute und einer Zusammenarbeit mit George Clinton ist die Rede.

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Wu-Tang Clan & D-Block - Wu Block: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2012 Wu Block

Kritik von Dani Fromm

Mit baumelndem Gemächt über die Showtreppe. (0 Kommentare)

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Live in Köln 2007 Die Hip-Hop-Bande aus den Staaten im Kölner Palladium.

Die Hip-Hop-Bande aus den Staaten im Kölner Palladium., Live in Köln 2007 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Die Hip-Hop-Bande aus den Staaten im Kölner Palladium., Live in Köln 2007 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Die Hip-Hop-Bande aus den Staaten im Kölner Palladium., Live in Köln 2007 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Die Hip-Hop-Bande aus den Staaten im Kölner Palladium., Live in Köln 2007 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)
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