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Wenn sich überhaupt irgendeine Crew mit dem Titel "Supergroup" schmücken darf, dann der Wu-Tang Clan. Neun Herren aus Staten Island und Brooklyn machen sich Anfang der 90er Jahre auf, ein Rap-Imperium aufzubauen, das die Welt aus den Angeln heben soll.
Die Wurzeln des legendären Clans finden sich back in the days des Jahres 1992. RZA, sein Cousin GZA und Ol' Dirty Bastard sind als Force Of The Imperial Master aktiv, eine Truppe, die nach dem Titel ihres populärsten Tracks auch als "All In Together Now Crew" Bekanntheit erlangt. Für einen Plattenvertrag reicht es allerdings nicht. Das Trio trennt sich Anfang der 90er. RZA und GZA suchen ihr Heil in Solokarrieren, GZA veröffentlicht sogar ein Album - der Durchbruch bleibt jedoch aus. Frustriert von diesen ersten Erfahrungen im Musikgeschäft beschließen die beiden, ihr eigenes Ding aufzuziehen.
RZA nimmt die Sache in die Hand und entwickelt ein bis dato einzigartiges Business-Konzept. Innerhalb der nächsten fünf Jahre, so der großspurige Plan, werde man sich die Hip Hop-Welt Untertan machen. Wie? Mit einem Familienunternehmen. Der "Clan" ist durchaus wörtlich zu verstehen: Die drei Gründer greifen tatsächlich auf Verwandte oder engste Freunde zurück. Am Ende bilden neun MCs die legendäre Crew: Neben RZA, GZA und ODB sitzen Raekwon, Ghostface Killah, Method Man, Inspectah Deck, U-God und Masta Killa an Bord des auslaufenden Wu-Tang-Schlachtschiffes.
Dem Namen werden, je nach Lesart, verschiedene Bedeutungen zugeschrieben: Ob nun "Witty Unpredictable Talent And Natural Game", "Wisdom, Universe, Truth, Allah, Nation & God" oder "We Usually Take All Niggaz Garments" - das Ergebnis bleibt immer Wu-Tang.
Der Debüt-Track "Protect Ya Neck" schlägt wie eine Bombe ein. Dennoch gestaltet sich die Suche nach einem adäquaten Vertragspartner schwierig. Zur Politik des Clans gehört, dass jedes Mitglied seinen eigenen Style auf Solo- Veröffentlichungen ausleben soll. Um das zu gewährleisten, dürfen sie eben nicht an ein Label gebunden sein. Die wenig später gängige Praxis, Crew und Mitglieder getrennt unter Vertrag zu nehmen: ein Novum, das als Wu-Deal in den Sprachgebrauch eingeht.
Loud/RCA akzeptiert des RZAs Bedingungen und veröffentlicht mit dem ersten Clan-Album "Enter The Wu-Tang (36 Chambers)" einen Klassiker der Hip Hop-Geschichte. Wie bei sämtlichen Wu-Releases der kommenden Jahre, so liegt auch beim Debüt die Produktion komplett in RZAs Händen. Vor allem seine samplebasierten Beats, zusammen mit den stark differierenden Rap-Styles der neun MCs, dem exzessiven Gebrauch von Slang-Ausdrücken und Five-Percenter-Inhalten sowie den immer wiederkehrenden Bildern aus der Martial Arts- und Samurai-Kultur prägen den unverwechselbaren Sound der Crew.
Um die Clan-Mitglieder gruppieren sich eine Vielzahl weiterer assoziierter Künstler und Projekte. Cappadonna, dessen Status auch innerhalb der eigenen Reihen immer wieder zu Diskussionen führt, ist wohl am nächsten dran, als "zehnter Wu-Tang" gezählt zu werden. Ähnliches gilt für den aus der Writer-Szene stammenden Produzenten Mathematics, der mit dem Fledermaus-Logo das Markenzeichen der Gruppe schuf. 1997 prangt es auf dem Cover der Source.
Zusätzlich bewegen sich Killah Priest, die Wu Elements True Master und 4th Disciple, Killarmy (ebenfalls mit 4th Disciple und RZAs Bruder Prince), die Sunz Of Man (mit genanntem Killah Priest), Street Life (ein enger Freund von Meth), ODBs Bruder 12 O'Clock, Brklyn Zu, der britische Produzent Baby J und die Gravediggaz im Umfeld des Wu-Tang Clan.
Bis 1997 behält RZA die Regler vollkommen unter Kontrolle. Method Man und ODB veröffentlichen ihre Solo-Alben. Als erstes Wu-Seitenprojekt legen die Gravediggaz (mit dem RZA persönlich in ihren Reihen) mit "Six Feet Deep" einen Longplayer vor. Auf Raekwons "Only Built 4 Cuban Linx" findet sich mit Nas erstmals ein Nicht-Wu-Tang-Feature. Dieses, des GZAs "Liquid Swords" sowie Ghostfaces Debüt "Ironman" zählen sämtlich zu den Klassikern des Genres.
Auch die assoziierten Mitglieder profitieren von der Umtriebigkeit des Clans: Cappadonna debütiert 1998 mit "The Pillage", Killah Priest wirft "Heavy Mental" ins Rennen. Ebenfalls 1998 präsentiert RZA mit "Wu-Tang Killa Bees: The Swarm" einen Sampler, der Solo-Tracks der Kern-Clanmänner sowie diverse Veröffentlichungen aus deren Umfeld zusammenfasst.
Ohne auch nur einen Hauch von Zugeständnis an den Mainstream zu machen, steigt das nächste Album der kompletten Crew, "Wu-Tang Forever", 1999 auf Platz 1 der amerikanischen Charts ein. Die dunklen, von den Ideen der Five-Percent Nation beeinflussten Raps sind geblieben. Der Sound allerdings wird merklich opulenter: Keyboards und Streicher nehmen jetzt mehr Raum ein. Zum ersten Mal tritt RZA Teile der Produktionsarbeit ab, auch True Master und 4th Disciple leisten ihren Beitrag.
Eine gemeinsame Tour mit Rage Against The Machine endet allerdings früher als erwartet: Bereits nach etwa der Hälfte der Live-Shows wird dieses Projekt abgebrochen. In der Presse munkelt man von Reibereien und offenen Streitigkeiten zwischen den einzelnen Mitgliedern. Ganz einfach scheint es eben doch nicht zu sein, einen kompletten Bienenschwarm unter einen Hut zu bekommen.
Die Flut von Veröffentlichungen bringt in den Jahren zwischen 1997 und 2000 allerdings auch eine Menge zweit- bis drittklassiges Material hervor, was am Ruf des Clans nagt. Zudem erweist sich das zunehmend ausgetickte Verhalten Ol' Dirty Bastards als kompliziert zu handhaben, da er neben der Aufmerksamkeit der Medien auch immer wieder die der Behörden auf sich zieht. Er gerät - nicht nur seiner Ausfälligkeiten während der Grammy-Verleihung 1998 wegen - immer wieder in die Schlagzeilen. Diverse Male wird er verhaftet. Nicht eingehaltene Gerichtstermine sorgen für nicht enden wollende rechtliche Schwierigkeiten.
Als einigermaßen profitabel erweist sich allerdings die eigene Designer-Klamotten-Linie Wu Wear - auch wenn Inspectah Deck später im Interview gegenüber der Juice angibt, viele falsch getroffene Business-Entscheidungen hätten den Ertrag doch sehr geschmälert. Der Clan erschließt sich damit ein vollkommen von der Musik abgetrenntes Betätigungsfeld. Zahlreiche Rapper folgen später diesem Vorbild und werfen eigene Modelinien auf den Markt.
Obwohl die Mitglieder ordentlich Endzeitstimmung schüren, geht mit dem Jahrtausendwechsel überraschenderweise nicht die Welt unter. Der Clan erlebt komplett das Jahr 2000. Sehr zur Freude der Kritiker, manchen Kollegen treibt "The W" Tränen der Begeisterung in die Augen. Der Clan verstärkt seine Reihen mit Features von außerhalb: Nas, Redman, Snoop Dogg und Busta Rhymes kommen zu Wort. Die Single "Gravel Pit" gerät zum Hit. Nur einer fehlt: ODB sitzt wieder einmal im Knast. Auch auf "Iron Flag" aus dem Folgejahr ist Dirt McGirt nicht zu hören.
2004 veröffentlicht Masta Killa mit "No Said Date" als letztes Clan-Mitglied sein Solo-Debüt. Hartgesottene Fans jubeln und feiern die Rückkehr zum "echten Wu-Sound". Ghostface präsentiert mit "The Pretty Toney Album" erstmals ein Album ohne Mitwirkung der Familie. Cappadonna und insbesondere U-God beklagen sich lauthals über die Arbeitsbedingungen und die Finanzpolitik innerhalb des Clans.
Nach einer Pressekonferenz erklärt letzterer seinen Ausstieg. Immer schön vor der Nase der Öffentlichkeit wird die Auseinandersetzung weitergeführt. Ein in einer Radio-Show übertragenes Telefonat mit dem RZA führt zu vorläufiger Aussöhnung: U-God tourt gemeinsam mit dem Clan durch Europa und die USA und veröffentlicht 2005 - wieder unter dem Fledermausbanner - seinen zweiten Longplayer "Mr. Xcitement".
ODB hat mittlerweile das Zeitliche gesegnet: Am 14. November 2004 stirbt er während der Aufnahmen zu seinem nächsten Album überraschend im Studio an einer Überdosis. "Disciples Of The 36 Chambers" (auch auf eine DVD gebannt) gerät zum Denkmal für Ol' Dirty Bastard - "live and uncut", ebenso die Hits-Sammlung "Legend Of The Wu-Tang", die ebenfalls 2004 erscheint.
2006 rollt eine neue Welle aus dem Wu-Tang-Camp heran: Ghostface hat den Killah in seinem Namen wieder entdeckt und rühmt sich mit "Fishscale" eines weiteren Klassikers: Produktionen von MF Doom, Pete Rock und J Dilla runden das Werk ab. Masta Killa legt mit "Made In Brooklyn" sein Folgealbum vor, Method Man begeht mit "4:21" den "Day After", und der nimmermüde Ghostface setzt im Dezember mit "More Fish" noch einen drauf. In unsicheren Zeiten bleibt eines gewiss: Der Clan ist am Leben.
Daran ändert auch der Jahreswechsel nichts. Bereits im Januar bekommen Wu-Tang-Fans neue Perlen vorgeworfen. Allah Mathematics wühlt in seinen Schatzkisten und stellt für "Unreleased" einen bunten Strauß bisher unveröffentlichter Tracks aus diversen Album-Sessions zusammen. Abgerundet wird das Ganze durch exklusive Remixe von Hits wie "Da W" oder "Wu Banga".
Etwa zur gleichen Zeit kündigt der Wu-Tang Clan auch ein neues Album an. Wie sie auf ihrer Homepage berichten, handelt es sich dabei um den Soundtrack zu einer Animationsserie, in der Samuel L. Jackson einen zugerauchten, rache-süchtigen Samurai 'spielt'. Mit RZA tritt die komplette Familie an. Ol' Dirty Bastard grüßt mit Vocals aus seinem Nachlass aus der Gruft.
Die tatsächliche Veröffentlichung des ersten gemeinsamen Clan-Albums seit Jahren zieht sich jedoch noch bis zum 07. Dezember 2007 hin. Zuvor gehen die New Yorker noch ausgiebig auf Tour und besuchen dabei auch Deutschland: Neben den MTV Hip Hop Open in Stuttgart bestreiten die Clan-Brüder Auftritte in Offenbach, Berlin und Köln. Allerlei Mixtape- und Sampler-Veröffentlichungen trösten nicht darüber hinweg: "8 Diagrams" ist überfällig.
Die Liste der Feature-Gäste steigert die Vorfreude weiter: Bei dem Beatles-Cover "While My Guitar Gently Weeps" spielen John Frusciante von den Red Hot Chili Peppers und George Harrisons Sohn Dhani die Gitarren. Auch von einem Ol' Dirty Bastard-Tribute und einer Zusammenarbeit mit George Clinton ist die Rede.
Der Chef bringts zurück - Rap-Klassiker, die goldene Ära und den Wu-Tang Clan.
Raekwon der Chef hat gerade mit "Only Built 4 Cuban Linx 2" eines der besten Wu-Tang-Alben der Clan-Historie geschaffen.
Mit "Only Built 4 Cuban Linx 2" hat Raekwon das Unmögliche möglich gemacht: Der zweite Teil des Mafioso Rap-Manifests muss sich qualitativ vor dem Original nicht verstecken. So rettet der fast 40-jährige Rae nicht nur mal eben die eigene Karriere, sondern auch die des gesamten Fledermaus-Clans.
Das alte Europa hat er jüngst per Promo-Marathon durchquert, dabei aber laut.de vergessen. Kein Problem: Raekwons amerikanische Handynummer hat ja Ex-Kollege Johannesberg dereinst in seinen Schreibtisch gekratzt.
Also, kurz anklingeln lassen, durchgekommen und den Chef nach seinem Mittagsmahl ein paar Fragen gestellt. Hallo, ist da Shaolin?
Du kommst gerade aus Europa zurück. Wie war es?
Es war super. Die Energie war wieder mal unglaublich. Die Konzerte waren voll und alle haben sogar die Songs mitgesungen. Ich war überrascht, wie viele bereits das neue Album kannten. Die Energie war krass.
Nehmen die Leute in Europa deine Musik anders auf als deine Fans in Amerika?
Der Unterschied ist, dass sie Hip Hop einfach mehr schätzen, weil die Leute drüben einfach nicht so oft die Möglichkeit bekommen, Ami-Acts live zu sehen. Jedes Mal, wenn ich über den großen Teich komme, werde ich mit nichts als unbändiger Energie empfangen. Die amerikanischen Acts, die sich wirklich die Zeit nehmen, um gute Shows in Europa zu spielen, werden einfach respektiert.
Spielst du also lieber in Europa als in den Staaten?
Das ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber ich genieße es auf jeden Fall, in Europa zu performen. Außerdem hilft das meiner Glaubwürdigkeit auf der anderen Seite der Welt.
Wie gehst du damit um, dass du den Europäern von einem Leben im Ghetto erzählst, obwohl den Leuten dort diese Realität eher fremd ist?
Die Leute verstehen eben, dass meine Geschichte sich nicht groß unterscheidet von vielen anderen Storys, die in der Armut beginnen. Ich bin mir sicher, dass es auch bei euch genug Leute gibt, die in schlechten Verhältnissen leben. Sie können sich damit identifizieren, weil sie wissen, wie es ist, in Armut aufzuwachsen, wo Hoffnung das Einzige ist, was du hast.
Für dein neues Album hast du unglaublich viel Promo gemacht, sowohl in den USA als auch in Europa. Glaubst du, die Promo hat dabei geholfen, dass "Only Built 4 Cuban Linx 2" so ein Erfolg geworden ist?
Absolut. Wenn du deinen Fans zeigst, dass es dir wichtig ist, in den Medien zu sein, dass du dein Bestmöglichstes gibst, neue Sachen veröffentlichst und Mixtapes raushaust, dann stellst du damit deine Arbeitsmoral unter Beweis. Das sehen dann die Leute und unterstützen dich, weil sie merken, dass du sie genauso unterstützt. Nur so kann ein Projekt auch funktionieren.
Ohne große Label-Bindung musst du dich jetzt selbst um all das kümmern.
Genau. Im Grunde genommen sind wir völlig unabhängig. Meine Firma IceH2O arbeitet letztlich wie ein Majorlabel, wobei ich das letzte Wort habe, wie wir als Team agieren. IceH2O kümmert sich darum, dass ich den Rücken frei habe, um nicht den Fokus zu verlieren. Um ehrlich zu sein, nehmen die Plattenfirmen ihre Künstler ja überhaupt nicht mehr ernst. Meine Unabhängigkeit hat mein Leben zwar ein wenig härter gemacht. Aber auf der anderen Seite habe ich so auch wahnsinnig viel über das Business gelernt und wie ich damit umgehen muss. Ich bin mittlerweile auf jeden Fall viel konzentrierter.
Weißt du, es fühlt sich verdammt gut an, dass die Leute das Album in diesem Maße schätzen. Ich war immer unglaublich dankbar für den Support meiner Fans. Dieses Gefühl ist unschlagbar. Der Grund, wieso das Album der Welt so wichtig ist, liegt in meinen Augen daran, dass es ein Symbol für die Rückkehr des wahren Hip Hops mit Inhalt ist. Sowohl für die Lyrics als auch die Produktion.
Was war es denn für ein Gefühl, als du die fertige Platte das erste Mal in der Hand hattest?
Ich fühlte mich wie neugeboren. Der neue Rae. Mir wurde bewusst, was mir nach all dem Herzblut und den Schmerzen gelungen ist. Trotzdem fühlte ich mich wie ein Newcomer. Ich bin mein schärfster Kritiker, aber ich liebe dieses Album. Als ich fertig war, dachte ich nur: Wenn dieses Album nicht zündet, dann haben die Leute vom echten Hip Hop nichts verstanden.
Ich nehme mal an, dass du Herausforderungen magst. Es wäre doch ein Leichtes gewesen, das "OB4CL"-Vermächtnis ruhen zu lassen.
Ich liebe Herausforderungen, weil du so das Beste aus dir herausholst. So zwingt man sich zu richtig harter Arbeit. Nur so reißt du dir richtig den Hintern auf, um erfolgreich zu sein. Das hat eben auch was von diesem Wettbewerbsgedanken. Ich liebe Wettkämpfe, ich liebe Druck. Ich liebe es, wenn Leute an mir zweifeln und ich ihnen dann das Monster in mir zeigen kann. Die Bestie.
Wie würdest du denn den ersten Teil von "OB4CL" in die Hip Hop-Geschichte einordnen?
Es ist die Straßenbibel des Hip Hop. Geschaffen von einem echten Kerl, der genau dieses Leben gelebt hat. Einem Träumer, der das Gute und das Böse kennt.
Du bist ein Träumer?
Ein Träumer, genau. Jeden Tag meines Lebens bin ich als Träumer durch die Welt gegangen. Wir stammen aus dem Ghetto. Als Bewohner des Ghettos leben wir den Traum, irgendwann dem Ghetto zu entfliehen. Mein ganzes Leben lang war ich von diesem Scheiß umgeben. Dort wo ich herkomme, musst du ein Träumer sein.
Naja, der Großteil des Clans ist mit dabei. Einer fehlt und das nur, weil er bei den Aufnahmen keine Zeit hatte. Davon abgesehen ist jeder Einzelne auf dem Album.
Ich meinte eher, wie viel von dem Wu-Tang-Vermächtnis drinsteckt?
Es gilt weiterhin: Wu-Tang Forever! Das Album ist eines der besten Wu-Tang-Alben überhaupt; der Beweis für die Fans, dass sie wieder an uns glauben können. Ich hoffe, ich kann dadurch dem Wu-Tang Clan neue Kraft geben und der Welt zeigen, dass wir es immer noch drauf haben.
Hattest du jemals das Gefühl, dass die Zukunft des Clans auf deinen Schultern lastet?
So hab ich das nie gesehen. Mir war immer klar: Unsere Aufgabe ist es, das Beste zu zeigen, was wir selbst und was wir als Gruppe gemeinsam können. Ich wusste immer, dass jeder Einzelne die Kraft hat, alleine den nächsten Schritt zu machen.
Ich frage, weil ich der Meinung bin, dass "OB4CL2" so Wu-Tang ist wie wenig anderes in den letzten Jahren.
Verrückt, oder? Das ist mir schon während der Aufnahmen aufgefallen. Ich wusste, dieses Album gibt dem Clan seine Arme und Beine zurück, die er bitter nötig hat. Weißt du, ich bin ein MC mit Herz und Seele und verdammt glücklich, dass die Leute das respektieren. Manchmal braucht es eben eine einzelne Person in der Crew, um unseren Status zu sichern. Ich bin froh, dass die Fans gemerkt haben, dass wir es noch draufhaben, wenn die richtigen Leuten das Sagen haben.
Wann hat der Clan denn seine Arme und Beine verloren?
Als wir mit den eigenartigen Produktionen angefangen haben und eine ganz andere Schiene gefahren sind als sonst. An unserer Performance hat es nie gelegen, wir bekamen einfach nicht mehr die passenden Produktionen. Außerdem sind dann einige Projekte mit dem Wu-Tang-Logo veröffentlicht worden, die die Fans völlig kalt ließen. Und auf einmal hieß es, dass wir es alle nicht mehr drauf hätten. Das war ein herber Rückschlag.
Hat das "8 Diagrams"-Album auf dich als Künstler oder Person irgendeinen Einfluss gehabt?
Überhaupt nicht. "8 Diagrams" ist RZAs Projekt. Das ist RZAs Welt. Ich will damit nicht sagen, dass es Müll war, weil der Wu-Tang Clan keinen Müll produzieren kann. Aber RZA hat da gemacht, worauf er Bock hatte. Ich sage nicht, das Album war scheiße. Die Welt war einfach noch nicht bereit dafür. Und der Clan auch nicht.
Kurz nach der Veröffentlichung von "8 Diagrams" hast du ganz schön Dampf abgelassen und gesagt, dass du mit dem Projekt überhaupt nicht zufrieden bist. Natürlich, weil ich wusste, dass ich mit "Cuban Linx" einen Klassiker parat hatte. Wenn du einen Klassiker in der Hand hast und die Leute dich aber kurz davor abschreiben ..., scheiße, damit hatte ich ein großes Problem. Ich musste einfach öffentlich klarstellen, dass mein Scheiß ganz anders ist als das, wofür Wu-Tang gerade stand. Ich habe nur gesagt, wir können es noch. "Cuban Linx" war ja das, worauf die Leute gewartet haben. Dieses Projekt habe ich auf Halde gelegt, um an "8 Diagrams" zu arbeiten und gehofft, dass es ein Erfolg für uns alle wird. Dem war aber nicht so. Es hat einfach nicht gepasst. Und wir haben RZA auch gesagt, dass es nicht passt. Ich musste sicher gehen, dass alle checken, dass sich "OB4CL2" nicht wie "8 Diagrams" anhören wird.
Jetzt scheinst du deinen Frieden mit dem Album gemacht zu haben.
Absolut. Wie ich schon immer gesagt habe: Wir können sauer aufeinander sein, aber hassen werden wir uns nie. Hass ist ein großes Wort. Ich werde immer Respekt für meine Jungs haben, weil sie mir die Möglichkeit gegeben haben, das zu tun, was ich mache. Von mir wirst du nichts Böses hören. Aber es stand für mich einfach eine Menge auf dem Spiel. Für uns alle.
Welchen Stellenwert haben denn deine anderen Soloalben in deiner Karriere?
Alle sind Teil meines Vermächtnisses. Meine anderen Alben hat man einfach nicht verstanden. Ich finde sie hervorragend, man muss sich nur etwas länger mit ihnen befassen. Ich liebe jedes einzelne Album.
Ist "Cuban Linx" also irgendwie ein Segen und ein Fluch?
Ich versuche lediglich, der MC zu sein, zu dem ich fähig bin. Mich interessiert es nicht, darüber nachzudenken, was mir in meiner Karriere geholfen hat und was nicht. Es geht darum, wie viel du investierst. Du willst erfolgreich sein? Dann arbeite hart und bleibe dadurch erfolgreich. Jeder Klassiker basiert auf dem, was du investiert hast. Harte Arbeit wird immer belohnt.
Der erste Teil von "OB4CL" hat die so genannte goldene Ära des Rap mit gestaltet. Kannst du mit dieser 'Golden Era'-Diskussion etwas anfangen?
Natürlich. Wir sind ein Teil dieser Ära. Für mich sind die frühen Neunziger die Zeit, in der man noch richtige Skills hatte und es den rohen Hip Hop gab. Hip Hop hatte diese spezielle Energie, weil wir so kreativ und originell waren.
Wie ist es dir denn gelungen, mit deinem neuen Album den Sound dieser guten alten Tage einzufangen, aber trotzdem noch so am Puls der Zeit zu sein?
Es ist einfach so passiert. Die Chemie hat gestimmt, die Liebe, Leidenschaft und der Glaube. Ich glaube einfach an meine Fähigkeiten. Daran arbeite ich immer weiter.
Ist "OB4CL2" ein Konzeptalbum?
Definitiv. Der erste "OB4CL"-Teil ist ja auch ein Konzeptalbum. Die Geschichte eines Drogendealers. Ich berichte von ganz unterschiedlichen Themen einer urbanen Hood, in der wir, zwischen Drogendealern und dem Wunsch, dem Ganzen zu entfliehen, aufgewachsen sind. Alles, was ich erzähle, stammt aus dieser Welt, weil diese Scheiße real ist. Es gibt kaum Künstler, die in der Lage sind, so wie wir Bilder von dieser Realität zu zeichnen. Es ist ein Konzeptalbum über den Überlebenskampf eine Straßengangsters.
Auf dem Album gibt es mit "House Of Flying Daggers" und "New Wu" einmal mehr zwei perfekte Beispiele für die spezielle Energie, die entsteht, wenn du, Ghostface und Method Man zusammenarbeiten. Was ist so besonders an eurer Zusammenarbeit?
So ist das nunmal, wir ziehen unser Ding durch. Das Besondere ist, dass diese beiden Brüder unglaublich talentiert sind. Aber das sind sie alle. Nicht nur ich, Ghost und Meth. Alle sind talentiert. RZA, Inspectah Deck, Masta Killa. Meine Jungs haben es alle drauf.
Meth sagte, dass ihr drei jetzt sogar an einem gemeinsamen Album arbeitet?
Ja, das steht als nächstes an. Das wird ein Hammer-Ding. Darauf freue ich mich jetzt schon.
RZA behauptete gerade in einem Interview, dass er die Idee schon vor vielen Jahren hatte. Er meinte, das war schon mal unter dem Namen Brothers From The Grain geplant.
Davon weiß ich gar nichts.
Gönnst du dir jetzt nach dem Promo-Marathon und der Tour eine Pause?
Du meinst Urlaub? Nein, für mich gibt es keinen Urlaub. Ich werde versuchen, euch weiterhin konstant den raw shit um die Ohren zu hauen.
Lost Anthology (2007)
Disciples Of The 36 Chambers (2004)
Wu-Tang Forever (1999)
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