Porträt

laut.de-Biographie

Nico Suave

Hip Hop ist universell, auch geographisch gesehen. Er kann auf den harten Ghettostraßen der Großstädte genauso gelebt werden, wie im kleinsten Kuhkaff oder der spießigsten Vorstadt. Bestes Beispiel dafür ist Nico Suave aus dem sauerländischen Menden vor den Toren Dortmunds. Mit 13 beginnt er sich erstmals für Ami-Rap zu begeistern. Um sich jedoch selbst in der Hip Hop-Kultur zu verwirklichen, bedarf es nach eigenen Aussagen noch eines letzten Kicks der norddeutschen Pioniere von FAB (Ferris MC, FlowinImmo) und Tobi und Bo. Nico fängt dann ebenfalls an, auf Deutsch zu rappen, und gründet als 16-Jähriger mit Dabru Tack, Markus Kalina und seinem Bruder die Gruppe Provinzaroma. Zusammen entern sie die Bühnen der lokalen Jugendzentren. Der Track "Raubkopie" vom "Innenseiten"-Sampler bleibt aber leider das einzige hörbare Ergebnis. In dieser Zeit lernt Suave auch Dendemann und Maju Biese von den Armen Rittern aus Bremen kennen. Diese schicksalhafte Begegnung wird später seinen Werdegang entscheiden beeinflussen.

Doch '97 ist erst mal Schluss mit dem Provinzaroma. Nico lässt sich aber nicht entmutigen. Er hängt seinen Briefträgerjob an den Nagel (Man höre dazu die "Briefträger-Styles" vom Debut) und setzt seine werdende Rapkarriere mit einem Solo-Joint auf dem Westkurve Vol.1-Tape fort. Seinen Durchbruch schafft er '98 mit dem Gastauftritt auf dem Eins, Zwo-Song "Sternzeichen Krebs" vom Album "Gefährliches Halbwissen". "...ich hätt eher Bock auf Manni der Libero-Style...". Nico geht sogar mit Dendemann und Rabauke auf D-Tour, um sich überregional der Szene zu präsentieren.

Beim letzten Konzert in Kiel trifft Nico einen DeeJay namens Sparc. Der Vibe zwischen den beiden stimmt sofort, und man beschließt gemeinsame Sache zu machen. Im Februar 2000 hat man den ersten Gig wieder in Kiel. Nun geht alles sehr schnell. Nico zieht ins nördliche Hip Hop-Mekka nach Hamburg. Im Studio Area 21 (Fettes Brot, Fischmob, Eins, Zwo) entsteht dann seine erste Maxi "Münchhausen '94". Es folgen weitere Features auf Alben von Maju Biese, Deichkind und DJ Friction. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis Suave sein Debut droppen kann. Im April 2001 ist es endlich so weit, die Scheibe "Suave" steht in den Plattenregalen und auf MTV rotiert das Video zur ersten Singleauskoppelung "Vergesslich". Das Album besticht mit seiner sehr smoothen Atmosphäre, die von den The Roots-artigen Beats und Nicos trocken-ironischen Storytellerstyle kreiert wird. Außerdem kann man seine Skills bei Gastraps auf den neuesten Werken von Samy Deluxe und Mr.Schnabel abchecken.

Vier Jahre ziehen ins Land und es wird still um das einst hochgelobte Raptalent. Persönliche Tiefschläge gehen Hand in Hand mit dem Split seines Labels Islands im Zuge der einsetzenden Musikkrise. So erscheint das Nachfolgealbum "Mit Liebe Gemacht" erst im Mai 2005 auf No Limits, dem Label von u.a. Tatwaffe und den Spezializtz. Suaves Style ist von den vergangenen Jahren nicht unberührt geblieben. Vom rappenden Münchhausen wurde er zum nachdenklichen Hanseaten, der seinen Blick auch mal wertend über die eigene Vergangenheit schweifen lässt.

Interviews

Nico Suave: Die Medien machen den Hip Hop kaputt

Juli 2001 Die Medien machen den Hip Hop kaputt

Interview von Michael Schuh

Zum Ende von Nico Suaves Tournee zeigte sich Hamburg von seiner besten Seite. Die Sonne schien und eine steife Brise strich uns um die Ohren. Gute Voraussetzungen für ein entspanntes Interview mit Nico Suave und DJ Spark mit abschließendem Konzert im Mojo-Club. (0 Kommentare)

Alben

Nico Suave - Suave: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2001 Suave

Kritik von Stefan Johannesberg

Der Baron Münchhausen des Hamburger Raps kommt mit Briefträger-Styles. (0 Kommentare)

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