Porträt

laut.de-Biographie

FlowinImmo

"Du hast Immo im Ohr, aber du liebst es / Was du auch vorhast, du verschiebst es / Du nimmst dir Zeit und hörst mir zu / Ich klär dich auf und ab und lass dich nicht in Ruh." ("Immo im Ohr").

FlowinImmos Weg führte noch nie geradeaus, vom verschlungenen Pfad zur Selbsterkenntnis lassen sich jedoch nur Anfänger abbringen. Keine Gefahr für Immo: Wer an ihn gerät, der bekommt es schließlich mit einem unbestrittenen Veteranen der deutschen Hip Hop-Szene zu tun.

Immo Wischhusen erblickt das Licht der Welt am 23. September 1975 in Bremen. Anfang der 90er Jahre schließt er sich mit Ferris MC und dem mittlerweile verschollenen DJ Pee zu einer Crew zusammen, deren Name Programm ist: Die Freaks Association Bremen (kurz F.A.B.) geht an den Start.

Das erste Album, "Freaks", erscheint 1995 bei MZEE Records. Die Platte strotzt nur so von abgedrehten Beats und verrückten Lyrics. MC Rene und Spax wohnen dem Freakgelage als Gäste bei. Nach einer umjubelten Deutschland-Tour mit Raid, den Massiven Tönen und Fettes Brot wechseln F.A.B. zum Major Epic und veröffentlichen die EP "ERiCH Privat". Auf diversen Compilations, darunter der Breitseite-Sampler, fungieren Ferris und Immo als gern gesehene Gast-Freaks.

Ende 1997 kracht es allerdings gewaltig: das Ende der Freak-Association kommentiert Immo in der Juice, Ausgabe 10/2000: "Ich meine, bevor wir wieder besser miteinander klarkommen, müssen wir uns erst mal die Chance geben, uns zu verstehen. Das war damals auch der Grund, warum wir irgendwann nicht mehr klar kamen, weil wir uns nicht mehr die Möglichkeit gegeben haben, uns zu verstehen. Irgendwann haben wir dann aufgehört zu reden, Ferris ist nach HH gezogen und - peng."

Ferris verschwindet also nach Hamburg, Immo bleibt zunächst in Bremen und beginnt ein BWL-Studium. Bewusstseinserweiterungs-Experimente gehen allerdings nicht spurlos an ihm vorüber: Er lässt sich in eine Nervenklinik einweisen, die er jedoch sechs Wochen später wieder verlässt.

"Ich habe nicht mehr funktioniert. Ich meine, in meiner Akte stand 'manische Psychosen'. Unterschrieben von einem Doktor, der sich nie wirklich mit mir unterhalten hat. Körperlich war ich zwar gefangenen, aber vom Kopf her konnten sie mir nix anhaben, deshalb bin ich auch wieder rausgekommen."

Music is a doctor, und Hip Hop hat nicht nur Curse tausendfach vorm glatten Abschiss gerettet: Auch Immo findet neuen Halt in der wunderbaren Welt der Beats und Rhymes. Er wird unter anderem von den Spezializtz, der Firma und DJ Friction gefeaturet und erhält darauf hin sogar Angebote von Labels wie Def Jam, BMG oder EMI.

Immo zieht künstlerische und menschliche Freiheit der Sicherheit vor, pfeift drauf und bringt sein Solo-Debüt in Eigenregie über sein Label Immonopol auf den Markt.

"Terra Pi" steht Ende 2000 in den Plattenläden. Die DJs Explizit und Mirko Machine sowie Stuttgarts Finest, Wasi, begleiten die Entdeckungsreise. Fernab vom Mainstream, gestattet Immo Einblicke in seine Gedankenwelt.

Die silberne Wack-Medaille im Leserpoll der Juice dürfte er keineswegs als Schmach und Schande, wohl aber als Auszeichnung verbucht haben, ebenso den fünften Platz unter den schlechtesten deutschen Reimern. Immo konzipiert seine Musik für sich und sein Seelenleben. Dass ihm die Leserschaft des größten deutschen Hip Hop-Magazins nicht folgen kann, war abzusehen.

Andere wissen das Grenzen überschreitende Schaffen Immos jedoch zu schätzen: Als erster Rapper zieht er im Auftrag des Goethe-Instituts durch Südostasien und tritt in Indonesien und Thailand auf.

Nach dem Umzug nach Berlin beginnt Immo 2002 mit der Produktion eines weiteren Solo-Albums, das aber erst 2005 erscheint. Immo hat immer noch die "Grenzenlose Freiheit", tun und lassen zu können, was er will. Country-, Jazz-, Reggae- und Blues-Einflüsse verbindet er, unfassbar funky mit zahlreichen Live-Musikern in Szene gesetzt, zu einer runden Hip Hop-Produktion, die ihm in dieser Form wohl tatsächlich nur diejenigen zugetraut haben, die sich über gar nichts mehr wundern. Schon gar nicht darüber, dass Immo sich wegen "Bedrohung und Beleidigung diverser Personen" Hausverbot bei Universal Music eingehandelt hat.

Schon vorher hat sich, fast wie von selbst, die Live-Combo Les Freaqz om ihren Ober-Spinner in der Mitte gruppiert. Im Sommer 2004 legen Immo, Drummer Phil Fill und Keyboarder Will Kill in Italien den Grundstein der Band. Wenig später, zurück in Berlin, stößt Bass-Mann Dr. Dommy Lee hinzu. Gitarrist King Kryszler komplettiert den bunten Haufen.

FlowinImmo et les Freaqz spielen zahllose Live-Shows. Immo, Dauergast beim Splash!, produziert und remixt für sich und andere, teilt seine Erfahrung in Rap-Workshops mit Interessierten und tritt 2006 in der Komischen Oper in Berlin in einer Hip Hop-Adaptation von Mozarts "Cosi Fan Tutte" auf.

2008 gibt die EP "Jetzt" einen kurzen Einblick in den Stand der Dinge. Das dritte Solo-Album lässt dagegen noch auf sich warten. Erst im Frühjahr 2009 ist die erste Single "Urlaub Am, Attersee" fertig - pünktlich, um Bremen bei Stefan Raabs Bundesvision Songcontest einen unverdient schlechten elften Platz zu erschunkeln.

Der Strahlkraft der wüsten Mixtur, mit der "Immoment" aufwartet, schadet die miese Platzierung der Vorab-Single nicht. Gesang, Rap, Elektro, Volksmusik, Rock und Reggae, das alles in farbenfrohester P-Funk-Manier kredenzt, grooven derart schweinemäßig, dass George Clinton Immo und Konsorten dafür unter Garantie Plätze in seinem Mothership reservieren würde. Die sind jedoch längst unterwegs - in ihrem eigenen Raumschiff, auf dem Weg in ein ganz eigenes Universum.

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Alben

FlowinImmo Et Les Freaqz - Immoment: Album-Cover
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2009 Immoment

Kritik von Dani Fromm

Schubladen sind für Anfänger. Immo kackt auf alles! (0 Kommentare)

FlowinImmo - Terra Pi: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2000 Terra Pi

Kritik von Stefan Johannesberg

Abgefahrene Vocals, blubbernder Soundteppich und groovende Beats. (0 Kommentare)

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