Porträt

laut.de-Biographie

Fischmob

Obwohl Fischmob nur zwei Studioalben veröffentlichen, sind sie die vielleicht innovativste deutsche Hip Hop-Band. Eigentlich kann man sie nicht wirklich als Hip Hop-Band bezeichnen. Im Grunde genommen sind sie All-Styler mit Hip Hop-Einschlag. Und verdammt lustig obendrein.

Bestehend aus den Rappern Cosmic und Der Schreckliche Sven, DJ Koze und Stachy an den Drums fangen sie 1993 an Deutschland unsicher zu machen. Und das geht so: der Schreckliche Sven und Cosmic lernen sich auf einer Party kennen und gründen (etwas später) TBC-Attack und bringen ihre Idee von englisch-deutschem Sprechgesang unter die Leute, die das hören wollen. Zeitgleich, aber unabhängig gründet Koze mit einem Kumpel die Band Daily Opressors, wo sie auf englisch rappen, danach betreiben sie Space Funk auf deutsch.

Quasi im Vorbeigehen wird DJ Koze 1991 bei den deutschen DJ-Meisterschaften Zweiter. Da in ihrer Heimatstadt Flensburg nicht unbedingt viel geht, ziehen sie alle irgendwann in die Stadt der Herzen. In Hamburg gründen Sven und Koze 1993 Fischmob und nehmen erste Songs auf. Knapp ein Jahr später erscheint mit "Ey, Aller" die erste Single und rockt den Underground. Sie schieben mit dem legendären "Bonanzarad" eine weitere Single nach. In dem gewaltverherrlichenden Stück geht es um Amokfahrten auf klassischen Drahteseln durch bundesdeutsche Fußgängerzonen, eine heikle Thematik, an die sich vor Fischmob noch niemand heranwagt.

Im Mai 1995 erscheint dann endlich das Album "Männer Können Seine Gefühle Nicht Zeigen". Darauf findet sich feinfühlige Gesellschaftskritik ("Hasch und Rock"), beklemmende Songs über Hörgeschädigte ("Habt Ihr Schon Gehört?") und vertonte Familiendramen ("Vater Will Uns Sehen"). Schlichtweg: ein Klassiker der deutschen Vorabendunterhaltung. Diesen Ruhm nutzen auch Fettes Brot für ihr "Nordisch By Nature", sie laden Koze und Cosmic ein, auf dem Song mitzuwirken, der Hamburg auf die Landkarte der deutschen Countrymusik gesetzt hat. Und auch Die Ärzte versprechen sich Zulauf, als sie Fischmob zum Einheizen engagieren.

Das Fischmob jenseits aller musikalischer Grenzen stehen zeigen auch die Soloprojekte von Sven "Mikolajewicz" und Kozes "Adolf Noise". Beide gehen mehr in die elektronische Richtung. Nach unzähligen weiteren Maxis und EPs für abhängige Fans erscheint im April 1998 mit "Power" ein weiterer Strauß feinfühliger Melodeien für die bügelnde Hausfrau. Durch das Album führt niemand geringeres als Magnum.

"Power" mischt Elektro ("Haschisch Opis"), Rock ("F.R. David") und straighten Hip Hop ("Checkt den Flavor"). Schubladendenken erteilen sie eine kategorische Absage. Nicht umsonst heißt es bei den Exil-Flensburgern im Booklet zu "Power": "Denn die Mutter von alledem heißt Musik. Und Mutter hat immer Recht." Pflichtübung bei Fischmob: lustig-intelligente Texte, abgefahrene Skits ("Klippo") und dabei stets musikalisches Können. Über den Track "Johnny" sagen sie: "Wir haben sieben Tage gebraucht, damit der Song nicht so klingt, als hätten wir sieben Tage gebraucht."

Nach der dazugehörigen Tour Ende 1998 der Schock für die Handvoll Fans. Der Schreckliche Sven, visueller Höhepunkt der Band steigt aus. Dasselbe Ungemach wie bei Take That droht. Doch die Band wird ohne offizielles Ende auf Eis gelegt. DJ Koze und Cosmic DJ gründen mit Toursupport Erobique International Pony, wo sie ihren elektronischen Spinnereien freien Lauf lassen können. 2005 veröffentlicht auch Schlagwerker Stachy mal wieder ein Lebenszeichen. Unter dem Pseudonym Hofuku Soshi lässt er auf "Min Tek" mit großer Detailversessenheit seiner Liebe zu minimalistischem Elektro freien Lauf.

Alben

Hofuku Sochi - Min Tek: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2005 Min Tek

Kritik von Daniel Straub

Die wilden Fischmob-Tage sind nur noch ein fernes Echo ... (0 Kommentare)

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